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3D Space Tank (DSiWare)
Die kleine, aber feine Spieleschmiede Q-Games besitzt nicht nur dank der DSiWare-Neuauflage der Art Style-Serie eine ständig wachsende Fangemeinde. Gerade auch die Neuentwicklungen des letzten Jahren, Reflect Missile und Starship Patrol, haben durch innovatives Gameplay und Grafik die Herzen der Reviewer und Zocker im Sturm erobert. Da ist die Erwartungshaltung nun bei der Veröffentlichung ihres neuen Streiches "3D Space Tank" natürlich entsprechend hoch.

Der Titel ist die Fortsetzung des bereits 1992 für den Ur-GameBoy erschienenen Spiels "X", das mit seiner neuen und kompromisslosen Grafikengine für einigen Wirbel sorgte. Dies ging sogar so weit, dass Nintendo in Zusammenarbeit mit den Entwicklern, Argonaut, den "Super FX"- Chip entwickelte und im SuperNintendo verbaute, was damit erst Spiele, wie das legendäre "Starwing" (Star Fox), möglich gemacht hat.

Die Handlung von "3D Space Tank" spielt 20 Jahre nach dem Ende des ersten Teils: Die Bedrohung durch die außerirdischen Xenomanten wurde abgewehrt und die Kolonie "Tetamus II" konnte gerettet werden. Während man selbst, in Kälteschlaf versetzt, ausgesandt wurde, um die Galaxie weiter zu erkunden, bliebt der Commander, unter dessen Kommando der Krieg gewonnen worden war, auf dem Planeten zurück, um sich dort um den Wiederaufbau und den Abbau der wertvollen Energiekristalle zu kümmern. Doch schon bald nachdem man aus dem Cryo-Schlaf erwacht ist, muss man feststellen, dass sich seit dem einiges geändert hat.

Dank der Kontrolle über den Energiekristallabbau schwang sich der Commander zum Herrscher über die Galaxis auf und regiert diese nun mit eisernem Regiment. An Bord seines Kampfpanzers VIXIV schlägt sich der Spieler also auf die Seite der Rebellen, die dieser Schreckensherrschaft ein Ende setzen wollen. Zu Lande und zur Luft kämpft man so also gegen die Schergen des Tyrannen. Dabei wechseln sich die actionlastigen Missionen auf den verschiedenen Planeten mit Flügen durch die verschiedenen Tunnels, die die Planeten miteinander verbinden, ab. Will man einen solchen Tunnel betreten, muss man aber zunächst die Energieversorgung wiederherstellen. Dies geschieht durch das Einsammeln der Energiekristalle, die im Level verteilt sind, mit denen man dann die Portale aktivieren kann. Die Reise selbst ist eine Flugsequenz, in der man innerhalb einer meist recht kurzen Zeitspanne das Ziel erreichen muss. Erschwert wird dies durch diverse Tore und Schleusen, die - sollte man sie rammen - wertvolle Zeit kosten. Wichtige Bonuszeit lässt sich dort durch das Abschießen der gelegentlich auftauchenden Gegner gewinnen. Die eigentliche Hauptbeschäftigung aber stellen die Kämpfe auf den Planeten dar.

Zu Beginn des Spiels bewegt man sich dazu noch vorwiegend im Panzermodus auf der Oberfläche des Planeten umher. Dort muss man verschiedene Missionen erfüllen, wie beispielsweise das Retten von Wissenschaftlern oder das "Entschärfen" von Zeitbomben. Auch können besondere Sidequests durch das Hacken mancher Gebäude freigeschaltet werden, mit denen schnell viele Punkte und somit neue Upgrades für das Fahrzeug aktiviert werden können. Dank kleiner, pyramidenähnlicher Rampen darf man aber auch in den Flugmodus wechseln und von dort den Kampf gegen die feindlichen Truppen aufnehmen. Diese werden überwiegend von verschiedenen Panzern, Mechs, Drohnen oder auch Kampfflugzeugen dargestellt, denen man auf der Kugeloberfläche begegnet.

Um solche Begegnungen möglichst angenehm zu gestalten, empfiehlt es sich, sein Kriegsgerät in den drei verschiedenen Kategorien aufzurüsten. Auf diese Weise erhöht man in RPG-Manier die Widerstandsfähigkeit des Fahrzeugs, dessen Schussfrequenz sowie den angerichteten Schaden in jeweils drei Schritten. Ebenso findet man im Laufe der Kampagne diverse Upgrades für den VIXIV, Beispielsweise ein Raketen-Mod, mit dem man zusätzlich zum normalen Arsenal auch Raketen mit sich führen kann, oder eine Modifikation, dank derer jeder Zeit - ganz ohne Rampe - in den Flug-Modus wechselt.

Jeder, der schon einmal ein Q-Games-Spiel gespielt hat, kennt deren Hang zu grafischer Experimentierfreudigkeit. Und somit verwundert es also nicht, dass es sich bei ihrem aktuellen Titel wieder genauso verhält. Jedoch darf mit Fug und Recht behauptet werden, dass "3D Space Tank" in dieser Hinsicht ihr mit Abstand extremstes Projekt ist: Die Grafik ist nahezu identisch mit den vor fast 20 Jahren so revolutionären Titeln "X" oder "Starwing". Und als ob es sich hier um eine Hommage an den Ur-GameBoy handeln würde, findet man in jedem Level lediglich zwei bis drei verschiedene Farben - fast so, wie es damals auch war. Aber natürlich hat sich die Art der Darstellung an die heutigen Maßstäbe angepasst. So sind die großen 3D-Polygone von einer wunderbar hochauflösenden Qualität, welche man nur selten auf dem Nintendo-Handheld gesehen hat und sich zu einem wahrlich einzigartigen Gesamtkunstwerk zusammenfügt. Bei all der Begeisterung soll aber auch nicht verschwiegen sein, dass besonders Spieler, die mit den alten SFX-Chip-Spielen nichts am Hut haben beziehungsweise diese gar nicht mehr kennen, mit Sicherheit einige Eingewöhnungszeit brauchen werden, bis sie mit dem Spiel warm werden, da ihnen einfach der Retro-Background fehlt.

Der Sound ist eine gut gelungene Untermalung des sehr sterilen und angenehm futuristischen Settings. Ruhige, kühle Klänge mit einigen Dissonanzen und kaum Harmonien zeichnen ein tonales Bild, das wunderbar passt. Auch die Soundeffekte, die überwiegend recht hell, also hochfrequent, sind, tragen ihren Teil zum kühlen, lebensfeindlichen Futurismus bei. Als Audio-Track kann vor allem die Titelmelodie begeistern, die wunderbar mitreißend und sehr passend ist.

Die Steuerung ist leider die einzig wirklich gravierende Schwäche des Spiels. Trotz der Möglichkeit zwischen Touchscreen- und Tastenkontrollschema zu wechseln, fühlt sich keine der beiden wirklich gut, intuitiv oder gar flüssig an. Dies liegt vor allem daran, dass man sowohl den Geschützturm des Panzers, als auch dessen Bewegungen mit denselben Befehlen steuert. Dieser eklatante Mangel zeigt sich besonders, wenn man gegen hochgelegene oder fliegende Einheiten kämpft. Trotz der Auto-Aim-Funktion, mit der versucht wird, diesen Missstand wenigstens etwas zu beheben, kommt man nicht wirklich angenehm durch die Levels. So ist es zum Beispiel nur bedingt möglich, aus der Deckung heraus jedes Ziel unter Beschuss zu nehmen. Wesentlich sinnvoller wäre hier eine Aufteilung der Steuerung, wie es bei Titeln wie "Metroid Prime: Hunters" oder "Geometry Wars - Galaxies" der Fall ist, gewesen. So hätte ein wirklich komplett überzeugendes Gesamtwerk geschaffen werden können, das so jedoch nur nach einiger Eingewöhnungszeit und Experimentieren mit den verschiedenen Steuerungsschemata Spaß macht.

Fazit:
"3D Space Tank" ist mal wieder ein klassisches Q-Games-Spiel. Durch das Facelift, das man der GameBoy- beziehungsweise SuperNintendo-Grafik verpasst hat, wirkt sie auch heute noch genauso radikal wie damals - obwohl man sicher nicht mehr von einem revolutionären Schritt in die Zukunft sprechen wird. Doch trotz oder gerade wegen dieser extrem retrospektiven Grafik wird der Titel erst zu dem, was er ist: Eine grandiose Hommage an das, was in der Vergangenheit mal die Zukunft dargestellt hat. Grafisch und soundtechnisch hat man sich seitens der Entwickler einen echten Leckerbissen herausgelassen, der aber durchaus polarisiert. Einzig die wirklich extrem gewöhnungsbedürftige Steuerung liegt bei dem Titel schwer im Magen und schmälert das Spielvergnügen doch erheblich. Nichtsdestotrotz sollte man dem Spiel eine Chance geben, denn etwas Derartiges muss man auf jeden Fall gesehen haben. (Michi)

Pluspunkte:
+ Grandiose Hommage an die Zukunft der Vergangenheit
+ Radikale Retro-Grafik
+ Viele Missionen und Sidequests

Minuspunkte:
- Extrem gewöhnungsbedürftige Steuerung
- Grafik sagt nicht jedem zu

Wertung:
Einzelspieler: 8,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 800 Nintendo Punkte

news@mag64.de (08.08.2010)

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