konsolenkost.de

 
Mag64

MotoHeroz (WiiWare)
Einige hoffnungsvolle Erwartungen waren vor dem Release von "MotoHeroz" durchaus spürbar, denn Entwickler Red Lynx hat 2009 mit „Trials HD“ (Xbox Live Arcade) eine unglaublich fesselnde Mischung aus Renn- und Geschicklichkeitsspiel herausgebraucht, die sich immer noch großer Beliebtheit erfreut. "MotoHeroz" basiert grundlegend auf genau diesem Prinzip, bekommt aber dennoch seinen eigenen Stempel aufgedrückt.

Für das allgemeine Verständnis nochmal ganz von vorne: "MotoHeroz" ist ein physikbasiertes Spiel, das in einem 2D-Rennspielgewand daherkommt, sich nach einiger Zeit aber eher als Geschicklichkeitstitel entpuppt. Ihr haltet die Wiimote waagerecht, gebt Gas, bremst/fahrt rückwärts und könnt euer Fahrzeug mit dem Steuerkreuz nach vorn und hinten neigen. Die Physik-Engine ist dabei wirklich große Klasse. Neigt ihr euch stark nach vorn, habt ihr keinen Druck auf den Hinterreifen und somit keinen Antrieb nach vorne. Neigt ihr euch - womöglich noch auf einer Rampe – stark nach hinten und gebt Vollgas, macht ihr eine Rückwärtsrolle und landet auf dem Dach. Dann müsst ihr die Wiimote leicht schütteln, um den Boliden wieder umzudrehen. Die richtige Dosierung des Gaspedals will ebenso beherrscht werden, damit ihr ständig genug Schwung habt, um diverse Rampen und Loopings zu durchfahren. Wer mitten in einem steilen Hang landet, wird wichtige Sekunden verlieren und kein Tempo aufnehmen können. Dieses "Einmaleins" der Physik ist die Grundlage des Spiels. Das Leveldesign ist dabei ziemlich abgedreht und oft anspruchsvoll. Permanent geht es auf und ab, ihr fahrt durch hohle Baumstämme, lasst euch von Fahrstühlen transportieren, betätigt Schalter, um neue Wege zu öffnen und fahrt mit Saugnäpfen an den Reifen senkrechte Hindernisse hinauf. Neben den Saugnäpfen gibt es weitere Items, die eure Fahrt erleichtern oder im Mehrspielermodus Gegner behindern.

Der „Storymode“ bildet den Einzelspielermodus. Hier absolviert ihr nacheinander eine Vielzahl von einzelnen Strecken, die auf unterschiedliche Landschaften verteilt sind. Eure Aufgabe ist hier meist das Unterbieten einer vorgegebenen Zeit, die durch einen Geistfahrer während des Rennens visualisiert wird. Um den Storymode aufzulockern, hat man sich weitere Aufgabe ausgedacht, darunter z.B. den Transport eines Männchens auf eurem Dach, das nicht herunterfallen darf oder eine bewegliche Ziellinie, die ihr einfangen müsst. Auf Grund der sensiblen Physik eine nicht ganz einfache Aufgabe. Gegen weitere CPU-Fahrer tretet ihr im Storymode relativ selten an. Vor allem die Variante gegen drei weitere Fahrer stellte sich ohnehin als chaotisch heraus, so dass die Zeitrennen im Einzelspielermodus letztlich besser zum Konzept passen. Mit aufgesammelten Münzen könnt ihr neue Fahrzeuge für den Mehrspieler- und Online-Modus kaufen. Um das Spielprinzip etwas variabler zu gestalten, hat man Wasser- und Fluglevel in das Spiel integriert, in denen es sich aber eher schlecht recht als steuern lässt, so dass diese gegen die Standard-Strecken qualitativ abfallen. Für Forscher und Sammler hat man schließlich zwei leuchtende Steine auf jeder Strecke versteckt, um den Wiederspielwert für Einzelspieler zu erhöhen. Dort geht es dann nicht um Bestzeiten, sondern um schwierig zu erreichende Streckenbereiche, wo diese Steine oftmals sehr sorgfältig versteckt wurden.

Im Mehrspielermodus hat der Titel sehr viel Potential, zumal er leicht zugänglich ist, was dem physikbasierten Konzept zu verdanken ist. Man muss nicht mit Videospielen aufgewachsen sein, um die Regeln der Physik zu verstehen und die Steuerung ist kinderleicht zu erlernen. Wenn man mit bis zu drei menschlichen Gegenspielern gleichzeitig versucht, eine steile Rampe ins Ziel zu erklimmen, können langjährige Freundschaften schnell vergessen sein. Wer früher im Ziel ist, bekommt mehr Punkte und nach einer festgelegten Streckenanzahl wird der Sieger gekürt. Da das Geschehen nicht im Split-Screen aufgeteilt wird, verliert derjenige, der im linken Bildschirm-Nirvana verschwindet, weitere Punkte. Wählen kann man zwischen allen freigeschalteten Boliden, leider bekommt man die Stats der Fahrzeuge hier nicht angezeigt, was etwas ärgerlich ist. Der Online-Part ist nicht der von uns erhoffte Modus. Statt eines Rennens mit bis zu drei Mitspielern, könnt ihr dort nur an Zeitfahrrennen teilnehmen, um die erspielten Zeiten mit Rennfahrern auf der ganzen Welt zu vergleichen. Die dort anwählbaren Strecken sind jeweils für eine bestimmte Zeit spielbar und unterscheiden sich z.B. durch die Anzahl der Versuche, die ihr habt, um eine Bestzeit aufzustellen. Somit beschränkt sich der tatsächliche Mehrspielermodus aber auf lokale Spieleabende.

Technisch ist "MotoHeroz" mit das beste im WiiWare-Bereich. Die Optik ist verspielt, aber messerscharf. Manchmal ist sie dermaßen verspielt, dass sich Streckenhindernisse nicht sofort vom Hintergrund unterscheiden lassen, aber das ist selten der Fall und schnell vergessen. Die Physik-Engine sei hier auch ein letztes mal gelobt, denn sie ist der Grund dafür, dass das simple Konzept dermaßen Spaß machen kann. Vor "Try & Error" solltet ihr euch allerdings nicht fürchten, denn das gehört beim verrückten Leveldesign oftmals dazu. Per Minus-Taste könnt ihr die aktuelle Strecke sofort neu starten, was längere "Try & Error" -Abschnitte erträglich macht.

Fazit:
"MotoHeroz" ist eines der hochwertigsten WiiWare-Spiele, das für 1500 Nintendo-Punkte aber einen vollständigen Online-Modus verdient hätte. Der reine Umfang im Storymode ist lobenswert, dafür schwächelt der Titel etwas, sobald er versucht, abwechslungsreicher zu werden. Neben den durchwachsenen Flug- und Wasserstrecken störten uns diverse Hindernisse und bewegliche Plattformen, die den Spielfluss teilweise zu abrupt stören. Als Rennspielfan hätte man sich stattdessen etwas mehr Tempo gewünscht, da das Spielprinzip für sich schon fesselnd genug ist. Geschicklichkeitsfans können über diese Kritik komplett hinwegsehen und Partyspieler werden allein mit dem Mehrspielermodus lange Spaß haben. (Manni)

Pluspunkte:
+ simples, aber fesselndes Konzept
+ technisch durchweg überzeugend
+ unzählige Storymode-Strecken
+ leicht zugänglicher Multiplayer
+ über weite Strecken intelligentes Leveldesign

Minuspunkte:
- schwache Wasser- und Flugabschnitte
- kein Online-Duelle (nur Zeitrennen)
- ungewöhnlich teuer für ein WiiWare-Spiel

Wertung:
Einzelspieler: 8,5
Mehrspieler: 9,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 1500 Nintendo Punkte

news@mag64.de (01.10.2011)

Meinungen, Anregungen und sonstiges bitte an info@mag64.de

 
                   

Game-and-Fun.de