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Heracles Chariot Racing (WiiWare)
Die Aufgabe: Nenne ein Videospiel, das dem Genre der Fun-Racer zugeordnet werden kann! Na, gehört ihr auch zu den vermutlich 99% auf diesem Planet, denen bei dieser Aufforderung sofort in irgendeiner Art und Weise "Mario Kart" durch den Kopf geistert? Kein Wunder: "Mario Kart" ist ein Synonym. Zu recht, möchte man meinen, denn bisher konnte noch kein anderer Vertreter dieses Genres Nintendos Rennspielreihe vom Thron stoßen, obwohl die Geschichte bislang einige "Mario-Kart-Klone" hervorgebracht hat. Das von Neko Entertainment entwickelte Rennspiel "Heracles Chariot Racing" zählt ebenfalls zu diesen: 2007 wurde es für Playstation 2 veröffentlicht und erscheint nun, rund zwei Jahre später, zum Schnäppchenpreis und in vollem Umfang im WiiWare-Shop. 800 Nintendo-Punkte gilt es zu berappen, um mit Herakles (wahrscheinlich bekannter unter seinem lateinischen Namen "Herkules") und einigen mystischen Kreaturen um einen Platz auf dem virtuellen Podest zu kämpfen. Eine Spritztour durch die griechische Antike, was will man mehr?

Werfen wir zunächst einen Blick auf den Einzelspielermodus. "Heracles Chariot Racing" bietet für Solisten drei Auswahlmöglichkeiten: Unter "Meisterschaft" fahrt ihr mehrere Strecken hintereinander und erhaltet für eure jeweiligen Platzierungen Punkte, die am Ende der Meisterschaft zusammengezählt und somit die Sieger ermittelt werden. Ein recht klassischer Modus, der in keinem Fun-Racer fehlt. Drei Meisterschaften werden geboten, die ihr nacheinander freischalten müsst. Dabei fällt jedoch recht schnell auf, dass Neko Entertainment am Umfang etwas gespart hat, denn das Spiel bietet gerade einmal fünf Landschaften und insgesamt zehn Strecken. Sprich: Von jedem Kurs gibt es zwei Versionen, die sich allerdings nur abschnittsweise voneinander unterscheiden. Die Streckenanzahl ist daher recht überschaubar. Zu den Kursen zählen die "Stahle des Augustus", das "Reich des Hades", der "See Stymphalos", der "Löwe von Nemea" und der "Berg Olymp". In der Bronze Meisterschaft fahrt ihr jeweils einmal auf jedem Kurs, im Silber Cup das Gleiche, nur mit den anderen Strecken-Versionen, und zu guter Letzt in der Gold Meisterschaft gilt es quasi beide vorherigen Wettbewerbe hintereinander zu absolvieren, also insgesamt zehn Strecken zu fahren. Äußerst einfallsreich (...). Und, ehrlich gesagt, etwas eintönig, denn die Kurs-Variationen unterscheiden sich wie erwähnt nicht übermäßig voneinander. Abseits der Meisterschaften lassen sich noch einzelne Strecken im Einzelrennen wiederholen oder ihr probiert euch am Zeitfahren. Eure Ergebnisse aus den Meisterschaften und dem Zeitfahren werden dann im Menü-Punkt "Rekorde" vermerkt - leider nur lokal. Online-Ranglisten oder gar einen Online-Modus sucht man in diesem Fall vergeblich. Das ist in zweifacher Hinsicht schade: Ein Online-Modus hätte natürlich den Spieler länger vor den Bildschirm gefesselt, denn die Meisterschaften sind schnell durchgespielt, zum Freispielen gibt's ohnehin nichts (außer den Meisterschaften) und somit wird der Titel für Leute, die häufiger alleine vor der Konsole sitzen, schnell langweilig und uninteressant. Außerdem sind Zeitrennen ohne Konkurrenz-Zeiten natürlich wenig motivierend und damit ist dieser Modus kaum der Rede wert. Sind Geschwister, Verwandte, Freunde oder Haustiere in der Nähe, die auch mit einem Controller umgehen können, sieht das natürlich weniger dramatisch aus. Die wahren Stärken des Spiels liegen nämlich eindeutig im Mehrspielermodus und mit bis zu drei menschlichen Mitspielern wirkt "Heracles Chariot Racing" gleich viel interessanter. Dabei habt ihr die Wahl, ob ihr die drei Meisterschaften gemeinsam angehen wollt, lieber in einzelnen Rennen gegeneinander antretet oder ob ihr euch in eine Schlacht stürzt. Letzterer Modus erinnert wieder stark an ein "Mario Kart": Auf fünf zusätzlichen Arealen, die sich thematisch an den Kursen orientieren, ist es eure Aufgabe, die Gegner durch den Einsatz von Items zu besiegen. Jeder Spieler besitzt drei Leben, kann also im Umkehrschluss bis zu drei Treffer einstecken. Dieser Modus macht mit drei fähigen Mitstreitern durchaus kurze Zeit lang Spaß, auch die Meisterschaften sind im Mehrspielermodus wesentlich unterhaltsamer als alleine, sodass Multiplayer-Fanatiker hier unbedingt mal einen Blick riskieren sollten.

Über die virtuellen Pisten dürft ihr mit insgesamt neun Fahrern brettern, darunter Herakles, zahlreiche mystische Monster wie beispielsweise die Medusa oder ein Minotauros, doch leider nur mit einer Gottheit: Poseidon. Alle Figuren unterscheiden sich in den Attributen Tempo, Beschleunigung, Straßenlage und Gewicht und somit auch in ihrem Fahrverhalten. Ist die Wahl getroffen, geht es auf die Piste. In den Rennen tretet ihr jeweils gegen fünf weitere Fahrer an. Die Stärke der KI-Gegner lässt sich vor jedem Rennen bestimmen. Während ihr auf "leicht" und "normal" noch ganz gut mithalten könnt, wird es auf "schwer" dann wirklich zu einer großen Herausforderung. Das eigentliche Renngeschehen ist einem "Mario Kart" recht ähnlich. Durch das Aufsammeln von Scheiben erhaltet ihr per Zufallsprinzip (und aktueller Platzierung) Items, die man natürlich gegen seine Mitstreiter einsetzten sollte. Dem Spieler wird dabei erstaunlicherweise eine recht große Auswahl geboten: Das Repertoire umfasst unter anderem Unverwundbarkeitsschilde, Feuergeschosse, Feuerminen und Turboschübe. Solch einen Geschwindigkeitsschub erhaltet ihr auch über Turbostreifen und -ringe, die auf den Rundkursen verteilt sind. Ausgebremst werdet ihr hingegen durch Strohballen, Grünzeug und allerlei Getier, welches auf den Kursen munter sein Dasein fristet und nur darauf wartet, überfahren zu werden. Fiese Viecher! "Heracles Chariot Racing" macht also nicht viel anders als die Konkurrenz aus dem Hause Nintendo. Das Geschwindigkeitsgefühl ist recht ordentlich, teilweise hat man allerdings den Eindruck, dass die Streitwagen ein wenig zu schnell über die verhältnismäßig kurzen Strecken flitzen. Ein Turbostart hat es ebenfalls ins Spiel geschafft, der jedoch nur von Nutzen ist, wenn man von den vorderen zwei Plätzen startet. Denn habt ihr beim Start Fahrer vor euch und ihr versucht dann einen Turbostart, rauscht ihr unweigerlich in diese hinein und der Vorteil ist dahin. Und auch das Streckendesign ist recht fade ausgefallen: Hier und da mal eine Bodenwelle, gelegentlich eine scharfe Kurve oder ein Turbostreifen - nichts Spektakuläres. Alles in allem fehlt den gesamten Strecken das gewisse "Etwas", ein charakteristisches Merkmal. Mehr Interaktionsmöglichkeiten und unterschiedliche Streckenelemente wären durchaus sinnvoll gewesen. Etwas kreativer war man dagegen bei der Steuerung. Neben der Standard-Belegung, bei der ihr eure Karre ganz normal über den Analogstick des Nunchuks steuert, auf dem A-Knopf beschleunigt, der Z-Knopf zum Bremsen gedacht ist und auf dem B-Button eure Items zur Anwendung kommen, hat man bei Neko Entertainment auch die Bewegungserkennung dezent mit einfließen lassen. So könnt ihr beispielsweise kurzzeitig springen, indem ihr das Nunchuk nach oben reißt - oder die C-Taste drückt. Auch das Driften um Kurven funktioniert ähnlich, denn bei scharfen Kurven gilt es, das Nunchuk zusätzlich nach rechts bzw. links zu neigen. Das ist anfangs noch ungewohnt, nach kurzer Zeit möchte man es aber auch nicht mehr missen.

Die optische Präsentation weiß zu gefallen, denn für ein WiiWare-Spiel wird eine sehr ansehnliche 3D-Grafik mit detaillierten Hintergründen und schmucken Charakter-Modellen geboten. Vom Hocker fällt man beim ersten Spielen zwar nicht, aber für ein Download-Spiel wird hier schon einiges in Sachen Grafik geleistet. Keine Überraschung, denn immerhin handelt es sich hierbei um einen PS2-Port. Weniger zufrieden bin ich hingegen mit der akustischen Seite des Spiels. Die eher dezent im Hintergrund mitlaufende Musik ist zwar nett mit anzuhören, leidet jedoch unter Aussetzern. Regelmäßig zu Beginn der dritten Runden schaltet sich diese einfach ab. Ende im Gelände, aus die Maus: Gerade in der entscheidenden Runde jedes Rennens verfällt das Spiel in musikalisches Stillschweigen. Absicht oder Entwicklungspatzer? Man weiß es nicht.

Fazit:
Unterm Strich bietet Nekos Antik-Raserei durchaus solide Fun-Racer-Kost. "Heracles Chariot Racing" macht nicht viel falsch, bietet jedoch auch nichts, was der geneigte Rennspiel-Fan nicht schon in zahlreichen anderen Spielen dieses Genres gesehen hat. Der Einzespieler-Part ist recht schnell beendet und durch die fehlende Einbindung von Online-Elementen gerät das Spiel wahrscheinlich schnell in Vergessenheit. Der Multiplayer-Modus hingegen ist für das eine oder andere Rennen zwischendurch durchaus zu gebrauchen und es kommt zeitweise tatsächlich richtiges Mario-Kart-Feeling auf. Fun-Racer-Fans auf der Suche nach neuem "Futter" dürfen auf jeden Fall mal einen Blick riskieren. Zum günstigen Preis von gerade einmal 800 Nintendo- Punkten macht man als Rennspiel-Liebhaber überhaupt nichts falsch. Ein ernsthafter Konkurrent zu einem "Mario Kart" ist es jedoch bei weitem nicht. War aber auch nicht zu erwarten, oder? (Alexander)

Pluspunkte:
+ solider Mario-Kart-Klon
+ PS2-Spiel zum Low-Budget-Preis
+ unterschiedliche Spielmodi
+ 9 Fahrer zur Auswahl
+ KI in unterschiedlicher Stärke
+ Bewegungserkennung beim Driften/Springen
+ ansehnliche Optik
+ Multiplayermodus für 4 Spieler

Minuspunkte:
- nur 10 Strecken
- fades Streckendesign
- einfallslose Gold-Meisterschaft
- keine Online-Modi/Online-Ranglisten
- Musik-Aussetzer

Wertung:
Einzelspieler: 7,0
Mehrspieler: 7,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 800 Nintendo Punkte

news@mag64.de (27.09.2009)

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