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Manic Monkey Mayhem (WiiWare)
Ich glaub', mich laust der Affe! Von Zeit zu Zeit erscheinen Videospiele, durch die man als Spieler regelrecht zum Tier wird. "Manic Monkey Mayhem" aus dem Hause des britischen Entwicklerstudios The Code Monkeys schafft dies nicht nur im wörtlichen, sondern auch im sprichwörtlichen Sinne: Wenn sich Affen durch die, ich zitiere, "uralte Kunst des Bananenwerfens" gegenseitig von ihren Plattformen stoßen, mag das auf den ersten Blick durchaus unterhaltsam erscheinen, doch eine unpräzise Steuerung, nervige Zeitlimits und ein wesentlich von Glück und Zufall abhängiger Spielablauf lassen diese vermeintlich spaßige Obstschlacht schnell zu einem äußerst frustrierenden Erlebnis werden.

Das Spielprinzip in "Manic Monkey Mayhem" ist relativ simpel: Ihr übernehmt die Kontrolle über einen von insgesamt acht durchgeknallten Affen und müsst entsprechend die anderen Herrentiere mit Bananen bewerfen, um sie somit zu besiegen und als einziger zu überleben. Jeder dieser Primaten, einschließlich eurem, hockt dabei auf einer Plattform, freies Umherlaufen auf dem Schlachtfeld ist folglich nicht möglich. Das ist ein Umstand, an den man sich zunächst gewöhnen muss, denn die Deckungs- und Ausweichmöglichkeiten werden dadurch natürlich stark eingeschränkt. Wie dem auch sei: Im Einzelspieler-Part, bestehend aus einer Kampagne und drei weiteren Spielmodi, werden euch zunächst durch ein Tutorial die Steuerungsgrundlagen wie Werfen, Springen und Ausweichen vermittelt. Sobald ihr alle Tutorial-Missionen abgeschlossen habt, schalten das Spiel die drei Kampagnen frei, die sich im Wesentlichen nur in ihrem Schwierigkeitsgrad unterscheiden. Auf eine Story haben die Entwickler dabei verzichtet, die Kampagnen bestehen lediglich aus einzelnen Missionen mit unterschiedlichen zugrundeliegenden Spielmodi wie beispielsweise Überlebenskampf, Deathmatch, Zielschießen oder die sogenannte "Paketpost", bei der eine Bombe so lange von Affe zu Affe geworfen wird, bis sie zufällig explodiert und den jeweiligen Besitzer vom Sockel haut. Wer zuletzt übrig bleibt, gewinnt dementsprechend. Abseits der insgesamt 30 Missionen umfassenden Kampagne können weitere Kämpfe mit und gegen KI-Gegner ausgetragen werden: Während es in "Affenkönig" darum geht, nach Möglichkeit bis zu Letzt zu überleben, müsst ihr in "Affenpanik" nach Ablauf der Zeit die meisten Treffer erzielt haben. "Affenteam" hingegen teilt die Meute in zwei Gruppen auf und lässt euch ein Team-Deathmatch austragen. Dieselben Spielmodi (plus Paketpost) können ebenfalls im lokalen Multiplayer mit bis zu vier menschlichen Mitspielern im Splitscreen angegangen werden.

Zum Spielen braucht es dafür lediglich die Wiimote, mit der ihr den Pointer auf den Bildschirm auf ein Ziel richtet, anschließend die A-Taste gedrückt haltet und wie in Electronic Arts' "Boom Blox" anschließend eine Wurfbewegung ausführt, um eine Banane abzufeuern. Die Wurfweite ist dabei abhängig von der Stärke eurer Bewegung. Wo wir auch schon beim ersten Problem wären, denn leider ist die Bewegungserkennung in "Manic Monkey Mayhem" bei weitem nicht so feinfühlig wie in Steven Spielbergs Klötzchen-Partyspaß ausgefallen, sodass eure Würfe selbst mit gewisser Übung nie zu 100 Prozent treffen und speziell in hektischen Momenten häufiger ihr Ziel verfehlen - und ein Deathmatch ist in der Tat eine hektische Angelegenheit! Mal saust euer Obstgeschoss über den feindlichen Affen hinweg, ein anderes Mal krepiert es auf halber Strecke, obwohl die Bewegung mit der Wiimote - zumindest vom Gefühl her - durchaus gestimmt hat. Fruststufe: 1. Gerade für ein Spiel, das seinen Schwerpunkt primär auf den Mehrspieler legt, ist es natürlich ein nicht unerheblicher Kritikpunkt, wenn weniger erfahrenden Mitspieler nicht mit der Steuerung zurechtkommen und deren Würfe regelmäßig daneben gehen. Sollte dann doch einmal ein Wurfgeschoss in eure Nähe kommen, kann mit dem Steuerkreuz ein Ausweichmanöver gestartet werden. Alternativ dazu lassen sich ebenso, das richtige Timing vorausgesetzt, geworfene Bananen fangen oder ihr wechselt eure Position und spring per B-Taste auf eine freie Plattform.

Die unpräzise Steuerung ist jedoch nicht der einzige Designpatzer, den sich die Entwickler hier leisten. Erster Frust darüber macht sich bereits im Tutorial bemerkbar, denn scheinbar haben die Leute von Code Monkeys noch nicht ganz begriffen, wozu ein Tutorial überhaupt dient. Nicht anders ist die Tatsache zu erklären, dass man in die Einführungsaufgaben ein Zeitlimit angebaut hat. Anstatt den Spieler behutsam und in aller Ruhe an die Steuerung heranzuführen, läuft, noch während man die Erklärungen auf dem Bildschirm liest, gnadenlos ein ohnehin knapp bemessener Timer herunter. Eine wahrlich sinnfreie Entscheidung! Besonders das Wurf-Tutorial mussten wir locker fünf oder sechs Mal neu beginnen, bis wir die Steuerung einigermaßen verinnerlicht und dabei den feindlichen Affen innerhalb des Zeitlimits mit drei Bananen beworfen hatten. Fruststufe: 2. Weiter geht's mit der Kampagne: Die nächste Mission in einer der drei Kampagnen wird immer dann freigeschaltet, wenn ihr die jeweils vorherige erfolgreich abgeschlossen habt. Ob ihr in einem Überlebenskampf oder Deathmatch als Sieger hervorgeht, hängt allerdings weniger von dem eigenen Können, sondern vielmehr von Glück und Zufall ab: KI-Gegner können euch entweder ignorieren oder greifen euch allesamt zur selben Zeit an - alles ist möglich. Insbesondere die Paketpost ist ein vollkommen von Willkür geprägter Spielmodus. Im Multiplayer mag das zwar durchaus unterhaltsam sein, doch mit dem Wissen, dass man das jeweilige Match definitiv als Sieger abschließen muss, um überhaupt die nächsten Missionen spielen zu können, ist es einfach nur unnötig nervig und stört den Spielfluss. Fruststufe: 3. Hinzu kommen die unglaublich penetranten Soundgeräusche der Affen, die einem auf diesem Frustniveau wahrlich den Rest geben und an die zumindest wir uns bis zum Schluss auch nicht gewöhnen konnten - und wollten. Technisch präsentiert sich das Spiel dagegen grundsolide: Die farbenfrohe, manchmal etwas "eckige" Grafik ist nett anzuschauen, reißt aber auch keine (Bananen-)Bäume aus.

Letzten Endes ist der Einzelspieler-Modus lediglich ein längeres Tutorial, das euch mit der Steuerung und den unterschiedlichen Spielmodi vertraut machen will. Die wahre Stärke von "Manic Monkey Mayhem" kommt erst im Multiplayer zum Vorschein: Im lokalen Mehrspieler-Modus für bis zu vier Spieler ist Code Monkeys WiiWare-Titel ein wahrer Party-Hit, sofern man denn mit der Steuerung zurechtkommt. Doch nicht nur offline, sondern auch online dürfen fröhlich Bananen in der Gegend herumgeworfen werden! Online-Matches sind sowohl gegen registrierte Freunde als auch gegen zufällig ausgewählte Gegner möglich, Ranglisten oder andere Statistiken sucht man dabei allerdings vergebens. Ebenso wie Mitspieler: Selbst nach zig Versuchen war es uns während des Test leider nicht (mehr?) möglich, auch nur einen Online-Gegner in der Spielersuche zu finden, entsprechend orientiert sich die Online-Wertung in diesem Fall auch an der Mehrspieler-Wertung.

Fazit:
"Manic Monkey Mayhem" kann insbesondere im Einzelspieler-Part eine wahrlich frustrierende Angelegenheit werden: Das Pflicht-Tutorial mit seinen knappen Zeitlimits verhagelt einem die Stimmung bereits zu Beginn des Spiels, das ungeschickte Kampagnen-Design sorgt dann die restliche Zeit über für schlechte Laune. Spaß macht die verrückte Obstschlacht eigentlich nur, wenn man sich drei Freunde schnappt und mit diesen einige Mehrspieler-Matches zockt. Doch auch hier stellt sich der Titel mit seiner unpräzisen und anfangs stark gewöhnungsbedürftigen Steuerung quasi selbst ein Bein, sodass unser Fazit kurz und knapp ausfällt: Kann man spielen, braucht man aber nicht. Freunde von unkonventionellen Party-Spielen dürfen jedoch durchaus einen Blick riskieren. (Alexander)

Pluspunkte:
+ ausgefallenes Konzept
+ 30 Kampagnen-Missionen
+ abwechslungsreiche Spielmodi
+ grandioser 4-Spieler-Multiplayer!
+ Online-Modus

Minuspunkte:
- Kampagnendesign mitunter frustrierend
- keine Story in Kampagne
- nerviger Timer im Tutorial
- teils unpräzise Steuerung
- keine Online-Ranglisten

Wertung:
Einzelspieler: 4,5
Mehrspieler: 7,0
Online: 7,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 1000 Nintendo Punkte

news@mag64.de (12.12.2010)

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