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Sujin Taisen - Strategie der Zahlen (DSiWare)
Eine der Grundüberlegungen, als man die VirtualWare eingeführt hat, war, dass man so recht billig Spiele an den Mann/Frau bringen konnte, die nicht das Potential und den Umfang eines Vollpreistitels hatten. Pessimisten sahen schon eine nicht mehr enden wollende Flut an Trash-Spielen auf sich zurollen, derer man sich nicht mehr erwehren könnte. Die Erfahrung hat mittlerweile gezeigt, dass sich ein, abgesehen von einer erstaunlich geringen Anzahl an Müll-Titeln, ein ganz eigener Mikrokosmos an Spielen gebildet hat: Episoden-Spiele wie die Strongbad-Serie, Experimentelles wie die Art Style-Serie oder auch Altgedientes, wie die Portierungen einiger Klassiker auf die Virtual Console. Alle das sind Spiele, die ein zu großes Risiko bergen, um sie auf einem Modul oder einer Disc in den Laden zu hängen. Deshalb findet man auch immer mehr abwechslungsreiche Kost, die den Retail-Markt aufmischen könnte. Hat man erst in den großen Spieleschmieden bemerkt, dass das eine oder andere "Risiko-Konzept" auf eine begeisterte Spielerschaft gestoßen ist, wird man sicherlich weitere Bestrebungen dahingehend forcieren, dass man dieses pekuniäre Neuland erschließt. Ein wunderbares Beispiel für so ein Risiko-Konzept, welches noch dazu ein digitales Brettspiel ist, also schon an sich eine etwas heikle Angelegenheit, ist das vorliegende "Sujin Taisen - Strategie der Zahlen".
Das Grundprinzip von "Sujin Taisen - Strategie der Zahlen" ist recht schnell erklärt: Auf einem Spielbrett werden Zahlensteine der Werte 1-5 so aneinander gelegt, dass sie mit ihren Verbindungslinien entweder auf- und/oder absteigende Zahlenfolgen oder Reihen gleicher Zahlen bilden. Jeder der bis zu vier Spieler versucht so, so schnell wie möglich das vorgegebene Punktelimit zu erreichen. Soweit der einfache Teil. Zu Beginn eines jeden Spiels erhält man fünf Steine, die entweder die eigene Farbe haben oder bunt sind. Diese "Regenbogen-Steine" sind eines der Schlüsselelemente des Spiels. Normalerweise kann man nur punkten, indem man sein eigenes Süppchen kocht, also eigene Steine kombiniert. Diese mehrfarbigen Steine allerdings können von jedem Spieler genutzt werden, um neue Kombinationen zu schaffen. Interessant wird die Sache vor allem dadurch, dass man die Steine nicht wahllos auf dem Spielbrett positionieren kann. Farbsteine müssen einen gleichfarbigen oder mehrfarbigen "Nachbarn" haben - Regenbogensteine einen gleichfarbigen, eigenen oder gar keinen Stein neben sich. Diese Weisheiten lernt man in den acht verschiedenen Tutorials, durch die einen der "Meister", ein ehrwürdiger alter Mann auf einer Wolke, führt. Von ihm lernt man auch alles Wissenswerte über Item- und Spezialfelder, wie die "günstige Richtung" oder expandierende Spielfelder, denen man im Laufe des Single-Player-Modus' begegnet.

Der Einzelspieler besteht aus insgesamt 30 Levels, die sich über fünf Kontinente à jeweils sechs Aufgaben erstrecken. Das halbe Dutzend Etappen auf einem Kontinent gliedert sich in fünf Kämpfe gegen einen Computergegner und einen Abschlusskampf gegen zwei Gegner. Hat man jeden davon mit einer Goldmedaille abgeschlossen, erhält man noch die letzte "Bonus"-Welt, in der man sich im letzten Gefecht gegen vier CPU-Gegner behaupten muss. Doch der Weg dahin ist lang und steinig: Zwar ist der Schwierigkeitsgrad durchaus als moderat zu bezeichnen, aber trotzdem ist das Erspielen aller goldenen Medaillen eine recht zeitintensive Aufgabe. Je nach dem, wie viele Züge man benötigt, um eine Etappe abzuschließen, erhält man bronzenes, silbernes oder goldenes Edelmetall. Dass die Anzahl der nötigen Runden nicht ersichtlich ist, lässt die Jagd nach Gold allerdings zu einem Blindflug werden. Schade eigentlich, denn ansonsten hat man nicht den Eindruck, dass den Entwicklern irgendein Spielaspekt entgangen wäre.

Was dem aufstrebenden Strategen eine enorme Hilfe ist, sind die verschiedenen Items, die man im Spiel einsetzen kann: Wandelsphären, die die Farbe eines gesetzten Steines verändern, Schöpfungszauber, mit denen man neue Verbindungsstellen an Steine anfügen kann oder Glückskatzen, die den Stein, der auf sie gelegt wird, an eine andere Stelle platzieren. Diese Items, von denen man pro Runde eines einsetzen kann, findet man entweder beim "Erobern" von Itemfeldern oder man bringt sie in das Level mit. Doch um ein Item in ein Spiel mitzubringen, muss man sich dieses erst erspielt haben. Elf der dreizehn Goodies bekommt man im Storymodus. Die restlichen zwei kann man durch erfolgreiches Abschließen der Herausforderungen im Puzzlemodus erhalten.

Der Puzzlemodus wartet mit 30 teils recht knackigen Kopfnüssen in zwei Schwierigkeitsgraden - Anfänger und Fortgeschritten - auf. Dort muss man mit den vorgegebenen Steinen und eventuellen Zaubern die nötige Punktzahl erreichen. Da man aber oft nicht alle Steine setzen kann, weil nicht genügend Züge zur Verfügung stehen, macht es die Sache recht interessant, so dass man oft einen "Aha-Moment" hat, wenn man sieht, wie viele Punkte man mit so wenig Aufwand erzielen kann. Nachdem man sich durch einen Großteil dieser Challenges gespielt hat, darf man in der Herausforderung fünf Rätsel in Folge versuchen, von denen man drei lösen muss, um zu bestehen. Da diese unabhängig vom Singleplayer-Fortschitt gemacht werden können, kann es sich durchaus empfehlen, die Aufgaben recht bald zu lösen, weil man durch die erspielten Items weiteren Spielraum für neue strategische Überlegungen hat.

Hat man nach etwa zehn bis zwölf Sunden (nach oben hin offen ) alles erreicht, was es zu erreichen gibt - beziehungsweise, wenn man den Story-Modus durchgespielt hat - erscheint erneut der Meister, um voller Stolz zu verkünden, dass man nun reif sei, sein Können im weltweiten WFC-Wettkampf gegen menschliche Gegner unter Beweis zu stellen. Der Online-Modus macht, sofern man das Glück hat einen Mitspieler zu finden, richtig Spass. Im Duell gegen wahlweise einen, zwei oder drei Gegner kann man sich so hirnschmalzmäßig messen. Natürlich darf man, wie es sich für einen Nintendo-Titel gehört, auch über das Freundes-Code-System Kämpfe ausrichten und Leute einladen. Vor jedem Kampf wählt man eines der insgesamt zehn verschiedenen Spielfelder aus, auf dem man spielen möchte. Nun entscheidet man sich noch für die Items, die man brauchen könnte und schon kann es eigentlich losgehen. Sollten sich die Spieler nicht auf das gleiche Feld geeinigt haben, wird hier per Zufallsgenerator eine Entscheidung getroffen.

Ein cooles Feature des Multiplayer-Parts ist, dass man bis zu acht verschiedene Onlinewettkämpfe "aufzeichnen" kann, die man dann in der "Chronik" immer wieder ansehen darf. Somit ist es möglich, durch Analysieren des Gegners und seiner Züge vielleicht die eine oder andere strategische Finesse für sich selbst herauszufiltrieren, denn "nach dem Spiel ist vor dem Spiel". Allerdings hat man dazu nicht viele Möglichkeiten, da vermutlich der Name "Sujin Taisen - Strategie der Zahlen" eine abschreckende Wirkung hat, so dass viele potentielle Spieler zögern werden, diesen Titel zu laden. Als weiteres Gimmick haben die Programierer eine ausführliche Statistik spendiert, in der man neben allen erreichten Goldmedaillen, gelösten Puzzles und der Gesamtspielzeit auch die Aufzählung der Siege und Niederlagen im Story- oder Mehrspielermodus findet. Unter dem Punkt "Kombinationen" wird die Menge der bisherigen Reihen-, Zahlen-, Ring- oder Blockadekombinationen sowie der dadurch erzielten Punkte aufgeschlüsselt. Hier ist auch die bisher höchste, mit einer Kombination erreichte Punktzahl, quasi die Highscore, festgehalten. Die Tagesstatistik der letzten sieben Tage, an denen man ein Onlinespiel gemacht hat, wird auch über diesen Menüpunkt erreicht.

"Sujin Taisen - Strategie der Zahlen" kommt als grundsolides Strategiespiel daher, welches sich in einem recht ansprechenden grafischem Gewand präsentiert: Die japanische Herkunft spiegelt sich auf nahezu jedem Screen wieder. Egal ob die diversen Verschnörkelungen, Schriftzeichen, Bilder von Drachen, Tigern und anderem Getier; die Aufmachung passt einfach und besticht durch ihre Detailverliebtheit. Diese zieht sich auch bis in die Spielfelder und deren ganzes Drumherum: Die Spielbretter sehen wirklich so aus, als seien sie aus Holz und die Steine sind auch nicht nur nummerierte Quadrate, sondern sehen wie echte Spielsteine aus. Die Animationen, die auf dem Topscreen erscheinen, wenn man eine besondere Kombination gemacht hat, sind auch sehr schön anzusehen, allerdings ziemlich kurz, halten aber so den Spielfluss nicht auf. Auf dem Topscreen findet man dann die momentanen Punktezahlen und die Anzahl der jeweils noch zur Verfügung stehenden Items. Über all dem schweben die Spieler auf ihren Wolken, wobei die Platzierung anhand der Flughöhe verdeutlicht wird.
Der Sound ist sehr … asiatisch… Mitunter also etwas gewöhnungsbedürftig. Trotzdem stört er in keinster Weise. Auch nach deutlich über zehn Stunden Spielzeit hat man immer noch kein Problem damit, dass eigentlich nur eine handvoll Musiktitel, die durch verschiedene Jingles und Zwischenspiele aufgelockert werden, die musikalische Untermalung des Geschehens bilden.
Die Steuerung per Touchpen ist äußerst intuitiv: Schon ohne sich lange mit dem Spiel beschäftigt zu haben, kann man die Steine wahlweise durch "Hinziehen" oder Antippen desselbigen auf dem Feld positionieren und durch erneutes Antippen in die gewünschte Richtung drehen. Ermöglicht wird dies vor allem durch die intelligente Anordnung der Spielelemente.

Fazit:
"Sujin Taisen - Strategie der Zahlen" ist ein Strategie-Kracher, der vor allem durch seinen Online-Modus nahezu unbegrenzt Spielspass bietet. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, eine echte Perle zu laden, der sollte auf jeden Fall hier zuschlagen. Das bestechend einfache Spielprinzip geht sofort ins Blut über und lässt einen fast nicht mehr los. Die 500 Punkte kann man fast nicht besser anlegen, da kaum ein Spiel in dieser Preisklasse auch nur annähernd soviel bietet. Also einfach mal über den etwas abschreckenden Titel hinwegsehen und etwas Neues ausprobieren! (Michi)

Pluspunkte:
+ Geniales Spielprinzip
+ Akzeptable Langzeitmotivation
+ Gelungener Multiplayer
+ Ausführliche Statistiken
+ Replay-Funktion
+ Ausgewogener Schwierigkeitsgrad

Minuspunkte:
- Im Singleplayer nur bedingte Langzeitmotivation

Wertung:
Einzelspieler: 9,0
Mehrspieler: 9,5

Screenshot

Screenshot 2

Preis: 500 Nintendo Punkte

news@mag64.de (14.10.2009)

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