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2 Fast 4 Gnomz (WiiWare)
Das digitale WiiWare-Regal an Jump’n’Runs ist nicht allzu prall gefüllt, dafür aber hochkarätig besetzt. Die letzten beiden „Mega Man“-Teile entführen Retro-Fans zurück in die achtziger Jahre, während beispielsweise „Chronos Twins DX“ mit seinem innovativen Doppelkonzept für Furore und Spielspaß sorgt. Die sogenannten Gnomz haben der WiiWare bereits einen Besuch im Beat’em-Up-Sektor abgestattet und konnten mit ihrem abgedrehten Action-Game vor allem im Mehrspielermodus punkten. Nun wollen sie auch das Jump’n’Run-Genre bereichern – mit Erfolg?

Mario ist schnell, Sonic ist schneller und Zwerge sind…sehr lahm. Zumindest habe ich das bisher immer gedacht. „2 Fast 4 Gnomz“ belehrt alle Jump’n’Run-Freunde (und damit auch mich) jedoch eines Besseren: Der Zwergen-Hauptcharakter flitzt überraschend schnell über den Bildschirm. Wenn Obelix als kleines Kind in den Kessel mit dem Zaubertrank gefallen ist, dann muss es diesem kleinen Genossen ähnlich widerfahren sein. Vermutlich hat ihn seine Mutter als Kind in eine gigantische Dose Red Bull fallen lassen, das würde diesen unbändigen Drang erklären. Euer Zwerg läuft also ohne zu stoppen durch die Levels und nun liegt es an euch, dass er diese auch unbeschadet durchqueren kann. Das Spielprinzip erinnert dementsprechend stark an den WiiWare-Evergreen „Bit.Trip Runner“. Aber WARUM läuft der Zwerg überhaupt wie ein Bekloppter durch die Level? Natürlich, es muss mal wieder eine Prinzessin gerettet werden. Auf seinem Weg ist es zudem sein Sekundärziel, die Socken einzusammeln, die in den Stages verteilt sind. Wir schlussfolgern: Zwerge schwitzen sehr schnell und haben eine Vorliebe für trockene Füße. Und Prinzessinnen.

Zunächst ist eure einzige Aktionsmöglichkeit das – unverzichtbar in einem Jump’n’Run – vertraute Springen. Schon bald reicht dies jedoch nicht mehr aus: Weite Schluchten erfordern, dass euer Protagonist mit einem Fallschirm-Verschnitt über die Abgründe gleitet. Massive Baumstämme werden eliminiert, indem ihr euch auf Knopfdruck in einen Rambo-Zwerg verwandelt, der das Gestrüpp gnadenlos überrennt. Die Liste an Fähigkeiten steigt also stetig, und bei dem mitunter schnellen Tempo ist es gar nicht so leicht, sich der Situation blitzschnell anzupassen. Deshalb besitzt ihr auch eine unendliche Anzahl an Continues und braucht euch um das Einsammeln von Power-Ups oder Extraleben keine Gedanken zu machen. Dennoch fordert euch das Spiel einiges ab. Manche Stellen erfordern dutzende Bildschirmtode, bis man herausgefunden hat, wie man sie erfolgreich übersteht. Die Steuerung ist dabei jedoch manchmal der Knackpunkt: Lässt man den Sprungknopf auch nur eine Zehntelsekunde zu lange gedrückt, setzt der Zwerg auch schon ungewollt zum nächsten Sprung an und es ist Essig mit der Kontrolle. Das kann schon ein wenig nerven. Herauszufinden, wie sehr oder wenig man an bestimmten Stellen das Gleitsegel einsetzen muss, ist dagegen spaßig und auf eine faire Weise herausfordernd. Gelegentlich wollen auch Schalter umgelegt werden, damit der Zwerg seinen Weg finden kann. Läuft er nämlich ungeniert gegen eine Wand, startet ihr wieder vom Levelanfang bzw. einem der Checkpoints. Für meinen Geschmack haben die Entwickler für diese das richtige Maß gefunden, es sind weder zu viele noch zu wenig dieser Kontrollpunkte vorhanden. Casual-Gamer dürften hier also relativ schnell den Mut verlieren und sich wieder anderen Genres widmen.

Grafisch ist „2 Fast 4 Gnomz“ solide: Die 2D-Grafik ist nett und erinnert an einen Samstagmorgen-Cartoon auf Nickelodeon. An den Retro-Charme eines „Mega Man“ oder von „Bit.Trip Runner“ reicht es jedoch bei Weitem nicht heran. Die Musik ist ein schnelles Gedudel, das zum Tempo passt, sich jedoch relativ schnell wiederholt. Vielleicht sollten begeisterte Jump’n’Run-Spieler hier lieber den Ton abstellen und ihre Musik-Anlage mit eingelegter Dance- und House-Music aufdrehen. Das passt zum Spiel wunderbar. Über den Umfang des Spieles kann man übrigens nicht meckern: Unverhofft viele Abschnitte laden zum Rennen und Springen ein. Perfektionisten haben an dem Spiel darüber hinaus noch länger Spaß, sofern sie in jedem Level alle vorhandenen Socken einsammeln wollen.

Fazit:
„2 Fast 4 Gnomz“ ist ein nettes und forderndes Spiel, das in puncto Leveldesign und Auffassungsgabe im Grunde an eine vergessene Ära erinnert, in der Jump’n’Runs noch bockschwer waren. Ironischerweise ist dieser Aspekt hier jedoch nicht wirklich gegeben, da man über eine unendliche Anzahl an Continues besitzt. Die werden aber selbst erfahrene Spieler auch brauchen, um wirklich alle Abschnitte erfolgreich zu bestehen und auch den letzten Strumpf eingesackt zu haben. Die Steuerung ist gelegentlich mehr euer Feind als euer Freund, das puristische Gameplay weiß dies für Genre-Fans aber gekonnt wett zu machen. Ehrgeizige Spieler und Jump’n’Run-Fans dürfen hier ausdrücklich einen Blick wagen. Schnell frustrierte Spieler schauen lieber mit einer Tüte Popcorn in der Hand einem Profi dabei zu, wie er durch die Level von „2 Fast 4 Gnomz“ saust - das schont die Nerven der allzu schnell angefressenen Spieler ungemein. (Niklas)

Zweite Meinung:
Man kreuze gedanklich das spielerisch wie optisch grandiose „Bit.Trip Runner“ mit dem WiiWare-Mehrspieler-Titel „Gnomz“ und schon dürfte ungefähr klar sein, was man von „2 Fast 4 Gnomz“ erwarten kann – oder eher könnte. Wäre „Bit.Trip Runner“ ein Hollywood-Millionen-Blockbuster, dann würde „2 Fast 4 Gnomz“ gewissermaßen die Low-Budget-B-Movie-Variante darstellen. Soll heißen: Zwar greifen die Entwickler von QubicGames mit ihrem zweiten WiiWare-Spiel auf ein altbewährtes und ungemein unterhaltsames Spielprinzip zurück, doch aufgrund der unspektakulären 2D-Grafik, einem unglaublich repetitiven Soundtrack und der gelegentlich übersensiblen Steuerung beim Springen kommt man nicht einmal im Ansatz an das genannte Meisterwerk aus dem Hause Gaijin Games heran. Es gilt folglich: Kann man spielen, braucht man aber nicht unbedingt. Genre-Liebhaber greifen zu, alle anderen vergnügen sich besser mit „Bit.Trip Runner“. (Alexander)

Pluspunkte:
+ puristisches & zeitloses Spielprinzip
+ Zwerge können mehr, als man glaubt
+ durch die hohe Geschwindigkeit sehr fordernd
+ überraschend umfangreich (vor allem bei diesem Preis)
+ Socken einzusammeln hat Stil

Minuspunkte:
- Steuerung macht gelegentlich Zicken
- Grafik & Sound sind nicht mehr als Durchschnittskost
- zum Klassiker fehlt das gewisse Etwas

Wertung:
Einzelspieler: 7,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 5,00 Euro

news@mag64.de (02.09.2012)

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