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Pop+ Solo (DSiWare)
Es gibt Spielprinzipe, die lassen einen - wenn man von ihnen hört - nur noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und diesen irritiert schütteln. Oder wie sonst würde ein auch nur halbwegs vernünftiger Zocker auf ein Spiel reagieren, dessen Ziel es ist, Luftblasen zum Platzen zu bringen? Aber erstaunlicherweise hat die Firma Nnooo Games mit der Veröffentlichung von "Pop" für WiiWare einen Nerv bei den Spielern getroffen. Daher ist es nur die logische Konsequenz dessen, dass es nun auch für die mobile Spielerschaft eine Version gibt.

Wer nun aber meint, dass es sich bei "Pop+ Solo" lediglich um einen etwas abgespeckten Port der "Vollversion" handelt, der täuscht sich gewaltig! Hier warten nicht weniger als sieben (!) verschiedene Modi auf den willigen Spieler, die schier grenzenlosen Langzeitspielspaß garantieren. Im Hauptmenü findet man neben dem obligatorischen Trainings-Spiel noch verschiedene (Haupt-)Spielarten wie den Adventure-Modus, Timed-Modus oder den Challenge-Mode. Aber alle haben eine Sache gemein: Stets geht es darum, Luftblasen zu zerstechen. Auf dem Touchscreen schweben verschiedenfarbige Luftblasen in unterschiedlichen Größen und Geschwindigkeiten vorüber, die - am besten alle - zum Platzen gebracht werden wollen. Jede von ihnen gibt bei ihrem Ableben Punkte und eine kleine Menge an weiterer Spielzeit.

Highscorejäger sollten aber nicht nur wahllos alles kaputtmachen, was sie vor den Stylus bekommen - auch bei diesem Spiel lohnt sich das Taktieren! Trifft man mehrere, gleichfarbige Blasen in Folge, so aktiviert sich der Chain-Combo, der das Punktekonto rasant füllt und die Spielzeit pro Treffer um jeweils zehn weitere Zeiteinheiten erhöht. Aber auch die Größe ist ausschlaggebend für die erhaltene Punktzahl: Große Kugeln geben wenig Punkte, ihre kleinwüchsigen Geschwister mehr, da sie schwerer zu treffen sind. Sobald aber ein "Antippen" ins Leere geht, wird nicht nur die Kette unterbrochen, man bekommt auch noch eine Strafzeit aufgebrummt, die selbst dem besten Run oftmals ein jähes Ende bescheren kann. Ein recht praktisches Feature gegen solche Eventualitäten ist die Möglichkeit Blasen "aufzupumpen". Hierzu muss man eine angetippte Kugel nur kurz schütteln, um sie an Größe gewinnen zu lassen. Lässt man sie dann los, löst sie bei ihrem Platzen eine kleine Druckwelle aus, die alle gleichfarbigen Blasen in ihrer Reichweite zum Platzen bringt.

Was natürlich nicht fehlen darf, ist eine kleine Auswahl an Items, die das Spielen etwas angenehmer machen. Neben Multiplikatoren, die besonders für die Punktejäger interessant sein sollten, gibt es beispielsweise noch Wasserminen, Fische oder Radioaktiv-Zeichen, die - bringt man die sie umgebende Blase zum Platzen - eine riesige Druckwelle mit gleichem Effekt auslösen. Vor den Totenköpfen sollte man sich aber in Acht nehmen, da sie die Combo brechen und ganz nebenbei auch noch Spielzeit abziehen. Vorsicht und Stylusspitzengefühl ist also auch hier geboten!

Mit diesem Know-How und dem entsprechenden Feingefühl lassen sich gigantische Highscores weit jenseits des sechsstelligen Bereichs aufstellen. Es geht allerdings nicht immer nur um den Score. Entscheidet man sich für den "Adventure-Modus", geht es in einer Art "Story-Modus" darum, neben diversen Wellen an Blasen auch noch besondere Bossfights zu überstehen. Hierzu gilt es vor jedem Angriff möglichst viel Zeit per Blasenplatzen zu horten, um die gegnerische Kreatur so stressfrei wie möglich zu besiegen. Dies hört sich nun eventuell ziemlich merkwürdig an - und das ist es auch: Erst nach mehrmaligem Spielen erschließt sich die genaue Funktionsweise dieser Kämpfe.

Wem dies jedoch zu anstrengend sein sollte, der darf aber auch gerne im "Chill-Modus" etwas entspannen. Befreit von jeglichem Druck, der sonst immer durch die Punktejagd oder die Zeitlimits besteht, darf hier nach Herzenslust "gePopt" werden. Mit der Zeit wird dies allerdings irgendwie langweilig, da dann doch die Herausforderung fehlt.

Grafisch kann man an "Pop+ Solo" im Grunde nichts aussetzen. Fast schon vorbildlich wird das Konzept der Blasen bereits im Hauptmenü umgesetzt, in dem man keine einzige spitze Ecke findet. Im Spiel selbst findet man stets zwei bis drei verschiedene Farben bei den zu zerstörenden Elementen. "Elemente" deswegen, weil man die Option hat, auf eckige Blasen zu wechseln. Tut man dies, mischen sich Quadrate, Rauten und Sechsecke mit in den Strom an Kugeln. Aber nur weil sie eckig sind, muss das noch lange nicht heißen, dass sie nicht weiterhin als Luftblasen durchgehen: Dank eines gezielten Setzens von Lichteffekten auf den Zielen, sowie sehr gelungenen farblichen Abstufungen wird die Illusion von Dreidimensionalität erzeugt, die zu den bestaussehendsten Blasen, die der DS(i) je gesehen hat, führen.
Für die Untermalung mit Musik und Soundeffekten hat man sich bei Nnooo tatkräftige Unterstützung von der australischen "Beat Therapy" geholt, die man vielleicht durch den einen oder anderen Remix kennt. Die verschiedenen Mitarbeiter um den Kopf der Crew, Andrew Curnock, sind definitiv keine Unbekannten im Handheld-Music-Business: Neben Spielen wie "Zoo Hospital" zeichnen sie auch verantwortlich für den Soundtrack der Versoftung von James Camerons Avatar. Auch bei dem vorliegenden Projekt ist eine sehr angenehme Beschallung herausgekommen, die ihresgleichen sucht. Chillige Elektrorhythmen fügen sich mit dem Platzen der Luftblasen zu einem stimmigen Gesamtbild, das zu gefallen weiß.
Die Steuerung mit dem Stylus ist sehr solide umgesetzt und zeigt auch im Langzeitbelastungstest keine Schwächen. Es sei aber jedem Spieler ans Herz gelegt, dass er - sollte er noch länger Freude an seinem DSi haben wollen - nicht zu fest auf den Touchscreen einhacken sollte, auch wenn das Spiel dazu verleitet.

Fazit:
"Pop+ Solo" hat - obwohl es ein sehr eigenwilliges Spielprinzip verfolgt - doch enormes Suchtpotenzial. Ist man erst einmal in die Welt der Luftblasen eingetaucht und hat Gefallen daran gefunden, kann man nicht mehr aufhören zu spielen. Leider erschließt sich dies aber nicht jedem. Auf jeden Fall erhält man für die 500 Punkte einiges an Umfang, der weit über das hinausgeht, was manch anderer Titel in dieser Preisklasse bietet. Challenges, "Story-Modus" und nicht zuletzt das Medaillensystem garantieren erstklassige Langzeitmotivation. Abgerundet durch die sehr gute grafische und musikalische Verpackung des Spiels, ergibt das ein erstklassiges Game. Was leider den positiven Gesamteindruck schmälert, sind der fehlende Multiplayer und Online-Support, der bei der Wii-Umsetzung so sehr zu gefallen wusste. (Michi)

Fazit II:
Was nützt einem ein prall gefülltes Hauptmenü mit zig unterschiedlichen Spielvarianten, wenn das im Kern stets gleiche Gameplay einfach nicht zu überzeugen weiß? "Pop+ Solo" konnte mich insgesamt gefühlte 90-120 Sekunden an den DSi fesseln, bis ich die Lust am schalen Blasen-zum-Platzen-bringen verloren hatte. Alles was ihr in den unterschiedlichen Modi zu tun bekommt, ist äußerst repetitives Auf-den-DS-Screen-Klopfen. Das Ganze folgt keiner besonderen Ordnung, artet zumeist in Hektik aus und entbehrt die meiste Zeit über jeden taktischen Anspruchs. Hinzu kommt, dass das, was der Kollege noch als vorbildliches grafisches Konzept und stimmige Musikuntermalung lobt, mir als zu einseitig und langweilig erscheint. Bei diesem Spiel muss der Funke wirklich überspringen. Bei mir tat er es nicht. Ich rate zum Probespielen, Videos anschauen oder - einfacher - zum echten Ploppen dieser lustigen Luftpolsterkissen. Macht mir persönlich mehr Spaß.(Hendrik)

Pluspunkte:
+ Sehr gute grafische Umsetzung
+ Hervorragender Sound
+ Vorbildliche Langzeitmotivation
+ Viel zu spielen

Minuspunkte:
- Spielprinzip erschließt sich wahrlich nicht jedem
- Kein Online-Support
- Komplett in englischer Sprache

Wertung:
Einzelspieler: 8,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 500 Nintendo Punkte

news@mag64.de (02.04.2010)

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