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Wii Mercury Meltdown Revolution
 
 
Mercury Meltdown Revolution - Wii
Kilian Pfeiffer (12.08.2007)

SYSTEM: Wii-PAL
PUBLISHER: Atari
GENRE: Geschicklichkeit
SPIELER: 1 Spieler
HANDBUCH: Deutsch
SAVEGAME: 1 Seite
60HZ-MODUS: Ja
SCHWIERIGKEIT: 2-9
NUNCHUK: Nein
SPRACHHÜRDE: Keine
ALTERSFREIGABE: 3+
PLII/HDTV: Nein/Ja
TERMIN: Erhältlich
PREIS: ca.50 Euro
KOMPLETTLÖSUNG: Nein
CHEATS / TIPPS:
ONLINE/LAN: Nein/Nein
MII UNTERSTÜTZUNG: Nein

   
Einleitung....

Könnt Ihr Euch noch an "Kororinpa" für die Wii aus dem Hause "Nintendo" erinnern? Eine Murmel in unzähligen Variationen, teils unförmig deformiert, teils in absonderlichen Zusammensetzungen, welche die Bewegungsmöglichkeiten oftmals deutlich einschränken konnten. Mit der Murmel das Ziel zu erreichen, war letztendlich das Ziel des Titels. Leider dauerte der Spaß keine Ewigkeit, ebenso bekam auf lange Sicht der Spielwitz einen leicht oberflächlichen Touch. Nichtsdestotrotz ist Nachschub erwünscht, "Ignition Entertainment" brachte über "Atari" den Wii-Titel "Mercury Meltdown Revolution" auf den Markt, der zwar ein ähnliches Spielprinzip wie das der Kugel anstrebt, jedoch handelt es sich bei dem zu steuernden Objekt um eine Quecksilberkugel - Samthandschuhe sind hier Pflicht, oder das Häufchen silber-glänzenden Materials zerfällt in viele Minikügelchen. Die daraus resultierenden Möglichkeiten innerhalb des Gameplays wussten die Mannen von "Ignition Entertainment" perfekt umzusetzen. Durch eine Vielzahl sinnvoller Elemente offenbart sich bei vorliegendem Titel ein Spiel der Extraklasse, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Anspruch und Motivation gehen hier Hand in Hand!

Menus und die Story....

"Mercury Meltdown Revolution" nutzt ähnlich wie "Kororinpa" die Wii-Fernbedienung als Steuerungseinheit, die ähnlich eines klassischen Controllers waagrecht zum Körper gehalten wird. Der Nunchuk wird hingegen nicht benötigt. Durch Neigungsbewegungen der Wii-Remote ändert Ihr die Ausrichtung der Spielfläche, auf welcher das Quecksilber sich seinen Weg bahnt. Fingerfertigkeit vorausgesetzt, bedarf es viel Feingefühl, das chemische Element auf den teils schmalen Passagen zu manövrieren. Wesentlich einfacher geht allerdings die Navigation im Hauptmenü ("Einzelspieler", "Replay laden", "Optionen", Partyspiele, "Extras") vonstatten.

Erfolgreiche, spektakuläre Spielabschnitte könnt Ihr Euch jederzeit im Speicher der Wii verewigen, innerhalb der Extras findet Ihr ein einleitendes "Tutorial" ebenso, wie einen "Spielplatz", auf welchem Ihr diverse Levelstrukturen immer wieder auf's Neues austesten könnt. Zusätzlich erwarten Euch fünf Minispiele, die Ihr im Laufe der Zeit im Hauptmenü durch Spielerfolge aktiviert. Doch mehr dazu im folgenden Testteil!

Eine klassische Story liegt dem Titel nicht zugrunde, vielmehr beschränkte man sich darauf, dass man als Spieler zu Beginn acht Laboratorien durchstreifen muss - je 16 Levels erwarten Euch hier, wobei eine 17te Stage durch Fortschritte im Spiel frei geschaltet wird. Das Astronomielabor ist der Ausgangspunkt des quecksilbrigen Spielvergnügens, hier lernt Ihr anhand einfacher Levelaufbauten das Spielprinzip kennen, in späteren Laboratorien geht es wesentlich härter zur Sache, auch die "Game over"-Rate ist dort um ein Vielfaches höher. Über das Biologielabor bewegt man sich weiter in den Kryo-Bereich, erlebt einen vorläufigen Höhepunkt im Hochspannungslabor, bevor man künstlerische Meisterleistungen an Levelgestaltung im Geologieabschnitt durchlebt. Atomlabor, Aeroumgebung, sowie Unterwasserlaboratorium erwarten Euch im weitern Verlauf. Eins solltet Ihr Euch sagen lassen: Der Spielumfang und die fesselnde Dichte des Titels werden das Stück Software mit großer Wahrscheinlichkeit an die Spitze Eurer derzeitigen Spielcharts hieven, da die ausgeklügelte Balance des Titels, kombiniert mit anspruchsvoller Levelarchitektur, ein mitreißendes und äußerst fesselndes Erlebnis darbietet.

Das Gameplay....

Anfangs waren wir skeptisch ob des Einsatzes einer Quecksilberkugel. Bereits nach wenigen Minuten war diese Skepsis aber einer besonderen Begeisterung gewichen, denn der Titel versteht es, sich kontinuierlich aufzubauen. Mit jedem zusätzlichen Level steigt der Anspruch, neue Spielelemente werden behutsam in den Aufbau der überschaubaren Welten integriert. Im Levelausgangsbildschirm symbolisieren Reagenzgläser die einzelnen Stages eines Laboratoriums. Ebenso erkennt Ihr Eure Erfolge, die im jeweiligen Level erzielt wurden. Sobald Ihr eine Stufe gespielt und beendet habt, ändert sich das zugehörige Reagenzglas hinsichtlich seines Äußeren. Abhängig von der Größe Eurer Quecksilberkugel, die es letztendlich auch in das Ziel geschafft hat, füllt sich das Gläschen mit dem chemischen Element. Gelingt es Euch die Kugel vollkommen unbeschadet in das Zielfeld zu leiten, ist das Glas vollständig gefüllt und wird mit einem Pfropfen versehen. Zusätzlich werdet Ihr durch eine Markierung am Glas belohnt, sobald Ihr die höchste Punktzahl in der Highscore-Liste des jeweiligen Levels erreicht habt, ebenso erwartet Euch eine "Motivationsspritze" beim Einsammeln aller Bonusobjekte. Gelingt es gar, einen Level perfekt abzuschließen, färbt sich der Korken goldfarben und das Ziel eines vollkommenen Durchgangs ist somit erreicht.

Allein hier merkt man, wie viel Herzblut in das Spiel investiert wurde, da der Motivationsfaktor durch die Vielzahl an zu erreichenden Stationen innerhalb einer Stufe enorm gesteigert und insbesondere der Langzeitspaß deutlich ausgeweitet wird. Immer wieder seid Ihr zu einem erneuten Versuch motiviert, besser geht es allemal - solange, bis ein Goldkorken das Signal gibt, dass ein Level perfekt abgeschlossen wurde. Anhand eines Fortschrittbalkens erkennt Ihr, wann der Zutritt zu einem neuen Labor möglich ist - durch hohe Highscores füllt sich dieser wesentlich zügiger, jedoch werdet Ihr immer wieder auf Welten stoßen, die derartig finessenreich gestaltet wurden, so dass Ihr nur durch langwieriges Training einen erfolgreichen Lauf mit fettem Punkteregen auf's Parkett legen könnt.

Die Spielumgebungen verdienen ein klares Lob für die Entwickler, die sich hier in Sachen Einfallsreichtum immer wieder selbst übertreffen. Dass eine Quecksilberkugel teilbar ist, sollte den meisten von Euch bekannt sein. Anfangs in quecksilbriger Farbe unterwegs, gilt es, den durch eine Fahne markierten Ausgangsbereich zu erreichen. Zu einem späteren Zeitpunkt fordert das Programm von Euch, dass Eure Quecksilberkugel in einer Farbschleuse verschiedenartig eingefärbt wird - eine blaue Zielmarkierung verlangt nun mal nach einer blauen Masse ;-) . Ebenso können gewisse Schalter nur durch eine gleichfarbige Kugel aktiviert werden. Aber dabei bleibt es noch lange nicht! Und hier komme ich erneut auf die Teilbarkeit von Quecksilber zu sprechen: An scharfen Kanten oder bei steilen Flächen kommt es des Öfteren vor, dass sich Eure Kugel ungewollt aufteilt und nun kaum mehr zu bändigen ist. In diesem Stadium könnt Ihr beispielsweise einen Teil des giftigen Elements blau einfärben, den anderen rot. Schön und gut… Durch ein im Spiel dargestelltes Farbdiagramm wisst Ihr über Farbmischungen bescheid und seht, dass rote Farbe kombiniert mit blauer Kolorierung ein lilafarbenes Etwas ergibt. Ergo bedeutet dies, dass die zwei Kügelchen miteinander verschmolzen werden müssen, um die neue Mischung zu erhalten. Immerhin lassen sich somit aber weitere Abschnitte einer Welt erreichen - Kombinationsgabe ist also gefordert!

Da dies aber bei Weitem noch nicht alles war, sollten wir einen Blick auf die Ausstattungsmerkmale der Spielumgebungen werfen. Auch hier bewiesen die Entwickler ein glückliches Händchen und bescheren dem Spieler ein Weihnachtsfest an intelligent designter Levelausstattung mitten in den Sommermonaten! Sich bewegende Plattformen, die Eure Kugel von "A" nach "B" befördern, Schaukelbrücken, die nur unter einem bestimmten Gewicht der Kugel nachgeben, Teleporter-Felder, die Euch an zuvor unerreichbare Plätze warpen oder Gravitationstüren, welche lediglich durch das Kippen des Spielbrettes geöffnet werden können, stoßen auf Begeisterung ob der Vielzahl an witzigen und überzeugenden Einfällen. Gravitationssauger katapultieren den Quecksilberklumpen hoch empor, dennoch müsst Ihr die Kugel zielsicher auf einer Plattform landen, anderenfalls droht Euch das "Aus". Obwohl jeder Level beliebig oft wiederholt werden darf, solltet Ihr darauf achten, die Kugel beisammen zu halten. Auf schmalen Simsen wirkt schon einmal die Schwerkraft auf die Kugel ein, Resultat ist, dass ein Teil des glänzenden Objekts in die Tiefe stürzt und somit nicht mehr das vollständige Ausgangsprodukt in's Ziel befördert werden kann.

Auch Widersacher finden sich innerhalb der wunderbar gestalteten Spielwelten. So genannte Mercoiden fressen Teile des Quecksilbers weg, Schizoiden explodieren in Eurer Nähe und verteilen den runden, hirnlosen Protagonisten in seine elementaren Bestandteile quer über das Spielfeld. Jerkoiden hingegen verschießen fiese Blitze und minimieren den Gesamtbestand des wichtigen Elements, Spectroiden lieben indessen nur das Element einer gewissen Farbe. Aber nicht nur lebendige Gefahren lauern in den verwinkelten, teils mehrstöckigen Levelaufbauten, die oftmals durch klebrige Transportbänder versehen wurden (selbst entgegen der Schwerkraft!). Dampframmen versuchen die Blase zu zerstampfen, Guillotinen können sie hinterrücks und ohne Gegenwehr zweiteilen. Schwungvolle Pendel sorgen für freie Ebenen - also Vorsicht! Genial und einfach ungemein durchdacht ist der Schmierwürfel (ebenso in "guter" Ausführung: Stan!), ein sechsseitiges Objekt, das sich selbstständig geradewegs durch den Level bewegt. Stößt es auf ein Hindernis, wendet es um 90° und versucht dort weiterzurollen. Furchtsamerweise hinterlässt das giftig grüne Objekt eine ätzende, todbringende Spur, die sich nach einiger Zeit wieder auflöst. Dennoch können gewisse Schalter nur durch den Würfel aktiviert werden, daher ist es Eure Aufgabe, diesen durch Türen und schmale Passagen hindurchzulotsen und auf den vorgesehenen Platz zu dirigieren. Immer den widerlichen Schmierstreifen im Blickwinkel, der schneller zum virtuellen "Game over" führt, als Euch recht sein dürfte. Dass das noch längst nicht alles war, sollte bei dieser innovativen Kugelei klar wie Kloßbrühe sein. Weitere, augenfällige Innovationen und ungemein harmonische Rätselkombinationen wissen selbst nach vielen Stunden zu überzeugen. Durch die gelungen Levelübersicht samt der manuell einstellbaren Kameraperspektive seid Ihr zu jeder Zeit bestens im Bilde.

Auch die "Partyspiele", die als Zusatz zum eigentlichen Spielgeschehen dienen, sorgen für Laune und ein paar vergnügliche Stunden. Leider haben es die Entwickler nicht geschafft einen Mehrspieler-Modus in das Spiel zu integrieren, dennoch könnt Ihr gegeneinander nach dem ultimativen Highscore streben. Beim "Rodeo" befindet sich die Kugel auf einem Spielfeld, das durch einen Ventilator in einen luftigen Zustand versetzt wurde. Euer Ziel ist es, solange als möglich hier zu verharren. Pick-Ups dienen dazu, das Luftgebläse kurzfristig zu verlangsamen. Im "Farben"-Spiel gilt es eine möglichst große Spielfläche einzufärben und innerhalb des Zeitlimits den Widersacher dank Itemeinsatz auszubooten. Auch das "Rennen", das kurzfristig an "F-Zero" erinnert, ist eine witzige Einrichtung im Spiel, die mit der Wii-Fernbedienung einen präzisen Steuerungsmechanismus aufweisen kann. Eine Art Zielschießen ("Schubs") und die Puzzle-Herausforderung "Metrix" komplettieren das Fünferpaket an spaßigen Minigames.

Grafik & Sound....

"Cel-Shading" ist nicht jedermanns Sache, dennoch hat der Grafikstil von "Mercury Meltdown Revolution" starke Anleihen, die allerdings in perfekter Art und Weise auf den Bildschirm gezaubert werden. Allein die farbenfrohen, geschickt miteinander kombinierten Umgebungsteile sorgen für ein tolles Gesamtbild, der matte Glanz der Kugel überzeugt in optischer Weise. Selbst die Bewegungsphysik der Kugel orientiert sich an der Realität - sie wirkt real und reagiert bereits bei einem niedrigen Neigungswinkel.

Technolastige Sounds untermalen den adrenalingestützten Spielfluss und pushen den Spieler zum Maximum seiner Konzentration. Zwar trifft die Musikunterstützung mit Sicherheit nicht jeden Geschmack, allerdings wird der Nerv an der richtigen Stelle getroffen, so dass man sich immer wieder gerne den pochenden Rhythmen des Spieles unterwirft.

Fazit....

"Mercury Meltdown Revolution" ist ein Titel, der in der allgemeinen Fachpresse gar nicht so schlecht abgeschnitten hat, dem dennoch einiges an - tatsächlich vorhandenem - Potenzial abgesprochen wird. Um einen Einblick in die spielerische Tiefgründigkeit des Titels zu erhalten, muss man die Zähne zusammenbeißen und üben, üben, üben… Zwar ist der Schwierigkeitsgrad hoch angesetzt, dennoch entfaltet sich die Komplexität und die daraus resultierende Genialität erst nach einigen Spielstunden komplett. Dank freischaltbarer Quecksilberkugeln und üppigen Highscore-Jagden werdet Ihr wochenlang zu tun haben, um den Titel auch nur ansatzweise komplettieren zu können. "Atari" hat hiermit wirklich ein heißes Eisen im Feuer, das angesichts einer Vielzahl intelligenter Levels beinahe jeden Spieler zu überzeugen weiß. Nur die Chance müsst Ihr dem Titel einräumen. Bereuen werdet Ihr es mit Sicherheit aber nicht!

 

+ viele, fordernde Spielwelten
+ reale Kugelphysik (Varianten)
+ innovative Levelgestaltung
+ fünf gelungene Minispiele
+ Jagd nach Highscores
+ bunter Zeichentrickstil
+ einfache Bedienbarkeit
- Einsteiger haben zu knabbern
- Sound nicht jedermanns Sache
- kein Mehrspieler-Modus

GRAFIK: 74%

SOUND/EFFEKTE: 75%

MULTIPLAYER: --

GESAMTWERTUNG: 86%

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