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Blood Beach (WiiWare)
Spieler älteren Semesters werden auf WiiWare nicht gerade mit Titeln überhäuft. Insofern sticht „Blood Beach“ allein aufgrund seiner Thematik aus dem Gros des Spiele-Portfolios auf Nintendos Online-Plattform heraus. In diesem Fall ist der Titel nämlich ausnahmsweise mal wirklich ganz wörtlich zu nehmen: Ihr nehmt hinter einer amerikanischen Stellung irgendwo an einem Strand nahe von Japan Platz und kämpft als tollkühne Wildsau gegen die anbrandenden Feindeswellen, die per Flugzeug, Schiff oder Pedes angewalzt kommen.

Das Gameplay ist erfreulich simpel und schnell erlernbar: Da ihr euch hinter eurer kleinen Mauer nicht bewegen könnt, bleibt euch nichts anderes übrig, als mit dem Pointer der Wiimote eure anfänglich einzige Wafffe, eine Browning, auf den Screen zu lenken. 200 Schuss rattern innerhalb einiger Sekunden durch, dann muss nachgeladen werden. Unterdessen drückt ihr einfach stets den „B“-Knopf und ballert auf alles, was sich euch nähert. Zunächst versuchen kleinere Flugzeuge euch mit Dauerfeuer zu vernichten, doch fliegen diese erst brav lange geradewegs auf euch zu, sodass ihr sie einfach vom Himmel holen könnt. Später transportieren größere Modelle auch Bomben, die ihr am Abwurf derselben unbedingt hindern solltet, da die Bomben andernfalls große Lücken in eure Gesundheitsanzeige reißen werden. Wenn die Bedrohung aus der Luft einigermaßen abgewendet zu sein scheint, tauchen in der Regel am Horizont Kampfschiffe auf. Diese schießen aus großer Distanz auf euch, sodass ihr deren Geschütztürme möglichst zügig ausschalten solltet. Das anschließende Versenken des ganzen Kahns bringt aber wertvolle Bonuspunkte. Meist hat man dafür aber wenig Zeit, weil sich dann bereits kleine Transportschiffe um die Felsen winden, um Männer oder Panzer abzusetzen. Versenkt ihr diese nicht rechtzeitig, verlagert sich der Kampf unschön in eure Nähe.

In diesem Fall helfen dann weitere Waffen, die ihr nach und nach entdeckt. Während die Browning eine gute Distanzwaffe ist, die interessanterweise mit einigen Dutzend Schuss auch ganze Kriegsschiffe versenken kann, eignen sich Granaten gut für Panzer, die Thompson gegen Menschen in der Nähe und so weiter. Die Waffen bringen zumindest ein wenig Abwechslung in den ansonsten absolut monotonen Spielverlauf und gaukeln so etwas wie „Realismus“ oder „Strategie“ vor. Wenn man allerdings mal ernsthaft hinter die Fassade des Titels schaut, dann bleibt von beidem allerhöchstens ein quasi nicht spürbarer Hauch übrig. Waffentechnisch orientiert ihr euch nichtsdestotrotz viel zu stark an der Browning und was den Realismus angeht, muss man angesichts der haarsträubenden Situation eigentlich keine zusätzlichen Worte verlieren: Ein Amerikaner allein kämpft hinter einem einzigen Geschütz gegen eine ganze Armada von japanischen Elitekämpfen, gegen eine Flotte von Kriegsschiffen und ein Rudel Kampffliegern. Naaaaattüüürlich. Immerhin wird das Spiel nach einigen Levels dermaßen schwierig und zum Teil unfair, dass man nicht ausdrücklich von US-Glorifizierung sprechen muss.

Atmosphäre und Realismus hatten sich aber eigentlich auch schon beim Anschalten des Titels verabschiedet. Das liegt vor allem an der katastrophalen Aufmachung des Titels. Die prinzipielle grafische Darstellung des Strandes geht sogar noch mit einem „ausreichend“ durch, aber sobald dann Gegner auf den Schirm kommen, muss man eigentlich erst mal herzhaft lachen. Die Größenverhältnisse sind dermaßen unpassend, dass alles, was euch vor die Flinte läuft, wie Spielzeug aussieht. Während die fliegenden Exemplare der Flugzeuge noch einigermaßen stimmig aussehen, passen sie überhaupt nicht mehr ins Bild, wenn sie dann brennend auf den Strand krachen. Hier hat man sich nicht die Mühe gemacht, die Flugzeuge, wenn sie näher kommen, größer aussehen zu lassen. Ob 1000m entfernt oder 2m vor euch im Sand, das spielte für die Entwickler offenbar keine Rolle. Hinzu kommen Texturen direkt aus der Hölle, die auf die Schiffe gepappt wurden. Am witzigsten sind jedoch die Soundeffekte. Die dezente Hintergrundmusik geht zwar auch irgendwann auf die Nerven, hält sich aber immerhin angenehm bedeckt. Das blecherne Geräusch, das erklingt, wenn man einen Treffer gelandet hat, ist aber einfach nur lächerlich: Erstens klingt das bei Kriegsschiff, Panzer oder Flugzeug immer gleich, zweitens hört es sich so an, als würde man auf Konserven schießen. Dem Geräusch nach zu urteilen, müsste jedes Flugzeug beim ersten Treffer in Flammen aufgehen. Wer dann auch einmal ein Transportschiff versenkt, wird sich nicht mehr halten können: Die verzerrten Schreie der Soldaten klingen dermaßen lächerlich, dass man sich direkt aufs nächste Schiff freut.

Aber einen Lichtblick gibt es dennoch: Die Steuerung ist vorbildlich umgesetzt worden. Es werden nicht nur jegliche Controller unterstützt (Wiimote, Wiimote+Nunchuk, Classic Controller, GameCube Controller), auch die Einstellungsmöglichkeiten sind opulent. Uns hat die Variante mit Wiimote und Nunchuk am besten gefallen, wo man den Pointer zum Zielen und die Stick zum Zoomen nutzt. Wer aber gerne mehr Bewegungssteuerung nutzen möchte, darf auch mit der Wiimote allein zoomen, wie es bereits „Red Steel“ vorgemacht hat: Indem man einfach die Hand nach vorn und hinten führt.

Fazit:
„Blood Beach“ ist alles in allem ein ziemlich lächerliches Spiel. Das Gameplay beschränkt sich auf langes „B“ drücken und ein bisschen Zielen, die Technik pendelt sich im Allgemeinen irgendwo zwischen Nintendo 64 und Dreamcast ein. Hinzu kommen Soundeffekte, die die Entwickler offenbar irgendwo im Internet gefunden haben, und die unverzeihlichen Fehler bei den Größenverhältnissen. Wir wussten ja schon immer, dass sich die Amerikaner gern als das größte Volk betrachten, aber das hier ist dennoch lächerlich. Aber – und da sieht man einfach mal, wie wichtig auch die Steuerung ist – der Kern des Titels funktioniert dennoch: Wer Lust auf ein „besseres“ Tontaubenschießen hat, der wird hier für einige Minuten ganz nett unterhalten. Steuerung und Waffen funktionieren ja in weiten Teilen. In Europa haben wir immerhin insofern Glück, als dass wir „nur“ 5€ zahlen müssen, während die Amerikaner stolze 10€ hinblättern müssen. (Hendrik)

Pluspunkte:
+ leicht erlernbar
+ besseres Tontaubenschießen
+ unterschiedliche Waffen
+ Steuerung mit Wiimote und Nunchuk
+ viele unterschiedliche Controller

Minuspunkte:
- blecherne bis bescheuerte Soundeffekte
- letztlich monoton
- Größenverhältnisse
- immer gleiche Kulisse

Wertung:
Einzelspieler: 3,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 500 Nintendo Punkte

news@mag64.de (27.2.2011)

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