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Art Style - Orbient (WiiWare)
Liebe Leserinnen und Leser, herzlich willkommen bei der heutigen Ausgabe von "Mag64-Wissen". Heute werden wir uns einmal genauer mit der Astronomie und den für sie relevanten physikalischen Phänomenen beschäftigen. - Nein! Nur Spaß! - Aber mal im Ernst: Bei dem vorliegenden "Art Style - Orbient" schadet es nichts, wenn man sich ein wenig mit den oben erwähnten Dingen auskennt.

In "Art Style - Orbient" übernimmt man die Kontrolle über einen kleinen Planeten, dessen Ziel es ist, durch das Absorbieren kleinerer Planeten zu wachsen, bis er schließlich den Zielplaneten, eine Sonne, in seine Umlaufbahn bringen kann. Soweit zur Theorie… In der Praxis beginnt man jeden Level als kleiner, grauer Planet, der durch die unendlichen Weiten des Alls schwirrt. Um einen herum befinden sich verschieden große, rote Planeten, in deren Umlaufbahnen sich meistens wiederum kleinere Himmelskörper aufhalten. Wenn man sich also aufmacht, einen der blau eingefärbten Planeten zu schlucken, muss man sich durch geschicktes Einsetzen von Anziehungs- und Abstoßungskräften durch das Gewirr an Umlaufbahnen und Festkörpern manövrieren. Hat man sein Ziel erreicht und es absorbiert, wächst man ein kleines Stück und kann somit das nächst größere "fressen". Findet man ein Objekt, mit dessen Ausmaßen man schon eines eingenommen hat, ist dieses nun grau eingefärbt und man hat die Wahl, es auch zu verschlingen oder es als Mond in seinen Orbit aufzunehmen. Letzteres gibt bei der Abrechnung nach einem erfolgreichen Level natürlich einen Bonus in Form eines Extralebens. Diese braucht man auch, da jede Kollision mit einem anderen Himmelskörper ein Leben kostet. In den ersten Stages sind solche Crashs zwar noch nicht so häufig der Fall, da dort die Bahnen noch bei weitem nicht so komplex wie in den späteren Bereichen des Spiels sind. Dann bekommt man es dafür mit gigantischen, in sich verschlungenen Systemen zu tun, in denen sich zu allem Überfluss auch noch Asteroidengürtel, Asteroiden und schwarze Löcher tummeln und zwischen denen auch noch einzelne Planeten ihre Bahnen ziehen. Dort dann unbeschadet durchzukommen, erfordert einiges an Geschick und vor allem den Überblick. Unaufmerksame Spieler finden sich ansonsten schnell als Pingpong-Ball zwischen den Himmelskörpern herum fliegen. Hier ist definitiv der im Vorteil, der sich mit den Verhältnissen im All etwas auskennt.

Man braucht jetzt nicht unbedingt einen Doktortitel in Astrophysik, aber es erspart einem doch viel Zeit des "learning by doing", wenn man nicht erst im mühsamen Selbstversuch herausfinden muss, dass: Erstens: Einmal beschleunigte Körper sich unendlich lang unendlich weit weiterbewegen, zweitens: Anziehungskräfte eine kreisförmige Abweichung in der Bahn verursachen, drittens: man sich in niedriger Umlaufbahn schneller bewegt als in einer hohen, viertens: kleine Massen nicht so viel (Anziehungs-)Kraft ausüben wie große und fünftens: die Sonnen die größte Kraft ausüben. Man findet hier also eine durchaus realitätsnahe Darstellung der Verhältnisse im Weltall.

Doch auch ohne dieses (Fach-)Wissen hat man bald den Bogen raus, wie man schnell ans Ziel kommt und so springt man von Umlaufbahn zu Umlaufbahn, beschleunigt beim Umfliegen eines Planeten und umfliegt Asteroiden, dass es nur so eine Freude ist. Weniger Freude bereitet dem Spieler aber die oft sehr fitzelige Präzisionsarbeit, die es erfordert, einen bestimmten Punkt zu erreichen, weil man abgesehen von Anziehung und Abstoßung keinerlei Einfluss auf den eigenen Planeten nehmen kann. Besonders nervt das beim Entfernen von Körpern, so dass die Kräfte keine Auswirkung mehr haben und man hilflos im All umher treibt, bis man irgendwann wieder bei ihnen angelangt. Bis man die Credits bewundern kann, reist man so per Anhalter durch die sechs Galaxien mit ihren 30 Stages und kann dann noch weitere Aufgaben freischalten.

Die Grafik von "Art Style - Orbient" ist zwar nicht das, was man als "Meisterwerk" bezeichnen würde, trotzdem schafft sie es doch durch ihre Schlichtheit zu gefallen. Die Planeten sehen recht authentisch aus, obwohl man sich bei der Farbwahl etwas mehr Abwechslung gewünscht hätte. Auch erinnern die Asteroiden mehr an rosafarbene Diamanten als an alles andere. Die Hintergründe, die in jeder Galaxie wechseln, sind da meist schon um einiges hübscher ausgefallen. Vor allem die gigantische Nebelwolke und die Erde sehen aus, als kämen die Aufnahmen frisch vom Hubble-Teleskop. Leider geht speziell bei letzterem aber die kleine, graue Kugel, die der eigene Planet am Anfang noch ist, leicht unter, so dass man ihn gelegentlich für eine Zeit lang nicht mehr sieht. Definitiv eine Freude ist es, ihn dann aber zu bewundern, wenn er zu einer stattlichen Größe herangewachsen ist und von x-verschiedenen Monden umkreist wird. Auch hat man daran gedacht, dass die schwarzen Löcher den Raum um sich herum krümmen, was im Spiel dann in verzogenen Kreisbahnen und deformierten Planeten zu sehen ist. Gerät man versehentlich in ein solches hinein, wird sofort alles bunt. Eine nette Hommage an die Science-Fiction-Filme der ausgehenden 60er-Jahre.
Die Musik kann man am besten mit "einschläfernd" beschreiben. Sie ist so ruhig und "spacig", dass man auf Dauer von ihr richtig "eingelullt" wird. Verstärkt wird dies noch durch die monotonen Geräusche der "Kräfte", die man meist recht lange aktiviert hat. Eine willkommene Abwechslung bieten die neuen Tonspuren, von denen jeweils eine neue ertönt, sobald man einen weiteren Mond "eingefangen" hat. Von der vorherigen Müdigkeit ist nichts mehr zu spüren, wenn die Synthesizer-Klänge sich zu einer phantastischen, fast schwerelosen Melodie vereinen.
Die Steuerung mit der Wii-Remote ist denkbar einfach: Mit "A" aktiviert man die Anziehungskraft, mit "B" die Abstoßungskraft. Durch Drücken von "-" wird das Spiel angehalten und man kann per Steuerkreuz durchs All scrollen um das nächste Ziel zu suchen. Befindet man sich gerade in der Umlaufbahn um einen Planeten, kann man mit dem Gedrückthalten der Richtungstasten den Bildausschnitt ein wenig verschieben, damit man die restlichen Trabanten in dem System erkennt.
Einen Multiplayermodus kann der Titel leider nicht vorweisen. Dies ist allerdings aufgrund der Spielmechanik auch fast nicht machbar.

Fazit:
"Art Style - Orbient" ist mit Abstand das merkwürdigste Game, das man seit langem gesehen hat. Eigentlich völlig unspektakulär und langweilig, wenn man dabei zusieht. Hat man aber erst einmal selbst Hand angelegt, kann man sich seiner Anziehung nicht mehr entziehen. Vergleichbar wäre es höchstens mit Solar Jetman: Durch das Minimum an präziser Steuerung, das man dem Spieler ermöglicht, weckt es den Ehrgeiz. Wer auf der Suche nach einem ruhigen Spiel mit dem gewissen Etwas ist, der kann hier getrost zugreifen. Freunde rasanter Action sind leider an der völlig falschen Adresse. (Michi)

Pluspunkte:
+ Gute Umsetzung physikalischer Phänomene
+ Abwechslungsreiche Levels
+ Phantastische Musik

Minuspunkte:
- Sehr ruhig
- Mitunter etwas einschläfernd

Wertung:
Einzelspieler: 6,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 600 WiiPoints

news@mag64.de (28.10.2009)

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