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Sin & Punishment (Virtual Console | N64)
Gradius, R-Type, Musha, Lords of Thunder…die Liste der hochkarätigen Shooter der 8- und 16-bit-Ära ist vielfältig und lang. Eine Konsolengeneration später – also auf dem Nintendo 64 und seinen Nebenbuhlern – sah das Genre des Shoot’em-Up jedoch schweren Zeiten entgegen, denn das Prinzip eines um sich ballernden Raumschiffes war in der neuartigen 3D-Grafikpracht einfach nicht mehr dasselbe. Umso dramatischer, dass einer der wenigen Nintendo 64-Shooter namens „Sin & Punishment“ es weder nach Nordamerika noch nach Europa schaffte. Aber dafür gibt es nun ja unseren guten Freund, die Virtual Console…

Ein kurzer Blick auf die Story: Die Welt hält mal wieder den Atem an. In einer alles anderen als rosigen Zukunft leidet der Planet unter einer Rohstoffknappheit, wodurch es zwischen den Menschen zu jeder Menge Machtkämpfe kommt. Als besonders fortschrittlicher Staat entwickelt Japan daraufhin eine neue Form von Lebewesen, die das Problem lösen soll. Der Plan geht allerdings nicht mal ansatzweise auf, denn die erst friedfertigen Kreaturen entwickeln sich zu brutalen Monstern, die nun die Menschheit bedrohen. Die Hauptstadt Tokio soll daraufhin durch die Mithilfe einer erbarmungslosen Kampftruppe, die keine Rücksicht auf Verluste nimmt, evakuiert werden. Das will eine dreiköpfige Gruppe von Widerstandskämpfern jedoch nicht hinnehmen. Im Kampf für das Gute sehen sie sich nun gleich zwei Mächten ausgesetzt: Zum einen den unkontrollierbaren Killer-Lebewesen und zum anderen den rigorosen Evakuierungstruppen. Na dann, viel Spaß.

Im Grunde ist „Sin & Punishment“ ein altbewährter Rail-Shooter. Das bedeutet: Die Spielfigur durchläuft automatisch die Gegend, eure Aufgabe ist gleichzeitig das Zielen und Eliminieren der euch entgegenkommenden Feinde. Jedoch kommt bei „Sin & Punishment“ noch ein weiteres Spielelement hinzu: Eure Spielfigur möchte nämlich auch manövriert werden. Das Voranschreiten geht zwar automatisch von Statten, das Ausweichen nach links und rechts liegt jedoch in eurer Hand. Je nach Vorliebe geht das mit den Schultertasten oder dem Steuerkreuz, eine der drei zur Verfügung stehenden Steuerungs-Konfigurationen wird euch mit Sicherheit zusagen. Grundlegend stecken also auch in diesem Titel die Kernzutaten eines 16-bit-Shooters. Durch die 3D-Grafik und den damit verbundenen Aspekt, dass Gegner sowohl direkt vor euch oder auch von viel weiter hinten angreifen, spielt bei „Sin & Punishment“ das Multitasking eine wichtige Rolle. Die pausenlose Action steuert ihr Übriges dazu bei, dass ihr ohne Unterbrechung mit dem richtigen Zielen und geschickten Ausweichen beschäftigt seid, was diesen Titel zu einem äußerst anspruchsvollen Titel der Nintendo 64-Ära werden lässt. Seine Sonderstellung verdient dieser Shooter auch durch die stimmungsvollen Zwischensequenzen, die damals alles andere als Standard waren und zudem auch noch englischsprachig synchronisiert wurden. Grafisch kann man „Sin & Punishment“ vielleicht sogar als schönsten Nintendo 64-Titel überhaupt bezeichnen. Was hier für ein Feuerwerk an Effekten und abwechslungsreich gestalteten Umgebungen auf den Bildschirm gezaubert wird, sorgt auch heute noch für anerkennendes Staunen. Dafür, dass die Framerate bei einer dermaßen üppigen Portion an Action stabil bleibt, haben sich die Leute vom Entwicklerstudio Treasure ein paar Fleißkärtchen extra verdient. Vor allem die Gestaltung der mehr als zwei Dutzend Zwischen- und Endbosse darf man als extrem gelungen bezeichnen. Diese opulenten Kämpfe bieten auch einiges an Abwechslung: Mal habt ihr es auf einer Art Highway mit einem fliegenden Robo-Ungetüm zu tun, andernorts wartet ein „Pokemon-Verschnitt“ auf einer Plattform darauf, von euch in den Abgrund geballter zu werden. Alteingesessene 2D-Shooter-Konsumenten müssen sich zugegebenermaßen erst einmal an das neuartige Spielgefühl in 3D gewöhnen. Hat man diese Eingewöhnungszeit allerdings hinter sich und lässt sich auf das 3D-Abenteuer ein, dann bekommt man einen Shooter serviert, der anderen Serien in nichts nachsteht: Knallharte Action mit jeder Menge Bosskämpfen, bei denen Auswendiglernen der gegnerischen Angriffsmuster das A und O sind.

Was allerdings komplett aus dem Rahmen fällt, ist der Mehrspielermodus. Ist ein Shooter genretechnisch für einen Koop-Modus doch geradezu prädestiniert, wird man diesen im traditionellen Sinne bei „Sin & Punishment“ leider nicht finden. Stattdessen übernimmt im Zwei-Spieler-Modus ein Spieler die Aufgabe des Schießens, während der andere den Charakter steuert. Das ist eine ziemlich fragwürdige Variante, muss man sich so doch umständlich absprechen und kann ohne Anweisung an den Mitspieler eigentlich nie das tun, was man im Spiel eigentlich gerade gern tun würde. Ein traditioneller Koop-Modus mit zwei spielbaren Figuren wäre hier eindeutig die bessere Lösung gewesen.

Fazit:
Eingefleischte 2D-Shooter-Veteranen sollten dem Spiel auf jeden Fall eine Chance geben und die Eingewöhnungszeit bei diesem 3D-Shooter in Kauf nehmen. Denn dann offenbart sich das, was einen guten Shooter – egal ob nun in 2D oder 3D – ausmacht: Fabelhaft in Szene gesetzte Baller-Action, die mit stimmungsvollen Zwischensequenzen und für Nintendo 64-Verhältnisse grandioser Optik das Gamepad zum Glühen bringt. Richtig schade ist allerdings der vergurkte Zwei-Spieler-Modus, der ein richtiges Koop-Abenteuer schmerzhaft vermissen lässt. (Niklas)

Pluspunkte:
+ opulente Inszenierung
+ englisch synchronisierte Zwischensequenzen (die wir also auch verstehen!)
+ mehr als zwei Dutzend Zwischen- und Endbosse
+ gelegentliche Perspektivwechsel sorgen für Abwechslung

Minuspunkte:
- Eingewöhungszeit für 2D-Puristen
- kein richtiger Koop-Modus

Wertung:
Einzelspieler: 8,5
Mehrspieler: 6,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 1200 Nintendo Punkte

news@mag64.de (17.04.2011)

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