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Trenches: Generals (WiiWare)
Strategiespiele lassen sich bekanntlich nur selten auf Videospielkonsolen finden, selbst die Nintendo Wii mit ihren neuartigen und innovativen Steuerungsmöglichkeiten hat hier kurioserweise keine Veränderungen mit sich gebracht. Traurig, aber wahr: Sämtliche Strategiespiele für WiiWare lassen sich im Grunde an zwei Händen abzählen. Umso mehr freut man sich natürlich über jeden Zuwachs in diesem Genre, so auch über "Trenches: Generals" aus dem Hause Fishing Cactus. Ob diese unbändige Freude auch nach dem ersten Anspielen noch anhält, verraten wir euch in unserem Test!

"Trenches: Generals" wird häufig als moderner Vertreter des "Tower-Defense"-Genres bezeichnet, vollkommen zutreffend ist diese Einordnung unserer Meinung nach allerdings nicht, denn mit klassischem "Tower Defense"-Gameplay hat das ganze Geschehen eigentlich relativ wenig zu tun. Es ist vielmehr ein actionorientiertes Echtzeit-Strategiespiel, das stellenweise durchaus auf bekannte Elemente des beliebten "Turmabwehr"-Prinzips zurückgreift. Als Kommandant der britischen Streitkräfte im 1. Weltkrieg wird euch die Aufgabe zugetragen, das feindliche, deutsche Heer zu besiegen. Alle Aktionen im Spiel finden dabei auf sich horizontal erstreckenden Gefechtskarten statt: Ihr beginnt stets bei eurem Hauptquartier auf der linken Seite des Spielsfelds und müsst euch mit diversen Truppen bis zur feindlichen Basis auf der genau gegenüberliegenden (also rechten) Seite des Schlachtfelds vorkämpfen, um diese zu zerstören

Wie von vielen "Tower Defense"-Spielen bereits bekannt, lassen sich Truppen dabei mithilfe der langsam, aber stetig steigenden Gold-Ressourcen nach und nach via Schalttafel am unteren Bildschirmrand ausbilden. Jede Einheit - ob Schützen, Mörserschützen, Scharfschützen oder Maschinengewehr-Schützen - besitzt individuelle Vor- und Nachteile gegenüber den anderen Soldaten-Arten, die richtige Auswahl-Entscheidung zur richtigen Zeit kann entsprechend über Sieg oder Niederlage entscheiden. Mit eurem Gold können außerdem Pioniere ausgebildet werden, die auf dem Weg befindliche lose Schützengräben in zwei Schritten zu Bunkern ausbauen und somit euren Truppen zusätzlichen Schutz ermöglichen können oder Stacheldrahtzäune zur Feindverlangsamung errichten. Daneben stehen mit dem Artillerie- sowie mit dem Giftgasbeschuss noch zwei Luftangriffe zur Verfügung, um feindlichen Einheiten und deren Bebauungen aus weiter Ferne zu bombardieren. Derjenige Spieler, der zuerst durch den geschickten Einsatz von unterschiedlichen Truppen und Luftschlägen die jeweils andere Seite des Spielfelds erreicht, gewinnt das jeweilige Match. Die Vorgehensweise zur Erfüllung dieses Ziels liegt dabei voll und ganz bei euch, eines sei jedoch ausdrücklich gesagt: Der unüberlegte Frontalangriff führt nur selten zum Erfolg!

Angehenden Armee-Kommandanten stehen in "Trenches: Generals" insgesamt drei Spielmodi zur Verfügung, in denen sie sich nach Herzenslust auf virtuellen Schlachtfeldern austoben können. Solisten können sich entsprechend entweder an der umfangreichen Einzelspieler-Kampagne versuchen (der übrigens ein nützliches Tutorial - hier "Ausbildungslager" genannt - vorangeht) oder spontane Kämpfe gegen CPU-Gegner im "Einzelgefecht" austragen. Die Kampagne besitzt dank unterschiedlicher Aufgabenstellungen, einem steigenden Schwierigkeitsgrad und diverser Upgrades bzw. Verbesserungen für eure Soldaten durchaus ihre Reize und wird euch sicherlich einige Zeit bei Laune halten. Eine gewisse Monotonie stellt sich dennoch nach absehbarer Zeit ein, denn letzten Endes macht man aufgrund des mangelnden spielerischen sowie taktischen Tiefgangs des vorliegenden Kriegsspektakels immer dasselbe - nur halt mit jeweils anderen Zielen. Dieses Problem bleibt leider auch im Mehrspieler-Part, dem dritten Spielmodus, bestehen, nichtsdestotrotz sorgen Splitscreen-Duelle gegen einen Freund einerseits und ein Kooperationsmodus für bis zu zwei Spieler andererseits zumindest kurzzeitig für packende Unterhaltung.

Die WiiWare-Fassung dieses Echtzeit-/Action-Strategiespiels kann visuell besonders durch die putzige 2D-Grafik punkten, die mit ihrem überzeichneten und witzigen Figurendesign durchaus an einen Cartoon erinnert. Eine breitere Farbauswahl in der Levelgestaltung abseits von schwarz, grau und braun wäre zwar durchaus wünschenswert gewesen, die leicht triste Optik wie auch der recht unauffällige Soundtrack sind letztendlich aber sicherlich dem Setting geschuldet - immerhin befindet man sich hier im Krieg! Zu kämpfen hat man dabei allerdings nicht nur mit den feindlichen Truppen, sondern auch und insbesondere mit der hölzernen Steuerung: Sämtliche Einheiten lassen sich über das simultane Drücken der A- und B-Taste sowie durch eine Geste mit der Wiimote entweder vorwärts oder rückwärts in Bewegung setzen. Wenn die Wiimote statt nach links oder rechts nach unten geschwungen wird, dann stoppen eure Truppen an Ort und Stelle, zumindest in der Theorie. In der Praxis hingegen erkennt das Spiel mitunter eure Befehle nicht oder nicht richtig, schickt manche eurer Einheiten los und lässt andere zurück, positioniert Truppen in Schützengräben nicht richtig oder verweigert gar das weitere Vorstoßen oder den Rückzug bei Feindkontakt. Besonders heikel und umständlich ist die Steuerung separater Truppen-Verbände, die einzeln angewählt und anschließend durch das Ziehen einer Linie auf dem Bildschirm zu einem bestimmten Punkt abkommandiert werden können, was in hektischen Gefechten jedoch viel zu lange dauert und zum Teil ungenau ist.

Fazit:
"Trenches: Generals" bietet für ein Strategiespiel zwar keinen sonderlich beachtlichen spielerischen oder gar taktischen Tiefgang und auch die Truppen-Koordination mithilfe der Wiimote ist - einmal nett umschrieben - eher suboptimal von Fishing Cactus umgesetzt, doch ansonsten legen die belgischen Independent-Entwickler hier einen durchweg grundsoliden Download-Titel vor. Insbesondere die Einzelspieler-Kampagne fesselt und begeistert im späteren Verlauf ungemein und sollte sicherlich alle heimischen Hobby-Strategen gebannt vor den Fernseher fesseln. Wer Zeit, Lust und natürlich auch das Geld hat und sich an den oben genannten Mängeln nicht stört, darf bedenkenlos zugreifen. (Alexander)

Pluspunkte:
+ gelungene Einzelspieler-Kampagne
+ "Tower Defense"-Elemente vorhanden
+ unterschiedliche Einheiten und Luftschläge
+ Mehrspieler mit VS- und Koop-Modus
+ tolle 2D-Grafik im Cartoon-Stil

Minuspunkte:
- lässt taktischen Tiefgang missen
- kann eintönig werden
- recht hölzerne Steuerung

Wertung:
Einzelspieler: 6,5
Mehrspieler: 6,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 700 Nintendo Punkte

news@mag64.de (08.04.2012)

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