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Castlevania: Rondo of Blood (Virtual Console | TurboGrafx 16)
Konami denkt trotz langer Tradition nicht daran, der Castlevania-Serie eine Pause zu gönnen. Von etlichen 8- und 16-Bit-Ablegern, über diverse DS-Spiele, deren Titel man schon gar nicht mehr auseinander halten kann ("Harmony of Dissconance", "Aria of Sorrow", "Dawn of Sorrow", "Portrait of Ruin", "Order of Ecclesia"), bis hin zum zuletzt veröffentlichten Multiplayer-Experiment namens "Harmony Of Despair" (Xbox-Live-Arcade) und dem kommenden HD-Epos "Lords Of Shadows", Dracula wird einfach nicht müde! In Anbetracht der sich variierenden Spielmechaniken, ist es fast unmöglich, sich für eine "beste Episode" des Franchises zu entscheiden. Ein heißer Kandidat für den besten 2D-Action-Platformer ist "Castlevania: Rondo Of Blood", das seinerzeit nur in Japan für die PC-Engine (aka TurboGrafx 16) erschien. Um die Release-Thematik nicht ausarten zu lassen: Der Titel erschien im März 2010 endlich als Import-Titel für 900 Nintendo-Punkte im VirtualConsole-Shop. Ein Release auf den Fans der Serie sehnsüchtig gewartet haben. Zu Recht!

Wie auf der VirtualConsole leider üblich, wurde das Spiel nicht nachträglich übersetzt, so sind alle Sequenzen auf Japanisch. Alle? Fast, denn das Intro wurde tatsächlich auf Deutsch aufgenommen. Möglicherweise hielt man den Sprachklang für gruseliger, auf jeden Fall handelt es sich um die originale Synchronisation. Stilistisch sind die Zwischensequenzen im Anime-Look gehalten und werden gekonnt mit einem rockigen Soundtrack unterlegt - etwas, das Super Castlevania IV zwischen den Stages vermissen ließ. Das Intro erzählt von einer dunklen Sippe, die gerade dabei ist ein junges unschuldiges Mädchen zu opfern, um den Lord der Finsternis erneut aufleben zu lassen. Dessen nicht genug, brennt man auch gleich ein ganzes Dorf nieder, was die Aufmerksamkeit des Vampirjägers Richter Belmont weckt, der kurzerhand seine Peitsche vom Dachboden holt, um Dracula und dem bösen Clan, rund um den dunklen Priester "Shaft", ein Ende zu bereiten. Dieser hat auch Richters Freundin, die Schwester seiner Freundin und zwei weitere Frauen aus dem Dorf entführt. Ziel des Spiels ist also nicht nur der Untergang Draculas, sondern sekundär auch die Rettung der vier Maiden, wovon eine zum spielbaren Charakter wird, doch dazu später mehr. Das unglaublich atmosphärische Intro, gepaart mit der darauf folgenden Epilog-Stage, in der man bereits auf einen von Richters größten Feinden trifft, ist eine der gelungensten Einleitungen, die ich bisher aus der 16-Bit-Ära kennen gelernt habe.

Das Grundgerüst der Serie dürfte vielen bekannt sein. Ihr könnt peitschen, springen und Sekundärwaffen einsetzen (Kruzifix, Axt, Weihwasser, Bibel, Dolch), um zahllose Gegner und Sprungpassagen zu meistern. Als Rückschritt zu "Super Castlevania IV" ließe sich anmerken, dass Richter nur in eine Richtung angreifen kann und nicht mehr in acht, wie auf dem SNES. Eine Neuerung bezüglich der Zusatzwaffen ist der "Item-Crash", der je nach Art der Waffe variiert. Dieser Spezial-Angriff kostet euch zwar mehr Herzen (Herzen sind die Munition für die Sekundärwaffen), ist aber umso zerstörerischer. Bei der Axt beispielsweise kreist diese alles vernichtend um euren Charakter, beim Weihwasser hingegen regnet dieses als saurer Regen vom Himmel. Ebenfalls untypisch für die alten Castlevania-Titel ist das Ausweichen. Drückt ihr den Sprung-Knopf zweimal schnell hintereinander, macht Richter einen Salto nach hinten. In dieser Zeit können Angriffe ihm nichts anhaben. Die Gegnerarten sind eine Mischung aus allem was das Gruselkabinett und die Mythologie hergibt. Knochenwerfende Skelette, die allseits beliebten Medusaköpfe, Fledermäuse, Axtritter, Harpyien, Zombies, Fischmenschen und vieles mehr. Die Bossgegner sind alle individuell sehr anspruchsvoll und toll in Szene gesetzt. Einige sind beispielsweise erst als Silhouette im Hintergrund zu sehen, bevor sie von schaudernder Musik begleitet in ihrer vollen Pracht den Bildschirm einnehmen. Dass ein Castlevania-Spiel keine Fehler verzeiht, sollte sich inzwischen rum gesprochen haben. Zwar habt ihr auf der linken Seite eine viel versprechend lange Lebensleiste, doch bei einem Treffer sinkt diese in der Regel fast um ein Viertel. In Wänden versteckte Fleischkeulen füllen diese zwar wieder, sind aber rar gesät, so dass wohl bedachtes Vorgehen dringend empfohlen wird. Werdet ihr getroffen, könnt ihr auch nur für den Bruchteil einer Sekunde nicht getroffen werden, so dass man schnell zwei oder dreimal hintereinander getroffen wird, wenn man durch die Level stürmen will. Besonders gemein ist, dass einige Bossgegner nach ihrem Ableben eine letzte Attacke starten, die einen kalt erwischen kann. Man sollte den Controller daher nie zu früh aus der Hand legen.

Eine ordentliche Spielzeit wird durch zwei Aspekte gewährleistet. Zum einen bietet das Spiel eine alternative Route, die sich fast vom Anfang des Abenteuers bis zum Ende durchs Spiel zieht. Diese Route bietet im Prinzip noch mal die gleiche Spielzeit wie die "normale" Route und serviert euch komplett neue Stages mit individuellen Feinden und Bossgegnern. Qualitativ fallen diese auch keineswegs ab, sondern bieten noch mal richtige Highlights was das Boss- und Leveldesign angeht. Zweites Schmankerl ist Maria, der zweite spielbare Charakter in "Rondo of Blood". Rettet ihr die zwölfjährige Schwester von Richters Freundin in der entsprechenden Stage, könnt ihr jedes Level auch mit ihr spielen. Auffällig ist, dass sich Maria komplett anders spielt als Richter. Sie beherrscht einen Doppelsprung, der das Spiel um einiges einfacher gestaltet (sie nimmt allerdings auch mehr Schaden), hat andere Sekundärwaffen (z.B. einen Drachen und eine Katze), greift mit zwei weißen Vögeln statt einer Peitsche an und steuert sich schlicht intuitiver. Die Schlusssequenz ist bei ihr natürlich auch nochmal eine etwas andere.

Die Stärke des Franchises lag schon immer in seiner Atmosphäre. An einem Punkt im Spiel war es schlicht und einfach der geniale Soundtrack, der mich kurzerhand zum erneuten Versuch einer Stage motivierte. Grafisch geht die Qualität Hand in Hand mit der Musik. Die Kulissen sind düster, mitreißend und mit vielen Details geschmückt. Rot leuchtende Augen, die einen aus dem Hintergrund anstarren, Gegner die durch Fenster ins Bild springen, ein Gemälde, dass euch in sich einsperren und vernichten will, ein permanent schwankendes Level in Form eines Schiffes, hier macht das Spiel alles richtig und noch besser. Gespeichert werden kann nach jeder Stage. Ihr müsst das Spiel also nicht in einem Rutsch durchspielen. Außerdem verfügt der Titel über drei Spielstände und jedes Level lässt sich einzeln anwählen, um beispielsweise alternative Routen und Geiseln nachträglich zu suchen und die 100% zu erreichen.

Fazit:
"Rondo of Blood" ist das "Mega Man 2" der Castlevania-Reihe. Wer auch nur ansatzweise was für Action-Platformer übrig hat und sich nicht am hohen Schwierigkeitsgrad der Serie stört, wird "Rondo of Blood" lieben. Hielt ich die Gesamtspielzeit nach dem ersten Durchgang noch gerade so für angemessen, entdeckte ich kurzerhand Maria als zweiten spielbaren Charakter und die vielen versteckten Stages, die einen sofort wieder in ihren Bann ziehen, bis man schließlich 100% im Spiel erreichen will. Neuerungen wie der Item-Crash und die Möglichkeit des Ausweichens erweitern die Serie um einige Gimmicks, die aber nichts am typischen Castlevania-Flair ändern. "Castlevania" ist ein Klassiker und spielt man "Super Castlevania IV", "Draculas Curse" oder "Rondo of Blood", dann weiß man, warum. Das Gesamtpaket hat mich hier letztlich am meisten überzeugt. (Manni)

Pluspunkte:
+ kultiges Intro
+ grandioser Soundtrack
+ Action-Platforming in seiner reinsten Form
+ erstklassiges Leveldesign
+ alternative Stages
+ individueller zweiter Charakter
+ spannende Bosskämpfe

Minuspunkte:
- abseits des Intros nur japanische Sprachausgabe

Wertung:
Einzelspieler: 9,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 900 Nintendo Punkte

news@mag64.de (25.08.2010)

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