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Robin Hood - Richards Rückkehr (WiiWare)
Ganz zufällig erschien dieser Titel sicher nicht. Immerhin machte etwa zum Releasezeitpunkt Russell Crowe als Robin Hood die Kinoleinwand unsicher und vor kurzem erschien die DVD des Hollywood-Blockbusters. Nordcurrents Lightgun- Shooter gleichen Namens fußt zwar nicht auf einer offiziellen Lizenz, versucht aber sicher im Strom der Euphorie ein paar Fische an Land zu ziehen. Und mal ehrlich: Bei einem Lightgun- Shooter für 5 Euro kann doch nicht ganz viel falsch laufen, oder? Immerhin hat Wild Wild West mit einer ebenso banalen Mechanik und Thematik auch punkten können.

Doch leider kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. In diesem Spiel funktioniert eigentlich nur die leichtgängige Spielmechanik, die den ursprünglichen Moorhuhnspielen fast 1:1 entnommen wurde. Statt Moorhühnern laufen euch hier allerdings die Schergen des Sherriffs von Nottingham vor den virtuellen Bogen. Mit dem Pointer könnt ihr den Sichtbereich noch etwas nach links und rechts schieben, ansonsten besteht das Spielgeschehen aus „A drücken“ (Schießen), „B drücken“ (Nachladen) und eben zielen. Jetzt könnte man einwenden, dass das im Kern bei eigentlich jedem Lightgun-Shooter der Fall ist, doch verstehen es geschickte Entwickler, dieses einfache Grundgerüst in entweder eine spannende Story zu verwickeln (Dead Space: Extraction) oder zumindest einigermaßen abwechslungsreiche Aufgaben zu stellen (Wild Wild West). Solide Titel (530 Eco Shooter) punkten zumindest mit einwandfreier Technik und nettem Kombo-System. Man kann es sich beinahe vorstellen: All jene Elemente haben die Entwickler in diesem Fall vergessen.

Die Geschichte rund um den Freiheitskämpfer Robin Hood, der vom fiesen Sherriff von Nottingham zu einem vogelfreien Leben in den Wäldern des Sherwood Forest verdammt worden ist, böte wahrlich einige interessante Ansätze, doch die Entwickler entschieden sich für langweilige Texttafeln mit den hinlänglich bekannten Fakten der Geschichte. Somit ist die „Geschichte“ nicht mehr als ein Pausenfüller während der etwas zu langen Ladezeiten zwischen den Levels. Ebenso trostlos sieht es mit der Abwechslung aus. Das einzige, was sich in den zwölf Abschnitten drei Mal ändert, ist der Hintergrund. Aber ob nun saftig grüne Wiese oder Innenhof, am langweiligen Dauerfeuer ändert das nicht viel. Verschiedene Aufgabenstellungen gibt es nicht, die Höhepunkte des Spiels sind das Beschützen einer Mange und hinter Mauern entlang laufende Soldaten. Das Leveldesign verdient also den Namen nicht. Selbst Moorhuhn bot vor vielen Jahren ein paar einfache Rätsel und Geheimnisse. Bei Robin Hood darf lediglich ab und an auf eine Taube geschossen werden. Da hilft es auch nicht, dass man dem Spieler eine Pseudo-Energieanzeige verpasst hat, nach deren Entleerung man theoretisch stirbt. Theoretisch deshalb, weil die wenigen gegnerischen Bogenschützen so langsam schießen, dass sie überhaupt keine Gefahr darstellen. So präsentiert sich dann auch der lasche Schwierigkeitsgrad, der den Spieler mit viel zu wenigen Gegnern chronisch unterfordert.

Wie nicht anders zu erwarten, hat es ein verständliches Punkte-Kombo-System erst gar nicht ins Spiel geschafft. Ihr dürft also so oft ihr wollt daneben ballern, es ändert an den Punkte nichts. Lediglich die weiter entfernten Gegner bringen ein paar Pünktchen mehr als die Pappkameraden im Vordergrund. Apropos Pappkameraden: Die Kulisse ist dermaßen zweidimensional, dass man sich vorkommt wie auf einer schlechten Theaterbühne. Das Ganze ist aber wohl kaum ein Stilmittel, sondern einfach nur mies umgesetzt. Es gibt nur eine Sterbeanimation, zwei nervige Sterbelaute („uhh“, „oohh“), drei unterschiedliche Gegnertypen und vier etwas zu pixelige Hintergründe. Diese sind allerdings immerhin schön bunt und mit ein wenig Wohlwollen auch ‚liebevoll gestaltet‘ zu nennen. Ärgerlich ist nur, dass die Trefferregistrierung beizeiten unpräzise ist und sich kleinere Bugs eingeschlichen haben. So können Gegner, die im vierten Abschnitt in einem Torbogen stehen, nicht abgeschossen werden. Offensichtlich ist der Bogen zwar sichtbar, wird aber vom Spiel als durchgehende Mauer erkannt. Dass zudem die normalen Bürger – die warum auch immer mitten im Kampfgetümmel übers Feld pesen – manchmal kaum von Gegnern zu unterscheiden sind, ist angesichts der restlichen technischen Gestaltung kaum mehr von Belang.

Insgesamt ziehen damit zwölfmal drei langweilige Minuten ins Land, bevor ihr den Abspann sehen dürft. Gespeichert werden darf innerhalb dieser guten halben Stunde nicht: Warum auch? Euer Highscore-Wert wird auch nur am Ende einmal gemessen, einzelne Werte für die Abschnitte gibt es nicht. Mit Freunden darf man sowieso nicht antreten und von einem Online-Vergleich haben die Entwickler natürlich abgesehen. Wahrscheinlich würden sich auch nur wenige Einträge finden lassen, wenn man sich immer 36 quälend lange Minuten antun muss, bevor man etwas eintragen kann.

Fazit:
Meine Güte, wie kann man ein so simples Spielprinzip nur auf solch schändliche Weise misshandeln? Das Schießen mit der Wiimote ist im Prinzip ein Selbstläufer und macht immer wieder eine Menge Spaß, wenn man nur ein klein wenig Sinn im „auf den Fernseher zeigen und A drücken“ sieht. Robin Hood – Richards Rückkehr bietet euch die Möglichkeit zum munteren Schützenfest und kostet nicht viel, ist aber trotzdem die mit Abstand schlechteste Investition in diesem Genre. Minderwertige Technik gepaart mit null Abwechslung und belanglosem Drumherum lassen den Titel hoffentlich bald in der Versenkung verschwinden. (Hendrik)

Pluspunkte:
+ eigentlich leichtgängiges Spielprinzip
+ schießende Gegner nette Idee,…

Minuspunkte:
- keine Abwechslung
- …wenn sie denn zum Schießen kämen
- ungenaue Trefferregistrierung
- nervige Geräusche
- kein Kombo-System
- Highscores nur nach komplettem Durchspielen
- uninspirierte Einbindung der Geschichte
- kein Mehrspielermodus oder Online-Anbindung
- insgesamt viel zu leicht
- keine Tastenkonfiguration für den Wii-Zapper

Wertung:
Einzelspieler: 1,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 500 Nintendo Punkte

news@mag64.de (20.10.2010)

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