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Pirates: The Key of Dreams (WiiWare)
Einmal Pirat sein, in die Weiten des Meeres hinausschippern und zahlreiche, wilde Abenteuer erleben - wer hat in seiner Kindheit nicht davon geträumt? Hobby-Segler und Freunde von raubeinigen Seebären samt Augenklappe, Holzbein und Papagei auf der Schulter können ihre Kindheitsträume nun eventuell verwirklichen, denn Oxygen Games bietet mit "Pirates: The Key of Dreams" das erste Piraten-Spiel für den WiiWare-Kanal an. Für 1000 Punkte können die Segel gesetzt werden und ihr dürft fortan euer Unwesen in der Karibik treiben. Ob sich die virtuelle Schatzjagd tatsächlich lohnt, erfahrt ihr in unserem Test.

Anno 1718: Auf einem wertvollen und begehrten Artefakt, dem "Key of Dreams", lastet ein gefährlicher Fluch. Die Marine möchten diesen geheimnisvollen Gegenstand daher in Gewahrsam nehmen und schickt euch - als Kapitän eines Schiffes - aus, um jenen Schlüssel aufzuspüren. Gerüchten zufolge wurde das Artefakt zuletzt in spanischem Gewässer gesichtet, im Feindesland. Um einen drohenden Krieg zwischen der spanischen Flotte und der Marine zu verhindern, gilt es daher, alle Spuren eurer Herkunft zu verwischen und stattdessen in der Rolle erbarmungsloser Piraten auf die Suche nach dem Schatz zu gehen. Die Geschichte wird zu Beginn des Spiels anhand von Standbildern und dazugehörigen Texten vermittelt und nach jedem Level weitergesponnen. Im Ansatz ganz nett gemacht, insgesamt gesehen ist die Story jedoch recht belanglos, auch nicht sonderlich spannend erzählt und vor allem stellt man sich als Spieler natürlich die Frage, warum man in einem Piraten-Spiel nicht in die Rollen echter Piraten schlüpft, sondern stattdessen mit Pseudo-Undercover-Seeräubern auf Schatzjagd gehen muss ...

Nach der kurzen Geschichtsstunde kann das vermeintliche Abenteuer dann auch schon beginnen. "Pirates: The Key of Dreams" entpuppt sich dabei im Einzelspielermodus als recht lineares Ballerspiel: Aus einer Vogelperspektive steuert ihr euren Kahn durch teils schmale Kanäle, vorbei an feindlichen Schiffen und Kanonenstellungen, bis ihr schließlich ein etwas größeres Areal erreicht. Hier werden dann alle Pforten dicht gemacht und es gilt in Echtzeit - getreu dem Motto "Versenken oder versenkt werden" - alle Feinde auf den Grund des Meeresbodens zu schicken bzw. deren Werften zu zerstören. Vergesst alles über Diplomatie, hier sprechen nur die Kanonen! Geht ihr als Sieger aus den Seeschlachten hervor, öffnen sich die Tore und ihr könnt eure Fahrt fortsetzen. Dieser Vorgang wiederholt sich ein paar Mal, bis ihr irgendwann durch ein Tor segelt und plötzlich die Meldung erhaltet, dass ihr den Level soeben abgeschlossen habt. Damit hätte man im Grunde auch schon den kompletten Spielablauf beschrieben, denn Oxygens Piraten-Software ist leider alles andere als abwechslungsreich: Ob ihr nun im spanischen Porto Bello oder beispielsweise in Persien für Angst und Schrecken unter euren Rivalen sorgt, macht im Grunde keinen spielerischen Unterschied. Jeder Level spielt sich wie der vorherige. So ist bereits nach einer halben Stunde die Luft aus dem Titel raus, da euch in den folgenden Missionen bis auf leicht variierende Feinde und andere Waffen nichts Neues mehr erwartet. Das Spiel bietet allerdings auch einen Mehrspielermodus, der mit dem tristen Einzelspielerpart nicht viel zu tun hat: Mit bis zu vier Spielern (oder wahlweise KI-Gegnern) lassen sich in sieben thematisch unterschiedlichen Umgebungen und 35 Leveln sowie in guter, alter Deathmatch-Manier unterhaltsame Arenen-Kämpfe austragen - mit den richtigen Waffen und etwas Geschick könnt ihr eure Mitstreiter Kielholen lassen!

Apropos Waffen: Wer ein richtiger Pirat sein möchte, braucht natürlich auch das entsprechende "Werkzeug" dafür. Bordkanonen zählen hier zum Standard jedes Piratenschiffs. Diese befinden sich an den Seiten eures Bootes und können dank unbegrenzter Munition beliebig oft eingesetzt werden. Spezialwaffen hingegen lassen sich zwischendurch in Form von Munitionskisten einsammeln. Die Palette reicht von konventionellen Hilfsmitteln wie Raketen und Wasserminen bis hin zu eher ungewöhnlichen Waffen wie einem Flammenwerfer oder Sägeblättern. Auch andere Pickups wie Totenschädel, die euch zeitlich begrenzten Schutz vor feindlichem Beschuss bieten, oder ganze Schätze lassen sich auf eurer Reise im finden. Obendrein könnt ihr in der Einspielspieler-Kampagne spezielle Boosts aktivieren, die sich während eures Abenteuers als durchaus nützlich erweisen werden. An Bord eures Schiffes befinden sich nämlich jeweils ein Kartenzeichner, ein Zimmermann, ein Navigator und ein Kanonier. Jeder von diesen Männern kann euch - bei Aktivierung ihrer Fähigkeiten - einen speziellen Vorteil verschaffen: Der Kartenzeichner verbessert die Minikarte am oberen, rechten Bildschirmrand, der Kanoniere erhöht die Reichweite eurer Geschosse, der Navigator lässt euch schneller segeln und der Zimmermann füllt eure Energieleiste im Austausch gegen Gold wieder auf. In letzterem Fall entsteht jedoch ein Vorteil, der genau genommen das ganze Spielkonzept zunichte macht. Zur Erklärung: Der Zimmermann arbeitet an und für sich die ganze Zeit über. Nehmt ihr Schaden, dann füllt sich automatisch eure Energie recht langsam, aber stetig, wieder auf. Aktiviert ihr hingegen seine Boost-Fähigkeit, lässt sich die komplette Leiste binnen weniger Sekunden komplett füllen. Verlieren wird damit im Grunde zu einem Ding der Unmöglichkeit, da auch Gold in rauen Mengen verfügbar ist - und der Anspruch an den Spieler sinkt folglich gegen Null. Es ist recht unmotivierend, wenn bei einem ohnehin schon eintönigen Spielablauf dann auch die reelle Chance, tatsächlich einmal zu verlieren, verschwindend gering ist. Wo bleibt die Herausforderung an den Spieler? Zumal eure Feinde in Sachen Intelligenz ebenfalls nicht unbedingt von der hellsten Sorte sind: Teilweise fahren sie an euch vorbei, ohne auch nur einen einzigen Schuss abzugeben. Und selbst wenn sie euch mal unter Feuer nehmen, ist bei weitem nicht jeder Abschuss auch ein Treffer. Wirklich "gefährlich" werden sie eigentlich nur in ganzen Geschwadern. Quantität statt Qualität, wenn ihr versteht, was ich meine. Gelegentlich hinterlassen besiegte Boote Schiffbrüchige zurück. Diese wollen von euch eingesammelt und für einen geringen Goldbetrag in eure Mannschaft aufgenommen werden. Damit verbessert ihr jeweils den Boost eines Fachgebietes, insgesamt vier Schiffbrüchige je Fachgebiet lassen sich im Verlauf des Spiels finden.

Kommen wir zur Steuerung, welche auf die speziellen Fähigkeiten der Wiimote völlig verzichtet und dennoch nicht einwandfrei ausgefallen ist. Doch der Reihe nach. "Pirates: The Key of Dreams" bietet euch insgesamt drei Steuerungsvarianten: Mit waagerechter Wiimote lassen sich über die Zahlentasten die Kanonen und Spezialwaffen abfeuern, die Boosts schaltet ihr mit der A-Taste durch und über das Steuerkreuz gebt ihr die Richtung an, in die ihr segeln wollt. Bis hier hin ist noch alles in Ordnung. Segeln - also quasi Gas geben - funktioniert über die B-Taste. Diese gilt es gewissermaßen die ganze Zeit gedrückt zu halten, andernfalls bleibt ihr auf der Stelle stehen. Das ist jedoch reichlich unbequem, denn der B-Button ist in dieser Position sicherlich nicht dafür gemacht, um dauerhaft betätigt zu werden. Besonders für Leute mit großen Händen dürfte diese Haltung recht unangenehm werden. Hätte man die Segel-Funktion nicht auf eine der Zahlentasten verlegen können? Die Variante mit dem Nunchuk ist dagegen nur geringfügig besser: Das Vorwärts- und Rückwärtssegeln sowie die Richtungsvorgabe wurden vollständig auf den Analogstick des Nunchuk konzentriert, eine separate Taste zum "Lossegeln" gibt es also nicht mehr. Optimal ist das leider nicht, denn diese Steuerungsmöglichkeit ist stark gewöhnungsbedürftig, teils schwammig und eine 100%ige Kontrolle über sein Schiff erhält man - selbst nach der Eingewöhnungsphase - leider nie. Tatsächlich lässt sich das Spiel am besten mit dem Classic-Controller spielen. Dieser bietet nämlich beide Varianten: Über den linken Stick lässt sich der Kahn wie mit dem Nunchuk steuert, über die beiden Schultertasten dagegen könnt ihr aber auch Vorwärts- bzw. Rückwärtssegeln und über das Steuerkreuz die Richtung angeben - die bequemere Art der Wiimote-Variante und somit die beste Wahl.

Grafisch präsentiert sich "Pirates" durchaus solide. Die Umgebungen weisen, besonders auf den Mehrspieler-Karten, einige nette Details auf (wobei ihr im Einzelspielermodus größtenteils aufs Wasser starrt) und die Seeschlachten sind mit brennenden und qualmenden Gegnern bei großem Schaden ordentlich in Szene gesetzt. Auch die Schiffsmodelle sind detailliert gestaltet und so kann man besonders im Mehrspielermodus mit teils ganz unterschiedlichen Schiffen in die Seeschlachten ziehen. Technisch kein absolutes Highlight im WiiWare-Kanal, für einen Download-Titel gibt es in diesem Fall dennoch nichts zu meckern - ganz im Gegenteil zur Sound. Hintergrundmusik gibt es nur im Menü, während des Spielens hingegen erwartet euch eine eintönige Mischung aus Meeresrauschen, Möwenlaute und Kanonenabschüssen. Musik sucht man hier vergebens. Trauriger Höhepunkt des Ganzen: Nahezu jede Meldung auf dem Bildschirm wird von einem klischeehaften "Arrrr!"-Laut eines Seemannes begleitet. Das mag anfangs noch für ein Schmunzeln sorgen, geht einem aber relativ schnell auf die Nerven.

Fazit:
Lange Rede, kurzer Sinn: "Pirates: The Key of Dreams" ist alles andere als ein gelungenes Piratenspiel geworden. Die Einspielspieler-Kampagne ist - salopp gesagt - einfach öde, die Story belanglos und die Steuerung ohne Classic-Controller nicht optimal bzw. nicht bequem. Der Mehrspielermodus bietet dagegen überraschend viele Karten und sorgt damit für kurzweiligen Spielspaß, wenn man drei Freunde um sich herum hat - ein Kaufgrund ist dieser aber bei weitem nicht. Nur absolute Piraten-Freaks sollten hier einen Kauf in Erwägung ziehen, alle anderen investieren ihre 1000 Punkte besser anderweitig. Wer trotzdem unbedingt "Schiffe versenken" möchte, sollte lieber zum gleichnamigen Brettspiel greifen. Mit aufgesetzter Augenklappe, Plastiksäbel und einer Pulle Rum daneben dürfte dann auch mehr Piraten-Flair entstehen, als das gesamte WiiWare-Spiel jemals bieten könnte. (Alexander)

Pluspunkte:
+ Action-Ballerspiel mit Schiffen
+ solide Grafik
+ Mehrspielermodus für bis zu vier Spieler

Minuspunkte:
- belanglose Story
- unglaublich eintöniger Spielablauf
- Verlieren eher eine Seltenheit
- mäßige Gegner-KI
- unbequeme Steuerung per Wiimote
- gewöhnungsbedürftige Steuerung mit Nunchuk
- fehlende Musik während des Spielens
- "Arrrr!"

Wertung:
Einzelspieler: 3,0
Mehrspieler: 4,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 1000 Nintendo Punkte

news@mag64.de (01.09.2009)

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