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Texas Hold‘ Em Tournament (WiiWare)
Ich kann mir inzwischen kaum noch etwas Gemütlicheres an einem Freitagabend vorstellen als eine gesellige Pokerrunde mit Malzbier und Freunden. Dennoch muss ich gestehen, dass ich vor einiger Zeit noch davon ausging, dass der Trend „Texas Hold‘ Em Poker“ schnell wieder aus dem Fokus der Medien verschwindet. Genau das Gegenteil war der Fall. Immer mehr Turniere werden im Sportfernsehen übertragen, junge Nachwuchstalente werden von FullTilt, Pokerstar und co. gesponsort und sogar Stefan Raab veranstaltet immer noch regelmäßig seine TV Total Pokerabende. Von der riesigen Online-Poker Szene mal ganz zu schweigen. Nun wird auch Nintendos WiiWare Service mit einem Wifi-fähigen Texas Hold´ Em Pokerspiel beliefert, doch lohnt sich die Investition in Anbetracht der vielen kostenlosen Poker-Plattformen im Internet?

Zu Beginn müsst ihr euch erstmal ein eigenes Profil erstellen, indem ihr einen eurer Miis auswählt. Dies dient nicht nur zur Zuordnung eures Profils, sondern hat auch im Spiel seine Auswirkung, da ihr später in Form eures Miis am Pokertisch Platz nehmt. Habt ihr euer Profil erstellt geht es ins Hauptmenü, wo ihr zwischen dem Single-Player, dem Wifi-Mode, einem Tutorial und den Spieloptionen wählen könnte. Im Tutorial werden euch die Regeln und der Spielverlauf des Texas Hold‘ Em Poker erklärt…auf Englisch. Das Ganze ist also nicht für Poker-Anfänger zu empfehlen, stattdessen sollte man sich die Regeln lieber aus dem Internet suchen, wenn man wirklich zum ersten Mal pokert. Die Optionen beinhalten ebenfalls nichts spektakuläres, lediglich die Möglichkeit die Geschwindigkeit der CPU Gegner zu erhöhen ist hilfreich, damit man nicht zu lange auf seine Züge warten muss.

Im Single-Player und Wifi-Mode habt ihr die Wahl zwischen „Free-Play“ und einem „Tournament Play“. Bei Ersterem spielt ihr einfach eine Runde gegen fünf CPU- bzw. Online-Gegner, ohne, dass ihr einen Buy-In bezahlen müsst. Das heißt ihr braucht kein Geld von eurem virtuellen Pokerkonto zu setzen, um ein solches Spiel zu beschreiten. Dies ist lediglich beim „Tournament Play“, dem Kern des Spiels, der Fall. Habt ihr zu Beginn euer Profil erstellt, werden euch 1000 virtuelle Dollar sowohl auf eurer Offline-, wie auch auf euer Wifi-Konto, gutgeschrieben. Dieses virtuelle Geld könnt ihr wiederum einsetzen, um euch bei den Turnieren „einzukaufen“. Der Buy-In für das erste Turnier beträgt beispielsweise 200$, gewinnen könnt ihr hingegen 600$, wenn ihr auf dem ersten Platz landet. Gewinnt ihr also das erste Turnier, habt ihr ein Plus von 400$ gemacht, was euch zum einen auf der weltweiten Rangliste nach oben befördert und zum anderen die Möglichkeit bietet das verdiente Geld im Pokershop für neue Shirts, Hosen oder Schuhe (im Spiel sowieso nicht sichtbar) auf den Kopf zu hauen. Da Offline- und Onlinekonto getrennt sind könnt ihr also nicht ausschließlich gegen CPU Gegner spielen, um euch in der weltweiten Rangliste nach oben zu kämpfen. Seid ihr einmal bankrott gegangen, könnt ihr euer Konto wieder mit 1000$ füllen, dafür müsst ihr lediglich eure gekauften Klamotten aus dem Pokershop „zurückgeben.“

Nun zum wichtigsten Part des Spiels, und zwar zum Spielverlauf selbst: Wie schon angesprochen sind die Spieler am Tisch als Miis dargestellt. Großartige Animationen sind von diesen also nicht zu erwarten. Werft ihr eure Karten weg(beim Pokern „folden“ genannt) oder setzt eure Chips bewegt der Mii seine klumpige Hand ein wenig, was wohl eher symbolisch gemeint ist, denn von „Animationen“ kann man hier kaum sprechen. Um eure Online-Gegner einzuschüchtern oder gar zu verwirren, könnt ihr aus sieben verschiedenen Emotionen wählen die euer Mii für einige Sekunden ausstrahlt. Eine nette Spielerei, aber kaum zu vergleichen mit der Möglichkeit eines richtigen (Voice-)Chats. Was leider viel gravierender ist und wirklich für eine schlampige Umsetzung spricht sind die fehlenden Anzeigen während der Pokerpartien. Von herkömmlichen Online-Poker Plattformen ist man es gewöhnt, dass auf dem Tisch die jeweiligen Chip-Counts(also die aktuelle Anzahl an Chips) der Spieler abzulesen sind, man auf einen Blick erkennt wer gerade am Zug ist, der aktuelle Einsatz deutlich eingeblendet ist und so weiter. Hier ist dies nicht der Fall. Wollt ihr den Chip-Count eines Spielers sehen, müsst ihr erst mit dem Pointer auf diesen zeigen (das gesamte Spiel wird per Pointer und A Knopf gesteuert). Ein direkter Vergleich der einzelnen Spieler ist also schon extrem umständlich. Auch sonstige Anzeigen sucht man vergeblich. Lediglich die Höhe der Blinds, des aktuellen Gesamt-Pots und die Zeit bis zur nächsten Blind-Erhöhung sind unmittelbar sichtbar. All dies sind Punkte die das Spiel als einigermaßen ernst zunehmende Poker-Plattform disqualifizieren und selbst den Gelegenheitsspieler auf Dauer frustrieren.

Spielt ihr online im Free-Play und es sind gerade weniger als 5 Spieler verfügbar werden die restlichen Plätze von CPU-Spielern aufgefüllt (zu erkennen an den eckigen Köpfen) und dann wird die Partie erst richtig langweilig. Setzt ihr viele eurer Chips (ruhig auch mehrere Runden hintereinander) machen sie direkt einen Rückzieher, setzen sie jedoch von sich aus etwas und ihr überbietet sie… gehen sie auch raus. Geschicktere Spielzüge sind vom CPU-Spieler nicht zu erwarten. Somit reizt nur das „Tournament Play“ im Wifi-Mode über kurz oder lang, allerdings muss man auch hier ohne weitere Texas Hold‘ Em Varianten auskommen, was die Dauermotivation ziemlich nach unten zieht. Der einzige Lichtblick sind die unterschiedlichen Turniere(fünf an der Zahl) an denen man durch den Erfolg bei vorigen Turnieren nach und nach teilnehmen kann, um sich letztlich in der weltweiten Rangliste nach oben zu spielen. In späteren Turnieren geht es dann auch mal über 2 oder 3 Runden, wobei das Hauptziel am Ende der Sieg in Vegas über 3 Runden ist. Ansonsten unterscheiden sich die verschiedenen Turniere durch die virtuelle Spielumgebung, sowie das Preisgeld. Habt ihr fünf Freunde die sich das Spiel ebenfalls für 500 Wii Punkte gekauft haben, könnt ihr natürlich auch mit diesen eine private Partie starten, doch auch hier greifen natürlich die meisten der etlichen Kritikpunkte. Euch fremde Online-Gegner, die man bei den Turnieren trifft, kann man leider nicht spontan seiner Freundesliste hinzufügen, was dem Wifi-Mode auf Dauer sehr zu Gute käme. Hinzu kommt, dass das Spiel hin und wieder während eines Wifi-Turniers einfriert. Besonders ärgerlich, wenn man es gerade in die zweite oder gar dritte Runde eines Turniers geschafft hat. Einen offline Multiplayer gibt es logischerweise nicht, denn hier würde man sich schließlich automatisch in die virtuellen Karten gucken.

Fazit:
Am Ende des Tages bleibt nicht viel was den Kauf von Texas Hold‘ Em Tournament rechtfertigen könnte. Optisch wie auch inhaltlich ist die Umsetzung langweilig und lieblos geworden, ohne hilfreiche (eigentlich selbstverständliche) Bildschirmanzeigen während der Partien. Stattdessen wird man mit einer miesen KI, einem gering Umfang und einem Wifi Mode konfrontiert der sich nicht einmal dann uneingeschränkt lohnt, wenn man fünf Freunde hat mit denen man spielen könnte. Tut euch einen Gefallen und investiert die 5Euro lieber in echte Spielkarten oder andere Multiplayertitel. (Manni)

Pluspunkte:
+ Mii Support
+ Wifi-Mode mit Rangliste
+ fünf freispielbare Turniere

Minuspunkte:
- langweilige Optik
- fehlende Bildschirmanzeigen
- KI ist ein Witz
- Dauerspaß kaum vorhanden
- nicht mal der Ansatz eines Chat-Systems

Wertung:
Einzelspieler: 0,5
Online: 3,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 500 Nintendo Punkte

news@mag64.de (30.08.2009)

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