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The Cave (Wii U Download-Software)
Seit der ersten Ankündigung von "The Cave" haben eingefleischte Adventure-Fans sehnsüchtig auf die Veröffentlichung dieses Download-Spiels gewartet, handelt es sich hierbei doch immerhin um das neueste Werk von Ron Gilbert, seines Zeichens Schöpfer von und kreativer Kopf hinter Videospielklassikern wie "Monkey Island" und "Maniac Mansion". Der nun vorliegende Genremix aus Adventure und Plattformer, der darüber hinaus in Zusammenarbeit mit Tim Schafer und seinem US-amerikanischen Entwicklungsstudio Double Fine Productions (wiederum für das hochgelobte Action-Adventure "Psychonauts" verantwortlich) entstand, besitzt entsprechend die besten Voraussetzungen, um zu einem ersten "Must-Have" im eShop der Wii U zu avancieren. Doch Potenzial alleine ist kein Garant für ein exzellentes Spielerlebnis, wie auch dieser Fall wieder eindrucksvoll zeigt.

Worum geht es also in "The Cave"? Im Mittelpunkt dieses Abenteuers steht eine ungewöhnliche, weil sprechende Höhle (ja, eine sprechende Höhle - kein Fehler!), die von sieben Abenteurern erkundet werden möchte. Jeder dieser Charaktere besitzt dabei eine dunkle Vergangenheit, die nach und nach im Verlauf des Spiels aufgedeckt wird, und zugleich eine einzigartige, außergewöhnliche Fähigkeit, welche für eure Reise durch das Innere der geheimnisvollen Höhle unabkömmlich ist. So kann beispielsweise die Abenteuerin einen Greifhaken zur Überwindung tödlicher Fallgruben nutzen und der Hillbilly unter Wasser atmen, während etwa der Mönch auf die Kraft der Telekinese zurückgreift. Zu Beginn des Spiels werdet ihr zunächst aufgefordert, drei dieser kauzigen Figuren für das anstehende Abenteuer auszuwählen. Je nachdem, welche dieser Persönlichkeiten ihr dabei in euer Helden-Trio aufnehmt, erwartet euch ein unterschiedlicher Spielablauf, da jede Figur einen eigenen Schauplatz einschließlich spezifischer Rätsel und eigener Geschichte besitzt. Beim ersten Spielen von "The Cave" seht ihr folglich nur einen Bruchteil der eigentlichen Höhlen-Welt. Im Umkehrschluss heißt das allerdings auch: Wer tatsächlich jedes vorhandene Szenario sehen und spielen möchte, muss mindestens drei Durchgänge durch das Spiel einplanen.

Wenngleich anfangs als Mischung aus Adventure und Plattformer beschrieben, liegt der Gameplay-Schwerpunkt des Spiels im Wesentlichen auf dem Lösen von Logik- und Kombinationsrätseln. Die kleineren Kletter- und Schiebeeinlagen zwischendurch sind - auch aufgrund der Tatsache, dass die Höhle das endgültige Ableben von Personen nicht erlaubt - kaum der Rede wert. Die gestellten Aufgaben erfordern gelegentlich die Zusammenarbeit der drei Helden, etwa in Form von verschlossenen Türen, die sich nur öffnen lassen, wenn zeitgleich drei Hebel umgelegt werden. Ansonsten hat man es während seiner Expedition in der Regel mit klassischen Objekträtseln zu tun: Innerhalb der stets begrenzten Levelabschnitte gilt es dementsprechend, bestimmte Gegenstände zu finden, die wiederum an anderer Stelle zur Lösung der Aufgabe beitragen. Abwechslung und Ideenreichtum waren den Entwicklern dabei offenbar sehr wichtig, denn in dieser Hinsicht erwartet euch in "The Cave" in tatsächlich jedem Szenario etwas Neues und die Knobelei wird nicht ermüdend. Der Schwierigkeitsgrad ist zwar für Genre-Anfänger angemessen, hätte jedoch insgesamt anspruchsvoller ausfallen müssen, da fortgeschrittene Spieler und insbesondere Adventure-Liebhaber die meisten Rätsel zügig durchschauen. Hier verliert der Titel leider etwas von seinem Reiz, denn gerade beim mehrmaligen Durchspielen sorgt diese fortwährend dezente Unterforderung für gewissen Unmut. Wer einmal das zugrundeliegende Spielprinzip verstanden hat, wird auch in den jeweils neuen Schauplätzen keine ernsthafte Herausforderung mehr finden. Dies lässt sich nicht zuletzt auch an der Spielzeit festmachen: Während ihr für den ersten Durchlauf inklusive Eingewöhnungszeit noch gut fünf bis sechs Stunden benötigt, reicht beim zweiten oder dritten Mal bereits etwa die Hälfte der Zeit aus, um zu den Credits zu gelangen.

Es sind vor allem die vielen unvorteilhaften Design-Entscheidungen, die den Gesamteindruck des Spiels letztlich stark mindern. Wer sich beispielsweise alleine an der Erkundung der Höhle versucht, steuert die drei Figuren abwechselnd und kann per Druck auf das Steuerkreuz jederzeit zwischen den Personen wechseln. Soweit nichts Schlimmes. Was allerdings in diesem Zusammenhang fehlt, ist die Möglichkeit, eure beiden Mitstreiter per Befehl an eure Seite zu rufen. Backtracking ist somit ein fester Bestandteil des Gameplays in "The Cave", denn ihr werdet nicht wenig Zeit damit verbringen, mehrmals dieselben Pfade entlangzumarschieren, zum Beispiel, wenn ihr die restlichen beiden Charaktere nachholen müsst. Begünstigt werden die ohnehin schon beachtlichen Laufwege zudem noch durch das nicht vorhandene Item-Inventar. Soll heißen: Jede Figur kann stets nur ein Objekt mit sich herumtragen. Kommt man entsprechend an eine Stelle, an der ein bestimmtes Item erforderlich ist, welches man natürlich zufällig gerade nicht mitgenommen hat, dann muss man - wohl oder übel - zurücklaufen und dieses besorgen. Dabei offenbart die Steuerung vereinzelt kleinere Schwächen, denn sobald zwei interaktive Objekte nebeneinander liegen, wird das Aufnehmen eines konkreten Gegenstands mitunter zu einer recht fummeligen Angelegenheit. Das komplette Spiel lässt sich übrigens auch im lokalen, kooperativen Mehrspieler-Modus mit maximal zwei weiteren Freuden angehen. Da jeder Spieler dabei die Kontrolle über eine eigene Figur übernimmt, entschärft sich das Backtracking etwas. Im Gegenzug dafür treten hingegen bei mehreren menschlichen Spielern neue Probleme mit dem Bildschirmausschnitt auf. Der Grund: Es gibt keinen Splitscreen, sondern lediglich einen Bildschirm für sämtliche Spieler - alles hat eben seine Schattenseiten.

Der Einfluss Ron Gilberts auf die Entwicklung dürfte wohl spätestens beim grandiosen, oft absurden Humor des Spiels deutlich werden. In erster Linie sorgt natürlich die sprechende Höhle mit ihren albernen, sarkastischen und teilweise hämischen Kommentaren für das ein oder andere Schmunzeln beim Spieler. Doch auch die vielen merkwürdigen und zugleich witzigen Persönlichkeiten, denen ihr während eures Abenteuers im Inneren der Höhle begegnet, zeugen von großer Kreativität und nicht minder großem humoristischen Feinsinn. Die grandiose englische Sprachausgabe leistet dafür im Übrigen einen beachtlichen Beitrag. Der Spielwitz ist faktisch ein Aspekt, mit dem "The Cave" am stärksten bei den Spielern punkten kann. Grafisch bewegt sich der Titel dagegen eher im guten Mittelbereich: Die dargebotenen Texturen wirken häufig veraltet, dafür können die Animationen und das Charakterdesign voll und ganz überzeugen. Jedoch wird das Spielgeschehen von einem störenden Dauerruckeln begleitet, das durch eine bessere Optimierung sicherlich schnell hätte behoben werden können. Auch die Einbindung des Wii U GamePads ist ausbaufähig, da auf dem Bildschirm lediglich die drei Spielfiguren (zu denen man im Spiel jeweils wechselt, sobald man diese auf dem Pad berührt) dargestellt werden. Eine anderweitige Nutzung der Möglichkeiten des Controllers erfolgt nicht. Auch das Streaming des Spielgeschehens auf den Controller ist leider nicht möglich.

Fazit:
"The Cave" ist ein ambitioniertes Projekt, das letztlich nicht alle aufgebauten Erwartungen erfüllen kann, aber dennoch ein originelles und wahrlich abgedrehtes Erlebnis darstellt. Humor und Spielwitz sind - wie sollte es bei Design-Experte Ron Gilbert anders sein - über jeden Zweifel erhaben. Wo sonst trifft man schon auf eine sprechende Höhle mit britischem Akzent, die todbringende Nuklearraketen, von Drachen heimgesuchte Ritterburgen oder gar einsame, abgelegene Inseln in sich birgt? Der amüsante Rahmen schafft es indes jedoch nicht, die vielen kleinen Design-Schwächen in der Spielmechanik wettzumachen: Sich wiederholende Spielelemente, lange Laufwege und die oft schnell durchschaubaren Rätseleinlagen sorgen über kurz oder lang für gewisse Unzufriedenheit und Lustlosigkeit. Genre-Liebhaber können - und sollten - dennoch einen Blick riskieren. Spätestens bei einer Preissenkung. (Alexander)

Pluspunkte:
+ wahrlich einfallsreicher Höhlentrip
+ Humor und Spielwitz zum Schenkelklopfen
+ 3-Spieler-Kooperationsmodus
+ grandiose englische Sprachausgabe

Minuspunkte:
- Rätsel oft zu leicht
- Backtracking/lange Laufwege
- kein Item-Inventar
- gelegentlich fummelige Steuerung
- häufiges Ruckeln
- schwache GamePad-Nutzung

Wertung:
Einzelspieler: 6,5
Mehrspieler: 6,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 12,99 Euro

news@mag64.de (17.02.2013)

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