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Robocalypse: Beaver Defense (WiiWare)
Das Leben kann einem manchmal wirklich unschön mitspielen: Da lässt man als Besitzer einer Roboter-Manufaktur einmal gedankenlos seine radioaktiven Abfälle in den angrenzenden Fluss abfließen, schon hat man einen Umweltexperten am Hals, der einen vor den Kadi zerren möchte. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, mutiert nebenbei ein Bieber zu einem bösen Superhirn mit Schweine-Ringelschwanz, programmiert kurzerhand sämtliche Roboter der Manufaktur in unbarmherzige Kampfmaschinen um und möchte damit die gesamte Menschheit ausrotten. Kurz: Sicherlich nicht der erfolgreichste Tag in der Unternehmensgeschichte. Doch was tut man, wenn eine riesige Horde Kampfroboter schießend auf einen zulaufen? Die Antwort ist einfach: Man schießt zurück!

Mit "Robocalypse: Beaver Defense" steht uns WiiWare-Spielern erneut ein interessanter Vertreter des Tower Defense-Genres ins Haus, das zunächst klassische Turmabwehr-Strategie bietet: Das Ziel besteht darin, euer Hauptquartier vor den anrückenden Heerscharen von Kampfrobotern zu beschützen. Dazu baut ihr auf dem Spielfeld unterschiedliche Geschütztürme (bis zu vier Typen sind vorhanden), die sich wahlweise in Sachen Stärke oder Reichweite in drei Schritten aufwerten lassen. So kann beispielsweise der Standard-Geschützturm entweder zu einem hocheffizienten MG-Geschütz oder eben zu einem präzisen und weitreichenden Scharfschützenturm erweitert werden. Da die Gegner immer in Wellen in das Gebiet stürmen, bleibt euch zwischen den Angriffen stets genügend Zeit, um eure Verteidigungslinie in Ruhe weiter aufzubauen. Anders als bei manch anderen Vertretern dieses Genres laufen die Gegnerscharen dabei nicht auf vorgefertigten Wegen auf euch zu, sondern suchen sich immer den "einfachsten" Weg, was bedeutet, dass sie von ihren vorherigen Routen durchaus abweichen, wenn sie dadurch einige eurer Türme vermeiden können. Diese Gegebenheit macht das Spiel zu einem taktisch sehr anspruchsvollen, fortwährend abwechslungsreichen und spielerisch tiefgängigen Strategie-Titel: Sobald ihr euer Hauptquartier einigermaßen gesichert habt, solltet ihr euch eine Möglichkeit überlegen, wie ihr die unzähligen Robotersoldaten am besten und am "kontrolliertesten" durch eure Verteidigungslinie laufen lasst. Kein Versuch ist dabei wie der andere: Selbst wenn ihr ein und dieselbe Mission nur wiederholt, kann das Spielerlebnis durch eure Entscheidungen ein ganz anderes sein!

Recht überschaubar ist dabei die Anzahl an Spielmodi: Neben einem Story-Modus, in dem die verrückte, (im positiven Sinne) "bekloppte" Geschichte immer weiter gesponnen wird und ihr an vielen unterschiedlichen Orten für die Zukunft der Menschheit kämpft, gibt es außerdem noch einen Survival-Modus, wobei hier einige Stages über den Story-Modus erst freigespielt werden müssen. Ein interessantes Feature in "Robocalypse" sind die Roboter-Helden: Vor Beginn des Spiels könnt ihr euch einen Helden aussuchen und diesen als zusätzlichen Verteidigungsposten auf der Karte platzieren, weitere Helden werden im Verlauf hinzukommen und können vor Missionsbeginn stets ausgetauscht werden. Diese Krieger lassen sich jederzeit frei auf der Karte bewegen und jeder kommt mit einer speziellen Fähigkeit daher: Einige bieten zusätzliche Feuerkraft, andere verbrennen feindliche Roboter mit ihrem Flammenwerfer oder bauen eine HQ-Imitation, um die Gegner vom eigentlichen Hauptquartier abzulenken. Auch eure Helden lassen sich von Zeit zu Zeit über Erfahrungspunkte in Sachen Stärke, Munition etc. aufwerten. Kritik muss in diesem Zug allerdings an der Steuerung geübt werden: Um euren Helden zu bewegen, muss man ihn zum "Markieren" einfach anwählen und dann wiederum den Zielort anklicken, damit sich der Koloss in Bewegung setzt. So weit, so gut. Allerdings kann es manchmal sehr ärgerlich werden, wenn ihr euren Helden aus Verstehen und ungewollt auf die Reise schickt, weil ihr im Eifer des Gefechts vergessen habt, die Markierung wieder zu lösen. Dann nämlich zieht euer Kämpfer im Schleichgang von dannen und gibt währenddessen übrigens auch keinen Schuss von sich. Genau dies kam im Test leider viel zu häufig vor und störte einfach zu sehr, als dass man es lediglich als Schönheitsfehler verbuchen könnte.

Ebenfalls wenig überzeugend ist die technische Seite von "Robocalypse" ausgefallen: Die Storysequenzen sind einerseits zwar in einem netten und bunten Comicbuch-Stil (mit Sprechblasen!) gehalten, andererseits allerdings eine recht trockene Angelegenheit, da zwischendurch weder Sprachausgabe noch Musik geboten wird. Der eigentliche Kampfbildschirm präsentiert sich dann in einer für eine Heimkonsole recht minimalistischen 2D-Grafik, die in selber Form und Gestalt auch in der DS- und iPhone-Version vorzufinden ist. Zur Krönung des Ganzen hat Vogster Entertainment wohl auch die Endkontrolle beim Soundtrack vergessen! Obwohl im Spiel ohnehin nur gefühlte zwei Melodien vorhanden sind, treten teilweise herbe Probleme bei der akustischen Untermalung auf: Zeitweise ist gar keine Musik zu hören, ein anderes Mal überschneiden sich einfach zwei Stücke und ergeben einen solch unerträglichen Mischmasch, dass man den Ton am liebsten komplett ausstellen möchte. Zumindest der Humor ist recht angenehm und stellenweise wirklich "verrückt", wenngleich man an dieser Stelle darauf hinweisen sollte, dass das Spiel ohne Übersetzungen und somit komplett in englischer Sprache daherkommt!

Fazit:
Am Ende fällt der Gesamteindruck überaus positiv aus: "Robocalypse: Beaver Defense" bietet gute bis sehr gute und vor allem unterhaltsame Tower Defense-Kost und überzeugt mit seinem schrägen Humor und dem spielerischen Tiefgang. Abzug in der B-Note gibt es für die viel zu minimalistische, einer Heimkonsole fast schon unwürdigen Grafik, den teils massiven Sound-Problemen und der manchmal fummeligen Steuerung der Helden. Doch diese Kritikpunkte sollten Interessierte nicht vom Kauf abhalten! "Robocalypse" bietet für gerade einmal 600 Nintendo Punkte einige Stunden soliden Turmverteidigungsspaß und kann nicht nur Fans des Genres wärmstens ans Herz gelegt werden. (Alexander)

Pluspunkte:
+ witzige Story & toller Humor
+ solides Tower Defense-Gameplay
+ spielerischer/taktischer Tiefgang
+ unterschiedliche Roboter-Helden
+ Sequenzen im Comicbuch-Stil

Minuspunkte:
- minimalistische Grafik
- Soundprobleme
- heikle Helden-Steuerung

Wertung:
Einzelspieler: 7,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 600 Nintendo Punkte

news@mag64.de (18.07.2010)

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