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Sonic The Hedgehog IV: Episode I (WiiWare)
In der weiten Welt der Videospiele gibt es einige Soundeffekte, die unter eingefleischten Fans Kultstatus genießen und man beim Hören des jeweiligen Tons sofort ein Bild vor Augen hat. Dazu gehört beispielsweise der Sound, der bei der „The Legend Of Zelda“-Reihe erklingt, wenn Link ein kniffliges Rätsel gelöst hat. Oder auch der feine Klang, der aus den Lautsprechern dröhnt, wenn Mario in einem seiner zahlreichen Jump'n'Run-Abenteuer einen 1Up-Pilz abgreift. In dieser Reihe nicht fehlen darf natürlich der Sound, der beim Einsammeln eines goldenen Ringes in der Sonic-Reihe ertönt. Über Jahre hinweg hat sich dieses sympathische „pling!“ seine Existenz in den zahlreichen Abenteuren des Igels bewahrt, von seinen ersten schnellen Schritten auf dem Mega Drive über die immer noch passablen 3D-Auftritte auf dem Dreamcast bis hin zu den zuletzt - man muss es leider zugeben - überwiegend grausigen Auftritten der letzten Jahre. Ob Sega nun erkannt hat, dass der Igel in 2D immer noch am besten funktioniert oder ob man sich, insipiriert von New Super Mario Bros mit der Neuauflage eines OldSchool-Titels, lediglich leicht verdientes Geld verspricht, sei mal dahingestellt. Tatsache ist jedoch, dass mit „Sonic The Hedgehog IV: Episode I“ ein Klassiker reaktivert wird, von dem sich Jump'n'Run-Fetischisten eine Menge Spielspaß erwarten. Ob sie diesen auch geboten bekommen, lest ihr nun in unserem Testbericht.

Allein der Menü-Bildschirm und der kurz vorher durchdringende (und wie schon in den Neunzigern von einem Art digitalen Chor intonierte) SEGA-Ruf geben dem Spieler das Gefühl, gerade nicht etwa einen Wii-Kanal gestartet, sondern ein Mega Drive-System eingeschaltet zu haben. Sega lässt alle neumodischen Sonic-Spiele der jüngeren Vergangenheit außer Acht und knüpft quasi nahtlos an das Jahr 1994 an, in dem „Sonic The Hedgehog 3“ auf dem Mega Drive erschien. Verlernt hat der Gute in der Zwischenzeit nichts: Sein Wirbelsprint (bei dem er sich in hohem Tempo auf der Stelle dreht und dann bei Betätigung des Digi-Kreuzes blitzschnell losrast) gehört ebenso zu seinem Fähigkeits-Repertoire wie der Verfolgungsangriff, bei dem er sich Kamikaze-mäßig mit einer Art Hechtsprung auf seine Gegner stürzt. Diese Aktion wurde jedoch vereinfacht: Befindet sich Sonic in der Luft, erscheint auf dem Feind ein Fadenkreuz. Auf Knopfdruck steuert Sonic den Widersacher dann automatisch an, sodass sich bei mehreren hintereinander befindlichen Feinden schöne „Sturz-Kombos“ egeben können. Sonic-Veteranen fühlen sich also schnell heimisch, wenn sie im ersten Level der Splash Hill Zone wie zu besten Zeiten in atemberaubendem Tempo durch die unverzichtbaren Loopings rasen. Das intensive Gefühl des Geschwindigkeitsrausches ist schon nach wenigen Sekunden Spielzeit wieder da, kann auf dem Höhepunkt aber durch einen abrupten Kontakt mit einem Gegner auch schnell wieder gestoppt werden. Dann heißt es: Schnell ein paar der verlorenen Ringe einsammeln und weiter geht's. Das Leveldesign ist gelungen: Passagen mit Lianen, beweglichen Zahnrädern oder die Fahrt in einer Lore sorgen für ausreichend Abwechslung. Gelegentliche Zusammenstöße lassen sich jedoch auch im Jahr 2010 nicht vermeiden. Bei einem derartigen Angebot an Loopings und Beschleunigungsvorrichtungen kann man es aber auch einfach nicht lassen, die Level nicht in solch einem Affenzahn zu bestreiten. Während Sonic in der ersten Welt einfach nur flott an grünen Graslandschaften vorbeirauscht, spielen sich in der Casino Street Zone auf dem Bildschirm irrsinnig schnelle Szenen vor unzähligen Lämpchen und Neonlicht-Konstrukten ab. Dem Spiel wurde in grafischer Hinsicht eine angemessene Überarbeitung spendiert, die weder zu modern geraten ist, noch dem 2D-Titel seinen Charme raubt. Puristen fehlt womöglich ein echter „Pixel-Look“. Um den zu bekommen, muss man dann aber wirklich das verstaubte Mega Drive vom Dachboden holen. Ein paar 3D-Spieleren hat sich Sega aber dennoch erlaubt: Wenn Sonic in den Las-Vegas-Style-Abschnitten auf einen Stapel überdimensionaler Spielkarten trifft, dieser ihn durch eine sehr schönen Animation auf eine kurze und wilde Achterbahnfahrt mitnimmt und ihn so in einen anderen Punkt des Levels transferiert, sieht das schlichtweg eindrucksvoll aus. Es sind Feinheiten wie diese, die das Spiel dann doch als einen aktuellen Titel entlarven und optisch bereichern. Sonic sah überdies in 2D noch nie so gut aus: Feine Sprites, detailreiche Hintergründe und satte Farben ergeben eine Melange, die durch das Parallax-Scrolling sehr schön anzuschauen ist. Wo die Augen zufrieden gestellt werden, wollen aber auch die Ohren anständige Melodien vernehmen. Bekommen sie diese hier geboten? Ja, das tun sie! Seien es nun die beschwingten Synthie-Melodien in der Splash Hill Zone oder rockige Arrangements in späteren Abschnitten: Sega offeriert uns jederzeit eine passende Sounduntermalung, die ins Ohr geht und da auch nicht mehr weg will.

Was mittlerweile ebenfalls Standard ist und somit auch den Weg ins Spiel gefunden hat, ist die Verfügbarkeit einer Oberweltkarte. Hier können die Level einzeln ausgewählt werden, um sich erneut im Punkt- oder Zeitmodus am jeweiligen Abschnitt zu versuchen. In den Highscore-Listen lassen sich auch die weltweit besten Zeiten online abrufen, sodass hier für Speed-Junkies für genügend Langzeitmotivation gesorgt ist, sich halsbrecherisch durch die teilweise extrem verzweigten Level zu stürzen, um mit dem nächsten Versuch nochmal ein paar Sekundenbruchteile rauszuhauen. In insgesamt vier Welten mit je drei Leveln plus Bosskampf-Stage haben sie die Gelegenheit dazu, ihr Geschick unter Beweis zu stellen. Die Level sind zwar umfangreich und laden mit ihren vielen verzweigten Ebenen zu einem erneuten Durchlauf ein; moderne Jump'n'Runs sollten allerdings wirklich über eine breitere Level-Vielfalt verfügen. Da entschädigen auch nicht die kurzen Bonus-Level, in denen man einen dauerrotierenden Sonic durch einen Parcours lenken muss, um einen Chaos-Emerald einzusammeln. Natürlich wird Sega noch eine (oder vielleicht auch mehrere) Episoden nachschieben, dafür werden wir dann aber nochmals zur Kasse gebeten. Eingefleischte Sonic-Fans und Jump'n'Run-Anhänger werden an dem temporeichen Spiel trotz des nicht allzu großen Umfangs ihre helle Freude haben. Die Geschwindigkeit ist im Spiel jedoch so eine Sache: Teilweise ist sie angebracht, teilweise ist sie ob der lauernden Gefahren aber auch ein Spiel mit dem Feuer. Auch muss der Igel sich in gemächlichen Passagen - in denen es auf Genauigkeit und filigranes Herangehen ankommt – eingestehen, dass er hier im Vergleich zu Mario einfach den Kürzeren zieht. Sonic kann sich zwar auch sehr geschmeidig und vor allem schnell bewegen, kommt in puncto Leichtigkeit und Geschick aber einfach nicht an Nintendos Aushängeschild heran. Das ist allerdings leichte Kritik auf sehr hohem Niveau, denn „Sonic The Hedgehog IV: Episode I“ ist nach wie vor ein grandioses Spiel. Denn – man muss es wirklich nochmals wiederholen – Fans von mitreißenden Spielen kommen hier durch die ausgeprägte Geschwindigkeit wirklich auf ihre Kosten. Und hier kann Mario wiederum eindeutig nicht mithalten.

Fazit:
Die Kernfrage bei diesem Spiel muss natürlich lauten: Hat Sega es mit „Sonic The Hedgehog IV: Episode I“ geschafft, ein 2D-Jump'n'Run mit dem hauseigenen Maskottchen zu erschaffen, das nicht wie ein liebloser Abklatsch daherkommt, sondern sich genauso wunderbar spielt „wie damals“ und dementsprechend Spielspaß aufkommt? Man kann ruhigen Gewissens antworten: Ja, sie haben es geschafft. Sonic flitzt wie eh und jeh durch fantasievolle Welten, die vor einfallsreichen Elementen nur so strotzen und in dieser opulenten 2D-Grafikpracht hervorragend auf dem Bildschirm zur Geltung kommen. Natürlich sind vier Welten nicht wirklich viel und es hätten durchaus ein paar mehr sein können. Aber: Die vorhandenen Level gefallen durch unzählige Routen und verstrickte Wege, sodass ein ausgiebiges Erkunden aller Abschnitte schon einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Und der Zusatz „Episode I“ verrät eindeutig, dass da zukünftig noch mehr Sonic-Material im WiiWare-Angebot landen wird. Fans haben es sehnsüchtig erwartet und gefordert, nun ist es da: ein Sonic-Abenteuer, das alte Gefühle aufkommen lässt. Und wahrscheinlich auch jüngere Zocker in die Dimension entführt, in der der Igel sein Potenzial voll entfalten kann: nämlich in 2D. (Niklas)

Pluspunkte:
+ abgefahrenes Leveldesign
+ verzweigte und umfangreiche Spielabschnitte
+ irrsinnig hohes Spieltempo
+ 2D-Grafik der Premiumklasse
+ Musik mit Ohrwurmpotenzial

Minuspunkte:
- hätte ein paar Level mehr vertragen können ...
- ... gerade zu diesem gehobenen Preis

Wertung:
Einzelspieler: 8,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 1500 Nintendo Punkte

news@mag64.de (20.10.2010)

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