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Ecco the Dolphin (Virtual Console | Mega Drive)
Ihr hasst Unterwasser-Level in Jump' n' Runs und Action-Adventures? Zeitdruck in Spielen lässt euch verrückt werden? Eine ungenaue Steuerung und Schleich-Passagen sind euer schlimmster Albtraum? All das, aber auch einige gute Ansätze, bekommt ihr für 800 Nintendo-Punkte mit "Ecco the Dolphin" auf der Virtual Console.

Es scheint alles idyllisch, als ihr mit euren Delfin-Freunden/Freundinnen im Meer schwimmt und spielerisch einige Meter aus dem Wasser springt, wie Delfine es für gewöhnlich gerne tun, wenn sie nicht gerade schiffbrüchige Menschen retten. Just in dem Moment kommt ein riesiger Sturm auf und weht all eure Freunde davon. Nur ihr (Ecco der Delfin) wurdet nicht vom Winde verweht und macht euch auf die Suche nach den verschütt gegangenen Kameraden. Dazu müsst ihr allerlei Höhlensysteme erforschen, Kugelfische rammen, Kristalle beschallen und euch lautlos an Tintenfischen vorbeischleichen. Da ihr euch dem Thema entsprechend nicht nur von links nach rechts bewegen könnt, lässt sich Ecco in acht Richtungen steuern. Auch das "Gegnern auf den Kopf springen" hat man durch eine impulsartige Attacke nach vorne ersetzt, mit der ihr gegnerisches Getier aus dem Weg "rammen" könnt. Eure wichtigste Fähigkeit ist das Sonar. Dies sind Schallwellen, mit denen ihr vielerlei Dinge anstellen könnt. Beispielsweise trefft ihr immer wieder auf Artgenossen, mit denen ihr auf diese Weise kommunizieren könnt, sodass sie euch Hinweise für nachfolgende Passagen geben. Zusätzlich dient das Sonar als Karte, um sich einen Überblick über verzweigte Höhlensysteme zu verschaffen. Dazu müsst ihr den Y-Knopf gedrückt lassen, bis das Sonar-Signal von einer Wand zu euch zurückreflektiert wird und eine Minimap erscheint.

Neben den immer wieder auftauchenden Kristallen, durch die ihr neue Wege freigeben könnt (wie eine Art Schlüssel), und explosiven Muscheln, die Steine aus dem Weg räumen, gibt es weitere kleinere Rätsel. Eine Strömung könnt ihr beispielsweise nur geschickt mit Hilfe eines schweren Steins überwinden und Tintenfische lassen sich am besten lautlos passieren, in dem ihr so langsam wie möglich an ihnen vorbeischwimmt. Das Problem bei vielen Passagen: der Sauerstoff! Neben einer 5-teiligen Energieanzeige, die sich bei Feindkontakt leert, gibt es auch eine Sauerstoffanzeige, die ihr regelmäßig auffüllen müsst, in dem ihr den Kopf an entsprechenden Stellen aus dem Wasser haltet. Speziell bei den Tintenfischen kollidiert der Zeitdruck teilweise mit dem Prinzip des "langsam Vorbeischleichens". Spielspaß und Frust liegen an solchen Stellen gefährlich nahe beieinander. Was sich ebenso wenig mit den teils engen Gängen vereinbaren lässt, ist die Steuerung. Diese fühlt sich in sehr weitläufigen Bereichen zwar in Ordnung an, doch da euer Kurvenradius nicht beliebig klein ist und ihr nur die acht Richtungen zur Verfügung habt, wird es zur wahren Geduldsprobe, wenn man eine Explosions-Muschel, während diese frei durchs Wasser schwebt, präzise an eine Wand schieben möchte. Mal schwimmt ihr darunter her, dann drüber weg und im nächsten Versuch kriegt ihr die Kurve gar nicht und verfehlt sie. Im selben Moment wird auch schon wieder der Sauerstoff knapp und ihr müsst einige Zeit aus dem Bereich herausschwimmen, damit die Muschel wieder an der ursprünglichen Stelle aufgetaucht ist. Was man sich in solchen Situationen nach heutigen Maßstäben wünscht, ist definitiv ein Analog-Stick. Änhlich hakelig kann es auch bei Feinden werden, die ihr aus dem Weg rammen wollt, sie aber nicht exakt trefft und stattdessen Schaden nehmt. Eine einfachere und gleichermaßen spaßigere Variante wäre beispielsweise gewesen, dass man Feinde aus der Entfernung mit dem Sonar verjagt, ungeachtet dessen, ob das nun physikalisch Sinn macht oder nicht.

Die Unterwasserwelt ist abseits des ganzen Frustpotentials wundervoll gestaltet. Es tauchen ständig neue Gegner wie Haie und Orkas auf, die ebenso wie der Tintenfisch einen einschüchternden ersten Eindruck hinterlassen. Das Gestein der Höhlensysteme ist mit verschiedensten Pflanzen und Muscheln übersäht und kleinere Fischschwärme bevölkern das Wasser. Dadurch kann man dem Spiel sogar heutzutage eine gewisse Einzigartigkeit nicht absprechen. Eine dezente, aber atmosphärische Musikuntermalung und die teils poetisch angehauchten Levelbeschreibungen und Hinweise unterstreichen dies. Wiederum nicht ganz so romantisch ist das Fehlen von Checkpoints im Spiel. Diese hätten die Motivation auf einfach Weise schlicht verdoppelt, da man so frustrierende Stellen oft mehrmals bewältigen muss, bis man es schließlich durch ein komplettes Level geschafft hat.

Fazit:
Kaum ist man von einer Spielidee in "Ecco the Dolphin" begeistert, möchte man den Controller schon wieder ins Meer schmeißen. Auf diese Weise hat Ecco bei uns zwar einen bleibenden Eindruck hinterlassen, doch von einer tollen Spielbarkeit ist der Titel bei aller Einzigartigkeit leider Seemeilen entfernt. Spieler mit einem dicken Fell, die sich erstmal in die Spielidee verguckt haben, werden sich sicherlich von Level zu Level durchbeißen, aber eine weitreichende Empfehlung können wir für dieses innovative Konzept dank der holprigen Umsetzung nicht aussprechen. (Manni)

Pluspunkte:
+ fantastische Unterwasserwelt
+ kleinere Denkaufgaben
+ Sonar-Fähigkeit

Minuspunkte:
- hölzerne Kampf- und Bewegungssteuerung
- keine Checkpoints innerhalb der Level
- großes Frustpotential überlagert Spielspaß

Wertung:
Einzelspieler: 5,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 800 Nintendo Punkte

news@mag64.de (23.12.2010)

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