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Phoenix Wright: Ace Attorney Trials and Tribulations (WiiWare)
Nachdem des jungen Anwalts erstes Abenteuer und dessen Nachfolger „Justice For All“ bereits in das WiiWare-Sortiment portiert wurden, folgt mit „Phoenix Wright: Ace Attorney Trials and Tribulations“ der dritte Ableger von Capcoms charmanter Adventure-Reihe. Erneut kriegt Phoenix es hier sowohl mit altbekannten Widersachern, als auch mit neuen, zum Teil mysteriösen Querdenkern zu tun. Ob das Ergebnis ein würdiger Abschluss der Trilogie oder aber ein uninspirierter Abklatsch geworden ist, erfahrt ihr in den nun folgenden Zeilen.

Ganz im Sinne der bereits veröffentlichten Teile versucht die Eröffnungssequenz den Spieler mit stimmungsvoller Aufmachung in ihren Bann zu ziehen: Erbarmungslos prasseln Regentropfen auf einen reglosen Körper nieder, während die Kamera langsam nach oben schwenkt. Was man nun zu sehen bekommt, ist das bleiche und erstarrte Gesicht eines weiteren üblen Ganoven, der…Moment mal! Der vermeintliche Mörder ist diesmal ja gar kein stereotypischer Fiesling, sondern Phoenix Wright persönlich. Ja, tatsächlich, UNSER Phoenix Wright, der solche heimtückischen Übeltäter sonst durch sein geschicktes Vorgehen vor Gericht hinter Gitter bringt, soll diesmal einen Mord begangen haben. Sonnenklar, dass auch er ein obligatorisches „Ich war’s nicht.“ beisteuert und nun sein Schicksal von dem Handwerk eines fähigen Strafverteidigers abhängt. Durch diesen bombastischen Auftakt erfährt man auch gleich, wie Phoenix seine spätere Mentorin Mia Fey kennen lernt, da sie ihn in diesem Fall vor Gericht verteidigen wird. Der erste Fall ist also praktisch eine Rückblende auf ein Geschehnis von vor fünf Jahren, als der Stachelkopf einerseits noch die Universität besucht (wo er nach eigenen Angaben „nur nebenbei“ Jura studiert) und Mia als blutjunge Anwältin andererseits - unterstützt von ihrem Lehrmeister Herrn Grossberg (na, macht es bei Fans der Serie bereits „kling“?) - nun ihren ersten „echten“ Gerichtsprozess zu bewältigen hat. Natürlich ist sie dabei ziemlich nervös und ihre debile Verfassung wird so dazu genutzt, dem Spieler den Einstieg ins Spiel ein wenig zu erleichtern und die grundlegenden Handgriffe zu erläutern. Phoenix Wright-Veteranen winken hier natürlich ab, aber für alle Neueinsteiger ist es selbstverständlich von Vorteil, die wichtigsten Spielelemente von Herrn Grossberg ein wenig näher beschrieben zu bekommen. Des Weiteren werden im Spielverlauf immer wieder Rückblenden auf wichtige, vergangene Ereignisse aufgezeigt, zu denen Phoenix fleißig erklärende Begleitsätze beisteuert, damit keine Fragen zu den jeweiligen Beziehungen zwischen den Charakteren aufkommen. Dafür muss man Capcom ausdrücklich loben. Denn auch, wenn es selbstverständlich ratsam ist, mit dem Erstling anzufangen, soll es auch Leute geben, die mit diesem Spiel das erste Mal die Welt der Gerichtssäle betreten. Und sicherlich gibt es auch einige Zeitgenossen, die sich gar nicht mehr genau erinnern können, was im zweiten Teil geschehen ist, obwohl sie diesen bereits gespielt haben.

Der Grundsatz im Spiel ist jedoch nach wie vor der Gleiche: „Mein Mandant ist unschuldig, egal wie erdrückend die gegenwärtige Beweislage auch sein mag.“ Wie immer versuchen verdächtige Personen des Öfteren, gewisse Vorgänge zu vertuschen; weil es ihnen womöglich peinlich ist oder aus welchem verworrenen Grund auch immer. Nur durch genaueste Betrachtung der Schauplätze und der damit verbundenen Anlegung eines Repertoires an Beweisen, kann man dann selbst kleinste Lügen solcher Zeugen widerlegen und sie immer weiter inmitten ihres Lügengeflecht in die Ecke treiben, bis schließlich die vollständige Wahrheit zu Tage rückt. Hier zeigt sich aber auch das einzige Problem, mit dem die Serie schon seit ihrem Beginn zu kämpfen hat: Die Linearität. Es nervt manchmal einfach nur, wenn man von Ort zu Ort hetzt und feststellt, dass man momentan irgendwie „hängt“, bis man schließlich feststellt, dass dieser Umstand nur darin begründet lag, dass man einer Person noch dieses eine Beweisstück präsentieren musste. Man ist in solchen Situationen einfach nur froh, dass die Geschichte endlich weiter geht, ärgert sich dabei aber doch ein bisschen über die verlorene Zeit und das wahrscheinlich einzige gravierende Manko des Spiels. Die Glanzpunkte des sympathischen Adventures sind allerdings weiterhin die Emotionen und sein brillanter Humor. Beispielsweise das schmerzverzerrte Gesicht des Staatsanwalts, wenn Phoenix völlig überraschend einen entscheidenden Beweis „aus dem Hut zaubert“: Diese Momente sind einfach genial. Der Humor der Vorgänger wurde auch auf konstant hohem Niveau beibehalten: Wenn Phoenix etwa „Natürlich weiß ich das!“ sagt, gleichzeitig aber „Eigentlich hatte ich das total vergessen…“ denkt, ist das schon ziemlich ulkig. Ein anderes Mal stehen Phoenix und seine Partnerin Maya vor einem Porträt eines Detektives und Maya fragt Phoenix unbefangen, ob sie nicht auch mal ein solches von ihm kreieren sollte, das ihn beim Reinigen der Toilette in seinem Büro (einer der Running-Gags) zeigt. Phoenix ist von ihrer Frage daraufhin derart perplex, dass er ihr antwortet, er würde doch eher etwas „Würdevolleres“ bevorzugen.

Die Mischung aus neuen und alten Charakteren ist Capcom ebenfalls gelungen: Ob nun liebenswürdig-nervig Bekannte wie Larry Butz (ja, auch hier ist er wieder mit von der Partie) oder der neue, überaus mysteriöse Staatsanwalt Godot, der Phoenix irgendwoher zu kennen scheint und ihn nun vor Gericht bloßstellen möchte. Seine übertriebene Arroganz und sein Selbstbewusstsein stellt er auch dadurch zur Schau, dass er während der Verhandlung den einen oder anderen Becher Kaffee genüsslich in sich hineinschüttet und gerne über die verwendete Mischung schwadroniert. Wie auch immer die Mannen von Capcom auf solche Ideen gekommen sind, es ist einfach köstlich. Auch wie die kleine Pearls immer wieder versucht, für romantische Momente zwischen Phoenix und Maya zu sorgen, obwohl die beiden eigentlich nur ein gutes und freundschaftliches Verhältnis pflegen, zählt zu den amüsanten Passagen dieses Titels. Es ist auch eindruckvoll, wie Grafik und Sound erneut eine solch wundervolle Symbiose eingehen: Die 2D-Standbilder haben einen ganz besonderen und eigenen Charme, obwohl (oder gerade weil?) sich im Spiel nicht wirklich viel bewegt. Dazu dieser Sound, der die Stimmungslage jederzeit perfekt einfängt, seien es nun Spannung, Lockerheit oder auch nachdenkliche Momente. Kein Wunder, dass der Soundtrack in Japan mittlerweile sogar als CD erhältlich ist.

Übrigens kann man mittlerweile (sowohl vor Gericht, als auch während den Ermittlungen) nicht nur Beweismittel, sondern auch Profile präsentieren, wodurch sich einige neue Möglichkeiten ergeben. Zeugen können einem so beispielsweise neue Informationen zu bestimmten Personen geben. Auch die psychischen Blockaden sind wieder mit von der Partie und können mitunter ziemlich komplexe Probleme darstellen, die man mit guter Kombinationsgabe und den richtigen Beweismitteln jedoch früher oder später entscheidend lösen wird. Wie bei den Vorgängern ist es auch hier jedoch wieder so, dass man nach einem Durchgang praktisch alles gesehen hat. Ein erneutes Durchspielen ist daher wohl erst dann wieder ein Anreiz, wenn man nach einiger Zeit die Geschehnisse schon wieder vergessen hat. Ein Durchgang hat es jedoch auch wirklich in sich. Dass die Story dabei wieder mal einige überraschende Wendungen und jede Menge Spannung beherbergt, ist natürlich ebenso klar.

Fazit:
Der dritte Teil des Point’n’Click-Adventures ist ein mehr als würdiger Abschluss der Phoenix-Wright-Trilogie. Wenn man einmal mit dem Spiel anfängt, wird man derart in seinen Bann gezogen, dass man die Wii-Fernbedienung wirklich erst aus der Hand legen kann, wenn man die Geschichte komplett absolviert hat. An die durch die Linearität bedingten Probleme hat man sich mittlerweile ja fast schon gewöhnt und nimmt sie angesichts der erneut packenden Aufmachung und teilweise extrem abgedrehten Charaktere gerne in Kauf. „Phoenix Wright Ace Attorney: Trials and Tribulations“ ist von der grundlegenden Aufmachung her exakt wie seine Vorgänger, was bei einem derart gelungenen Spiel auch beileibe genau richtig ist. (Niklas)

Pluspunkte:
+ die Geschichte fesselt wie gewohnt ungemein
+ bewährter & gelungener Humor
+ teilweise emotionale Momente
+ geschmackvolle und passende Aufmachung
+ absolut angemessener Abschluss der Trilogie

Minuspunkte:
- bekannte Probleme mit der Linearität
- Wiederspielwert natürlich nicht ganz so hoch

Wertung:
Einzelspieler: 8,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 1000 Nintendo Punkte

news@mag64.de (12.07.2010)

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