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Ogre Battle 64: Person Of Lordly Caliber (Virtual Console | N64)
Im Laufe der Jahre hat so ziemlich jedes Videospiel-Genre seine Hochzeit erlebt: Waren in den Achtzigern vor allem Shoot’em-Ups angesagt, folgte daraufhin in den Neunzigern die Prügelspiel-Manie und später die Blütezeit der Ego-Shooter. Videospiele, die dem Fantasy-Genre angehören, gab es jedoch schon seit den Frühzeiten des Mediums und sie haben sich bis heute gehalten. Egal ob als Action-Adventure, reinrassiges Rollenspiel oder – wie in diesem Fall bei „Ogre Battle 64: Person of Lordly Caliber“ – taktischer RPG-/Strategie-Mix: Fantasy-Spiele sind einfach nicht tot zu kriegen. Können Genre-Fans bei diesem Titel also bedenkenlos zuschlagen?

Zunächst einmal braucht ein Spiel im Universum der Ritter, Orks und Elfen natürlich eine neugierig machende Stoy: In diesem Falle verlässt ein junger Mann namens Magnus seine Heimat, um an einer Kampfakademie seine Ausbildung zu beginnen. Blende: Sechs Jahre später kommt dieser frisch ausgebildet nach der Abschlussfeier bei der Kampftruppe des Palastes unter. Zusammen mit dem Draufgänger Rio soll er nach Monstern Ausschau halten, die in letzter Zeit zunehmend die Gegend unsicher machen. Schon kurz darauf wird jedoch klar, dass das Monsteraufkommen nur die Ablenkung einer Bande war, die eine Revolution im Sinn hat und dabei sogar den Prinz des Königreichs entführt. Anstatt stur Befehle auszuführen, wie es die anderen Hof-Kämpfer zu tun pflegen, beginnt Magnus allerdings darüber nachzudenken, was die Gründe für diesen Wunsch nach Freiheit sein könnten…

Das Spiel läuft im Grunde folgendermaßen ab: Vor jeder Mission erhalten Magnus und sein Team von einem Lehrmeister in einer Art Besprechungsraum ein kurzes „Briefing“, damit man einen Überblick über das aktuelle Missionsziel erhält. Danach findet man sich auf einer Oberweltkarte wieder, auf der eigene und gegnerische Einheiten angezeigt werden. Nun kann man frei wählen, wie man sich auf der Karte fortbewegen will, um beispielsweise fremde Stützpunkte zu erreichen und gleichzeitig zu erobern. Trifft man dabei auf den Kampftrupp eines Gegners, wechselt das Geschehen in eine isometrische Kampfansicht. Hier geht es – wie sollte es bei einem japanischen Fantasy-Spiel auch anders sein – rundenbasiert auf ins Gefecht. Die beiden Kampftruppen stehen sich gegenüber und lassen nacheinander die Waffen sprechen. Wer hier allerdings tiefgehende Entscheidungsfreiheit, wie beispielsweise bei „Final Fantasy Tactics“ erwartet, wird leider enttäuscht. Die Kämpfe laufen vor euren Augen automatisch ab. Bis auf wenige Kommandos („Greife den stärksten Gegner an“, „Greife den Anführer an“ oder „Greife den Schwächsten an“) bleibt euch Handlungsspielraum verwehrt und ihr seid zum Zuschauen verdammt. Das mag im ersten Moment enttäuschend klingen, ist angesichts der unzähligen Kämpfe, die es bei den Missionen mitunter zu bestreiten gilt, jedoch auch von Nöten. Es wäre nicht auszudenken, wie sich eine einfache Mission in die Länge ziehen würde, müsstet ihr jede einzelne Attacke eurer Kämpfer selbst auswählen. Zumal jeder von ihnen auch nur über eine Angriffsart verfügt.

Das Spiel richtet sich ganz klar an Taktiker, die allerlei Einstellungen gerne vor den Kämpfen vornehmen und sich während der Schlachten quasi anschauen dürfen, ob ihre Arbeit Früchte trägt. Auf der Oberweltkarte ist ebenfalls einiges an Geschick gefragt: Während man in den ersten Missionen auch mit nur einer Einheit das Missionsziel erreichen kann, ist man bei komplexeren Missionen dazu gezwungen, mehrere Einheiten gleichzeitig über das Kampffeld zu schicken. Im Vergleich zu anderen Rollenspielen ist man bei „Ogre Battle 64: Person of Lordly Caliber“ also mehr der Koordinator im Hintergrund als ausführender Kämpfer. Was Square Enix bei dem Spiel allerdings sehr gut gelungen ist, sind die atmosphärischen Zwischensequenzen und die passende Optik. Aus heutiger Sicht kommt des dem Spiel zu Gute, dass man damals auf eine, nennen wir es mal „aufgebohrte SNES-Optik“ gesetzt hat, anstatt auf die zu der Zeit angesagte 3D-Polygon-Optik zurückzugreifen. Während damals eindrucksvolle N64-3D-Titel heute wie ein verwaschener Schleudergang aussehen, erfreuen Titel wie eben dieser hier mit stimmiger 2D-Optik und stellenweise wunderschönen Hintergründen, wie man sie von japanophilen Fantasy-Abenteuern erwartet und hier auch prachtvoll serviert bekommt. Die eben erwähnten Zwischensequenzen stehen dem in nichts nach, denn mit ihren passenden Dialogen und ebenso tollen Hintergrundmelodien fügen sie sich perfekt ins Gesamtbild ein. Das Spiel ist übrigens – und das verwundert selbstverständlich nicht – recht komplex. Wie benutzerfreundlich, dass Square Enix deshalb auch einen Tutorial-Modus integriert hat, in dem jeder Bereich des Spieles ausführlich erklärt wird. Die vielen Menüs und Funktionen können ungeübte Spieler unter Umständen erschlagen, weshalb ein Abstecher in diesen Modus fast schon Pflicht ist. Wer das allerdings tut, wird jedoch sicherlich nicht enttäuscht.

Fazit:
Taktiker und Hobby-Strategen dürfen frohlocken: Denn „Ogre Battle 64: Person of Lordly Caliber“ bietet genau das, was man von einem RPG-/Strategiemix erwartet. Einheiten auszurüsten, Kampfeinheiten auszusenden und gegnerische Stützpunkte zu erobern gehört hier zum Alltag. Die Kämpfe sind dagegen eher nebensächlich und laufen automatisiert ab, sodass ihr hier keinen „Final Fantasy Tactics“-Klon erwarten solltet. Ihr habt also kaum Einfluss während des eigentlichen Kampfablaufes, dessen solltet ihr euch vor einem eventuellen Download bewusst sein. Komplex ist es allerdings trotzdem, sodass einiges an Einarbeitung erforderlich ist, was der Tutorial-Modus glücklicherweise aber erleichtert. Dann steht einem auch langfristig Spaß bringenden Fantasy-Abenteuer nichts mehr im Wege. Bonuspunkte gibt es außerdem für den herrlich an SNES-Zeiten erinnernde 2D-Stil und die tollen Zwischensequenzen. (Niklas)

Pluspunkte:
+ gelungener RPG-/Strategiemix
+ für Taktiker ein wahres Fest
+ dichte Atmosphäre durch den stimmigen Grafikstil
+ Zwischensequenzen begeistern ebenfalls
+ Tutorial-Modus nimmt euch an die Hand

Minuspunkte:
- komplett Englisch
- Einarbeitungsphase aufgrund der Komplexität erforderlich

Wertung:
Einzelspieler: 8,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 1200 Nintendo Punkte

news@mag64.de (29.05.2011)

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