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Pinball Pulse: The Ancients Beckon (DSiWare)
Pinballmaschinen gibt es in den verschiedensten Ausführungen schon seit über 100 Jahren. Von den ersten Kinderspielen, die nur ein schräges Brett mit Nägeln darauf waren, bei denen das Ziel darin bestand, Metallkugeln in entsprechende Fächer zu bugsieren, bis zu den Automaten, die man aus den Spielhöllen der Gegenwart kennt, war es ein langer Entwicklungsprozess. Die wegweisendsten Erweiterungen waren definitiv die Flipperarme, mit denen man die Stahlkugeln im Spiel hält, der Tilt-Mechanismus, der auf das Anheben und Ruckeln am Tisch reagiert, und nicht zuletzt der Kopfaufsatz, der mit einem kleinen Bildschirm neben der reinen Punkteanzeige auch bei diversen Bonus-Games Verwendung findet. Doch auch der digitalen Revolution in den 80er Jahren konnte sich der Automatenspaß nicht verschließen. Pinballsimulationen findet man auf nahezu jedem Computersystem, für das Spiele entwickelt wurden. Schon 1982 gab es für den legendären C64 beispielsweise ein "Pinball Construction Set". Seitdem sind viele weitere Umsetzungen veröffentlicht worden - manche besser, manche schlechter gelungen. Fuse Games bringt nun für DSiWare einen weiteren Flippertisch auf den Markt, der sich allein schon durch sein Setting in der griechischen Mythologie von vielen seiner Mitbewerber abhebt.

"Pinball Pulse: The Ancients Beckon" wartet mit einem Spieltisch auf, der so gut wie keine Wünsche offen lässt: Viele Aufgaben, Boni, Ramps, Lanes, Elektromagneten, Rollovers, überall blinkt und leuchtet es - Da kommt richtiges Spielhallen-Feeling auf! Schon beim ersten Start des Spiels fällt die sehr gelungene Optik des Flippers auf, die besser fast nicht sein könnte. Mit drei Flipperarmen darf sich der Spieler hier daran machen, die Stahlkugeln im Spiel zu halten. Neben den obligatorischen zwei Armen in der Mitte des unteren Touchscreens befindet sich noch ein weiterer Arm am unteren rechten Rand des Topscreens. Mit einem Druck des "B"-Knopfes entlässt man den Ball ins Spielgeschehen - leider hat man es hier versäumt bei dem Plunger eine variable Schussstärke einzufügen, weshalb sich der Ball stets mit derselben Kraft und Geschwindigkeit in das Spielgeschehen aufmacht.

Sobald die Kugel aus der Plunger-Lane heraus ist, hat man die Möglichkeit, den Skill Shot zu ergattern, bevor sie, nach dem Passieren der drei Bumper, den Hauptbereich des Tisches erreicht. Neben den den Touchscreen dominierenden Leuchtanzeigen fallen die besonderen Aufbauten auf: Neben einem kleinen Tempel, in dem man beim Orakel Boni freischaltet, findet sich ein steinernes Konterfei - wahlweise von Hera oder Zeus - und eine Medusa. Diese drei Elemente sind die Hauptzutaten der Punktejagd und des "Story-Modus". Im Ganzen muss sich der Spieler während des Spiels daran machen, sechs Aufgaben zu lösen, die er jeweils über einen Treffer der Medusa-Scheibe aktiviert. Wahlweise fängt man so entweder den Zerberus, sucht das Goldene Vlies oder kämpft gegen Talos. Ist eine Aufgabe beendet, regnet es nicht nur massenweise Punkte, die dabei helfen, den Highscore ins Unermessliche anwachsen zu lassen, auch leuchtet die entsprechende Leuchte. Aber auch die zwölf verschiedenen Gottheiten helfen dem Spieler durch ihre Gunstbeweise voran zu kommen: Gelingt es, die speziellen, erleuchteten Bahnen auf dem Tisch zu treffen, erhält man göttliche Geschenke, die sich, neben Punkteboni, auch in Extrakugeln oder besonderen Herausforderungen niederschlagen.

Alte Hasen im Automatengeschäft finden die gängigsten Elemente der Flippertischkultur hier zu einem wunderbaren Tisch vereinigt. Neben den verschiedenen Aufgaben, die die absolute Kontrolle und Einiges an Fingerfertigkeit an den Knöpfen abverlangen, gibt es auch kleinere "Minispiele", die auf der LED-Anzeige gespielt werden. Neulinge, die noch nicht unzählige Stunden und Geldmünzen in die Slots der zahllosen Flippertische dieser Welt investiert haben, fühlen sich eventuell ein wenig überfordert. Jedoch erschließen sich schon nach einigen wenigen der (zum Glück) kostenlosen Spiele die Zusammenhänge der verschiedenen Leuchten, Story-Aufgaben und somit den Tisch als Ganzen. Dabei fällt die ungemein realistische Physik-Engine des Balles auf, die in dieser Perfektion nur selten bei einer Versoftung eines Flippertisches vorgefunden wurde.

Die Highscores werden entweder im Mortal-Modus oder dem Buy-in-Modus festgehalten. Ersterer bezeichnet das Spielen ohne den Einsatz der freispielbaren Credits, letzterer wird aktiviert, sobald man einen der insgesamt neun möglichen, zusätzlichen Credits verbraucht. Neben diesen zwei Möglichkeiten gibt es noch einen täglichen Highscore, den man im Hauptmenü ein Mal pro Tag anwählen kann.

Grafisch ist "Pinball Pulse: The Ancients Beckon" einer der besten Titel, die die DSiWare bisher gesehen hat. Der Tisch sieht fast schon täuschend echt aus, so dass man fast schon versucht ist, ihn als reale Version in einer Spielhölle zu suchen. Die antike Thematik ist sehr gut umgesetzt und keineswegs kitschig oder gar aufdringlich. Die ikonenhaften thematischen Spielelemente wissen zu gefallen und auch die Standardaufbauten des Tisches sind mit sehr viel Liebe zum Detail umgesetzt. Doch abseits davon gibt es leider doch den einen oder anderen Kritikpunkt: Die Spielgrafik, die die so exquisite Optik garantiert, ist auch ihre eigene Schwäche, da sie es nicht zulässt, dass man die Beschriftungen des Spielfelds problemlos lesen kann. Auch ist die LED-Anzeige, auf der die erstklassig gelungenen Videosequenzen gezeigt werden, kein permanentes Element, das man auf dem Topscreen vorfindet. Sie wird nur gelegentlich eingeblendet, was zwar auf der einen Seite sehr zugunsten des Aussehens des Tisches geschieht, auf der anderen Seite aber leider - wird sie eingeblendet - auch wichtige Elemente verdeckt, was auch nicht durch ihre leichte Transparenz zu verhindern vermag. Und natürlich gibt es hier das klassische Problem der Doppelbildschirme: Der Ball verschwindet beim Wechsel zwischen Top- und Touchscreen für einen kurzen Augenblick hinter dem Trennbalken.
Der Sound ist, genau wie die Grafik, ein echtes Meisterwerk. Neben einer astreinen - zwar leider nur englischen - Sprachausgabe, die unter anderem mit einem Brian Blessed, den man als Schauspieler aus Hollywoodproduktionen wie "Robin Hood - König der Diebe" kennt, begeistert, besticht vor allem die sehr gelungene musikalische Untermalung. Je nach Situation wechselt der orchestrale Soundtrack zwischen mystisch und mitreißend, bleibt aber stets so, als ob er direkt aus einem Abenteuerfilm entnommen wäre. Die Soundeffekte sind allesamt sehr authentisch und vermitteln dieses schöne Flair, das man sich von einem Flipper erwartet, wobei sie in keinster Weise aufdringlich wären.
Die Steuerung lässt dem Spieler zwei effektive Möglichkeiten der Kontrolle über die Flipperarme: Entweder man nutzt die Schultertasten oder eine Kombination aus Steuerkreuz und dem "A"- Knopf. Eine weitere Variante gäbe es zwar noch, die lediglich das Steuerkreuz einschließt, im Praxistest fällt sie aber schnell durch, da man mit ihr nicht beide Arme gleichzeitig bedienen kann. Die, für einen Pinball verpflichtende Tiltfunktion, darf auch nicht fehlen. Am besten wäre die Einbindung des Tiltaufsatzes, der zu GBA-Zeiten einmal als Peripherie für die kleinen Nintendo-Konsolen auf den Markt gebracht wurde. Hier nimmt man aber Vorlieb mit dem Berühren des Touchscreens. Sobald man mit dem Finger über den Schirm streicht, wird dies sofort mit einem Wackeln des Tisches quittiert - aber wie immer ist auch hier Vorsicht angebracht: Übertreibt man es mit dem Ruckeln am Tisch, sperren sich seine Steuerungsmöglichkeiten und der Ball geht verloren.

Fazit:
"Pinball Pulse: The Ancients Beckon" ist eine der authentischsten Pinball-Umsetzungen, die für Handhelds je programmiert wurden. Der auf den ersten Blick vielleicht stattliche Preis von fünf Euro, die man für nur einen Tisch berappen muss, wird aber durch die Genialität des Tisches und die unglaubliche Realitätsnähe relativiert. Fans und solche, die es werden wollen, sind hier definitiv auf der sicheren Seite, wenn sie sich zu einem Download entschließen. Der einzige Störfaktor ist die LED-Anzeige, die aus Gründen der Optik des Tisches nur gelegentlich am oberen Topscreen-Rand eingeblendet wird. Somit vermisst man eine dauerhafte Punkteanzeige und sollte die LED-Anzeige doch einmal aktiv sein, verdeckt sie leider wichtige Spielfeldelemente. (Michi)

Pluspunkte:
+ Exquisite optische Aufmachung
+ Hervorragender Sound
+ Sprachausgabe
+ Realistische Physik-Engine
+ Drei Highscore-Modi
+ Einzigartiges Spielhöllen-Flair

Minuspunkte:
- Nur ein Tisch
- LED-Anzeige versperrt gelegentlich die Sicht
- Kein permanenter Punktezähler
- Die Kugel verschwindet hinter dem Balken zwischen den Schirmen

Note:
Einzelspieler: 9,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 500 Nintendo Punkte

news@mag64.de (18.03.2010)

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