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Ninja Commando (Virtual Console | Neo Geo)
Ein SNK-Spiel auf der firmeneigenen Neo-Geo-Konsole...da wird höchstwahrscheinlich entweder geballert bis die Schwarte kracht oder sich gegenseitig eins auf die virtuelle Mütze gegeben. Ersteres ist bei diesem Titel der Fall; das 1992 erschienene „Ninja Commando“ ist nämlich ein waschechter Vertreter des „Run’n’Gun“-Spielprinzips, welches sich – damals wie heute – großer Beliebtheit erfreut.

Was „Ninja Commando“ durchgehend auszeichnet, ist sein aus heutiger Sicht herrlich hoher Trashfaktor. Das wird einem schon bei der Erläuterung der Handlung klar: Bösewicht Spider (laut der Anleitung ein „Händler des Todes“, was auch immer das sein mag) will die Zukunft in einen mit Schlachtfeldern gefüllten Sog stürzen. Dies wollen drei tapfere Ninjas nun verhindern und durchreisen gemeinsam verschiedene Epochen, um die Vergangenheit vor Spider zu schützen und ihn selbstverständlich auch von seinem Vorhaben abzubringen. Um den Trashfreund vollends glücklich zu machen, bietet das Spiel zudem Sprachsamples, die alles Mögliche bedeuten könnten, und weitgehend sinnlose Zwischensequenzen mit textunterlegten Standbildern, die vor strunzdummen Dialogen und genialen Übersetzungsfehlern nur so strotzen. Ich sage nur „Go investigate and ruin his plans light now!!”.

Ähnlich wie in anderen, wohl bekannteren SNK-Actiontiteln wie “Shock Troopers” oder “Metal Slug”, wählt man zunächst einen der vier Schwierigkeitsgrade und hat anschließend die Wahl zwischen den drei Protagonisten Joe Tiger, Rayar Dragon und Ryu Eagle. Jeder Ninjakämpfer kann sich kurzzeitig in das jeweils in seinem Namen enthaltene Tier verwandeln (währenddessen er natürlich besonders angriffslustig ist), verfügt über diverse Spezialangriffe (beispielsweise das Beschwören eines Drachens, das Auslösen einer wuchtigen Explosion oder auch die Bildung eines schwarzen Loches) und kann mit einem saltoartigen Manöver gegnerischen Geschossen ausweichen. Einen simplen Sprung kann überraschenderweise jedoch keiner der drei Helden ausführen, was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist. Auch die Tatsache, dass die Steuerung insgesamt ziemlich träge wirkt und man zudem während des Spielgeschehens nicht mal ein kleines bisschen zurück gehen kann – der Bildschirm also partout nicht wieder nach unten scrollt, wenn man sich mit seiner Spielfigur am unteren Bildschirmrand befindet – hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, sodass man des Öfteren unter der Gewissheit leidet, dass man mit einer direkteren Steuerung stellenweise sicherlich nicht so schnell das Zeitliche gesegnet hätte.

Beim fröhlichen Rennen und Schießen wollen zwischendurch Münzen, Revitalisierungs-Items und Schriftrollen eingesammelt werden, wobei ein Ansammeln von drei Exemplaren des letztgenannten, die eben erwähnte Verwandlung in ein Tier einleitet. Ob nun gerade Tier oder Ninja, passiert man - entweder alleine oder gemeinsam im genreobligatorischen Koop-Modus - unter anderem panzergesäumte Gebiete während des Zweiten Weltkrieges, staubige Pyramidenareale zur Hochzeit der Ägypter oder macht einen Abstecher in das japanische Sengoku-Zeitalter. Grafik und Sound geben (auch in Anbetracht der Tatsache, dass das Spiel in den ersten Lebensjahren des Neo Geo veröffentlicht wurde) eine nicht mehr als solide Figur ab: die Umgebungen sind nicht besonders hübsch, aber eben auch nicht besonders schlecht gestaltet und die Musik/Soundeffekte liefern das, was man auch erwarten kann. Die Animationen der Endgegner sind allerdings ausgesprochen schön ausgefallen und machen jeden Bosskampf so zu einem zugegebenermaßen kurzen, jedoch besonders hübschen Moment des Titels.

Des weiteren sei ein übrig gebliebenes „Old-School-Relikt“ der Neo-Geo-Zeit erwähnt: Obwohl man durch die automatische Speicherfunktion bei sämtlichen Virtual-Console-Titeln auf der Wii ja bequem bei der letztbesuchten Stelle im Spiel wieder einsteigen kann, verfügte das Neo Geo schon damals über einen Memory-Card-Steckplatz, von dem auch „Ninja Commando“ regen Gebrauch macht. Sieht man sich also einem „Game Over“ ausgesetzt, kann man spielintern (also unabhängig von der automatischen Virtual-Console-Speicherfunktion) abspeichern und sich später in das letztgespielte Level stürzen. Blinkt einem dann „Your Memory Card Is Still Inserted“ entgegen, fühlt man sich wahrlich in die Arcade-Zeit der 90er-Jahre zurückversetzt und kann sich ein Lächeln sicher nicht verkneifen.

Fazit:
Ganz ehrlich: „Ninja Commando“ ist vielleicht in maximal einer Stunde durchgespielt und begeistert nicht gerade durch besonders viel Umfang. Aber das will das Spiel auch gar nicht: Es offeriert kurzweiligen Shooterspaß, mutiert natürlich speziell im Koop-Modus zu einer regelrechten „Spielspaßgranate“ und bietet ob des (wohl eher unfreiwillig) hohen Trashfaktors auch noch eine Menge Humor. Zwischendurch gemeinsam mit einem Kumpel auf Highscore-Jagd zu gehen und durch die abwechslungsreichen geschichtlichen Epochen zu reisen, macht schlicht und einfach Spaß. (Niklas)

Pluspunkte:
+ nett animierte Endgegner
+ viele verschiedene Spezialangriffe
+ abwechlsungsreiche und geschichtsträchtige Schauplätze
+ grandioser Koop-Modus
+ extrem hoher Trashfaktor

Minuspunkte:
- ziemlich träge Steuerung
- ein richtiger Ninja sollte auch springen können...
- Bildschirm scrollt nicht zurück

Wertung:
Einzelspieler: 7,0
Mehrspieler: 8,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 900 Nintendo Punkte

news@mag64.de (08.03.2010)

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