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3D Classics Excitebike (3DSWare)
Es gibt zwei Dinge, die man wohl unumstritten von Nintendo behaupten kann: Erstens, dass sie sich selbst treu bleiben und zweitens, dass sie sich in schöner Regelmäßigkeit selbst recyceln. Beide Aussagen treffen wunderbar auf ihren ersten Titel der "3D Classics"- Serie zu, der pünktlich zum Launch des neuen 3DS-eShop auf dem virtuellen Marktplatz kostenlos zum Download bereitsteht: "3D Classics Excitebike", denn bereits zum Launch von Big Ns erster Heimkonsole, dem NES vor nunmehr 27 Jahren, war dieser, mittlerweile waschechte Rennspielklassiker von Beginn an in den Startlöchern. Nachdem man bereits auf der Virtual Console für Wii den Titel unverändert wieder zum Leben erweckt hat, hat man ihm diesmal eine 3D-Frischzellenkur verpasst und schickt ihn nun in "neuem Gewand" an die Startlinie.

An sich ist Excitebike, damals wie heute, ein recht minimalistisches Spiel. Man schlüpft in die Rolle eines Moto-Cross-Fahrers und versucht die insgesamt fünf zur Auswahl stehenden Strecken, wahlweise im Solo-Modus oder mit CPU-Gegnern, unter den vorgegebenen Bestzeiten zu meistern. Die Strecken sind alle linear, haben also keinerlei Kurven oder ähnliches und werden stets in guter Side-Scrolling-Manier abgefahren. Auf den Pisten, die in vier Bahnen unterteilt sind, befinden sich allerhand Hindernisse, die es entweder zu umfahren oder mit spektakulären Sprüngen zu überwinden gilt. Die insgesamt 19 verschieden Rampen, Buckel, Schlammlöcher und Rasenabschnitte lassen sowohl im Challenge-Modus, als auch im Racing-Modus in keinem Moment Langeweile aufkommen. Die Steuerung ist dabei denkbar simpel: Mit den Steuerkreuzrichtungen "oben" und "unten" wechselt man die Fahrspur, mit "links" hebt man das Vorderrad an, was bei voller Fahrt einen Wheelie, also das Fahren auf dem Hinterrad zur Folge hat. Vor dem Absprung von einer Rampe jedoch, kann man so die Weite des Fluges erhöhen, wobei das Drücken von "rechts" das Gegenteil bewirkt. Auch werden die "rechts-links"-Tasten gebraucht, um den richtigen Aufprallwinkel zu wählen, denn sollte dieser nicht optimal eingestellt sein, überschlägt sich der Fahrer und landet in den, die Rennstrecke abgrenzenden, Strohballen. Gas gegeben wird mit "2", mit dem Drücken von "1" aktiviert man den Turbo, der allerdings der Maschine sehr zu schaffen macht und deshalb schnell zu deren Überhitzung führt. Eine Bremsmöglichkeit sucht man leider vergebens, doch dies ist für das im Renngeschäft übliche Motto "wer bremst verliert" nur symptomatisch. Im Startmenü hat man die Auswahl zwischen drei verschiedenen Optionen: "Selection A", "Selection B" und "Design". Hinter "Selection A", also Auswahl A, verbirgt sich der Solo- oder Challenge-Modus, in dem man sich ganz alleine in das halsbrecherische Wettrennen gegen die Uhr wagt. In diesem Modus sollte das Unterbieten der Bestzeiten keinerlei Hindernis darstellen, außer man findet zu viel Spaß daran, seinen Fahrer bei den spektakulären Stürzen zu beobachten. "Selection B" lässt nun im Racing-Modus eine scheinbar unbegrenzte Anzahl von Mitfahrern bei dem Rennen mit antreten, die allerdings keinerlei Einfluss auf das Endergebnis haben: Man fährt auch hier weiterhin nur gegen die vorgegebene Zeit. Obwohl die Mitfahrer somit nur zu einem Statistendasein im Renngeschehen degradiert werden, sind sie doch maßgeblich für den, nun doch etwas anspruchsvolleren Schwierigkeitsgrad, verantwortlich: Als ob sie von einer bösartigen Intelligenz gesteuert würden, haben sie oft die Unart, zu den unpassendsten Gelegenheiten auf die eigene Spur zu wechseln, was oft in einem verheerenden Crash endet, der kostbare Sekunden kostet. Dafür kann man es ihnen aber auch mit gleicher Münze heimzahlen: Es ist eine wahre Freude, einem Kontrahenten mit dem Hinterrad einen "kleinen Stups" zu verpassen und ihn von der Bahn fliegen zu sehen. Doch auch abgesehen von den Kontrahenten ist der Schwierigkeitsgrad durchaus human, zumal er sich sogar dem fahrerischen Können des Spielers anpasst, was sich in variierenden Bestzeiten äußert. Die dritte Auswahlmöglichkeit, "Design", war zur damaligen Zeit eine echte Weltneuheit: ein "Leveleditor". Heute ist dies natürlich schon fast zum Standard geworden, aber dieser Streckeneditor ist wohl einer der Hauptgründe, warum sich "Excitebike" einer so großen Beliebtheit erfreute, und auch heute noch, zwar keinen grenzenlosen Spielspaß, aber doch kurzweilige Unterhaltung, gepaart mit der Option auf persönliche Kreativität, bietet. Im Editor hat man zu Beginn eine noch leere Piste vor sich, an deren unterem Rand der Fahrer steht, um zu signalisieren, wo man sich aktuell befindet. Unter ihm sind die verschiedenen Hindernisse aufgelistet, wobei für jedes einer der Buchstaben von A bis S steht. Bei den ersten Experimenten mit dem Editor wird diese Nummerierung (Buchstabierung?) sicherlich noch etwas gewöhnungsbedürftig sein, doch anders als in den bisherigen Versionen des Spiels, hat man nun eine Unterteilung in Sprünge, Fallen, Spezial etc. gemacht. Und dank der Vorschau am Touchscreen ist dieser nun wirklich kinderleicht zu handhaben. Leider gibt es keine Möglichkeit den Stylus einzusetzen, da man alles per Knopfdruck machen muss, was nach anfänglicher Irritation jedoch erstaunlich intuitiv und leicht von der Hand geht. Auf der Länge von 19 Megarampen beziehungsweise 80 kleinen Buckeln kann man nun beim Gestalten eines individuellen Parcours seiner Phantasie und/oder Bösartigkeit freien Lauf lassen. Das ehemalige Manko, dass man nur eine einzige Strecke speichern konnte, wurde hier auch behoben, denn nun stehen dem kreativen Parcoursplaner ganze 32 Slots zur freien Verfügung. Das lästige Abwägen, ob die aktuelle Kreation wirklich besser ausgefallen ist, als das vorherige Werk ist nun also passee. Wie immer kann man die eigenen Layouts in den beiden Spielmodi zur Genüge auf ihre Tauglichkeit testen. Die bei jeder Erstfahrt angezeigte Bestzeit von acht Sekunden scheint ziemlich optimistisch und wird auch sehr schnell durch die eigene Bestzeit ersetzt.

Die Grafik ist nach wie vor ganz dem Zeitgeist der 1980er und den NES-Möglichkeiten entsprechend gehalten: Die verschiedenen Fahrer unterscheiden sich lediglich durch ihre Färbung, das Publikum ist ein regungslos auf seinem Platz verharrender Fleckenteppich, aus dem nur einzelne Zuschauer sich von der einfarbigen Masse abheben. Dank des 3D-Makeovers ist nun eine deutliche räumliche Tiefe in das Spiel eingekehrt, die sich wunderbar durch das Spielen mit dem 3D-Regler feststellen lässt: bei deaktiviertem Effekt hat man die normale NES-Version, doch sobald man diesen nach oben schiebt, klappt die Spielwelt quasi nach hinten und man sieht zum ersten Mal über die Zuschauerränge hinaus, den Himmel mit seinen Schäfchenwolken. Zusätzliche, neu angebrachte Elemente wie Werbebanner an der Rennstrecke oder auch einfach nur die Streckenpfosten, sorgen für weitere räumliche Tiefe, die sich keineswegs gezwungen oder gar aufdringlich bemerkbar macht. Die fünf Strecken unterscheiden sich zwar durch die farbliche Zusammenstellung voneinander, aber ist die Farbwahl dabei, gelinde gesagt, interessant: Neon-orange und blau als Farben für die Ränge, die "Grünfläche" und Rennpiste. Nicht jedermanns Sache, aber dennoch kein wirklicher Beinbruch. Der Sound lässt zu Wünschen übrig: Als musikalische Untermalung gibt es nur eine kurze, fiepige Melodie im Auswahlbildschirm und zum Rennsieg. Während der Rennen an sich fehlt jegliche Musik. Die Effekte hätten zwar auch besser sein können, so hat zum Beispiel das Geräusch des Motors nicht viel mit einem solchen gemein und auch die unglückliche Auswahl desselben Sounds für das Überhitzen des Motors und das Beenden einer Runde kann oft zur Verwirrung führen - vor allem wenn man gerade nicht die "Overheat"-Anzeige im Blick hat. Dass es bei diesem Spiel jedoch keinen Multiplayer gibt, scheint ein fast unverzeihliches Manko zu sein, denn zu zweit wäre der Single-Player-Spaß noch potenziert worden.

Fazit:
"Excitebike" ist und war schon immer ein Schmankerl. Und dank des vorsichtigen und sehr sinnvoll und stimmigen 3D-Facelifts hat man wieder einmal mehr den Grund sich das Spiel zu laden. Natürlich bleiben auch weiterhin der Sound und die Farbgestaltung potenzielle Augen- und Ohrenkrebskandidaten, doch sollte jedermann klar sein, dass es sich hier eben "nur" um einen überholten Genre-Opa handelt, der zwar seine Macken hat, doch dank seines alten Charmes auch heute noch dieses gewisse "je ne sais quoi" hat. Obgleich es viele andere, wesentlich umfangreichere Rennspiele gibt, lädt es stets zu einer kurzen Runde ein, oder man darf sich mit dem optimierten Leveleditor austoben. Definitiv ein Titel, den man sich, zumal er noch einen ganzen Monat lang kostenlos zur Verfügung steht, nicht entgehen lassen sollte - selbst wenn man kein Fan von Rennspielen ist. (Michi)

Pluspunkte:
+ Lustiger Racing-Modus
+ Überarbeiteter Leveleditor
+ Extrem kurzweilig
+ Sich anpassender Schwierigkeitsgrad

Minuspunkte:
- Kein Multiplayer
- Fehlende Musik beim Spiel

Note:
Einzelspieler: 7,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 6 €

news@mag64.de (19.05.2011)

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