konsolenkost.de

 
Mag64

LIT (WiiWare)
Willkommen zum Test des ersten Horrorspiels für WiiWare. Bislang tat sich Nintendos Onlinemarkt ja eher durch mehr oder weniger sinnvolle Minispiele und Puzzle-Games hervor, mit WayForwards LIT wird es nun aber ernst. Nun ja, fast. Denn genau genommen handelt es sich bei LIT nicht um ein Horrorspiel im herkömmlichen Sinne – will heißen: im Stile eines Resident Evil -, sondern um ein Horror-Puzzle-Spiel. Und „Zack“ befinden wir uns wieder in vertrauten WiiWare-Dimensionen. Aber was können wir von dieser kruden Mischung, an der Mark Bozon von IGN als Creative Director mitgearbeitet hat, erwarten?

Zuallererst einmal eine völlig zusammenhangslose und im Prinzip nicht erkennbare Geschichte. In LIT steuert ihr den Teenager Jake, der – warum auch immer? – in der Mini-Introsequenz in seine verdammt düstere Schule rennt und sich verzweifelt an die Tafel lehnt. Im sehr stylischen Hauptmenü wählt ihr sodann einen von drei Speicherslots aus und legt direkt los. Jake steht auf, tritt durch eine Tür und unvermittelt steht ihr vor eurem ersten Rätselraum. Storyrelevante Grundfragen wie etwa „Wer bin ich?“, „Warum bin ich hier?“, „Warum ist es in meiner Schule so saumäßig dunkel?“ oder“ Wer zum Teufel sind diese Teenager-fressenden Wesen, die nur in der Dunkelheit leben?“ werden in der Folge einfach ignoriert. Stattdessen könnt aber in manchen Levels mit eurer offenbar ebenfalls verwirrten Freundin telefonieren, die selbst immer tiefer der Dunkelheit anheimfällt. Sie zu retten, kristallisiert sich dabei bald schon als euer Hauptziel heraus.

Auf dem Weg dahin löst ihr 25 Rätselräume und besiegt fünf Bossgegner. Da es passend zur fehlenden Storyeinführung auch kein spielerisches Tutorial gibt, müsst ihr euch die Logik des Spiels selbst erarbeiten. Die Kamera blickt aus erhöhter Sicht von oben in einen Klassenraum, der den Bildschirm stets ausfüllt. Ihr startet am unteren Bildrand in einem kleinen Viereck, das vom Exit-Schild über der Tür erhellt wird. Leider liegt die Ausgangstür auf der oberen Seite des Bildschirms und der gesamte Raum ist stockdunkel. Verlasst ihr eure helle Sicherheitszone, greifen geheimnisvolle Wesen nach euch und ihr habt verloren. Nun werden euch verschiedene Möglichkeiten gegeben, die fiese Finsternis zu überwinden. Die einfachste Methode besteht darin, mit Druck auf den C-Knopf Munition für eure Schleuder einzusammeln, anschließend mit „Z“ in den manuellen Zielmodus zu wechseln und in bester Zelda-Manier ein Fenster mit einem Schuss aus der Schleuder zu zerstören. Sogleich fällt ein gerader Lichtstrahl in den Raum. So erreicht ihr dann die nächste Munitionskiste, zerstört ein weiteres Fenster und so weiter. Damit es aber nicht langweilig wird, haben sich die Entwickler viele verschiedene solcher lichtspendenden Möglichkeiten ausgedacht und waren dabei teils wirklich kreativ. Ihr könnt normale Tischlampen anknipsen, müsst Bewegungsmelder aktivieren (die natürlich nach kurzer Zeit wieder ausgehen), aktiviert auch hin und her schwenkende Flutlichter oder nutzt das Licht von Fernsehern oder Computern. Erstere müssen mit einer Fernbedienung angestellt werden, letztere stehen oft in großer Anzahl im Raum und springen, sollte einer angeschaltet werden, immer alle an. Das führt durch Überlastung zu einem Kurzschluss und vollkommener Dunkelheit. Eine Leiste am oberen Rand zeigt euch an, wie viel Strom die aktivierten Geräte aktuell verbrauchen. Nähert ihr euch der Überlastung, heißt es: Abschalten von nicht mehr benötigten Lampen. Das Computerproblem löst ihr im Übrigen mit eurem verfügbaren Arsenal an Gegenständen. Neben der Schleuder (mit der ihr auch aus Entfernung Lampen „ausschießen“ könnt) findet ihr auch sogenannte Kirschbomben, die beim Aufprall mit einer kleinen Explosion mehrere Geräte zerstören können. Damit der Stromkreis bei zu vielen Computern also nicht überlastet wird, zerstört doch einfach vorher die unwichtigen Lichtspender. Die Bomben können aber auch zum Problem werden, wenn ihr mit ihrer Hilfe zwar ein Fenster zerstören wollt, aber gleich daneben eine Tischlampe steht, die ihr zwangsweise zum Weiterkommen benötigt. Ihr seht, die Rätsel sind durchaus abwechslungsreich gemacht und fordern ein gutes Zusammenspiel vom Inventar des Klassenraums und eurer Ausrüstung. Rätselorientierte Levels wechseln sich immer wieder mit solchen ab, in denen auch verstärkt Geschicklichkeit gefragt ist. Auch die eingestreuten Endgegner sind zumeist mit intelligenten Rätseln verflochten und sorgen für weitere Abwechslung. Leider erschwert das gruselig-dunkle Setting ein wenig den Rätselspaß. Grundsätzlich ist die Symbiose von interessanter Art, aber wegen des Licht-Schatten-Konzepts sieht man als Spieler natürlich nicht den Rest des Raumes. Die Entwickler haben dem Hauptcharakter deshalb eine Taschenlampe in die Hand gedrückt, die mithilfe des Pointers dezent zickig zu steuern ist. Somit kann man den Raum erlauchten, aber eben immer nur einen Ausschnitt. Zudem leeren sich die Batterien der verflixten Funzel dermaßen schnell, dass das darauffolgende Schütteln der Wiimote, um sie wieder aufzuladen, extrem nervig werden kann. Unter anderem der Dunkelheit sind dann auch zahlreiche Try & Error-Szenen geschuldet, die nicht recht ins spannende Rätselkonzept passen wollen. Erstens weiß man zunächst kaum, was man mit neuen Gegenständen alles anstellen kann, zweitens fliegen einem des Öfteren die Sicherungen raus, weil man einfach vorher nicht erkennen kann, dass durch diesen Schalter mehrere Geräte eingeschaltet werden. In Kombination mit zahlreichen Sackgassen (wird ein Gegenständ falsch angewendet, ist der Raum nicht mehr zu schaffen) sorgt das für gehörigen Frust.

Dieser wird durch nervige Kleinigkeiten bei der Steuerung noch verstärkt. Prinzipiell haben die Entwickler dabei gute Arbeit geleistet und alle Befehle und Aktionen liegen sinnvoll verteilt auf den Knöpfen. Die etwas bockige Steuerung der Taschenlampe ist vor allem dem isometrischen Blickwinkel geschuldet und das überstrapazierte Schütteln der Wiimote zur Aufladung der Batterien verzeihe ich angesichts ansonsten löblicherweise fehlender Bewegungseinlagen noch so gerade. Aber warum die Entwickler derart streng mit der Grenze von Licht und Schatten umgegangen sind, ist mir ein Rätsel. Jake lässt sich mit dem Stick zwar recht flüssig steuern, aber bei den oftmals sehr engen Lichtkegeln eiert auch der geübteste Spieler beim gefühlt 23. Versuch manchmal etwas hin und her und sollte man dann nur leicht die Dunkelheit berühren, hat man sofort verloren. Gerade 90° Ecken werden so regelmäßig zur tödlichen Falle. Zu allem Überfluss gesellt sich noch eine hakelige Zielautomatik hinzu, die gerne auch mal die Lampe anknipst, statt die danebenliegende Munition aufzunehmen. Ärgerlich, wenn dadurch dann die Sicherung rausspringt. Alles in allem ist LIT unheimlich frustanfällig und die Quote der eigentlich unverschuldeten Fehlversuche liegt leider deutlich zu hoch.

Immerhin wird nach jedem Raum gespeichert und innerhalb von zwei bis drei Sekunden ist man ohne Ladezeiten sofort wieder startklar. Das dämpft den Ärger etwas und hält die Motivation hoch. Die einzelnen Räume sind im Prinzip immer innerhalb von wenigen Minuten zu absolvieren, allerdings dauert der eigentliche Lösungsprozess oftmals sehr viel länger, sodass man auf eine angenehme Spielzeit von drei bis vier Stunden kommt. Leider gibt es innerhalb der Levels keine versteckten Routen oder andere Geheimnisse, lediglich die Telefonanrufe der Freundin solltet ihr stets entgegennehmen, damit ihr auch das „gute“ Ende zu Gesicht bekommt. Nach dem Durchspielen wartet übrigens noch ein ultraharter „Dark Mode“ auf euch, in dem ihr die Levels unter enormen Zeitdruck erledigen sollt.

Bei einem Puzzlespiel eigentlich weniger wichtig ist ja die Grafik. LIT hat es aber insofern schwer, als dass es ja auch in gewisser Weise das Flair eines Horrorspiels einfangen möchte. Auf dieser Linie versagt das Spiel vollkommen. Während Jake noch als mittelmäßig durchgeht, ist das Art-Design der Gegner nur noch grauenvoll; und obwohl es sich um Horror handelt, ist das nicht positiv gemeint. Und auch sonst machen die Klassenräume einen sterilen, immer gleichen Eindruck: Tische, Lampen, Stelltafeln...diese Objekte kommen in immer gleicher Form immer wieder vor. Außerdem hat man leider keine tollen Licht & Schatten-Effekte eingebaut, die sich doch angesichts der Taschenlampe angeboten hätten. Bezeichnenderweise kann auch die Musik keine Bäume ausreißen, die zwar dezent und unheimlich daher kommt, aber sich mit nur zwei echten Varianten als etwas abwechslungsarm präsentiert. Immerhin wurden die Telefonate mit guter, englischer Sprachausgabe versehen, die passenderweise aus der Wiimote erklingt. Übersetzt ist das Spiel nur zum Teil: Während die spärlichen Menüs auf Englisch verblieben sind, hat man immerhin die Telefonate in sauberem Deutsch untertitelt.

Fazit:
Es ist schade! LIT hätte das Potenzial zu einem ganz großen Titel auf dem WiiWare-Markt. Es ist originell und bietet ein spannend gemachtes Rätselkonzept. Doch spielen Titel wie World of Goo trotzdem in einer vollkommen anderen Liga. Daran ist bei LIT nur vordergründig die deutlich schlechtere Technik schuld; viel wichtiger ist das hohe Frustpotenzial bei diesem Titel, der sich trotz gelungenem Rätselspaß immer wieder selbst ein Bein stellt mit Puzzlen, die zu sehr dem Try & Error-Prinzip verfallen, die zu oft in einer Sackgasse landen, mit einer Steuerung, deren Zielautomatik für Frust sorgt und die bisweilen einen Schrittfehler zu wenig verzeiht. Ansonsten aber bitte mehr davon, WayForward, denn LIT ist ein im Kern wirklich spaßiges Spiel, das sein Geld wert ist. Beim nächsten Mal dann bitte ausgewogener und noch einen Tick intelligenter designt. (Hendrik)

Pluspunkte:
+ prinzipiell sehr stimmige Rätsel
+ unterschiedliche Items
+ funktionierende Steuerung
+ bedrohliche Stimmung
+ faire Speicherpunkte
+ guter Umfang

Minuspunkte:
- zu viele Try & Error-Passagen
- Rätsel mit zu vielen Sackgassen
- grafisch und designmäßig öde
- fehlende Story/ fehlendes Tutorial
- hohes Frustpotenzial

Wertung:
Einzelspieler: 7,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 800 Nintendo Punkte

news@mag64.de (24.03.2010)

Meinungen, Anregungen und sonstiges bitte an info@mag64.de

 
                   

Game-and-Fun.de