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Dark Void Zero (DSiWare)
Betrachtet man die WiiWare-Veröffentlichungen der letzten Monate, sowie deren Resonanz auf Seiten der Spielerschaft, kann man einen sehr interessanten Trend hin zu Retro-Games feststellen. Castlevania ReBirth und nicht zuletzt Mega Man 9 und 10 sind die schillernden Ikonen, die beweisen, dass auch heutzutage ein Bedarf für Spiele, die nicht nur gameplay-technisch, sondern auch optisch zur ganz alten Schule gehören, besteht. Wirft man nun einen Blick auf das aktuelle DSiWare-Update, fällt der Titel "Dark Void Zero" auf, der scheinbar auch in dieses Horn stößt, um auf der Welle des Retro-Hypes mitzuschwimmen. Riskiert man aber erst einmal einen Blick in dessen digitales Handbuch, erfährt man, dass es sich hier im Grunde "nur" um eine überarbeitete Version eines leider nie erschienenen NES-Titels handelt:

Ende der 80er begann man bereits im Hause Capcom mit der Entwicklung des Spiels, damals noch unter dem Namen "Dark Rift", welches alles bis dato für Nintendos erste Heimkonsole Dagewesene in den Schatten stellen sollte. Basierend auf einem eigens dafür entwickelten Chipsatz, der "riesige Anzahlen an Sprites sowie nie dagewesene Spezialeffekte" ermöglichen sollte, konzipierte man eine noch shooterlastigere Plattformhüpferei, als das bereits sehr erfolgreiche Mega Man. Doch die Veröffentlichung des SuperNintendos machte die Entwicklung der neuen Hardware überflüssig, weswegen Dark Void kurzerhand auf Eis gelegt wurde. Erst bei den Recherchen zu dem mittlerweile für Xbox360, PS3 und PC erschienen "neuen" Dark Void stieß man auf den einzigen Prototypen der NES-Version des Spiels und entschloss sich dazu, ihn zu vollenden und für DSiWare herauszubringen.

Bei "Dark Void Zero" übernimmt man die Kontrolle über "Rusty", einen mit Jet-Pack und Maschinengewehr bewaffneten Krieger, der sich dem Kampf gegen die "Beobachter", eine feindliche Alienrasse, stellt. Die Beobachter trachten nach der Eroberung der Welt, indem sie ein stabiles Portal zwischen den Welten erschaffen, um ungehindert auf die Erde zu strömen. In drei recht großen Welten bahnt man sich seinen Weg zu den Zugangscodes dieses Portals, um es ein für allemal zerstören zu können. Dabei plättet man Unmengen an Gegnern, während man sich wahlweise fliegend, schwebend oder in einfacher Plattformhüpferei vorwärts bewegt.

Das Spielgeschehen findet auf dem Touchscreen statt, während man auf dem Topscreen stets eine Levelkarte vorfindet. Auf ihr sind alle missionszielrelevanten Infos festgehalten und markiert. Neben der Primärmission, dem Ergattern des Codeschlüssels, gibt es in jedem Level eine weitere Aufgabe, die entweder das Aufsammeln bestimmter Items oder das Zerstören spezieller Dinge beinhaltet. Abgesehen davon ist das Spiel aber, ganz wie es zu NES-Zeiten üblich war, sehr linear: Sieht man einmal von den einsammelbaren Items ab, die erst dann erreichbar werden, sobald man eine bestimmte Waffe in seinem Besitz hat, und die somit ein Zurückkehren an bereits besuchte Orte erfordern, besucht man so gut wie jeden Screen nur zwei Mal - einmal auf dem Weg zu wahlweise einem Schalter oder einer Zugangskarte - das andere Mal auf dem Weg zum nächsten Tor, das nun geöffnet werden darf. Die vermeintliche Größe der Levels, die durch die Automap suggeriert wird, relativiert sich leider durch die Geschwindigkeit, mit der man sie durchquert.

Neben der obligatorischen Vielzahl an Gegnern findet man auch ein reichhaltiges Waffenarsenal und diverse andere Pick-Ups in der Spielwelt verteilt. Das wichtigste Item ist der Jet-Pack, mit dem man in Solar Jetman-Manier durch die Gegend fliegen und per Doppelklicken des Sprungknopfes in den Schwebemodus wechseln darf. Fünf verschiedene Primärwaffen, darunter ein Raketenwerfer, eine Art Pump Gun oder ein überhitzendes Schnellfeuergewehr, sorgen dafür, dass sich Rusty stets optimal gerüstet dem Feind stellt. Für jeweils nur einen kurzen Zeitraum darf man auch besondere Kraftfelder einsetzen, die mal die Schilde verbessern oder den Feinden in Rustys Nähe massiven Schaden zufügen. Selbiges gilt auch für die Waffenupgrades, die entweder die Feuerrate erhöhen oder einen Dreifachschuß verleihen, der sich in drei Richtungen entlädt. Noch wichtiger als das werden aber besonders in den fortgeschrittenen Schwierigkeitsgraden die Tech-Punkte - kleine gelbe Kugeln, die - sobald man 100 von ihnen gesammelt hat - ein Extraleben verleihen und natürlich die sehr seltenen "1-Ups".

Die drei Schwierigkeitsgrade, mit denen "Dark Void Zero" daher kommt, bieten für jedes Können das passende Erfolgserlebnis. Sie unterscheiden sich jedoch nur in der Anzahl der Schüsse, die es benötigt, um einen Feind zu besiegen. Sonst finden sich keinerlei Änderungen im Spielverlauf. Aber man möchte es fast nicht für möglich halten, wie sehr schon so eine banale Änderung den Machbarkeitsfaktor eines Spiels beeinflusst.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich hier um eine NES-Umsetzung, weswegen man sich folglich auch in einer 8-Bit Umwelt bewegt. Was aber sofort ins Auge sticht, ist die grafische Exzellenz, die definitiv SuperNintendo-Niveau erreicht. Das Fehlen der üblichen Slowdowns, die für NES-Spiele - auch auf der VC - typisch sind, und die verhältnismäßige Detailliertheit verdeutlichen erst, welcher Quantensprung damals mit der Veröffentlichung des Spiels stattgefunden hätte. Die Levels sind angenehm abwechslungsreich gestaltet und lassen keine Monotonie beim Spieler aufkommen. Ebenso sind die verschiedenen Gegnertypen gut gelungen. Einzig das Recycling des Endgegners, der gleich drei Mal in nur leicht abgeänderter Variante auftaucht, wirkt ziemlich einfallslos.
Der Sound fällt in die Kategorie "kultiger 8-Bit-Sound". Die Hintergrundmusik ist wunderbar mitreißend und geht erstaunlich gut ins Ohr. Jedes Gebiet verfügt über seine eigene musikalische Untermalung, die stets zu begeistern weiß und bei älteren Spielern dieses "warme" Gefühl hervorruft. Die Effekte sind auch etwas angehobener NES-Standard, wie man ihn bei Spielen wie Probotector und Metroid vorfindet.
Ein Retro-Spiel erfordert auch eine Retro-Steuerung. Folglich reichen das Steuerkreuz und die "A"- und "B"- Knöpfe um voranzukommen. Etwaige Defizite lassen sich hier nicht feststellen. Rusty verfügt (schon) über acht verschiedene Bewegungsrichtungen, die allesamt flüssig und ohne Probleme durchlaufen werden dürfen.

Fazit:
"Dark Void Zero" ist eine echte Bereicherung für das Angebot an DSiWare-Spielen, das einiges an kurzweiligem Spielspaß mitbringt. Leider ist es aber zu linear und mit seinen drei Spielwelten vom Umfang her zu gering, um wirklich vollends zu überzeugen. Trotz der drei Schwierigkeitsgrade und den technischen Errungenschaften in optischer Hinsicht bietet es nicht die Langzeitmotivation, die man mit einem Metroid oder Mega Man geliefert bekommt. Daran vermag auch die mögliche Highscorejagd nichts zu ändern. (Michi)

Pluspunkte:
+ Hervorragende NES-Grafik
+ Mitreißender Sound
+ Drei angemessene Schwierigkeitsgrade
+ Komplett in deutscher Sprache
+ Genialste Einbindung des DS-Mikros aller Zeiten!!!

Minuspunkte:
- Nur drei Levels
- Extrem linear
- Mäßige Langzeitmotivation

Note:
Einzelspieler: 7,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 500 Nintendo Punkte

news@mag64.de (11.03.2010)

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