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Puddle (Wii U Download Software)
Wenn man videospielaffine Menschen nach ihren favorisierten Entwicklern fragt, kommen oft Antworten wie Rockstar Games, Intelligent Systems oder auch Naughty Dog. Der Name des Studios Neko Entertainment wird dabei wohl nur selten fallen. Ein Auszug bisheriger Neko-Entertainment-Titel verdeutlicht, warum: „Crazy Frog Racer“, „Arthur und die Minimoys“, „Bratz Ponyz 2“. Das sind nicht gerade Highlights der Videospielgeschichte. Lediglich der DSi-Ware-Titel „Maestro! Green Grove“ sticht aus dem Portfolio des Studios ein wenig positiv hervor. Nun legt Neko Entertainment zum Start der Wii U eine Umsetzung des Geschicklichkeits-Titels „Puddle“ auf, der bereits für die Xbox 360, die PlayStation 3 und die PlayStation Vita erhältlich ist. Wie schlägt sich die Pfütze nun aber auf der Wii U? Wir haben uns wetterfest angezogen und sind dem auf den Grund gegangen!

Eine „kleinere Ansammlung von Wasser“ – so beschreibt das Duden-Wörterbuch den Begriff Pfütze. Und genau diese übernimmt in „Puddle“ die Rolle des Hauptprotagonisten. Eure Aufgabe ist es nun, die Flüssigkeit durch die verschiedenen Levels zu manövrieren. Dies geschieht durch physisches Kippen des Wii U GamePads, kann aber auf Wunsch auch über den Analogstick oder die Schultertasten erfolgen. Das erinnert doch sehr an das Spielprinzip des WiiWare-Titels „Hydroventure“, einer der Geheimtipps des Jahres 2010 auf der Wii, der jüngst einen 3DS-Nachfolger spendiert bekam. Doch trotz der auf den ersten Eindruck auffälligen Parallelen spielt sich „Puddle“ überraschend anders. In erster Linie ist dies dadurch bedingt, dass es bei „Puddle“ nicht nur um die Manövrierung von Wasser geht, sondern auch andere Flüssigkeiten euer Geschick unter Beweis stellen. Dies wird durch eine Mini-Story mit kurzen – die Betonung liegt auf kurz – Zwischensequenzen bewirkt. Nachdem ihr in den ersten Abschnitten mit altbekanntem H2O Vorlieb nehmen dürft, gelangt es nach draußen in den Garten und vermischt sich beispielsweise mit Unkrautvernichter. Anschließend übernehmt ihr unter anderem die Kontrolle von Düngemittel, Kohlenwasserstoff, menschlichem Blut und sogar Raketentreibstoff. Dieser Verwandlungsprozess hat logischerweise erheblichen Einfluss auf das Gameplay. Das Düngemittel muss in einem Abschnitt etwa bestimmte Stellen berühren, damit dort eine Blüte erwächst, die euch anschließend eine Ebene nach oben transportiert. Die Eigenschaften der Gemische sind ebenfalls von einer gewissen Diversität gekennzeichnet. Wasser ist nun mal Wasser, aber Düngemittel legt ein eher gemächliches Tempo an den Tag. Tinte geht dafür ab wie ein Zäpfchen auf LSD. Einige Flüssigkeiten müssen gar durch die Areale geneigt werden, während sie in einem Behälter oder einer Glaskugel ausharren. Hierbei ist besondere Vorsicht geboten, schließlich kriegt so ein Glasbehältnis schnell mal einen Knacks. Diese Gameplay-Vielfalt ist ganz klar eine der Stärken von „Puddle“, da man sich fortwährend fragt, welche Flüssigkeit wohl im nächsten Level auf Hilfe wartet.

Dadurch ist „Puddle“ aber auch von einem ausgeprägten Trial-and-Error-Aspekt gekennzeichnet. Manchmal ist man mit der Flüssigkeit an einem Punkt angekommen, an dem man partout nicht darauf kommt, wie genau es nun eigentlich weitergehen soll. Dies kommt zwar nicht allzu oft vor und wird auch von Spieler zu Spieler an unterschiedlichen Stellen der Fall sein – ein wenig nervig ist es aber dennoch. Während der minimalen Ladezeiten vor jedem Abschnitt gibt euch das Spiel zwar einige Tipps, diese beschränken sich jedoch auf essenzielle Hinweise zum Umgang mit der jeweiligen Flüssigkeit. Viel Raum zum Erkunden gibt „Puddle“ euch übrigens nicht, denn die Level sind strikt linear aufgebaut. Wer wie bei dem ersten Teil von „Hydroventure“ eine verwinkelte Welt erwartet, die darauf wartet, bis in jede kleinste Ecke durchflutet zu werden, der wird enttäuscht sein. „Puddle“ setzt auf ein typisches Start-Ziel-Prinzip nach Arcade-Vorbild: Jedes Level ist von einem Zieleinlauf gekennzeichnet, der mit einer Mindestmenge an Flüssigkeit erreicht werden muss. Sofern der Flüssigkeitsvorrat zuvor unter eine bestimmte Grenze fällt, ist euer Einsatz vorzeitig beendet. Solch ein Verlust tritt beispielsweise ein, wenn ihr zu schnell vorprescht (dann kann sich ein Teil eures Vorrats in einen Abgrund verabschieden) oder die Gegner bzw. Störquellen (Schnapp-Pflanzen, Feuerstellen & Co.) berührt. Auch deshalb ist es oftmals die klügere Entscheidung, mit Bedacht vorzugehen, anstatt es mit der Brechstange zu versuchen. Es ist nämlich zudem nicht möglich, die Flüssigkeit wie bei „Hydroventure“ zu verengen oder in einen Eisblock zu verwandeln, um eine bessere Kontrolle zu erlangen. „Puddle“ ist in dieser Beziehung eindeutig härter und erbarmungsloser. Dass das Spiel euch nach dem Ableben – egal an welcher Stelle im jeweiligen Abschnitt – wieder an den Anfang schickt, unterstreicht diesen Aspekt. Allerdings dürft ihr im Spielverlauf ein paar mal „jammern“. Einmal jammern bedeutet, dass ihr das aktuell bespielte Level überspringen dürft. Die Jammer-Anzahl ist allerdings arg begrenzt.

Geübte Spieler werden „Puddle“ in etwa drei bis vier Stunden durchgespielt haben, danach warten allerdings noch einige Boni. Das Spiel ist in insgesamt neun Kapitel aufgeteilt, die mehr als 50 Aufgaben beinhalten. Am Ende eines jeden Levels wird die Performance bewertet, und zwar entweder mit einer Gold-, Silber- oder Bronzemedaille. Oder auch einfach nur mit einem Häkchen, sofern das Ziel zwar erreicht wurde, die Leistung aber nicht wirklich für einen Medaillen-Rang ausreicht. Gerade in den späteren Abschnitten ist es nicht leicht, diese mit einem hohen Rang abzuschließen. Darüber hinaus gibt es mehr als 20 Achievements, die teilweise sehr tumb sind („Schließe Level XY erfolgreich ab!“), teilweise aber auch etwas mehr verlangen, indem das Level beispielsweise mit einer bestimmten Menge an Flüssigkeit abgeschlossen werden muss. Zusammengefasst geben sich die Herausforderungen jedoch eher uninspiriert. Ein Mehrspielermodus fehlt übrigens gänzlich, wäre aufgrund der höchstwahrscheinlichen Vermischungsgefahr aber auch maximal in einem Versus-Modus mit separaten Bereichen interessant. Dafür entschädigen die Online-Ranglisten, die eingefleischte Flüssigkeitsfanatiker zu Bestleistungen animieren. Insgesamt fällt der Umfang von „Puddle“ im Vergleich zu „Hydroventure“ jedoch ziemlich kompakt aus. Grafisch gibt sich „Puddle“ solide und streut gelegentlich ein paar nette Grafikeffekte ein. Ein optisches Feuerwerk erwartet euch hier also nicht, die überwiegend zweckmäßige Technik passt sich dem Spielprinzip an. Der Sound hält sich im Hintergrund und gerät durch leicht skurrile Töne sowie ein fortwährendes Plätschern ziemlich mystisch. Puddle lässt sich übrigens auf Wunsch komplett über das Wii U GamePad spielen, was wir als sehr angenehm empfanden.

Fazit:
„Puddle“ ist anders – und das ist auch durchaus gut so. Die Ideenvielfalt der Entwickler macht einen immensen Bestandteil des „Puddle“-Faktors aus. Die Quintessenz ist zwar das A-nach-B-Prinzip, dazwischen warten jedoch einige vertrackte Situationen und verrückte Ideen. Zu den Highlights zählt beispielsweise das Befüllen eines Tintenbehälters unter Zeitdruck, wobei zusätzlich dafür zu sorgen ist, dass dem Behälter keine Hindernisse im Weg stehen. Hier zeigt „Puddle“ seine Oldschool-Wurzeln, die den kleinsten Fehler mit einem Neustart bestrafen. Leider kranken manche Level – trotz der vorherrschenden Linearität - darunter, dass der Spieler sich etwas verloren vorkommt und/oder die Flüssigkeiten nicht wirklich so voranschreiten, wie er es sich wünscht. Wer „Hydroventure“ kennt, wird überrascht sein, wie sehr sich „Puddle“ von diesem Spiel unterscheidet. „Puddle“ ist eindeutig geradliniger, erbarmungsloser und auch kürzer – aber dennoch ein empfehlenswertes Geschicklichkeits-Spiel für den Auftakt des Wii-U-eShops. Solide Arbeit, Neko Entertainment! (Niklas)

Pluspunkte:
+ tolle Gameplay-Ideen
+ abwechslungsreiches Spielgefühl durch unterschiedliche Flüssigkeiten
+ Core-Gamer erfreuen sich an einer gewissen Erbarmungslosigkeit
+ drei Steuerungsmöglichkeiten
+ lässt sich auf Wunsch ausschließlich über das Wii U GamePad spielen

Minuspunkte:
- Level lassen sich nicht erkunden, sondern sind strikt linear
- kann in Bezug auf den Umfang "Hydroventure" nicht das Wasser reichen
- Herausforderungen sind überwiegend anspruchslos

Wertung:
Einzelspieler: 7,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 7,99 Euro

news@mag64.de (23.12.2012)

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