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Little Inferno (Wii U Download Software)
"Gratulation zum rechtmäßigen Erwerb deines brandneuen Little Inferno Entertainment Fireplace!" So und nicht anders lauten die ersten Text-Zeilen in "Little Inferno", dem neuesten Werk der Macher von "World of Goo" (WiiWare) und "Henry Hatsworth in the Puzzling Adventure" (NDS). Und weiter: "Little Inferno ist nicht wie andere Spiele. Es gibt keine Punkte. Es gibt keine Bewertung. Es gibt kein Zeitlimit. Mach einfach nur ein schönes Feuer und halte dich warm im Leuchten deines High Definition Entertainment Produkts!" Bedarf es da noch weiterer Erklärungen? Nein, eigentlich nicht.

Die Welt von "Little Inferno" ist eine düstere und kalte. Es schneit ununterbrochen und die Menschen bleiben daheim, wärmen ihre Körper und Herzen am Kaminfeuer. Und genau dort beginnt und endet auch unser Abenteuer: vor einem Kamin. Was sich die Entwickler von Tomorrow Corporation hier ausgedacht haben, ist weder ein klassisches Videospiel noch eine simple Anwendung. "Little Inferno" ist vielmehr ein Experiment, vielleicht auch ein ungewöhnliches Erlebnis. Doch völlig egal, wie man es beschreiben mag: Es ist in jedem Fall eine einzigartige Erfahrung. Das Konzept lässt sich dabei in einem einzigen Satz zusammenfassen: Ihr werft Spielsachen ins Feuer und spiel mit ihnen, während sie brennen. Ungelogen: Nicht mehr, aber auch nicht weniger, erwartet euch in diesem eigenartigen Download-Titel. Für jeden verbrannten Gegenstand erhaltet ihr Geld, mit dem ihr wiederum neue Gegenstände aus einem Katalog ordern könnt. Von Bildern, Lebensmitteln, Magneten und diversen Stoffpuppen bis hin zu nuklearen Waffen oder gar winzigen Galaxien steht dabei beinahe alles zur Verfügung, was das Herz jedes angehenden Pyromanen erfreuen sollte. Einige dieser Spielzeuge verbrennen in schrillen Farben, andere explodieren mit lautem Knall und wiederum andere fangen an, sich während ihrer Vernichtung zu bewegen. Das Ergebnis euer Zündelei ist somit, je nach "Input", immer ein anderes.

Das mehr oder weniger stumpfsinnige Verbrennen wird jedoch durch kleinere Rätsel aufgelockert, die von euch verlangen, bestimmte Objekte in Kombinationen den Flammen zu übergeben. Welche Zusammensetzungen dafür benötigt werden, verrät das Spiel natürlich nicht. Durch kurze Phrasen (z.B. "Nicht meins!") oder Schlagwörter (z.B. "Filmabend") in einer speziellen Liste erhaltet ihr aber zumindest dezente Hinweise auf die Lösungen. Jede gelöste Kombo bringt euch Briefmarken ein, mit denen sich die "Versandzeit" von bestellten Artikeln bei Bedarf verkürzen lässt. Eine Mindestanzahl absolvierter Rätsel ist zudem erforderlich, um weitere Kataloge und somit neue Gegenstände zum Verbrennen freizuschalten. Die witzige, kuriose und gelegentlich auch unheimliche Geschichte von "Little Inferno" wird dabei fast vollständig über eintreffende Briefe erzählt, die beispielsweise vom Wettermann der Stadt, der Chefin des Herstellerunternehmens des Feuerplatzes oder eurer Nachbarin Sugar Plumps an euch versendet werden.

Die Spielidee ist wahrlich originell und mit viel Humor umgesetzt worden, all das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das eigentliche Gameplay letztlich als recht eintönig entpuppt. Gegenstände zu verbrennen - das ist eure wichtigste und tatsächlich auch einzige Aufgabe in diesem Titel. Das mag anfangs noch recht faszinierend erscheinen, kann jedoch schnell seinen Reiz verlieren, sofern man "Little Inferno" nur als Videospiel und nicht auch als eine Art Kunstprojekt betrachtet. Einen nicht unbeachtlichen Kritikpunkt findet man außerdem bei der Betrachtung der Spielzeit: Zum Beenden des Spiels inklusive der Auflösung aller 99 Kombos werden in der Regel weniger als fünf Stunden benötigt - erstaunlich wenig, zumindest gemessen am Verkaufspreis von immerhin rund 15 Euro. Aufgrund dieser Gegebenheit haben die Entwickler vermutlich auch kleinere, aber ungemein nervige "Wartezeiten" eingebaut, etwa, wenn man ein gerade gekauftes und verbranntes Produkt erneut erweben möchte oder wenn sich das Spielzeug auf dem Versandweg zu euch befindet. Wer beispielsweise einen hochpreisigen Artikel aus einem der Kataloge ordert und dabei keine Briefmarken mehr zur Hand hat, der muss mitunter schon mal geschlagene zwei Minuten warten, bis der entsprechende Gegenstand endlich verfügbar ist.

Auf der technischen Seite gibt es dagegen soweit nichts zu beklagen. Vor allem das allgemeine Artdesign des Spiels (hier sei besonders auf den letzten Abschnitt des Spiels verwiesen) ist absolut gelungen, das physikalische Verhalten der Objekte erscheint realistisch und auch die authentischen Soundeffekte sowie der kontrastreiche Soundtrack wissen zu gefallen. Bei der Steuerung lassen euch die Entwickler überdies die Wahl zwischen dem Wii U GamePad und der Wiimote. Beide Varianten funktionieren soweit einwandfrei, das GamePad ist jedoch für akkuratere und feinere Bewegungsabläufe zu bevorzugen.

Fazit:
"Little Inferno" ist ein außergewöhnliches Erlebnis, welches zweifellos weitab der üblichen Norm liegt. Es ist ein Titel, der polarisiert und unterschiedliche Reaktionen hervorruft, der manche durch seine Originalität, seinen Charme und seinen Humor regelrecht vor den Fernseher fesselt und bei anderen wiederum nur ungläubiges Kopfschütteln hervorbringt. Eine gewisse Offenheit gegenüber neuen und unüblichen Spielkonzepten ist somit eine Grundvoraussetzung, um bei diesem eigenwilligen und ungewöhnlichen Experiment tatsächlich Spaß am "Spielen" zu entwickeln. Bei nüchterner und objektiver Betrachtung muss allerdings die im Großen und Ganzen recht monotone Spielmechanik sowie die allgemein kurze Spielzeit kritisiert werden, sodass eine allgemeine Empfehlung unsererseits für alle interessierten Wii U-Besitzer nur sehr schwer fällt. "Little Inferno" ist wahrlich kein schlechtes oder misslungenes Spiel, aber jeder sollte vor dem Kauf genau wissen, was ihn bzw. sie in diesem Fall letztlich erwartet, um eine große Ernüchterung am Ende des Tages zu vermeiden. Was die Entwickler von Tomorrow Corporation hier auf die Beine gestellt haben, ist tatsächlich eine einzigartige und unvergleichbare Erfahrung - ob im positiven oder im negativen Sinne, diese Interpretation sei jedem selbst überlassen. (Alexander)

Pluspunkte:
+ originelles, innovatives Konzept
+ enthält viel Charme, Witz und Humor
+ interessante Erzählweise mit kleinen Überraschungen
+ unterhaltsame Kombosuche
+ grandioses Artdesign

Minuspunkte:
- unterm Strich eintöniges Gameplay
- kurze Spielzeit (gemessen am Preis)
- störende "Wartezeiten"

Wertung:
Einzelspieler: 7,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 14,99 Euro

news@mag64.de (13.01.2013)

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