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Excitebike (Virtual Console | NES)
Wenn man den Begriff "Rennspiel" hört, denkt man wohl unweigerlich an heiße Motoren, quietschende Reifen und getunte Rennboliden. Die wenigsten werden dabei wohl an Motorräder oder gar Moto-Cross-Maschinen denken. Vielleicht war das 1984 noch anders, als Nintendo zum Release seiner, damals brandneuen Heimkonsole, dem NES, den Titel Excitebike auf die nach Bespaßung gierende Videospielerschaft los ließ. Der Umstand, dass er es auf Platz neun der meistverkauften NES-Titel geschafft hat, spricht wohl für sich.

An sich ist Excitebike, damals wie heute, ein recht minimalistisches Spiel. Man schlüpft in die Rolle eines Moto-Cross-Fahrers und versucht die insgesamt fünf zur Auswahl stehenden Strecken, wahlweise im Solo-Modus oder mit CPU-Gegnern, unter den vorgegebenen Bestzeiten zu meistern. Die Strecken sind alle linear, haben also keinerlei Kurven oder ähnliches und werden stets in guter Side-Scrolling-Manier abgefahren. Auf den Pisten, die in vier Bahnen unterteilt sind, befinden sich allerhand Hindernisse, die es entweder zu umfahren oder mit spektakulären Sprüngen zu überwinden gilt. Die insgesamt 19 verschieden Rampen, Buckel, Schlammlöcher und Rasenabschnitte lassen sowohl im Challenge-Modus, als auch im Racing-Modus in keinem Moment Langeweile aufkommen.

Die Steuerung ist dabei denkbar simpel: Mit dem Steuerkreuz "oben" und "unten" wechselt man die Fahrspur, mit "links" hebt man das Vorderrad an, was bei voller Fahrt einen Wheelie, also das Fahren auf dem Hinterrad zur Folge hat, vor dem Absprung von einer Rampe jedoch, kann man so die Weite des Fluges erhöhen, wobei das Drücken von "rechts" das Gegenteil bewirkt. Auch werden die "rechts-links"-Tasten gebraucht, um den richtigen Aufprallwinkel zu wählen, denn sollte dieser nicht optimal eingestellt sein, überschlägt sich der Fahrer und landet in den, die Rennstrecke abgrenzenden, Strohballen. Gas gegeben wird mit "2", mit dem Drücken von "1" aktiviert man den Turbo, der allerdings der Maschine sehr zu schaffen macht und deshalb schnell zu deren Überhitzung führt. Eine Bremsmöglichkeit sucht man leider vergebens, doch dies ist für das im Renngeschäft übliche Motto "wer bremst verliert" nur symptomatisch.

Im Startmenü hat man die Auswahl zwischen drei verschiedenen Optionen: "Selection A", "Selection B" und "Design". Hinter "Selection A", also Auswahl A, verbirgt sich der Solo- oder Challenge-Modus, in dem man sich ganz alleine in das halsbrecherische Wettrennen gegen die Uhr wagt. In diesem Modus sollte das Unterbieten der Bestzeiten keinerlei Hindernis darstellen, außer man findet zu viel Spaß daran, seinen Fahrer bei den spektakulären Stürzen zu beobachten. "Selection B" lässt nun im Racing-Modus eine scheinbar unbegrenzte Anzahl von Mitfahrern bei dem Rennen mit antreten, die allerdings keinerlei Einfluss auf das Endergebnis haben: Man fährt auch hier weiterhin nur gegen die vorgegebene Zeit. Obwohl die Mitfahrer somit nur zu einem Statistendasein im Renngeschehen degradiert werden, sind sie doch maßgeblich für den, nun doch etwas anspruchsvolleren Schwierigkeitsgrad, verantwortlich: Als ob sie von einer bösartigen Intelligenz gesteuert würden, haben sie oft die Unart, zu den unpassendsten Gelegenheiten auf die eigene Spur zu wechseln, was oft in einem verheerenden Crash endet, der kostbare Sekunden kostet. Dafür kann man es ihnen aber auch mit gleicher Münze heimzahlen: Es ist eine wahre Freude, einem Kontrahenten mit dem Hinterrad einen "kleinen Stups" zu verpassen und ihn von der Bahn fliegen zu sehen. Doch auch abgesehen von den Kontrahenten ist der Schwierigkeitsgrad durchaus human, zumal er sich sogar dem fahrerischen Können des Spielers anpasst, was sich in variierenden Bestzeiten äußert.

Die dritte Auswahlmöglichkeit, "Design", war zur damaligen Zeit eine echte Weltneuheit: ein "Leveleditor". Heute ist dies natürlich schon fast zum Standard geworden, aber dieser Streckeneditor ist wohl einer der Hauptgründe, warum sich Excitebike einer so großen Beliebtheit erfreute, und auch heute noch, zwar keinen grenzenlosen Spielspaß, aber doch kurzweilige Unterhaltung, gepaart mit der Option auf persönliche Kreativität, bietet. Im Editor hat man zu Beginn eine noch leere Piste vor sich, an deren unterem Rand der Fahrer steht, um zu signalisieren, wo man sich aktuell befindet. Unter ihm sind die verschiedenen Hindernisse aufgelistet, wobei für jedes einer der Buchstaben von A bis S steht. Bei den ersten Experimenten mit dem Editor wird diese Nummerierung (Buchstabierung?) sicherlich noch etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber nach und nach geht sie in Fleisch und Blut über, zumal die Anordnung der Rampen ziemlich schlüssig und sinnvoll ist. Auf der Länge von 19 Megarampen beziehungsweise 80 kleinen Buckeln, kann man nun beim Gestalten eines individuellen Parcours seiner Phantasie und/oder Bösartigkeit freien Lauf lassen. Leider lässt sich von den eigenen Kreationen jeweils nur eine einzige Strecke speichern, so dass man oft abwägen muss, ob die aktuelle Kreation wirklich besser ist als das vorherige Werk. Doch zum Glück kann man diese jeweils in den beiden Modi zur Genüge auf ihre Tauglichkeit testen. Die, bei jeder Erstfahrt angezeigte Bestzeit von acht Sekunden scheint ziemlich optimistisch und wird auch sehr schnell durch die eigene Bestzeit ersetzt.

Die Grafik ist ganz dem Zeitgeist der 1980er und den NES-Möglichkeiten entsprechend: Die verschiedenen Fahrer unterscheiden sich lediglich durch ihre Färbung, das Publikum ist ein regungslos auf seinem Platz verharrender Fleckenteppich. Die fünf Strecken unterscheiden sich zwar durch die farbliche Zusammenstellung voneinander, aber ist die Farbwahl dabei, gelinde gesagt, interessant: Neon-orange und blau als Farben für die Ränge, die "Grünfläche" und Rennpiste. Nicht jedermanns Sache, aber dennoch kein wirklicher Beinbruch. Der Sound lässt zu Wünschen übrig: Als musikalische Untermalung gibt es nur eine kurze, fiepige Melodie im Auswahlbildschirm und zum Rennsieg. Während der Rennen an sich fehlt jegliche Musik. Die Effekte hätten zwar auch besser sein können, so hat zum Beispiel das Geräusch des Motors nicht viel mit einem solchen gemein und auch die unglückliche Auswahl desselben Sounds für das Überhitzen des Motors und das Beenden einer Runde kann oft zur Verwirrung führen - vor allem wenn man gerade nicht die "Overheat"-Anzeige im Blick hat. Dass es bei diesem Spiel jedoch keinen Multiplayer gibt, scheint ein fast unverzeihliches Manko zu sein, denn zu zweit wäre der Single-Player-Spaß noch potenziert worden.

Fazit:
Excitebike ist und war schon immer ein Schmankerl. Heutzutage vermag es durch seinen doch recht geringen Umfang und den, da mittlerweile schon überholten, Leveleditor nicht mehr den Spieler längerfristig an die Konsole zu fesseln. Doch wer sich diesen Titel lädt, kann in einer müßigen Viertelstunde gerne zur Wii-Remote greifen und schnell ein, zwei kurze Rennen fahren. Obgleich es viele andere, wesentlich umfangreichere Rennspiele gibt, versprüht Excitebike doch einen ganz eigenen Charme, es hat dieses gewisse "je ne sais quoi", das einen immer wieder zu ihm zurückkehren lässt. Definitiv ein Titel, den man sich, zumal für nur 500 Punkte, nicht entgehen lassen sollte, selbst wenn man kein Fan von Rennspielen ist. (Michi)

Pluspunkte:
+ Lustiger Racing-Modus
+ Leveleditor
+ Extrem kurzweilig
+ Sich anpassender Schwierigkeitsgrad

Minuspunkte:
- Kein Multiplayer
- Fehlende Musik beim Spiel

Wertung:
Einzelspieler: 7,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 500 Nintendo Punkte

news@mag64.de (03.09.2009)

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