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Mixed Messages (WiiWare)
Was würdet ihr vom ersten 3rd Party- DSi Spiel erwarten, wenn es plötzlich in eurem DSi schlummerte? Die Bandbreite ist sicher riesig groß, aber auf eine Art digitale „Stille Post“ wärt ihr wohl nicht gekommen. So unsinnig sich diese Spielidee für ein DS-Spiel anhört, umso interessanter ist sie eigentlich. Die Idee ist einfach, aber effektiv. Reicht es freilich für das Ei des Kolumbus?

Tatsächlich ist Mixed Messages mal etwas völlig Neues. Nachdem ihr es für 500 Nintendo Points, also umgerechnet 5 Euro, aus dem DSi-Shop heruntergeladen habt, erwartet euch ein sympathisch präsentiertes Hauptmenü, in dem ihr aber lediglich ein Spiel starten, euch gespeicherte Spiel noch mal vergegenwärtigen oder die Hilfe zu Rate ziehen könnt. „Ein Spiel starten“ heißt in diesem Falle wirklich, eine Art „Stile Post“ zu spielen. Zwar wird hier nicht geflüstert, dafür aber umso mehr gezeichnet. Spielt eine gerade Anzahl an Personen mit (bis zu 21 (!) Spieler dürfen nacheinander mitmachen), gibt euch das Spiel zum Start einen mehr oder weniger sinnvollen, aber immer kuriosen Satz vor. Der erste Spieler hat den DS also in der Hand und liest so etwas wie: „In einem Stadion zu heiraten, hat einige Nachteile.“ oder „Stopp, oder mein Affe wird schießen!“. Man hat nun die Aufgabe, mit dem Stylus die Vorgabe künstlerisch umzusetzen. Jeder, der schon mal bei Dr. Kawashima etwas malen musste, wird sich schnell zurechtfinden. Die Bedienung ist kinderleicht, aber zugleich benutzerfreundlich. Man kann zwischen dickem und dünnem Stift wählen, das ganze Bild löschen oder selbst radieren und darf natürlich den letzten Strich rückgängig machen. Farben sind nicht auswählbar, was aber durchaus Sinn macht. Ihr werdet de facto eigentlich nur von der manchmal etwas diffizilen Erkennung des Stylus und - wohl öfter - von eurem Talent behindert. Davon wiederum lebt der Witz des Spiels. Denn euer Werk gebt ihr, wenn es dann fertig ist, einfach an den nächsten Spieler weiter und dieser muss nun - ganz im Sinne von „Stille Post“ - erraten, wie der Anfangssatz wohl geheißen haben könnte, sprich, was er auf eurem Kunstwerk genau erkennt. Dass dabei nicht wirklich immer das gleiche Ergebnis herauskommt, macht überhaupt nichts. Vor allem wenn man mit 3 oder mehreren Spielern spielt, ist es quasi unmöglich auch nur ansatzweise die Startvorgabe zu erraten. Beginnt ihr übrigens mit einer ungeraden Anzahl an Spielern (drei, fünf und so weiter), gibt euch das Spiel keinen Satz vor. Dann müsst ihr euch selbst ausdenken, was es zu zeichnen gilt. Das Spiel nutzt übrigens keine Schrifterkennung, wie beispielsweise die Kawashima-Titel, sondern baut grundsolide auf eure Fähigkeit, auf einer Tastatur zu tippen. Diese ist zwar etwas klein und längere Passagen dauern etwas, aber man sollte sich ja eh kurz und prägnant fassen.

Wer sich jetzt denkt: „Das klingt lustig, was mag da wohl noch alles kommen?“ wird leider enttäuscht werden. Denn das war es bereits. Das Spiel ist nur Mittel zum Zweck und unterhält lediglich durch die Kreativität der Spieler selbst. Unterschiedliche Spielmodi oder gar andere Gameplay-Varianten gibt es nicht. Immerhin schlägt es in der elektronischen Bedienungsanleitung einige Varianten vor, die ihr umsetzen könnt. Zum Beispiel könnte man die Sätze auf lokale Zeitungsschlagzeilen begrenzen oder man nimmt nur berühmte Sprichwörter, die zu Papier gebracht werden müssen. Problem dabei: Das funktioniert nur, wenn man mit drei, fünf oder einer anderen ungeraden Zahl versammelt ist, da man die vorgefertigten Sätze nicht nach solchen Kriterien sortieren lassen kann.

Besonders interessante oder lustige Ergebnisse lassen sich im Übrigen noch speichern. Großzügige 500 Slots hält das Spiel dafür bereit und erlaubt es euch sogar, Favoriten zu küren. Außerdem kann man sie nach Datum sortieren. Richtig ärgerlich ist eigentlich nur eines und zwar, dass das ganze Spiel (mit Ausnahme der Anleitung) auf Englisch ist. Die Menüs dürfte jeder dank putziger Grafik und leicht verständlicher Symbole sofort verstehen, aber der Kasus Knacktus liegt in den vorgefertigten Sätzen begraben. Diese enthalten öfter mal entlegene englische Wörter, die dem Schul-Anglisten fremd sein dürften. Gerade abstruse Adjektive, die den Satz besonders witzig machen, können dann mal untergehen und nicht verstanden werden. Das nimmt dem Spiel dann viel von seinem Witz. Ist man zu dritt, entfällt dieser Kritikpunkt dank selbst erstellter Sätze natürlich.

FAZIT:
Mixed Messages ist ein wirklich lustiges Spiel. Die Grundidee ist simpel, aber witzig und dass das „Stille Post“-Prinzip zeitlos ist, beweist allein die Beliebtheit des Originals bis heute. Das „Spiel“ ist aber mehr eine Anleitung zum Spielen, als selbst eines. Vicarious Visions animiert hier zum Spaß haben und liefert die Grundidee, die Umsetzung liegt bei euch. Theoretisch könntet ihr euch, wenn ihr mindestens zu dritt seid, ein Blatt Papier nehmen und exakt dasselbe Spiel spielen. Nur, dass ihr dann keine 5 Euro ausgeben müsstet. Insofern ist der Kosten-Nutzen-Faktor des Programms zweifelhaft, was auf die tadellose Umsetzung keine Auswirkung hat. Die wenigen Menüs sind drollig gezeichnet, die dezent eingesetzte Musik nie nervig und die Grundidee insofern toll umgesetzt. Dass die vorgegeben Sätze, eine der wenigen Eigenleistungen des Spiels, dann auf Englisch sind, stört aber doch. Hinzu kommt, dass der Anwendungsbereich eher gering ist. Denn ihr müsst zwangsweise mindestens zu zweit sein und dürft keine Vollbeschäftigung durch das Spiel erwarten. Vielmehr überbrückt es gelungen längere Autofahrten oder Zugreisen. (Hendrik)

Pluspunkte:
+ + spaßige „Stille Post“-Grundidee
+ sympathische Menüs
+ 500 Speicherplätze
+ alternative Regelvorschläge

Minuspunkte:
- allein nicht spielbar
- Papier & Bleistift Gameplay
- englische Texte

Wertung:
Mehrspieler: 6,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 500 Nintendo Punkte

news@mag64.de (18.09.2009)

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