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Wii Geheimakte Tunguska
 
 
Geheimakte Tunguska - Wii
Kilian Pfeiffer (16.05.2008)

SYSTEM: Wii-PAL
PUBLISHER: Koch Media
GENRE: Adventure
SPIELER: 1(2) Spieler
HANDBUCH: Deutsch
SAVEGAME: 3 Seiten
60HZ-MODUS: Ja
SCHWIERIGKEIT: 1-6
NUNCHUK: Ja
SPRACHHÜRDE: Keine
ALTERSFREIGABE: 12+
PLII/HDTV: Nein/Ja
TERMIN: Erhältlich
PREIS: ca.45 Euro
KOMPLETTLÖSUNG: Nein
CHEATS / TIPPS: Nein
ONLINE/LAN: Nein/Nein
MII UNTERSTÜTZUNG: Nein

   
Einleitung....

Es scheint eine Ewigkeit her zu sein, dass man als Nintendorianer ein waschechtes Point-and-Click-Adventure auf einer Heimkonsole zocken konnte. Lange dürstete die Wii-Gemeinschaft nach einem klassischen Spiel aus besagtem Genre. PC-Spieler haben den Konsoleros hier einiges voraus: Zum einen wird deren Plattform mit unzähligen Umsetzungen im Stile der „King’s Quest"-Serie versorgt, zum anderen sind die veröffentlichten Titel sogar noch größtenteils äußerst gelungen. „Geheimakte Tunguska" war eine jener Veröffentlichungen, die einschlug wie eine Bombe und unzählige Topwertungen absahnen konnte. Dass dies bereits im Jahr 2006 war, könnte den Verdacht nähren, dass die Wii-Umsetzung des Titels eine lieblose Portierung sei. Ist sie aber nicht: Vielmehr handelt es sich bei „Geheimakte Tunguska" um einen der spannendsten, grafisch bombastischsten, durchdachtesten und spielenswertesten Titel für die Wii überhaupt. Das Point-and-Click-Adventure ist zurück und Ihr solltet Euch schleunigst gen Spielehändler aufmachen. Die Geheimakte will gelüftet werden!

Menus und die Story....

Es gibt Titel, die legt man in seine Konsole und erahnt spätestens im Hauptmenü, dass es sich hierbei um eine Erfahrung handeln wird, die man nicht mehr missen möchte. Bei vorliegender Software ist genau jener Fall eingetreten. Wir haben den Titel eingelegt und waren an einem intensiv „verspielten" Wochenende nach 15 Echtzeitstunden durch. 15 Stunden, die im Jahr 2008 zu den persönlich schönsten hinsichtlich der spielerischen Erfahrungen gehören dürften. Bereits die ungemein packende und bis zuletzt geheimnisumwobene Story um die mittelsibirische Tunguska-Region weiß zu begeistern.

Eine gewaltige, monströse Explosion erschütterte im Jahr 1908 nicht nur die Bewohner besagter Region, sondern auch die damalige Wissenschaft, die sich im Folgenden den Vorfall nicht erklären konnte und seitdem nur im Verborgenen über die damaligen Vorkommnisse hinter vorgehaltener Hand und in konspirativer Runde beriet. Wladimir Kalenkow, Leiter eines Berliner Naturkundemuseums, hat wohl zu viel Herzblut in die Aufklärung jenes mysteriösen Vorfalls investiert, nicht anders ist es zu erklären, dass er kurz vor dem Besuch seiner Tochter Nina spurlos verschwindet. Männer in schwarzen Roben, der russische Geheimdienst – wer steckt hinter der Tat und was verbirgt sich hinter der Tunguska-Akte? Als Protagonistin übernehmt Ihr die Rolle der wagemutigen, 25-jährigen Naturschönheit, testet Eure Kombinationsgabe in vielfältiger Rätselhinsicht und entdeckt weit abgelegene, wunderschöne Naturschauplätze fernab jeglicher Berliner „Großstadtidylle". Die Akte ist also geöffnet, man wartet nur noch darauf, dass sie gespielt wird….

Das Gameplay....

Mit einem Point-and-Click-Adventure verbindet man als Spieler Serien wie die Piratenabenteuer auf „Monkey Island". Guybrush Threepwood war der Protagonisten-Inbegriff des klassischen Rätsel-Adventures, die Verkörperung eines Genres, das weit mehr Fans hat, als man annimmt. Bislang mangelte es an der geeigneten Software, um auf Nintendo-Konsolen dem Rausch der Rätselei nachzugehen. „Keen Games" sei Dank, dürfen wir uns nun seit Ende April 2008 durch die Landschaften knobeln – immer auf der Suche nach der Wahrheit. Solange Nina nichts über ihren Vater erfährt, wird sie nicht ruhen…

Entgegen der landläufigen Annahme, Spiele, die bereits auf dem Markt sind, seien meist als Portierung von schlechterer Qualität, haben wir es beim „Koch Media"-Produkt mit einer – vorsichtig ausgedrückt – beinahe perfekten Umsetzung für die Wii zu tun. Steuerungstechnisch ist der Umgang mit dem Controller-Duo hervorragend gelungen. Gesteuert wird Nina – und später im Spiel ihr Freund Max – mit dem Nunchuk, als Maus-Ersatz dient die Pointer-Funktion der Wii-Fernbedienung. Mit der virtuellen Hand fahrt Ihr über den Bildschirm, erkundet zu Beginn das Büro Eures Vaters. Objekte mit welchen Ihr interagieren könnt, erscheinen in erhellter Darstellung. Alternativ reicht ein Druck auf den „1"-Knopf, um alle für Euch relevanten Objekte im Raum sichtbar zu machen. So erkennt Ihr beispielsweise wenn ein Projektor als späteres Vorführgerät bedeutsam ist (doch dafür benötigt Ihr erst einmal ein Stück Glas, welches das Licht an die Wand projiziert; aber Achtung: erst einmal die Fenster putzen, denn sonst kein Licht und keine Filmvorführung! ;-) ), aber auch ein Aquarium oder ein Kleiderschrank wird bei Berührung mit der virtuellen Hand hervorgehoben. Dank der hervorragenden Knopfbelegung funktioniert die gesamte Steuerung äußerst präzise und butterweich: Nina versucht sich an einem Münzpuzzle, später dann an einem Leuchtpunkt-Spielchen, kleidet sich in russische Offiziersuniform, um den Zutritt zu einem höchstgeheimen Eisenbahnexpress zu erhalten, um später fernab aller Zivilisationen Eisenmuttern per Generator zu magnetisieren, um kurz darauf einen Kompass unter Inanspruchnahme einer komplizierten Zahlenkombination auszurichten.

Größtenteils sind die Rätsel im Spiel machbar, wobei Ihr durchaus des Öfteren das Gehirnstübchen anwerfen müsst. Ab und zu wirken Rätsel an den Haaren herbeigezogen (zum Beispiel: Ein Foto wird per Kochutensil „aufgespießt", um schließlich als Türstopper seine Dienste zu erweisen), wobei sich diese Fälle auf ein Minimum beschränken. Genial hingegen: Bei einem alten Bekannten von Ninas Vater bestückt Ihr dessen Hauskatze mit Eurem Handy. Füttert das süße Ding mit einem Stück Pizza, salzt dieses kräftig und wartet darauf, dass der Vierbeiner ins Haus läuft. Dort sorgt die automatische Aufnahmefunktion des Telefons dafür, dass ein Telefonat des alten Bekannten aufgezeichnet wird. Ungefähr ab der Hälfte des Spieles ist es situationsabhängig möglich auf Max zuzugreifen. Nina wurde festgenommen, doch der stete Wechsel der zwei Charaktere bildet ein ungemein harmonisches Team. Durch eine Regenrinne tauscht Ihr im Folgenden diverse Inventargegenstände aus. Genial finden wir dieses Feature, allerdings wurde es insgesamt zu wenig genutzt, was der Spielgenialität aber in keiner Weise einen Abbruch tut. Denn die packende Atmosphäre der fair-gestalteten Wii-Umsetzung ist schlichtweg der Hammer. Beinahe jedes Detail scheint stimmig, die Umgebungen sind derart detailliert und sympathisch gestaltet, auch die Gespräche mit diversen CPU-Dialogpartnern gefallen und bieten spielerischen Anspruch dank hoher Rätsellastigkeit. Unzählige Gegenstände wollen miteinander kombiniert werden. Ein Beispiel gefällig? Ein wenig Ketchup, einen Teil Trinkwasser, ein Schuss Wodka und eine gepresste Pflanze – fertig ist das Wundermittel, welches einen armen Einsiedler zu neuer Lebenskraft verhilft.

Wegen der internen Hilfe in Form der dargestellten Lupen, die wiederum alle relevanten Stellen im Spiel darstellen, kommen selbst Anfänger auf ihre Kosten – steckt man wirklich einmal fest, wartet ein Tagebuch auf Euch als fleißigen Leser. Dort werden all diejenigen Aufzeichnungen gelistet, die wesentlich für das Vorankommen im Spiel sind. Weiterhin gibt es zu „Geheimakte Tunguska" einen offiziellen Spieleberater, den wir Euch separat in einem eigenen Text vorstellen werden. Einen Mehrspieler-Modus, von welchem innerhalb der Anleitung die Rede ist, konnten wir nicht feststellen, vielleicht meinten die Mannen von „Deep Silver", dass man sich während der Nina/Max-Situationen abwechseln sollte, was in unseren Augen aber keinen Spaß bereitet. Der Titel ist klar auf Solospieler ausgelegt!

Grafik & Sound....

Beinahe perfekt wirkte das Geschehen auf uns während des Testzeitraums. Derartig detaillierte Landschaften, Innenräume und verwunschene Plätzchen, die als Schauplätze verwendet wurden, habt Ihr schon seit langem nicht mehr gesehen. Liebevoll ist die Architektur der Umgebungen, die weltweit angesiedelt sind, allemal. Fantastische Animationen auf Seiten der Charaktere und feinste Rendersequenzen runden das vollmundige Bild der wunderhübschen Präsentation ab. „Geheimakte Tunguska" gehört mithin zu den grafisch imposantesten Erscheinungen für die Wii überhaupt.

Was man als Atmosphärefaktor nicht unterschätzen sollte, ist eine Sprachausgabe. In unserem Fall ist der gesamte Titel (!) mit feinster deutscher Sprache unterlegt, jede Anmerkung, jeder Dialog, jeder Gedankengang sind in wunderbare, grammatikalisch korrekte Sätze gefasst. Einfach einmalig! Gewöhnlich ist man eine perfektionierte Synchronisation nur von ausländischen Titeln gewohnt, dieses Mal zeichnet aber ein komplett deutschsprachiges Team verantwortlich. Professionell und fantastisch in der Ausführung! Auch die von Zeit zu Zeit eingestreuten musikalischen Einlagen sind ein Ohrenschmaus, von den Effekten ganz zu schweigen.

Fazit....

„Geheimakte Tunguska" ist eine spielerische Erfüllung, eine Offenbarung für alle Adventure-Freunde, die seit Jahren auf die optimale Konsole gewartet haben, die dafür prädestiniert scheint. Die Wii stellt alle technischen Voraussetzungen bereit und schafft somit die perfekten Rahmenbedingungen für ein Abenteuer, das nicht nur inhaltlich, sondern auch umfangmäßig und technisch neue (Wii-)Maßstäbe setzt. Spannend, faszinieren, emotional! Eine spielerische Erfahrung der Superlative! Die Rätseldichte ist enorm, die Identifikationsmöglichkeiten mit der Hauptdarstellerin vollends gegeben. Der größte Kritikpunkt am Spiel: Dass es irgendwann vorbei ist. Also auf in den nächsten Laden, um zuzuschlagen!

 

+ fesselnde Story
+ dichte Atmosphäre
+ hohe Rätseldichte
+ sympathische Charaktere
+ vorbildliche Spielzeit
+ fantastische Technik
- Eigentlich nichts

GRAFIK: 88%

SOUND/EFFEKTE: 86%

MULTIPLAYER: --

GESAMTWERTUNG: 90%

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