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Ace Attorney Phoenix Wright Justice For All (WiiWare)
Hach ja: „Justice For All“, also „Gerechtigkeit für alle“, das wünschen wir uns doch wirklich auch alle. Während das wahre Leben jedoch oftmals ziemlich ungerecht zugeht und man nicht viel dagegen tun kann, hat man als Verteidiger Phoenix Wright in „Phoenix Wright Ace Attorney Justice For All“ nun zumindest virtuell Gelegenheit dazu, die Unschuld anständiger Bürger zu beweisen und gleichzeitig die wahren Übeltäter zu entlarven. Und das auch noch mit einer dermaßen coolen Frisur.

Der Auftakt des Spieles beginnt mit einem gewaltigen Paukenschlag: Während unser geliebter Star-Anwalt sich ein kleines Päuschen gönnt, wird er durch einen merkwürdigen Albtraum unsanft aus dem Schlaf gerissen. Und damit nicht genug: schlaftrunken wird er nun von einem Unbekannten bewusstlos geschlagen und erinnert sich nach erneutem Erwachen an rein gar nichts mehr. Ausgesprochenes Pech, das just in diesem Moment aber schon die nächste Verhandlung ansteht…Wie soll das nur gut gehen? Ein Anwalt, der nicht mehr weiß, wer er ist, geschweige denn was seine Mandantin angestellt haben soll. Typisch Phoenix Wright: Eigentlich nix angestellt und doch sitzt er mal wieder tief in der Patsche.

Im Laufe ersten Falls erlangt er sein Erinnerungsvermögen jedoch Gott sei dank wieder zurück und läuft zu alter Höchstform auf. Dasselbe kann man übrigens auch vom Spiel selbst behaupten, es setzt auf das bewährte, erfolgsversprechende Rezept: Zwischen den Verhandlungen wird nach nützlichen Beweisen/Informationen gesucht, während im aufgeheizten Gerichtssaal buchstäblich die Post abgeht. Dafür sorgt nicht zuletzt einer der neuen Charaktere: Franziska von Karma. Verkörperte ihr aus Deutschland stammender Vater Manfred (jaja, immer sind wir die Bösen…) schon im Erstling das Exemplar eines skrupellosen und vor nichts zurückschreckenden Staatsanwalts, setzt sie in allen Belangen noch mal einen drauf. Ein Beispiel? Um sich im Gerichtssaal Gehör zu verschaffen, setzt sie gerne mal ihre Peitsche ein. Das nenne ich knallhart, denn da bleibt selbst dem sympathischen Richter die Sprache weg. Die vielfältigen Figuren sorgen also auch hier wieder für ein einzigartiges Spielgeschehen, es kommt schnell wieder das „Phoenix-Wright-Gefühl“ auf. Durch den strukturell gleichen Aufbau der Fortsetzung, wurde allerdings auch dasselbe Manko übernommen: Die fast schon gnadenlose Linearität. Oft gibt es eben nur eine bestimmte Herangehensweise, durch die man ein bestimmtes Problem lösen kann. Das ist manchmal nur eine Kleinigkeit, aber die muss man unter Umständen erstmal finden. Und das kann zugegeben manchmal schon ein wenig nervig sein. Das ist aber auch schon der einzige wirklich negative Aspekt des Spieles.

Etwas Neues wird aber auch geboten, denn das so genannte „Magatama“ begleitet euch ab jetzt beim Lösen der neuen Fälle. Dabei handelt es sich um einen grünen Anhänger, den Phoenix von Maya geschenkt bekommt und anschließend von ihrer kleinen Cousine Pearl mit mystischer Energie aufgeladen wird. Stoßt ihr nun bei euren Ermittlungen auf einen besonders verschlossenen Gesprächspartner, reagiert das Magatama und zeigt so an, dass derjenige etwas zu verbergen hat. Dies wird dann in Form von Schlössern angezeigt, die ihr nun durch die richtige Beweisvorlegung knacken müsst. Diese kleinen „Psycho-Spiele“ sind eine nette Auflockerung zwischen den Verhandlungen und der normalen Beweisermittlung, und können unter Umständen auch eine echte Herausforderung sein. Manchmal besteht so eine „psychische Blockade“ nur aus einem Schloss, gelegentlich können es aber auch schon mal deren fünf sein. Man sollte sich solch hartnäckigen Blockaden also erst widmen, wenn man bereits genügend Beweismaterial gesammelt hat.

Hardwarebedingt (wir spielen das Spiel ja nun nicht mehr über einen Touchscreen) fallen übrigens einige Features weg, die in der DS-Version enthalten waren. Ohne Mikrofon kann man also nicht mehr „Einspruch!“ schreien, sondern muss dies eben per Knopfdruck oder Wurfgeste bewerkstelligen. Und auch die seltenen Touchscreenfeatures (beispielsweise das „Freirubbeln“ von Fingerabdrücken) sind natürlich nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Genau so gut wie auf dem DS ist jedoch die Story und die Stimmung. Und natürlich kommt auch der Humor nicht zu kurz, er ist sogar ein wesentlicher Bestandteil der Reihe. Mit Phoenix’ beißenden und mitunter ironischen Kommentaren, von denen er immer und überall einen auf Lager hat, könnte man ganze Bücher füllen. Die Story führt den Anwalt beispielsweise nach „Kurain“, die Heimat der Medium-Familie Fey. Dort kommt es zu einigen ungewöhnlichen Zwischenfällen, bei denen ihr auch der merkwürdigen Morgan Fey begegnet, die mysteriöse Mutter der kleinen Pearl. Darüber hinaus macht ihr in späteren Kapiteln des Spiels auch noch Bekanntschaft mit einem herumreisenden Zirkus und beschäftigt euch mit einem sehr verzwickten Fall, der sich in einem Hotel abgespielt hat. Spannung ist dabei garantiert, es sei jedoch nicht zu viel verraten. Aber eines sei gesagt: Zum Schluss ist das Spiel an Dramatik und Nervenkitzel wahrlich kaum zu überbieten. Es kommt zu einem mitreißenden „Herzschlagfinale“, in dem Maya eine nicht unwichtige Rolle spielt. Deshalb auch noch die Empfehlung: Spielt die Serie unbedingt „chronologisch“ durch und begeht nicht den Fehler, „Justice For All“ zu spielen, bevor ihr den ersten Teil gespielt habt. So erhaltet ihr den maximalen Spielspaß und Spannungsfaktor, und kommt zudem nicht mit der Story durcheinander.

Fazit:
Dies ist ein Titel, bei dem man angesichts des Vorgängers weiß, was einen erwartet: Die bewährte stilvolle Inszenierung, gespickt mit einer Menge stimmungsvoller Dynamik und einer üppigen Portion Humor. Dass die Linearität dabei das ein oder andere Mal ein wenig aufhalten kann, wird Genre-Fans bei derart viel Atmosphäre kaum stören. „Phonenix-Wright“-Titel sind wie ein gutes Krimi-Buch: Der eine liest den Klappentext und bemerkt, dass es nichts für ihn ist. Schade, aber es soll vorkommen. Ein anderer aber fängt an zu lesen und kann dann gar nicht mehr damit aufhören. (Niklas)

Pluspunkte:
+ gewohnt stilvolle und mitreißende Präsentation
+ bunter Mix aus bekannten und neuen Charakteren
+ grandioser Humor
+ Dramatik und Spannung en masse, besonders im letzten Kapitel

Minuspunkte:
- stellenweise zu viel Linearität
- leider nur vier Fälle
- auch dieser Teil ist "nur" eine Portierung

Wertung:
Einzelspieler: 8,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 1000 Nintendo Punkte

news@mag64.de (02.05.2010)

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