konsolenkost.de

 
Wii U Deus Ex: Human Revolution - Director's Cut
 
 
Deus Ex: Human Revolution - Director's Cut - Wii U
Alexander Wöhler (30.11.2013)

SYSTEM: Wii U-PAL
ENTWICKLER: Eidos
GENRE: Action
SPIELER: 1 Spieler
HANDBUCH: Deutsch
SPEICHER: 32 MB
DOWNLOADS: Nein
SCHWIERIGKEIT: 4-9
CONTROLLER: Pad
SPRACHHÜRDE: Keine
ALTERSFREIGABE: USK18
5.1/DD/HD: Ja/Nein/1080p
TERMIN: Erhältlich
PREIS: ca.40 Euro)
KOMPLETTLÖSUNG: Nein
CHEATS / TIPPS: Nein
ONLINE GAMEPLAY: Nein
MIIVERSE: Ja

   
Einleitung....

Vor etwas mehr als zwei Jahren veröffentlichte der japanische Hersteller Square Enix mit "Deus Ex: Human Revolution" eine langerwartete Fortsetzung zur beliebten "Deus Ex"-Serie. Der Titel erhielt sowohl von den Kritikern wie auch von den Spielern überwiegend positive Resonanzen, gleichwohl offenbarten sich im Spielverlauf einige beachtliche Schwächen, die mitunter einen faden Beigeschmack hinterließen und den ansonsten guten Gesamteindruck (bedauerlicherweise) oft nach unten zogen. Entwickler Eidos Interactive hat sich diese Kritik scheinbar zu Herzen genommen und in den vergangenen Monaten eine Generalüberholung des kompletten Spiels veranlasst. Das Ergebnis dieser Überarbeitung kann nun in Form eines Director's Cut begutachtet werden - und im Gegensatz zur Erstveröffentlichung im Jahr 2011 kommen nun auch erstmals Nintendo-Fans in den Genuss dieses Spiels.

Menus und die Story....

Die Handlung von "Deus Ex: Human Revolution" spielt im Jahr 2027 in einem fiktiven Zukunftsszenario auf der Erde. Große Fortschritte in Kybernetik ermöglichen es inzwischen, menschliche Körperteile und Gliedmaßen gegen technisch verbesserte Äquivalente, sogenannte Augmentierungen, auszutauschen. Ihr übernehmt dabei die Rolle von Adam Jensen, dem Sicherheitschef eines der größten Biotech-Unternehmen auf dem Markt der Körpermodifikationen: Sarif Industries. Mitten in den Vorbereitungen auf eine wichtige Präsentation neuer und zukunftsweisender Forschungsergebnisse kommt es jedoch zu einem schweren Zwischenfall: Bewaffnete Söldner stürmen das Unternehmen, zerstören die Labore und töten die angestellten Wissenschaftler. Bei dem Versuch, diesen vermeintlichen Terror-Akt zu beenden, wird Jensen lebensgefährlich verletzt. Bereits mit einem Bein im Grab wird er von den verbliebenen Mitarbeitern aufgefunden und kurzerhand - gegen seinen Willen - mit diversen Augmentierungen ausgestattet, die ihm letztlich das Leben retten. Fortan seid ihr somit als hochaufgerüsteter Cyborg unterwegs und untersucht im Auftrag eures Vorgesetzten David Sarif, wie es zu diesem Anschlag kommen konnte - und natürlich auch, wer dafür die Verantwortung trägt.

Eure Suche bringt euch dabei nicht nur an verschiedene Ort und Städte wie etwa Detroit, Shanghai oder Montreal, sondern ihr werdet auch immer wieder mit einer weltweiten gesellschaftlichen Realität konfrontiert, die insbesondere von sozialen Spannungen zwischen Augmentierungsgegner und -befürwortern gekennzeichnet ist. Fragen danach, was einen Menschen eigentlich zu einem Menschen macht, welche Folgen sich aus grenzenlosen, technischen Körpermodifikationen ergeben und ob solche Veränderungen nicht wider der Natur sind, wo also das Mensch-Sein beginnt und wo es aufhört, werden im Spielverlauf immer wieder aufgeworfen und verleihen dem Titel somit eine überraschend tiefgründige moralisch-philosophische Ebene.

Das Gameplay....

"Deus Ex: Human Revolution" kann im weitesten Sinne als Action-/Stealth-Hybrid bezeichnet werden, der sowohl Shooter- und Action- wie auch Rollenspiel- und Stealth-Elemente auf originelle Weise in sich vereint. Das Spiel überlässt euch dabei weitestgehend selbst die Entscheidung, wie ihr eure Missionen angehen wollt: Schleichend und auf Tarnung bedacht wie Sam Fischer in seinen besten Tagen oder wie Rambo mit einem Raketenwerfer unter dem Arm, der alles und jeden über den Haufen schießt oder sprengt. Beides kann zu recht unterschiedlichen Spielerfahrungen führen: Wer die Stealth-Methode bevorzugt, wird vorwiegend mit nicht-tödlichen Waffen (u.a. Betäubungsgewehr oder Elektroschockpistole) unterwegs sein, nach alternativen Wegen etwa über Lüftungsschächte Ausschau halten, Computer und andere technische Geräte zwecks Informationsgewinnung oder Infiltration hacken und versuchen, an Gegner möglichst elegant und unentdeckt vorbeizukommen. Doch diese Spielweise wird euch keinesfalls aufgezwungen, denn dank zahlreicher Schuss- und Sprengwaffen ist es ebenso möglich, in bester Ego-Shooter-Manier durch die Level zu marschieren und den zahlreichen Feinden förmlich die Hölle heiß zu machen - wobei dieses Vorgehen gleichwohl etwas schwerer als die erstgenannte Variante ist.

Die größte Stärke des Spiels liegt eindeutig in seiner Non-Linearität. In der Regel führen viele Wege ans Ziel - und der offensichtlichste Weg ist tatsächlich nicht immer der leichteste. Es ist fast schon erstaunlich, wie viele Möglichkeiten einem geboten werden, um eine Mission erfolgreich abzuschließen. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Rollenspiel-Elementen wieder: Für jede abgeschlossene Handlung erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die euch ab einer bestimmten Anzahl einen sogenannten Praxis-Punkt einbringen. Praxis-Kits lassen sich außerdem in der Spielewelt finden oder an bestimmten Spielen käuflich erwerben. Mithilfe dieser Punkte können über das sogenannte Neural Hub auf eurem GamePad zahlreiche Verbesserungen für eure Augmentierungen freigeschaltet werden. Je nach Spielweise und eigenen Wünschen lassen sich somit unterschiedliche Skills und Skill-Richtungen ausbauen: Offensive Spielertypen werden vermutlich mehr Wert auf eine größere Gesundheit und eine bessere Körperpanzerung legen, während für defensive Spielertypen diverse Tarn- oder Hacking-Fähigkeiten bzw. -Erweiterungen zur Verfügung stehen. Es lohnt sich entsprechend, fleißig Erfahrungspunkte zu sammeln, wodurch auch die zahlreich vorhandenen, aber oft eher belanglosen Nebenmissionen im Spiel an Attraktivität gewinnen.

Jede eurer im Spiel getroffenen Entscheidungen hat übrigens dauerhafte Auswirkungen auf die soziale Umwelt, sodass ihr bei tödlicher Waffengewalt andere Reaktionen eurer virtuellen Mitmenschen erwarten müsst als bei Einsätzen ohne Tote. Interessant und beeindruckend sind in diesem Zusammenhang zudem die ausgiebigen Dialog-Sequenzen. Nicht selten werdet ihr in mehrere Minuten lange Gespräche verwickelt, die nicht nur dem Informationsaustausch dienen, sondern die auch - je nach Ausgang - das weitere Vorgehen vereinfachen oder erschweren können. Ein Beispiel: Relativ früh zu Beginn des Spiels werdet ihr aufgefordert, eine Leichenhalle in einem Polizeirevier aufzusuchen, um dort einen Datenchip aus einem Leichnam zu bergen. Beim Eintreffen stellt ihr jedoch fest, dass der Zutritt für Unbefugte - welch' Überraschung - untersagt ist. Doch einer der anwesenden Polizisten ist ein alter Bekannter von euch, also verwickelt ihr ihn in ein Gespräch. Dabei stehen euch stets mehrere Reaktions- und Antwortmöglichkeiten zur Verfügung, die sowohl besänftigend wie auch aggressiv sein können. Gelingt es euch, den Mann mit den richtigen Argumenten zu überzeugen, lässt er euch ohne weitere Schwierigkeiten durch. Scheitert ihr jedoch mit eurem Überzeugungsversuch, müsst ihr das Gebäude auf einem anderen Weg heimlich infiltrieren. Die erstgenannte Variante erscheint da zwar leichter, zieht wiederum Konsequenzen nach sich, wie ihr später erfahren werdet. Wie gesagt: Jede Entscheidung beeinflusst eure Umwelt. Und genau das ist eine der beeindruckendsten und authentischsten Aspekte an "Deus Ex: Human Revolution".

Da das eigentliche Spiel bereits mehr als zwei Jahre alt ist, stellt sich natürlich die Frage, was der Director's Cut nun Neues oder Anderes bietet als das Original. Zunächst sei an dieser Stelle erwähnt, dass die benannte Überarbeitung inhaltlich weitestgehend identisch mit der Erstveröffentlichung ist. Die Veränderungen betreffen im Wesentlichen einige Details des Spiels, erwartet als Kenner des Spiels entsprechend keine großartigen neuen Abschnitte oder Gebiete. Gleichwohl sei gesagt, dass zwei zusätzliche Kapitel, die seinerzeit als kostenpflichtiger Download-Content nachgereicht wurden, sich bereits auf der Disc befinden. Es sind im Grunde tatsächlich zwei Gesichtspunkte, an denen man gefeilt hat: Die KI der Gegner und die Bosskämpfe. Zunächst zu den Bossen: Waren diese in der 2011-Version noch verhältnismäßig schwer und für einige Spieler auch frustrierend, vor allem dann, wenn man seine Skills nicht im offensiven Bereich verteilt hatte, so lassen sich diese inzwischen deutlich leichter bekämpfen und sollten - auch dank neuer, alternativer Vorgehensweisen - kein ernsthaftes Problem darstellen. Auch die KI hat man insgesamt verbessert und so reagieren Gegner nun deutlich schneller und aggressiver auf Geräusche und Bewegungen eurerseits, all diese Verbesserungen schützen jedoch nicht vor vereinzelten Aussetzern und nach wie vor spürbaren Defiziten. Während des Tests ist es etwa nicht nur ein Mal vorgekommen, dass Feinde (nach wie vor) blindlings in Minen und Granaten laufen oder aber von uns betäubte und beraubte "Kollegen" nicht als Bedrohung auffassen. Auf der anderen Seite wirkt die KI mitunter übersensibel: Schickt man beispielsweise aus einiger Entfernung einen Feind per schallgedämpftem Präzisionsgewehr ins Jenseits, sind die restlichen KI-Söldner sofort in der Lage, aufgrund dessen eure Position zu orten und entsprechend zu kontern, was doch mächtig unrealistisch erscheint.

"Deus Ex: Human Revolution" ist außerdem einer der bislang wenigen Wii-U-Titel, der die Möglichkeiten des zweiten Bildschirms angemessen ausnutzt. Wie bereits geschrieben, dient das GamePad als euer Neural Hub, auf dem ihr die jeweilige Karte des Gebiets einsehen, das Inventar verwalten, Verbesserungen eurer Augmentierungen vornehmen und Informationen zu den aktuellen Missionen sowie in der Spielewelt eingesammelte Info-Dateien erneut aufrufen könnt. Vor allem die Karte erweist sich als große Hilfe, da diese sowohl Gegner-Positionen wie auch deren Blickrichtungen darstellt. Zudem wird das Hacker-Minispiel über das GamePad gesteuert, was über den Touchscreen deutlich besser funktioniert als mit den üblichen Analog-Sticks. Aufgesetzt und folglich unnötig wirkt dagegen die Zoom-Funktion bei Fernwaffen (u.a. Präzisions- oder Betäubungsgewehr), die ausschließlich auf dem Bildschirm des GamePads angezeigt, jedoch weiterhin über die Sticks des Controllers - und nicht etwa per Bewegung - gesteuert wird. Miiverse wird übrigens ebenso unterstützt, sodass ihr Screenshots, Zeichnungen und Notizen zum Spiel mit anderen Menschen teilen könnt. Das GamePad bringt unterm Strich tatsächlich einige - mitunter auch erstaunliche gute - Verbesserungen und interessante Features mit sich, ist somit aber auch fürs Spielen zwingend notwendig. Oder anders formuliert: Der Titel kann nur mit dem GamePad, nicht aber mit dem Pro Controller gespielt werden.

Grafik & Sound....

Was die technische Seite des Spiels betrifft, lassen sich sowohl Höhen wie auch Tiefen feststellen. Die Grafik ist im Großen und Ganzen solide und kann mit einigen beeindruckenden Lichteffekten aufwarten, die vor allem in den Außenbereichen der Spielewelt ihre volle Pracht entfalten. Gleichzeitig erscheinen einige Texturen recht altbackend und detailarm, Figuren wirken und verhalten sich zudem - und das nicht nur während der Dialogsequenzen - sehr steif und besitzen in aller Regel nur wenige Gesichtsanimationen, worunter die Authentizität und Glaubhaftigkeit stark leidet. Außerdem kommt es gelegentlich zu spürbaren Rucklern. Nicht häufig und auch nicht regelmäßig, aber oft unerwartet.

Dafür sticht der fulminante Soundtrack mit seinen imposanten, stimmungsvollen und stets passenden Melodien umso stärker hervor. Die bunte Mischung aus orchestraler Musik, Synthesizer-Sounds und Background-Chören fängt die düstere, manchmal melancholische, aber in jedem Fall zwiespältige Atmosphäre des Spiels hervorragend ein und stellt damit eine einzigartige akustische Beleitung dar, die man in dieser Form selten in Videospielen vorfindet. Auch die deutsche Sprachausgabe bzw. Vertonung kann insgesamt überzeugen, obwohl sie selten lippensynchron ist.

Fazit....

"Deus Ex: Human Revolution - Director's Cut" ist nicht perfekt, aber zweifellos besser als das Original aus dem Jahr 2011. Die gröbsten Schnitzer im Gameplay, allem voran die Bosskämpfe, wurden von den Entwicklern überarbeitet und das Spiel wurde durchdacht sowie klug an die Besonderheiten des Wii U GamePads angepasst. Einige Kritikpunkte bleiben zwar nach wie vor bestehen, so zum Beispiel die mitunter dümmliche KI der Gegner oder das unglaubwürdige, oft mechanisch wirkende Verhalten der Figuren, letztlich sollte man sich aber eines vor Augen halten: Eine bessere Version des Titels wird es wohl nicht mehr geben. Nintendo-Fans, welche das Spiel bislang noch gar nicht kannten, sollten ohnehin unverzüglich zugreifen, denn trotz einiger Schwächen und so manch' verschenktem Potenzial stellt "Deus Ex: Human Revolution" ein durch und durch mitreißendes dystopisches Abenteuer dar, das nicht nur Science-Fiction-Liebhabern wärmstens ans Herz gelegt sei.

 

+ dystopisches Zukunftsszenario
+ große spielerische Freiheiten
+ gelungene Story
+ Sehr gute GamePad Einbindung
+ Augmentierungsmöglichkeiten
+ überarbeitete Bosskämpfe
+ stimmungsvoller Soundtrack
- KI mit Schwächen
- Charaktere wirken sehr steif
- gelegentliches Ruckeln
- oft keine Lippensynchronität

GRAFIK: 80%

SOUND/EFFEKTE: 92%

MULTIPLAYER: --

GESAMTWERTUNG: 90%

Sämtliche Inhalte wie Bilder und Texte zu diesem Artikel sind geistiges Eigentum des Mag'64. Eine Benutzung oder anderweitige Verwendung darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Mag'64 erfolgen.

 
                   

Game-and-Fun.de