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Crystal Defenders R1 (WiiWare)
Mit "Crystal Defenders" liefert der japanische Spielehersteller und -entwickler Square Enix sein neustes Werk für WiiWare ab. Doch handelt es sich hierbei nicht, wie man vielleicht aufgrund des Namens und der optischen Gestaltung des Spiels vermuten könnte, um ein Rollenspiel, sondern um einen Vertreter des Tower Defense-Genres! Turmverteidigungssimulationen, wie man es im Deutschen bezeichnen würde, erfreuen sich derzeit ja besonders in Form von Flash-Anwendungen im Internet großer Beliebtheit, und so ist es wenig überraschend, dass dieses Genre nun auch im WiiWare-Shop Einzug hält. Anfangs nur für Mobiltelefone gedacht und später für Apples iPhone und iPod umgesetzt, findet dieser Titel somit auch seinen Weg auf die Heimkonsolen. Dies ist besonders erfreulich, da die Auswahl an Strategietiteln im Allgemeinen und Tower Defense-Spielen im Besonderen für WiiWare bisher bekanntlich recht mager ausfiel. Ausgeliefert wird das Spiel in zwei Episoden: "Crystal Defenders R1" und "R2", wobei wir an dieser Stelle zunächst "Round 1" genauer unter die Lupe nehmen wollen. Lohnt der Kampf oder sollte man seine Truppen besser gar nicht erst aussenden? Erfahrt es in unserem Test!

Wie anfangs bereits erwähnt, könnte man das Spiel auf den ersten Blick durchaus für ein Rollenspiel halten - und der Vergleich ist gar nicht mal so abwegig, immerhin bedient sich "Crystal Defenders" in Sachen Aufmachung sowie Karten-, Einheiten- und Gegnergestaltung aus dem "Final Fantasy Tactics"-Universum - natürlich ebenfalls aus dem Hause Square Enix. Eine umfangreiche und tiefgängige Hintergrundgeschichte gibt es jedoch nicht. Stattdessen übernehmt ihr einfach die Schirmherrschaft über eine Truppe von Kriegern und Magiern - den Crystal Defenders - und habt schlicht die Aufgabe, die Mächte des Bösen davon abzuhalten, eure Kristalle zu mopsen. Dies geschieht in klassisch rundenbasierten Kämpfen: Eine Angriffswelle nach der anderen, bestehend aus Monstern und Kreaturen, wird auf festgelegten Pfaden auf euch losgelassen. Zwei Optionen stehen euch zur Verfügung, um sie wieder los zu werden: Entweder ihr besiegt die Kreaturen oder lasst sie das Ende des Pfades erreichen. Letztere Variante ist allerdings nicht zu empfehlen, da pro durchmarschiertem Gegner eurer Kristallvorrat dezimiert wird. Beim Verlust aller eurer kleinen Schätze verliert ihr und müsst den entsprechenden Level erneut beginnen. Das ist für den Spielfortschritt nicht sonderlich förderlich, drum sollte euch viel daran liegen, die Gegner nach Möglichkeit vollständig zu besiegen. Positioniert Einheiten eurer Crystal Defenders am Rand des Pfades, diese greifen vorbeikommende Monster an und vernichten diese auch, sofern sie stark genug sind. Für jede besiegte Kreatur erhaltet ihr Geld in Form von Gil, der Währung im Spiel. Mit genügend Zaster in der Tasche lassen sich wiederum zur Stärkung eurer Abwehr neue Einheiten erwerben oder vorhandene Kämpfer verbessern, damit diese stärker und flinker werden. Wie man sieht: "Crystal Defenders R1" bietet ganz klassische Tower Defense-Kost!

Drei strategische Entscheidungen sind im Grunde für den Ausgang einer Schlacht ausschlaggebend: Die Wahl der Einheiten, deren Positionierung auf der Karte und natürlich das Hochleveln zum richtigen Zeitpunkt! Insgesamt sieben unterschiedliche Kämpfer stehen euch bis zum Ende von R1 zur Verfügung, jeder davon mit vielfältigen Eigenschaften und Attributen: Soldaten und Weißmönche sind Nahkampf-Boden-Einheiten, die großen Schaden anrichten und ein hohes Tempo ausweisen, gegen Flugeinheiten jedoch nutzlos sind. In diesem Fall übernehmen dann die Schwarzmagier und Schützen. Diese sind zwar langsamer und insgesamt schwächer als ihre Nahkampf-Kollegen, besitzen dafür aber eine größere Reichweite und nehmen sich auch fliegende Wesen zur Brust. Zeitmagier, Diebe und Drachenritter folgen im Verlauf des Spiels. Da euch von Runde zu Runde ganz unterschiedliche Gegnertypen (fliegende, widerstandsfähige, magieresistente usw.) erwarten, ist ein Mix aus allen verfügbaren Einheiten notwendig. Ebenso wie das Hochleveln eurer Gefährten, denn ihr solltet immer einen Blick auf die linke Bildschirmhälfte haben, um zu erfahren, welche Gegnertypen in nächster Zeit auf euch zukommen - und entsprechend eure Krieger und Magier zu verbessern. Konzentriert ihr euch beispielsweise nur auf Boden-Kämpfer, kann es vorkommen, dass ihr beim nächsten Angriff von Fluggegnern deutlich den Kürzeren zieht. Bei magieresistenten Kreaturen ist es hingegen wenig sinnvoll, vorher seine Magier aufzuleveln. Vorausschauendes Spielen ist der Schlüssel zum Erfolg - wie bei vielen Tower Defense-Spielen. Reißen dann doch einmal alle Stricke und die feindliche Heerschar gewinnt die Oberhand, lassen sich - quasi als letzte Rettung - die sogenannten Esper beschwören. Mit flächendeckender Magie oder kollektivem Schaden ziehen sie die feindliche Meute zwar ordentlich in Mitleidenschaft, ihr Einsatz sei jedoch gut bedacht, denn jede Beschwörung kostet euch kein Geld, sondern Kristalle!

Auf den ersten Blick verlockend, beim zweiten wird das Ganze dann jedoch relativiert, denn leider weist "Crystal Defenders R1" einige Unzulänglichkeiten auf. Keine schwerwiegenden wohlgemerkt, aber auch viele kleine Mängel können in der Summe den Spielspaß markant beeinflussen. Angefangen beim Umfang: Mit gerade einmal 13 Karten (von denen ihr die letzte erst freispielen müsst) sowie einer Gesamtspielzeit zwischen ein bis zwei Stunden gewinnt Square Enix' Strategie-Titel sicherlich nicht den Preis für das umfangreichste Spiel im WiiWare-Kanal. Tower Defense-Experten und Hobby-Turmbauer dürfte sogar nach weniger als einer Stunde den Abspann sehen. Das ist definitiv etwas zu kurz, für 800 Punkte könnte man schon etwas mehr erwarten. Und ärgerlich ist es außerdem, wenn man sich mal die Versionen für iPhone/iPod und Xbox 360 genauer anschaut, die zum vergleichbaren Preis erhältlich sind, während Wii-Spieler mit R1 gerade einmal einen Bruchteil des Spiels bekommen und stattdessen für R2 erneut in den Geldbeutel greifen sollen! Bemängeln muss man außerdem den schwankenden Schwierigkeitsgrad des Spiels. R1 ist im Grunde wie ein längeres Tutorial aufgebaut: Im Verlauf des Spiels erhaltet ihr nach und nach neue Krieger dazu, deren besondere Fähigkeiten und Stärken in den nachfolgenden Leveln auch sofort gefragt sind, denn eure Feinde werden zunehmend robuster. Der Schwierigkeitsgrad ist folglich tendenziell steigend. Doch der Anspruch an den Spieler kann von Karte zu Karte ganz unterschiedlich ausfallen. Einige Level schafft ihr auf Anhieb und ohne Kristallverlust (ergibt das Prädikat "Perfekt"), bei andere allerdings beißt ihr euch die Zähne aus und könnt selbst nach dem zehnten Versuch noch keine brauchbare Taktik vorweisen. Sicherlich, der Versuch macht klug, das kann aber ab einem bestimmten Punkt auch zu purem Frust führen. Und sogar in der Spielmechanik - dem Herzstück des Ganzen - gibt es Kritikpunkte zu finden. So könnt ihr erstens keine bereits platzierten Krieger mehr verkaufen (was besonders dann ärgerlich ist, wenn ihr merkt, dass ihr an den strategisch wichtigen Stellen auf der Karte die falschen Einheiten positioniert habt) und zweitens gibt es keine optische Veränderung der Truppen, sobald diese eine Stufe aufsteigen. Mag zwar nicht so dramatisch klingen, ein Nachteil ist es dennoch. Um Informationen über die Stufe einer Einheit zu erhalten, müsst ihr zunächst mit dem Cursor auf die entsprechende Figur fahren. Bei mehreren Kriegern auf dem Bildschirm kann es daher durchaus vorkommen, dass ihr einige eurer Kämpfer quasi vergesst und sie somit weiterhin unbeabsichtigt auf einer niedrigen Stufe bleiben. Die Übersicht leidet markant und die Konsequenz daraus wird spätestens während der nächsten Angriffswellen deutlich. Es ist einfach ärgerlich, dass man bei Square Enix diese Kleinigkeiten - die in vielen Tower Defense-Spielen übrigens zu den Standard-Features zählen - vergessen hat. Doch zumindest die Onlinekomponente vergaß man nicht und so könnt ihr via Nintendo Wi-Fi Connection eure Punktzahlen weltweit mit anderen Spielern vergleichen. Warum am Ende aber nur drei der insgesamt 13 im Spiel enthaltenen Karten in den Genuss von Online-Ranglisten gekommen sind, wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben ...

Leider endet die Mängel-Liste hier noch nicht, denn auch an der Steuerung gibt es etwas zu meckern. Doch zunächst die positiven Aspekte: "Crystal Defenders" verzichtet komplett auf irgendwelche Controller-Spielereien und bietet eine ganz klassische Steuerung per seitwärtsgehaltener Wiimote. Den Auswahlbildschirm eurer Einheiten öffnet ihr über die 2-Taste, die auch als Interaktions- und Bestätigungstaste fungiert. Seit ihr für die nächste Angriffswelle gewappnet, könnt ihr den Ansturm mit der A-Taste beginnen lassen. Während eines Angriffs bietet euch das Spiel zwei sinnvolle Funktionen: Einerseits lässt sich das Geschehen mittels der 1-Taste vorspulen, sodass ihr nicht blöd herumsitzt, darauf wartend, dass sich der Ansturm dem Ende neigt. Andererseits könnt ihr das Spiel auch jederzeit pausieren, um in aller Ruhe noch Einheiten hinzuzufügen oder andere zu verbessern, falls Schwachstellen in eurer Verteidigung deutlich werden. Einen Button, um zwischen euren Einheiten durchzuschalten, gibt es leider nicht, stattdessen müsst ihr umständlich über das Steuerkreuz den Bildschirm-Cursor auf die entsprechenden Kämpfer manövrieren. Die Steuerung wirkt behäbig und ist besonders lästig, da ihr - wie bereits geschrieben - selbst rein zu Informationszwecken (bzgl. der Stufe einer Einheit) mit dem Cursor umständlich auf diese fahren müsst.

Auch aus technischer Sicht präsentiert sich Square Enix' Heimkonsolen-Umsetzung eher unterdurchschnittlich: Komplett in einem einfachen 2D-Stil gehalten, bietet R1 zwar nette Animationen, eine farbenfrohe Aufmachung und Final Fantasy-Charme, es mangelt allerdings an Detailreichtum und während der Kämpfe an imposanten Effekten mit "Wow"-Faktor. Alles in allem sieht man dem Titel einfach viel zu deutlich seinen Ursprung an. Ein wenig mehr Mühe hätte man sich bei der grafischen Umsetzung schon geben können, immerhin handelt es sich hierbei um einen Titel für eine Heimkonsole, und nicht für einen Handheld! Dafür überzeugt der Soundtrack mit seinen stimmigen und orchestralen Melodien um so mehr, Final Fantasy lässt grüßen. Die musikalische Untermalung passt stets hervorragend zum Spielgeschehen, ist für einen Download-Titel wirklich umwerfend und überzeugt somit auf ganzer Linie! Die eintönigen Soundeffekte ... geschenkt!

Fazit:
Es ist ein zwiespältiger Eindruck, den "Crystal Defenders R1" am Ende dieses Tests hinterlässt. Square Enix hat es durchaus geschafft, einen soliden Tower Defense-Titel für die kleine, weiße Kiste abzuliefern, der mit seinem Stil besonders die zahlreichen "Final Fantasy"-Fans ansprechen dürfte. Doch die Mängelliste ist lang, die Portierung wirkt teilweise recht lieblos und das Spielkonzept bleibt in einigen Aspekten sogar hinter so manchem kostenlosen Flash-Vertreter dieses Genres zurück. Warum kann man beispielsweise keine Einheiten verkaufen? Warum gibt es keinen optischen Hinweis auf die momentane Stufe einer Einheit? Warum werden nur drei Karten für die WiFi-Listen freigegeben? Und vor allem: Warum müssen Wii-Spieler für das komplette Spiel (R1 + R2) doppelt so viel zahlen wie auf anderen Plattformen? Wo ist der Mehrwert der WiiWare-Variante? Nichtsdestotrotz: "Crystal Defenders" fesselt auch auf der Wii ungemein und bietet unterhaltsamen, wenn auch simpel gehaltenen Strategie-Spaß. Ein Süchtigmacher auf der einen Seite, eine herbe Enttäuschung für alle Kenner des Originals auf der anderen. In Anbetracht der derzeit fehlenden Alternativen kann man aber durchaus eine Empfehlung für Interessierte aussprechen - mit Einschränkungen! Denn den Geruch der Abzocke wird das Spiel irgendwie nicht los. (Alexander)

Pluspunkte:
+ Final Fantasy-Charme
+ süchtig machendes Spielprinzip
+ Vorspul- und Anhalt-Funktion
+ Esper-Beschwörung
+ fabelhafter Soundtrack

Minuspunkte:
- magerer Umfang
- schwankender Schwierigkeitsgrad
- kein Verkauf von Einheiten möglich
- fehlende optische Hinweise auf die Stufe einer Einheit ...
- ... daher schlechte Gesamtübersicht über eure Truppe
- behäbige Cursor-Steuerung
- unterdurchschnittliche Grafik
- Online-Ranglisten nur für drei Level

Wertung:
Einzelspieler: 6,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 800 Nintendo Punkte

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news@mag64.de (01.09.2009)

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