konsolenkost.de

 
Wii Boom Blox
 
 
Boom Blox - Wii
Kilian Pfeiffer (13.06.2008)

SYSTEM: Wii-PAL
ENTWICKLER: EA
GENRE: Geschicklichkeit
SPIELER: 1-4 Spieler
HANDBUCH: Deutsch
SAVEGAME: 1 Seite
60HZ-MODUS: Ja
SCHWIERIGKEIT: 2-10
NUNCHUK: Ja
SPRACHHÜRDE: Keine
ALTERSFREIGABE: K.E.
PLII/HDTV: Nein/Ja
TERMIN: Erhältlich
PREIS: ca.35 Euro
KOMPLETTLÖSUNG: Nein
CHEATS / TIPPS: Nein
ONLINE/LAN: Ja/Nein
MII UNTERSTÜTZUNG: Nein

   
Einleitung....

„EA" hat den Dreh raus: Man verpflichte einen weltweit angesehenen Filmproduzenten, der wohl den meisten ein Begriff sein dürfte, spinne ein neuartiges, leicht zugängliches Gameplay darum, garniere das ganze mit einem allumfassenden Editor und fertig ist das Meisterwerk. Oftmals gelang es Spielberg bereits in Hollywood, dieses Mal gar bei seinem Debüt im Videospiel-Segment. Der „Mitvater" von Indiana Jones hat sich also den Weg auch in unsere „Welt" gebahnt und liefert gleich zu Beginn ein rasantes Feuerwerk beispielloser Zugänglichkeit ab: „Boom Blox" eben!

Menus und die Story....

Dass „EA" für die Wii eine exklusive Neuentwicklung in der Mache hatte, kann nicht als Alltäglichkeit angesehen werden. Dazu ist der Hersteller von Video- und Computerspielen ein viel zu großer Verfechter seiner alljährlich erscheinenden Sportspiel-Umsetzungen. Mit „Boom Blox" wagt man sich hingegen auf Neuland – anfangs wirken die abstrusen Spielcharaktere, die als viereckige, bausteingleiche Dominogesichter daherkommen, äußerst gewöhnungsbedürftig. Vom Wild-West-Verschnitt über Betsy Muh, eine doof dreinblickende Kuh, vom sensenschwingenden Gurgel Grimm bis hin zu den katzengleichen Maunz-Schwestern Emilia, Sasha, Destry, Mikaela und Princess. Im Laufe der vielen verschiedenen Spielmodi werdet Ihr all diesen merkwürdigen „Boom Blox"-Charakteren begegnen. Vorbildlich: Jeder Einzelne hat eine ganz individuelle Fertigkeit, die im Speziellen für den inkludierten Editor des Titels sehr interessant sein dürfte.

Auch wenn Spielbergs Machwerk keiner besonders interessanten Story unterliegt, trefft Ihr im Laufe des Spieles auf diverse, recht kurze Sequenzen, die ganz eigene Hintergrund-Stränge verfolgen. So geht es im Wilden Westen um ein paar goldene Nuggets, das Geister-Setting wartet mit ein paar verstörten Kätzchen auf deren Rettung vor den herannahenden Fratzen. Der größte Teil des Spieles ist nun aber storylos, sprich, „Boom Blox" präsentiert sich als grandioser Baukasten für Tüftler mit eigens entwickelter, äußerst gut funktionierender Steuerungsmechanik. Gewaltig, was „EA" für genial-einfache aber einfach-geniale Spielideen hatte!

Das Gameplay....

Sechs Spielstände stehen Euch für die Ergründung des umfangreichen Software-Pakets zur Verfügung. Zwar zeigt sich der Titel – wenigstens zu Beginn – von seiner einfachen Seite, im Laufe der Zeit werden allerdings hammerharte Herausforderungen freigeschaltet, die selbst nach einem Dutzend von Versuchen noch nicht recht gelingen wollen. Was übrigens auch in Hinsicht auf den Langzeitspaß beachtlich ist, sind die mannigfaltigen Bonus-Inhalte, die nach und nach zur Verfügung stehen und speziell innerhalb des riesengroßen Editors für Freude am Erstellen eigener Levels sorgen. Bonus-Werkzeuge wie Geisterkanone, Gummi-, Totenkopf- oder Racquetball, allerlei freischaltbare Charaktere mit unterschiedlichsten Eigenschaften (Alles-Vernichter, Beschützer vor Affen, Bowlingkugel-Werfer, Chemikalienmischen, etc.), Zwischenfilmchen (mit arg holprigem Untertitel-Reimschema), Requisiten, Trophäen und diverse Zusatz-Spieloptionen bereichern den Titel – so lange Ihr auch spielt, werdet Ihr ständig mit Zusätzen belohnt, was ungemein motivierend ist und auch dauerhaft für Freude an der Sache sorgt.

Doch wollen wir uns zunächst dem eigentlichen Hauptgrund, weswegen man sich „Boom Blox" überhaupt zugelegt hat, widmen. Wie es der Packungsrücken schon treffend feststellt, geht es in Spielbergs Titel um das „Werfen, Greifen, Sprengen", Dinge, die auf den ersten Blick recht simpel klingen, deren Umsetzung sich aber wesentlich diffiziler gestaltet als zuvor noch angenommen. Ein ausgiebiges „Training" führt Euch in die Materie des exklusiven Wii-Titels ein und zeigt Euch alle nur erdenklichen Grundzüge, die man für den Erfolg benötigt. Jede einzelne Aufgabe (im Gesamten über 300 an der Zahl!) kann übrigens mit einer Medaille abgeschlossen werden, wobei die bronzene an dritter Stelle zu finden ist. Silber- und Goldauszeichnung zeigen, dass Ihr durchaus etwas auf dem Kasten habt. Auch interessant: Erst nachdem Ihr ein Level überhaupt mit einer der drei Medaillen beendet habt, schaltet sich die nächste Aufgabe des betroffenen Bereichs frei. Innerhalb der „Entdeckung" werdet Ihr an die sechs wesentlichen Aufgabengebiete des Titels herangeführt, das Abenteuer bettet das Erlernte dann in die rudimentäre Story-Umgebung ein. Doch wollen wir uns zunächst der „Entdeckung" widmen.

Weil „Boom Blox" auf einer ausgeklügelten Physik-Engine beruht, bestehen alle Levels aus bewegbaren Bauklötzchen, die zu verschiedensten Formen alias Türme, Festungen, Wälle oder Phantasiebauten zusammengesetzt sind. Durch äußere Einwirkung beeinflusst Ihr als Spieler die Landschaften der Levels. Dies kann zum einen eine Gefahr darstellen, beispielsweise dann, wenn Ihr Bombenblöcke in die Luft jagt, deren Explosionsradius Auswirkung auf die von Euch zu schützenden Kühe (Muhs!) hat. Mithilfe der Bomben lassen sich zwar alle Edelsteinblöcke einsammeln, indem Ihr diese von den Ebenen sprengt, jedoch muss es zuweilen vermieden werden, dass ein bestimmter Block zu Boden kracht – oder wie im „Abenteuer" – Euer Heer an Kätzchen unverletzt bleibt. Übrigens solltet Ihr auch Abhängigkeiten beachten: So werft Ihr mit einem beherzten Wurf (Wii-Remote!) einen Tennisball auf eine bewegliche Ebene und wartet ab, wie sich dessen Aufprall auf die vorhandenen Edelsteine auswirkt. Da es unter anderen gilt, alle abzuräumen, sollte Euer Wurf gut platziert und mit ausreichend Power ausgestattet sein. Manchmal habt Ihr nur eine bestimmte Anzahl an Wurfgeschossen zur Verfügung, was zu nervenaufreibenden Situationen führen kann.

Ferner existieren Levels, in denen Ihr zunächst ganze Barrikaden per Bombenwurf einreißen müsst, um im Folgenden beispielsweise Gold zu schürfen oder aber Punkteblöcke abzuräumen, um einen möglichst großen Highscore zu generieren. Lilafarbene Quadrate verschwinden bei Beschuss, so dass wiederum die Physik-Engine dazu führt, dass zuvor fixierte Steine ineinander fallen oder gewisse, grünlich-schimmernde Chemikalien-Blöcke, die bei Berührung untereinander reagieren, explodieren. Allerdings müsst Ihr bei „Boom Blox" nicht nur werfen und per Bomben Kettenreaktionen auslösen, sondern dürft ebenfalls mit dem Greifwerkzeug zu Werke gehen. Ihr habt richtig gehört und wer unseren Test zu „Jenga – World Tour" gelesen hat, weiß wovon wir sprechen. Mit der Wii-Fernbedienung sollt Ihr in taktisch anspruchsvoller Weise hochgestapelte Blocktürme präzise und entgegen der physikalischen Wirkungsweisen abbauen, ohne einen bestimmten Block in Mitleidenschaft zu ziehen, sprich, diesen herabfallen zu lassen. Behutsam entfernt Ihr Bausteine aus schier unmöglich anmutenden Konstruktionen, seht, wie diese gefährlich unter Eurem Einfluss ins Schwanken geraten oder bahnt mit gezielten Platzierungen im „Abenteuer"-Modus den Weg einer tierisch besorgten Mutter. Eisblöcke, welche auf gewöhnlichen Untergründen wegschlittern, Wolkenblöcke, die unter Last absinken und taktisch gegen heranstürmende Feinde verwendet werden müssen, verschiedenartig klingende Musikblöcke und Feuerwerksboxen, die effektgeladen in die Luft gehen, erweitern das Repertoire an Inhalten in konkreter Art und Weise.

Der „Abenteuer"-Modus bietet Euch das zuvor Gelernte in einer Story-Packung, die allerdings nicht wirklich erwähnenswert ist. Dennoch cool, wie Ihr angreifende Diebe im Bombenhagel vom Platz fegt, Diamantenklauer außer Gefecht setzt oder Eure eigenen Truppen vor Beschuss rettet. Es wird in 3D-Shooter-Manier auf Rayman-inspirierte Hasen gefeuert, taktisch werden Blöcke verlegt, um nahenden Widersachern ein Schnippchen zu schlagen und all das mithilfe der ausgeklügelten, technisch einwandfreien Wii-Remote-Steuerung. Innerhalb von Experten- und Meister-Aufgaben wird Euch alles nur Erdenkliche abverlangt. Die Aufgaben stellen sich spätestens ab diesem Zeitpunkt als hammerhart heraus. Was aber im Endeffekt immer noch motivierend ist und jederzeit auf ein schnelles Spielchen für zwischendurch einlädt. Denn wegen der mannigfaltigen Möglichkeiten, wegen des Sprengens, Bauens, Werfens, der Schießstand-Herausforderungen, der Greifaufgaben sowie der feinfühligen Zieheinlagen ist der Titel das, was man beim besten Willen nicht erwartet hätte – ein wahres Meisterwerk und zwar allererster Güte! Speziell in Hinsicht auf den mitgelieferten Editor werden bauwütige Level-Konstrukteure zur rasenden Wildsau. Alle nur erdenklichen Inhalte lassen sich hier auf Knopfdruck verändern: Ihr baut in unterschiedlichsten Requisiten Bauwerke nach Maß, kopiert, verkleinert oder skaliert, bestimmt Farben, Charaktere und Blöcke, testet in einer Vorstufe alle bislang integrierten Levelinhalte und gebt Eurem eigens erstellten „Objekt der Begierde" schlussendlich die von Euch festgelegten Regeln. So lassen sich „Jenga"-inspirierte Missionen kreieren, Schießstand-Ballereien umsetzen und rigorose Ich-mach-alles-zu-Schutt-Einlagen in die Realität umsetzen. Ihr könnt gar eigene Spielbretter erstellen und dort bekannte Umsetzungen wie „Dame" zocken. Und dies alles nur dank der innovativen und einfach gehaltenen Art der Gameplay-Möglichkeiten. Über „WiiConnect24" lassen sich Eure Machwerke auch ganz einfach an Eure Bekannten versenden, die dadurch einen Einblick in Eure Geschicke erhalten. Sprichwörtlich einmalig ist „Boom Blox" in Sachen spielerische Möglichkeiten. Wegen dessen Komplexität ist es beinahe utopisch, all die genialen Dinge angemessen innerhalb eines Reviews zu erläutern. Ihr solltet schon selbst Hand anlegen, insofern Euch innovative Spielsysteme begeistern. Genau solche Software ist es, die eine Konsole von den anderen abhebt. Grafische Aspekte dürfen dabei gut und gerne außen vor bleiben!

Grafik & Sound....

Wären wir nicht so eingenommen vom Spielprinzip des Titels, müssten wir an dieser Stelle wehklagen. Die Grafik ist – und wird es vermutlich auch immer bleiben – das stiefmütterlich behandelte Kind innerhalb der technischen Disziplin. Dass die geniale Physik-Engine überzeugen kann, hatten wir schon zu einem früheren Zeitpunkt geklärt, allerdings wirken die kastenartigen Figürchen sowie die wenig inspirierten Hintergrundgrafiken nicht gerade vom Feinsten. Putzig könnte man die Optik bestenfalls charakterisieren, ernsthaft schaut hingegen etwas anders aus.

Gefallen haben uns die Musikstücke zwar schon, mehr Abwechslung wäre aber wünschenswert gewesen. Verspielt wirkt der Charakter der Sounds, nett sind ebenso die Effekte, die aus Richtung der Wii-Fernbedienung Eure Ohren erreichen. Weder wurden die Aufgabenstellungen mit Sprachausgabe unterlegt, noch hat man sich dazu entschieden, dem Titel eine Art Jukebox zu spendieren. So erwartet Euch bei der Akustik also „nur" besserer Durchschnitt.

Multiplayer....

Endlich mal wieder ein Titel mit einem ungemein motivierenden, sensationellen Mehrspieler-Part! Solche Kracher haben wir selten im Testlabor und sind deshalb umso erstaunter, dass „Boom Blox" bei seinem Debüt gleich so abräumt. Ob Ihr nun gegeneinander in allerlei Levels antretet oder im Kooperativ-Modus im Schießbuden-Stil um Euch ballert, abwechselnd Klötzchen aus einem Gebilde entfernt oder Chemikalienblöcke zur Sprengung bringt, ist im Endeffekt gleichgültig – der Spielspaß ist der Hammer, keine Frage! Gegeneinander beharkt Ihr Euch in Burggefechten, greift um die Wette, schießt in Cowboy-Manier auf das Gegenüber oder baut im Rausch Klötzchen ab. Speziell für den Multiplayer-Part entwickelte Minigames sorgen für dauerhaften Spaß, auch die Medaillenspiele wissen vollkommen zu gefallen. Die nächsten Wochenenden sollten also mit „Boom Blox" gesichert sein – unglaublich mit was „EA" hier alles aufwartet!

Fazit....

Gerne lassen wir uns mit neuen Ideen überraschen. Bei innovationsfreudiger Software macht der Test dann gleich doppelt Spaß! Geschehen bei Spielbergs „Boom Blox", einer fabelhaften, puzzlelastigen und dennoch vielfältigen, weil dauerhaft motivierenden Wii-Umsetzung. Ob Einzelspieler oder Multiplayer – der Titel macht alleine ähnlich viel Spaß wie in einer Gruppe aus bis zu vier Mitspielern. Über 300 Levels wissen auf lange Sicht hin zu begeistern, der Editor ist schier eine Wucht und in seinen Möglichkeiten beinahe unbeschränkt! Dank der fabelhaften Steuerung, der realistischen Physik-Engine, den spaßigen Modi mit den irrwitzig vielen Optionen sowie einem Spielumfang, der sich gewaschen hat, kann man dem Titel eine klare Kaufempfehlung aussprechen! Genau jene Titel sind es, welche die Wii zu etwas Besonderem machen, zu einer einzigartigen Konsole, die zwar technisch hinterherhinkt, aber dank der systemimmanenten technischen Gegebenheiten immer ein Stück vorausdenkt.

 

+ über 300 innovative Levels
+ riesiger Bonus-Content
+ fetter Editor!
+ genialer Mehrspieler-Modus
+ technisch ausgereifte Steuerung
+ „Entdecken"- und „Abenteuer"
+ fairer Schwierigkeitsgrad
+ Medaillenjagd
+ motivierend bis zum Schluss
- inhaltsleere Storystränge
- technisch „nur" besserer Durchschnitt

GRAFIK: 70%

SOUND/EFFEKTE: 70%

MULTIPLAYER: 85%

GESAMTWERTUNG: 86%

Sämtliche Inhalte wie Bilder und Texte zu diesem Artikel sind geistiges Eigentum des Mag'64. Eine Benutzung oder anderweitige Verwendung darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Mag'64 erfolgen.

 
                   

Game-and-Fun.de