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Hero of Sparta (DSiWare)
Spätestens seit der sehr gelungenen Verfilmung von Frank Millers "300" sind die Spartaner salonfähig geworden. Mittlerweile beschleicht den Spieler schon fast das Gefühl, dass jeder, der ein Schwert schwingt, um sich seinen mehr oder weniger blutigen Weg ans Ziel zu bahnen, ein Spartaner sein muss. In eben diese Bresche, in die die für Sony Konsolen erschienene "God of War"- Trilogie schlug, schlägt nun auch Gamelofts Port der iPhone-App "Hero of Sparta" für den DSi.

Gleich vorweg: Wer "God of War" kennt, wird sich hier sofort zurechtfinden, denn die Übereinstimmungen sind recht frappierend. Aber der Reihe nach. In "Hero of Sparta" streift sich der Spieler den digitalen Umhang von König Argos über, der mit seiner Kriegsflotte Schiffbruch an einer unbekannten Küste erlitten hat. Ausgerüstet mit nichts als seinem Schwert, beginnt seine Odyssee, die ihn bis in die Tiefen des Hades führen wird.

In einer isometrischen 2D-Ansicht hackschnetzelt man sich so durch insgesamt fünf verschiedene Gebiete, in denen man alles zu Brei verarbeitet, was sich einem in den Weg stellt. Mit relativ einfacher Tastendrückerei gehen die Kämpfe vonstatten, die erst im "Heldenmodus" wirklich an Fahrt gewinnen. Doch um diesen freizuspielen, will zuerst ein Durchgang in einem der beiden einfacheren Schwierigkeitsgrade gemeistert werden. Die abwechslungsreich aber extrem linear gestaltete Umgebung wird in einer Mischung aus kampflastigen Laufabschnitten und kurzen Plattformspringerei-Passagen erkundet. Trotz der Linearität des Spiels lohnt sich ein genaues Sondieren der Umgebung nach meist jedoch eher schlecht versteckten Wegen, da sich dort nützliche Items finden lassen, die spätestens im Heldenmodus von essentieller Bedeutung sind. Hierbei sollte man sich nicht von dem permanent eingeblendeten Richtungsweiser irritieren lassen. Wozu dieser überhaupt da ist, fragen sich nicht nur erfahrenere Spieler, denn der Raum für selbstständiges Erkunden ist ohnehin derart eingeschränkt, dass man fast versucht ist, dieses Spiel als "on-rails", also "auf Schienen" zu bezeichnen. Auf diese Weise lassen sich Upgrades für Lebens- und Magieleiste finden, die - hat man drei Stück von ihnen gesammelt - das Spielen enorm angenehmer machen. Jedoch müssen diese nur ein einziges Mal aufgesammelt werden, um fortan bei jedem erneuten Spielen des Levels schon im Inventar von Argos zu sein. Wesentlich offensichtlicher sind da die verschiedenen Waffen und Rüstungsgegenstände "versteckt", die man im Spielverlauf ausrüsten darf: Entweder man erhält sie für das Besiegen eines Bossgegners oder sie liegen an einer sehr exponierten Stelle im Level, die man eigentlich nicht übersehen kann.

Jede der vier Waffengattungen hat ihre eigenen Combos, die mitunter verheerenden Schaden bei den Gegnern anrichten. Hat man einen Feind in die ewigen Jagdgründe geschickt, erhält man bis zu drei verschiedene Arten an Sphären, die entweder die Lebens- oder Magieleiste ein wenig füllen oder quasi als Erfahrungspunkte dafür aufgebracht werden können, um den Schaden einer Waffe zu erhöhen, was bei maximaler Stufe sogar deren Aussehen ändert. Auch darf man auf diese Weise neue Kombinationsangriffe freischalten, die jedoch nicht unbedingt vonnöten sind. Neben den normalen Angriffscombos gibt es noch einen speziellen "Fokusangriff" - eine Art Finishing-Move -, mit dem großen Gegnern der finale Todesstoß versetzt wird: Sobald der Kandidat ausreichend geschwächt ist, erscheinen den Tasten entsprechende Symbole auf dem Spielschirm, die schnell und korrekt gedrückt werden müssen, um den Angriff auszuführen. Misslingt dies jedoch, wird dies mit dem Verlust von Lebensenergie abgestraft. Mit dem Hadesschwert beispielsweise klettert man auf einige der Feinde, um ihnen das Schwert in den Nacken zu bohren, was dann besonders viele Sphären als Belohnung gibt. Einen Bug hat man dabei jedoch vergessen zu beseitigen: Es wird stets die Standard-Version einer Waffe in den Nacken gestoßen - egal ob man nun die erweiterte Variante nutzt oder nicht.

Nicht nur dieses Kampfsystem ist 1:1 vom "großen Vorbild" übernommen, was sogar so weit geht, dass die Tasten ihrer Anordnung auf dem Handheld entsprechend eingeblendet werden. Auch lassen sich die Angriffsfolgen durch einen einfachen Knopfdruck nachschlagen oder per Hotkey schnell die Waffen wechseln. Auch findet man hier fast identisch aussehende Portale und nicht zuletzt natürlich die drei Arten von Sphären. Bei all dieser Schamlosigkeit, mit der sich Gameloft "inspirieren" hat lassen, wirkt es aber fast wie ein Schlag ins Gesicht, dass die Story eine derart dünne und fast schon an den Haaren herbeigezogene 08/15-Handlung ist, die fast schon für eine von Nintendos Waggle-Spielesammlungen reichen würde. Nicht nur deshalb wirkt diese Kopie verhältnismäßig lahm im Vergleich zum Original, was sich nicht nur negativ auf den Spielfluss, sondern auch auf das Spielvergnügen auswirkt.

Grafisch bewegt sich "Hero of Sparta" im oberen Mittelfeld. Zwar hat man versucht die einzelnen Levels abwechslungsreich zu gestalten, was auch gut gelungen ist, jedoch wirken diese sehr pixelig. Die meisten Umgebungstexturen sind äußerst eckig und kantig, was leider nicht gerade zum Spielgenuss beiträgt. Auch die Feinde sind von diesem Phänomen betroffen, was besonders bei den Zwischen- und Endbossen - allen voran dem Zyklopen - auffällt. Selbst das Blut, dass bei jedem Schlag "spritzt", erinnert mehr an eine farbige Wolke, als an das, was es eigentlich sein soll. Wem die rote Farbe übrigens zu derb ist, der darf im Spielmenü auf grünes Blut oder wahlweise auch gar keines umstellen. Einzig der Protagonist macht stets eine gute, kantenfreie Figur bei dem Spektakel. Ein nettes Gimmick hingegen sind die Bilder, die mit dem Abschließen der Stages freigeschaltet werden. Mit der DSi-Kamera dürfen diese dann mit dem eigenen Antlitz verschönert werden.

Musikalisch hat man eine recht unspektakuläre Hintergrundmusik gewählt, die zwar in jedem Level wechselt, aber so gut wie nie wirklich zu bestechen weiß. Einzig in der Unterwelt - dem Showdown - kommt wirklich so etwas wie Stimmung beim Spielen auf. Aber auch nur, wenn man die Voreinstellung des Lautstärkeverhältnisses zwischen Musik und Effekten ändert. Von Werk sind beide gleich laut eingestellt, was dann auch die recht billigen Effekte zu deutlich als solche entlarvt.

Wenigstens bei der Steuerung hat man keine allzu groben Schnitzer gemacht. Beziehungsweise fallen diese aufgrund des beschränkten Aktionsfreiraums nicht wirklich auf. So merkt man nur wenn man wiklich darauf achtet, dass die Richtungswechsel recht ruckartig sind, was bei nur acht möglichen Bewegungsrichtungen schon ziemlich arm ist. Das Steuerkreuz wird ohnehin eigentlich nur benötigt, um sich in Gebieten ohne Feinde zu bewegen. Ansonsten reicht permanentes "Knöpfchendrücken" völlig aus: Sobald Gegner auf dem Schirm sind, manövriert sich das Alter Ego automatisch von Feind zu Feind, hört man nur nicht auf, Angriffscombos zu machen.

Fazit:
Wenn man "Hero of Sparta" in einem Wort zusammenfassen müsste, wäre "Billig" fast noch eine Untertreibung. Nicht nur, dass es sich um eine schlechte Kopie der erstklassigen Sony-Action handelt - was noch viel schlimmer ist, ist, dass die DSi-Version im Vergleich zum iPhone-Original nur noch wie ein schlechter Witz erscheint. Das typische Gameloft-Phänomen also: Für das Original sehr gut im Ansatz, gut in der Durchführung - beim Port auf den DSi: einfach nur billig und maßlos überteuert. Die 800 Punkte, mit denen es zu Buche schlägt, rechtfertigt nicht einmal das eigentlich ganz witzige Action-Spielprinzip. Sollte man sich jedoch trotzdem dazu hinreißen lassen, es zu laden, bekommt man ein - trotz aller Mängel - doch recht kurzweiliges Spiel, das zwar die eine oder andere Länge hat, aber im Ganzen zumindest kurzfristig an die Konsole bindet. (Michi)

Pluspunkte:
+ Kurzweilige Action
+ Abwechslungsreiche Levels

Minuspunkte:
- Pixelige Grafik
- Kurze Spielzeit
- Schlechter iPhone-Port
- Billige und schamlose Kopie
- Maßlos überteuert

Wertung:
Einzelspieler: 5,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 800 Nintendo Punkte

news@mag64.de (18.07.2010)

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