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Mystic Quest Legend (Virtual Console | SNES)
Als Spin-Off der Final Fantasy -Serie war "Mystic Quest Legend" eine Art Experiment, um die Spielerschaft außerhalb Japans an das Genre der Rollenspiele heranzuführen und so langsam die Popularität für kommende Titel dieser Machart zu steigern. Das Ergebnis ist ein zweischneidiges Schwert, da der spielerische Minimalismus zwar für einen guten Einstieg sorgt, jegliche Komplexität allerdings auch im späteren Spielverlauf auf Kosten der Einfachheit im Keim erstickt wird.

Der Held des Abenteuers ist auf der Suche nach vier Elementar-Kristallen, die die Natur verrückt spielen lassen, so lange diese sich in den falschen Händen befinden. Ehemals grüne Wälder wurden zu Ödland und Städte sind unter einer dicken Eisdecke begraben oder werden von ständigen Erdbeben terrorisiert. Ein mysteriöser alter Mann, der so übertrieben geheimnisvoll auftritt, dass er als Parodie auf andere Rollenspiele verstanden werden darf, zeigt unserem jungen Helden, der sich ohne Murren ins Abenteuer stürzt, den Weg. Während des Spielverlaufs zeigt die Story keine weiteren Facetten, die den Spieler vorantreiben. Stattdessen kämpft man sich durch die allseits bekannten Eis/Wüsten/Feuer/… -Settings und bestreitet einen rundenbasierten Kampf nach dem anderen. Dort habt ihr die Möglichkeit physische Attacken einzusetzen, zu zaubern oder zu flüchten. Zaubersprüche sind widerum in Angriffs- und Unterstützungs-Magie aufgeteilt. So könnte ihr mit Element-basierten Angriffszaubern attackieren, die je nach Gegner mehr oder weniger effektiv sind, oder euch bzw. euren Mitstreiter heilen. Neue Verbündete trefft ihr meist in einer der Städte, woraufhin sie euch einige Zeit tatkräftig unterstützen. Ihr habt allerdings nie mehr als einen Partner an der Seite, so dass ihr maximal zwei Charaktere im Kampf befehligen könnt. Möchtet ihr es besonders einfach haben, könnt ihr euren Mitläufer sogar von einer KI steuern lassen, woraufhin dieser je nach aktueller Situation angreift oder den ein oder anderen Heilzauber anwendet. Der Kampfverlauf ist zu 99% immer der selbe. Während ihr in einfachen Kämpfen pausenlos angreifen könnt, nutzt ihr in Bosskämpfen meist euren Hauptcharakter für Heilzauber und lasst euren Mitstreiter (dieser ist meist der stärkere) in jeder Runde angreifen. Die einzige taktische Note besteht gelegentlich in der Wahl der Angriffszauber oder ausgerüsteten Waffe. So ist die Axt beispielsweise etwas effektiver gegen die wandelnden Dämonenbäume, um eines der wenigen Beispiele zu nennen. Die Charakterentwicklung wurde ebenfalls auf ein Minimum reduziert. Habt ihr genug Gegner besiegt, steigt euer Held im Rang, woraufhin sich seine Statuswerte und die Lebensenergie erhöhen. Euer aktueller Mitstreiter hingegen hat ein festes Level und kann nicht verbessert werden. Um die Ausrüstung eures Charakters braucht ihr euch ebenfalls keine Gedanken zu machen. Alle Jubeljahre findet ihr ein neues Rüstungsteil oder eine neue Waffe, die automatisch gegen das schlechtere Pendant ausgetauscht wird. Shops, wo ihr Gold gegen entsprechende Ausrüstung eintauschen könnt, gibt es in den Städten/Dörfern nicht. Dort finden sich lediglich Hotels, in denen ihr eure Magie- und Lebenspunkte regenerieren könnt. Außerhalb der Städte, die ihr primär besucht, um die Story durch das Ansprechen der richtigen Person voranzutreiben, könnt ihr euch nur auf entsprechenden Pfaden von Ort zu Ort bewegen. Zwischen den Städten und Dungeons , wurden reichlich "Schlachtfelder" platziert. Diese sind dazu da euren Charakter aufzuleveln und Items zu finden. Jedes Schlachtfeld lässt sich zehnmal anwählen, das bedeutet, dass ihr dort zehn einzelne Kämpfe bestreiten könnt, wie man sie auch aus den Dungeons gewohnt ist. Habt ihr alle Kämpfe bestritten (dies muss nicht in einem Rutsch geschehen), ist das "Schlachtfeld" nicht mehr zugänglich und ihr erhaltet mit etwas Glück neue Items in Form eines Zaubers, Heiltränke oder ähnlichem.

Was positiv auffällt, ist, dass ihr die Gegner bereits vor dem Kampf in der Landschaft sehen könnt, das bedeuetet, ihr werdet nicht von unzähligen Zufallskämpfen geplagt, so dass ihr Gegner teilweise sogar geschickt umgehen könnt. Sehr begeistert hat uns die Darstellung der Gegner im Kampfbildschirm, die je nach verbleibender Lebensenergie ihr Äußeres ändern. Medusa beispielsweise verliert im Laufe des Kampfes ihre Schlangenfrisur, während Skelettritter z.B. ihren Kopf hängen lassen. Da das Spiel eine Vielzahl an verschiedenen Gegnern aufbietet, ist diese Art "Schadensmodell" der Gegner witzig anzusehen und zeugt von Liebe zum Detail. Gleichermaßen motivierend ist der rockige Soundtrack während der Kämpfe, der sofort im Ohr bleibt und die Kämpfe dynamischer wirken lässt, als sie eigentlich sind. Diese zwei Aspekte fesseln einen überraschend oft wieder an die Konsole und treiben einen weiter durchs Abenteuer. Die Dungeons sind widerum eher unspektakulär. Gelegentlich trifft man dort auf Weggabelungen, die zu Truhen mit weiteren Heiltränken führen, bis man sich schließlich durch etliche rundenbasierte Kämpfe bis zum Bossgegner durchgeschlagen und gezaubert hat. Kleinere Verschieberätsel lockern das Geschehen scheinbar auf, sind aber nie so komplex, dass sie zu spürbaren Denkpausen im Spiel führen. Nachsichtig war man mit Neuligen auch beim Speichersystem. Verliert ihr einen Kampf, könnt ihr diesen sofort wieder neu beginnen und auch sonst im Spiel steht euch die Speicherfunktion jeder Zeit zur Verfügung.

Fazit:
"Mystic Quest Legend" ist trotz seiner Schlichtheit kein schlechtes Spiel und für ein jüngeres Publikum, das abseits der vielen VC-Plattformer mal in die Rollenspielwelt reinschnuppern möchte, durchaus geeignet. Eine zu offensichtliche Einfallslosigkeit seitens der Entwickler lässt sich dennoch nicht abstreiten, so dass der Titel weit hinter SNES-Perlen wie "Secret of Mana" zurückbleibt. Speziell geübtere (Rollen-)Spieler werden mir hoher Wahrscheinlichkeit noch vor dem Abspann des Spiels das Interesse verlieren. Bleibt zu hoffen, dass Square Enix weitere/bessere SNES-Rollenspiel auf die Virtual Console loslässt. (Manni)

Pluspunkte:
+ einfacher Einstieg
+ rockiger Soundtrack während der Schlachten
+ wandelnde Optik der Gegner

Minuspunkte:
- keine sich entwickelnde Spieltiefe
- enttäuschende Story für ein Rollenspiel
- belanglose Nebencharaktere/Mitstreiter
- in allen Design-Belangen recht uninspiriert

Wertung:
Einzelspieler: 6,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 800 Nintendo Punkte

news@mag64.de (19.12.2010)

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