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Wii Cruisn
 
 
Cruis'n - Wii
Kilian Pfeiffer (10.06.2008)

SYSTEM: Wii-PAL
ENTWICKLER: Midway
GENRE: Rennspiel
SPIELER: 1-2 Spieler
HANDBUCH: Deutsch
SAVEGAME: 1 Seite
60HZ-MODUS: Ja
SCHWIERIGKEIT: 1-6
NUNCHUK: Nein
SPRACHHÜRDE: Keine
ALTERSFREIGABE: 3+
PLII/HDTV: Nein/Ja
TERMIN: Erhältlich
PREIS: ca.30 Euro
KOMPLETTLÖSUNG: Nein
CHEATS / TIPPS: Nein
ONLINE/LAN: Nein/Nein
MII UNTERSTÜTZUNG: Nein

   
Einleitung....

Dass die Möglichkeiten der Wii immens sind, will dem japanischen Mutterkonzern wohl niemand mehr absprechen. Dank der integrierten Technik lassen sich Spielkonzepte verwirklichen, die bislang unmöglich erschienen. Allerdings hat die Sache eine Krux: Spätestens dann, wenn Entwickler versuchen, innovative Aspekte in einen Titel hineinzuzwingen, hört der Spaß auf. So gesehen bei „Cruis’n" für die Wii. Besagtes Spiel kann bereits einige Serienteile vorweisen, hat also eine durchaus respektable Vergangenheit zu verzeichnen – auch wenn die einzelnen Serienteile nicht immer dem Gelben vom Ei entsprachen. Auf der „Wii" nimmt die Serie allerdings ihren bisherigen Tiefpunkt ein, besser gesagt, fährt diesen in gekonnt unfähiger Weise ins Ziel. Mit dafür verantwortlich: Die Steuerung, die partout die Technik der Wii nutzen will.

Menus und die Story....

„Cruis’n" gehört zu denjenigen Titeln, die sich in der Abteilung „Arcadiger geht’s nicht!" verorten lassen. Denn mit realistischen Pistenduellen hat der „Midway"-Titel nicht viel gemein, im Gegenteil. Abseits aller Realität brettert Ihr über zwölf Pisten, huldigt den Entwicklern dank des nicht erwähnenswerten Umfangs und wundert Euch, dass der Titel dergestalt in die Händlerregale gestellt wurde. Denn spätestens bei der Qualitätssicherung hätte man feststellen müssen, dass eine klassische Steuerungsweise wesentlich mehr gebracht hätte, als zwanghaft das eigene Fahrzeug mit der Wii-Remote zu manövrieren. Sei’s drum! Im Test widmen wir uns den Schwächen und Stärken im Detail.

Ganz ohne Story kommt der Titel aus – für was braucht man diese schon, wenn die PS-Boliden die Hauptrolle spielen und „The Fast and the Furious"-like durch enge Häuserschluchten rasen? Am eigenen Leib will man den Rausch der Geschwindigkeit spüren, will man wissen, wie es sich anfühlt mit brachialem Tempo in die Kurve zu gehen, um schließlich über eine Klippe springend als Erster im Ziel zu landen. Zwar gibt Euch Cruis’n hier ansatzweise die Möglichkeit des besagten Gefühls, dennoch werdet Ihr wohl nicht komplett zufrieden zu stellen sein. Einige Macken und programmiertechnische Unsauberheiten wissen dies geschickt zu vermeiden. Immerhin warten als Modi eine „Meisterschaft" sowie ein „Arcade"-Modus darauf entdeckt zu werden.

Das Gameplay....

Wie zuvor bereits erwähnt, ist die Lenkung der eigenen, lizenzierten Karre das Zünglein an der Waage. Die Wii-Remote wird in horizontaler Weise gehalten, über die „2" gebt Ihr Gas, auf der „1" wird gebremst. Selbst ein Turbo ist erlaubt, allerdings macht dieser oftmals wenig Sinn, da zum einen viele Strecken kurvenreich gestaltet wurden, zum anderen kaum Vorsprung dabei herauszufahren ist. Auch wenn es nicht nötig erscheint, darf die Kameraperspektive verändert werden: Entweder braust Ihr in der sogenannten Third-Person-Perspektive über den Highway oder zoomt mitten in die Stoßstange des PS-Boliden hinein. In letzterem Fall wird das Geschwindigkeitsgefühl am besten vermittelt, allerdings reißt jene Kameraeinstellung den fehlerbehafteten Titel nicht mehr heraus. Je nachdem ob Ihr Euch für eine manuelle oder eine automatische Schaltung entscheidet, kontrolliert Ihr das Getriebe über das Steuerkreuz (oben/unten). Jedoch können wir davon nur abraten, da bereits die Navigation des Autos alle erdenkliche Konzentration erfordert und Ihr Euch nicht zusätzlich auf das Schalten konzentrieren solltet. Gelenkt wird nämlich durch die Neigung der Wii-Fernbedienung – abhängig vom jeweiligen Winkel schlägt Euer Bolide mehr oder weniger ein. Ziemlich unpräzise ist das, was oftmals zu ungenauen Scharmützeln führt. Oftmals ist allein das Ausweichen bei Gegenverkehr nicht mehr möglich und Ihr brettert mit Karacho in ein entgegenkommendes Fahrzeug. Weshalb man sich für solch ein schwerfälliges Steuerungsmodell entschieden hat, ist kaum verständlich, denn mithilfe des Nunchuks hätte man sein Fahrzeug wesentlich feinfühliger über die Strecken gelenkt. So tut Ihr Euch schwer – speziell im Hinblick auf die später recht verwinkelten Pisten – ohne Bandenberührung und mehrfache Crashs heil ins Ziel zu kommen. „Cruis’n" fährt den Karren sprichwörtlich selbst gegen die Wand – aus eigenem Verschulden, weil sich die Entwickler darauf einlassen wollten, die Steuerungsraffinessen, die beispielsweise bei „Excite Truck" toll funktionierten, nachzuahmen. Leider funktioniert das hehre Ziel nicht sonderlich, was allein der dürftigen Präzision und der fehlenden Alternativen zuzuschreiben ist.

Ist der „Arcade"-Modus vor allem ein reines Rasen gegen die Zeit und Einheimsen von Moneten, so fordert die „Meisterschaft" ein wenig mehr Geschick. Um auf den zwölf Strecken vorwärts zu kommen, müsst Ihr immer unter die ersten Drei kommen, was zum einen eine weitere Piste freischaltet, zum anderen für Preisgelder – je nach Rang – sorgt. In „Cruis’n" geht es durch China Town, über den Times Square, Ihr bereist New England, macht einen Abstecher nach Malibu, um schließlich in Hollywood all das zu sehen, was man gewöhnlich nie zu Gesicht bekommt. Mit einem prall gefüllten Konto kauft Ihr Euch nach und nach frisches Racing-Futter, wobei die Rennwagen alle lizenziert sind: Ob Nissan 350Z, Pontiac Firebird, Toyota Celica GT-S oder Nissan Skyline – größtenteils japanische Boliden tauchen im Flitzer-Repertoire auf, die sich innerhalb ihrer fahrerischen Gegebenheiten unterscheiden. In abgespeckter Weise dürft Ihr den persönlichen Schlitten auch tunen – eine frische Autofarbe gefällig? Kein Problem! Was ziemlich mickrig und im Vergleich zur Software-Konkurrenz beinahe schon lächerlich erscheint, sind die technischen Aufmotz-Möglichkeiten. An der Aerodynamik lässt sich ebenso feilen wie an der Endgeschwindigkeit. Bodenhaftung oder Lachgaseinspritzung? Ebenfalls kein Problem! Dennoch erscheinen all diese zusätzlichen Modifikationen als aufgesetzt wirkender Inhalt. Vergleichbar mit dem Flugzeitbonus: Je häufiger und je länger Ihr durch die Luft segelt, desto mehr Zeit wird nach Ankunft im Ziel von der Endzeit subtrahiert. Die Auswirkungen sind häufig nicht mal der Rede wert.

Grafik & Sound....

Freut Ihr Euch bereits auf ein ausgeklügeltes Schadensmodell, spektakuläre Unfälle und realistisch wirkende Straßenzüge? Dann solltet Ihr von vorliegendem Produkt besser die Finger lassen! Denn „Cruis’n" bietet Euch all das nicht! Weder dauerhafte Schäden, noch aufsehenerregende Zusammenstöße – der eigene Bolide sieht jederzeit wie aus dem Ei gepellt aus. Überhaupt erinnert die Grafik an vergangene Tage. Blasse, schwammige Texturen à la Nintendo 64, unrealistisch herumfliegende Streckenbebauungen sowie billigst in das Spiel kopierte, fahnenschwenkende Mädels, die knapp bekleidet Aufsehen erregen wollen. Bis auf einige Lichtreflexionen innerhalb der Nachtrennen, ist optisch nichts der Rede wert.

Der Sound ist größtenteils treibend und beinhaltet technolastige Beats, die für Dampf unter der Haube sorgen. Wobei uns das Mischmasch an Einlagen nicht immer zusagte. Wenig inspirierend sind hingegen die lustlos vorgetragenen deutschen Sprachschnipsel unterdurchschnittlich begabter Synchronsprecher. Furchtbar! Was noch schlimmer wiegt sind die fehlenden Motorengeräusche während der Fahrt. Unfertig wirkt der Titel auch in dieser Hinsicht, vom kurzen Umfang nicht zu sprechen.

Multiplayer....

Nicht sehr spannend, da bereits die Optik zu wünschen übrig lässt, sind die Mehrspieler-Scharmützel im Zwei-Spieler-Modus. Ein paar doofe CPU-Kollegen sind ebenso mit von der Partie, allerdings gibt es kein Argument dafür, warum man des Öfteren zu zweit unterwegs sein sollte. Des Spaßes wegen kann es nicht sein, dazu bietet der Multiplayer schlichtweg zu wenig.

Fazit....

„Cruis’n" hätte in der Theorie ein guter Titel werden können. Hätte! Denn viele Bugs und Ungereimtheiten vermiesen dem Spieler die Lust am Rennfahren. Weswegen besinnt man sich auf derartig veraltete Grafiken, weswegen verhunzt man die Steuerung und nimmt Ihr damit jegliche Präzision? Weswegen ist der Tuning-Part so lieblos gestaltet, der Umfang schlichtweg ein Witz? Selbst die Ladezeiten konnte man anscheinend nicht mal mehr im Zaum halten, was zu unnötigen Wartereien führt. Ein wenig über die Pisten brettern ist zwar schon drin, aber als Rennspielfan sollte man sich keine allzu großen Hoffnungen machen, auch dauerhaft motiviert zu bleiben. Da hätte man wenigstens einen Wi-Fi-Modus integrieren müssen, der seit „Mario Kart Wii" zum Standard gehören sollte.

 

+ lizenzierte Fahrzeuge
+ Arcade-Feeling
- unpräzise Steuerung
- technisch mau
- lange Ladezeiten
- kein Wi-Fi-Modus
- zu knapper Umfang
- Tuning-Möglichkeiten
- keine Schwierigkeitsgrade

GRAFIK: 55%

SOUND/EFFEKTE: 65%

MULTIPLAYER: 47%

GESAMTWERTUNG: 44%

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