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Heavy Fire: Special Operations (WiiWare)
Das Lightgun-Shooter-Genre erlebt derzeit wahrlich eine Renaissance! So durften sich insbesondere Wii-Besitzer in den letzten Jahre über spielenswerte Neuentwicklungen wie beispielsweise "Resident Evil: Darkside Chronicles" und "House of The Dead Overkill" freuen. Nintendo höchstpersönlich sorgte vor einiger Zeit mit "530 Eco Shooter" dafür, dass dieser Trend auch am Wii-Shop nicht spurlos vorbeigeht. Wem die Recycling-Ballerei jedoch etwas zu abgedreht und unspektakulär erscheint, der könnte sein Augenmerk möglicherweise auf den kürzlich erschienenen WiiWare-Action-Titel "Heavy Fire: Special Operations" richten. Man achte allerdings auf den Konjunktiv, denn "Heavy Fire" ist vor allem eines: ein großes Ärgernis.

Somalia, nicht nur eines der ärmsten Länder des afrikanischen Kontinents und hierzulande immer wieder durch seine Neuzeit-Piratenbanden in den Schlagzeilen, sondern auch eine Brutstätte des internationalen Terrorismus - sofern man denn dem fiktiven Plot des Spiels Glauben schenken mag. Jedenfalls müsst ihr nun in der Rolle eines Elite-Soldaten das Land von eben jenem Terroristen-Gesocks befreien. Damit hätten wir auch schon alles erwähnt, was es zur Story von "Heavy Fire: Special Operations" zu sagen gibt. Eure Aufgabe besteht im Folgenden darin, durch eine Handvoll Level zu marschieren und dabei mit euren Pistolen, Maschinengewehren und Co. alles niederzumähen, was auch nur ansatzweise nach fanatischem Glaubenskrieger ausschaut. Für jeden erledigten Gegner werden genreüblich Punkte auf das Highscore-Konto gutgeschrieben, für Treffer-Combos und zerstörte Umgebungselemente gibt es sogar Boni! Je nach Punktestand werdet ihr am Ende einer Mission befördert, was mit dem Zugriff auf eine neue Waffe einhergeht. Leider kann man je Beförderungsstufe nur eine zugeschriebene Waffe nutzen, das Wechseln auf zuvor freigeschaltete Schusseisen ist dann nicht mehr möglich. Interessanterweise sucht man hier Online-Ranglisten vergebens, obwohl sie sich bei solchen arcadelastigen Rail-Shootern ja förmlich anbieten. Stattdessen erscheint am Ende des Spiels ein Code auf dem Bildschirm, den sich Ruhmsüchtige notieren sollten, um sich damit auf der offiziellen Website des Spiels in eine entsprechende externe Rangliste einzutragen. Freunde, willkommen im 21. Jahrhundert!

Offensichtlich wurde neben einer Highscore-Liste ebenso die KI der Gegner vergessen: Die Terroristen schießen zwar aus allen Löchern und Rohren auf euch, doch nur wenige, sehr wenige Kugeln treffen euch davon auch tatsächlich. Wirklich "gefährlich" sind in der Tat nur jene Kollegen, über deren Köpfe ein rotes Ausrufezeichen erscheint. So könnt ihr euch in Ruhe auf eben solche Gegner konzentrieren und den Rest im Grunde getrost ignorieren. Nicht zuletzt deshalb ist das Spiel anfangs unglaublich öde und schlicht und ergreifend zu leicht. Öde bleibt es durchaus auch im weiteren Verlauf, lediglich der Schwierigkeitsgrad ändert sich von "anspruchslos" auf "unfair". Besonders in den letzten Abschnitten fängt man sich mitunter diverse Kugeln von Gegnern ein, die keine zwei Sekunden auf dem Bildschirm zu sehen sind und auch kein Ausrufezeichen über dem Kopf besitzen. Genau dieser Umstand macht das komplette Warn-System unserer Ansicht nach vollkommen unsinnig. Wie in einem klassischen Arcade-Shooter gibt es in diesem Fall auch keine Levelauswahl, was nichts anderes bedeutet, als dass man das gesamte Spiel von vorne beginnen darf, wenn man zu oft den Löffel abgibt, alle Continues verbraucht oder einfach das Spiel ausschaltet. In Sachen Steuerung besteht die Wahl zwischen der Wiimote oder einer Kombination mit dem Wii-Zapper. Das Nachladen per Schütteln der Wiimote funktioniert allerdings nicht immer problemlos: Sofern man die Bewegung nicht sehr exzessiv ausführt, reagiert das Spiel in der Regel gar nicht erst. Die Möglichkeit, das gesamte Hauptspiel im Koop mit einem Freund anzugehen, macht die Sache qualitativ sicherlich auch nicht besser, aber geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid.

Technisch präsentiert sich das Spiel durchaus solide: Die Grafik ist gutes Mittelmaß, also für WiiWare-Verhältnisse durchaus akzeptabel, und das Spielgeschehen läuft stets flüssig, auch wenn der Bildschirm vor Terroristen quasi überläuft. Die Explosionseffekte gehen ebenfalls soweit in Ordnung und die Inszenierung hat tatsächlich einen gewissen Charme (hier und da stürzen mal Flugzeuge ab etc.). Quasi wie ein "Call of Duty", nur im B-Movie-Stil. Absolut unzulänglich sind hingegen die Soundeffekte! Die Waffen klingen, als würde man mit Platzpatronen schießen und das ständige Gebrabbel der Terroristen, was vermutlich Somali (?) darstellen soll, geht einem als Spieler bereits während der ersten Mission unbeschreiblich auf die Nerven.

Fazit:
"Heavy Fire: Special Operations" ist - offen gestanden - ein Schuss in den Ofen. Abwechslungsarmes Gameplay, eine quasi fehlende Gegner-Intelligenz, ein vollkommen unsausgewogener Schwierigkeitsgrad und einiges mehr: Der Titel macht so ziemlich alles falsch, was gute Lightgun-Shooter heutzutage kennzeichnet. Selbst der verlockende Preis von gerade einmal 500 Nintendo-Punkten rechtfertigt nicht den Kauf dieses schnell dahinprogrammierten Machwerks. Unser Rat: Abstand halten. Weiten Abstand! Ach ja, und die beste Meldung kommt natürlich zum Schluss: Ein Nachfolger zum Spiel ist bereits auf dem Weg nach Europa! Sollte man angesichts dessen lieber lachen oder doch besser weinen? (Alexander)

Pluspunkte:
+ 2-Spieler-Koop-Modus

Minuspunkte:
- öder Spielablauf
- Story?
- strunzdoofe Gegner
- unausgewogener Schwierigkeitsgrad
- Nachladen manchmal bockig
- keine Levelauswahl
- grauenvolle Soundeffekte
- keine Online-Ranglisten

Wertung:
Einzelspieler: 1,5
Mehrspieler: 1,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 500 Nintendo Punkte

news@mag64.de (27.03.2011)

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