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Max & the Magic Marker (WiiWare)
Zugegeben: Ich bin ein großer Fan von Videospielen, in denen man als Spieler nicht nur irgendeinen Charakter durch diverse Levels steuert, sondern auch aktiv Einfluss auf die jeweilige Spielwelt nehmen kann, beispielsweise indem man per virtuellem Bleistift Teile der Spiellandschaft selbst zeichnet und gestaltet. Der aktuelle Modebegriff für genau diese Kategorie Videospiele lautet "Drawing Games". Keine Angst: Dies sind keineswegs Spiele für irgendwelche Kunst-Fanatiker oder gar die virtuelle Variante der uns allen bekannten Kindermalbücher, sondern - ganz im Gegenteil - oftmals komplexe Geschicklichkeits- und Knobeltitel mit ausgefeilten Physik-Effekten. Nichts anderes als das gerade Erwähnte stellt auch "Max & the Magic Marker" für WiiWare dar. Klassisches Jump'n'Run-Gameplay trifft auf die bekannten Drawing-Elemente und das Ergebnis dieser Fusion ist nicht unbedingt bahnbrechend, fesselt jedoch ungemein an den Bildschirm. Zückt euren virtuellen Stift und das Abenteuer kann beginnen!

Max ist ein kleiner Junge, der sich - wie viele seiner Altersgenossen - kreativ austobt, indem er malt und zeichnet - und das für sein Leben gern. Eines Tages liegt ein Umschlag in der Post, darin enthalten ist lediglich ein Marker. Diesen schnappt sich Max natürlich sofort und fängt an zu zeichnen. Zu seiner Überraschung allerdings erwacht das von ihm gerade gezeichnete Monster zum Leben, springt von seinem Blatt in ein ebenfalls von Max gemaltes Bild und läuft davon. Max, zunächst über die Fähigkeiten dieses neuen Stifts verblüfft, zeichnet sich daraufhin selber in das Bild hinein, um seine eigene monsterartige Schöpfung zu verfolgen - und an genau dieser Stelle beginnt das Abenteuer von "Max & the Magic Marker". Wie eingangs erwähnt, haben die Entwickler von Press Play Drawing-Elemente mit Jump'n'Run-Gameplay verbunden. So steuert ihr per Nunchuk in klassischer Plattformer-Manier den kleinen Max über den Analogstick und lasst ihn über den Z-Knopf springen. Auch an Vorsprüngen kann sich der Junge mit rotem Haar festhalten und hochziehen, ansonsten hat Max allerdings keine besonderen Fähigkeiten vorzuweisen, was natürlich kaum ausreicht, um das fiese Monster zur Strecke zu bringen. Doch Unterstützung bei seinem Abenteuer erhält er durch den mysteriösen Marke. Dieser lässt sich über die Wiimote steuern. Mit der A-Taste wird skizziert und alles, was ihr in die Spielwelt hineinzeichnet, wird augenblicklich zu einem "realen" Objekt mit entsprechendem physikalischen Verhalten. Diese Fähigkeit des Markers kommt euch ganz unterschiedlich zu Gute: Mal müsst ihr mit ihm eine "Brücke" von einer Plattform zur nächsten zeichnen, ein anderes Mal ein Minikatapult zum Erreichen höherer Vorsprünge kreieren oder eine Plattform erschaffen, um auf eine Wasserfontaine aufwärts zu steigen. Dabei müssen eure Kreationen nicht aus einem Guss stammen, sondern einzelne Zeichnungen lassen sich auch verbinden, indem sich diese gegenseitig berühren. Über die B-Taste löscht ihr einzelne Zeichnungen wieder, durch das Schütteln der Wiimote bei gleichzeitigem Drücken des B-Knopfs werden alle eure Konstrukte komplett vom Bildschirm entfernt. Werden A und B zur selben Zeit gedrückt, wechselt das Spiel außerdem in einen Zeichenmodus. Das Spielgeschehen wird angehalten und die bunte 2D-Optik verwandelt sich in eine karge Aufmachung, die einer Kinderzeichnung ähnelt. In diesem Modus könnt ihr in aller Seelenruhe mit dem Marker durchs Bild fahren. Zeichnungen werden erst dann zu realen Objekten, wenn ihr den Zeichenmodus verlasst und zum Spielgeschehen zurückwechselt. Zum Lösen einiger Aufgaben ist dieser Modus unentbehrlich, auch so manches Ableben lässt sich damit verhindern. Bevor ihr beispielsweise ins Wasser stürzt, könnt ihr das Geschehen anhalten und mit einer lebensrettenden Zeichnung dem Tod eventuell noch einmal von der Schippe springen.

"Max & the Magic Marker" kommt mit drei Welten mit jeweils fünf Abschnitten, also insgesamt mit 15 Leveln, daher. So streift ihr in der ersten Welt durch eine Art Hinterhof-Landschaft, macht in der zweiten Welt einen Ausflug an die Küste und landet zuletzt in der dritten Welt in einer Fabrik. Wie in vielen seitwärtsscrollenden Plattformern besteht auch hier das Ziel darin, das Ende jedes Levels - in diesem Fall in Form eines Portals - zu erreichen. Dazu lauft ihr von Checkpoint zu Checkpoint, überwindet zwischendurch einige Herausforderungen mithilfe eures Markers und müsst im Verlauf verschiedenfarbige Kugeln einsammeln. Kugeln? Ja, Kugeln. Während schwarze und weiße Kügelchen keinen direkten Einfluss auf das Spielgeschehen haben (zu deren Bedeutung später mehr), so sind orangefarbige Kugeln schon deutlich wichtiger, denn diese beinhaltet Farbe für den Marker. Farbe? Ja, Farbe, denn wer glaubt, von Anfang an mit einem vollen Stift durch die Gegend zu rennen, liegt auf dem Holzweg. Der Marker ist zu Beginn eines Levels stets leer. Erst durch das Einsammeln der entsprechenden Kugeln ist es euch möglich, Gegenstände zu zeichnen. Jedes Objekt, welches ihr in die Welt setzt, verbraucht etwas von dieser Farbe. Ist diese aufgebraucht, müssen zunächst andere Zeichnungen aufgelöst und in Farbe zurückgeformt werden, um anschließend weiterzeichnen zu können. Der Knackpunkt an der Sache: Den eingesammelten Marker-Inhalt behaltet ihr nicht das ganze Level über, sondern verliert diesen regelmäßig an jedem Checkpoint durch das Monster, welches die Farbe einfach aufsaugt. Genau diese Tatsache sorgt dafür, dass der Spielverlauf in "Max & the Magic Marker" deutlich linearer ist, als man anfangs vermuten wird. Der springende Punkt ist ganz einfach, dass die Begrenzung der Farbe auch eine Begrenzung eurer Kreativität zur Folge hat. Die Farbe reicht oftmals nur für simple Zeichnungen aus: Hier eine "Brücke", dort eine Anhöhe, fertig. Ein Problem auf unterschiedliche Weisen anzugehen, ist aufgrund der Beschränkung nur sehr selten möglich. Es mag einerseits herausfordernd sein, mit seinem Farbbestand hauszuhalten, andererseits hätte ich mir schicht mehr Freiheiten für den Spieler gewünscht. Die Möglichkeit, stets mit einem vollen Marker zu agieren, kann man zwar im Verlauf freischalten, allerdings wird das Spiel dadurch zu leicht.

Ebenfalls etwas enttäuschend ist der Umfang. Alles in allem haben wir während des Tests zwischen zwei und drei Stunden gebraucht, bis die Credits über den Bildschirm sausten. Für ein Spiel dieser Preisklasse sicherlich ausbaufähig, keine Frage. Etwas strecken lässt sich die Spielzeit allerdings durch das Sammeln aller Gegenstände in den Abschnitten. Hier kommen dann die schwarzen und weißen Kugeln ins Spiel. Um 100% in jedem Level zu schaffen, müsst ihr alle Kugeln einsammeln und einen Zeitrekord unterbieten. Geheimnisse und Belohnungen sorgen für die nötige Motivation, dieses Ziel zu erreichen. Nebenbei ist dies auch eine nette Herausforderung, da das eigentliche Spiel hingegen wenig anspruchsvoll ist. Die ersten beiden Welten sind wirklich ziemlich einfach und auf Anhieb ohne Probleme machbar. Erst die Fabrik-Abschnitte zeigen wirklich, was in dem Spiel steckt, und bieten genau die Mischung aus anspruchsvollen Geschicklichkeitseinlagen und herausfordernden Rätseln, die ich mir eigentlich von Beginn an gewünscht hätte. Und kaum zeigt "Max & the Magic Marker" seine wahren Stärken, da ist es auch schon wieder vorbei. Schade. Das Potenzial ist da, es wird nur nicht genutzt. Dafür überzeugt Press Play hingegen mit ausgefallenen Physik-Spielerein: Bei eigenen Konstruktionen solltet ihr stets darauf achten, die Balance mit der Spielfigur zu halten, andernfalls fällt euer Machwerk bei einseitigem Übergewicht - wie in der Realität - einfach um. Außerdem macht es einen großen Unterschied, ob Objekte nur aus einem Rahmen bestehen oder mit dem Stift ausgefüllt werden. Malt ihr beispielsweise einen Kreis, ist dieser lediglich so schwer wie eine Feder. Ausgemalte Kreise hingegen werden tonnenschwer und umso effektvoller, wenn sie aus großen Höhen herunterfallen.

Wie es sich für einen ordentlichen Plattformer gehört, bietet "Max & the Magic Marker" eine bunte und ansehnliche 2D-Grafik, verfeinert mit einigen dreidimensionalen Effekten und überzeugt mit detaillierten, atmosphärischen Landschaften und Hintergrundgestaltungen. Optisch beeindruckend ist zudem der Wechsel vom Spielmodus in den Zeichenmodus, der wie erwähnt einer Kinderzeichnung gleicht und entsprechend spartanisch gezeichnet ist. Begleitet durch einen neuen, ebenfalls atmosphärischen und äußerst passenden Soundtrack der dänischen Band "Analogik", die mit ihren alternativen Instrumental-Melodien von Anfang an begeistern, ergibt sich hier ein technisch sehr beeindruckendes Gesamtbild - im wahrsten Sinne des Wortes.

Fazit:
"Max & the Magic Marker" ist eine Gratwanderung zwischen "sehr gut" und "wirklich exzellent". Exzellent ist die technische Seite geworden, die mit einer wunderschönen 2D-Grafik und leicht ungewöhnlichen, aber äußerst passenden Klängen von Beginn an überzeugt. Weniger exzellent, aber immer noch sehr gut, ist das Gameplay ausgefallen. Den virtuellen magischen Marker schließt man bereits in den ersten Sekunden in sein Herz und es macht - wie zu erwarten - einen Heidenspaß, mit der Physik zu spielen und die virtuelle Welt nach seinen Wünschen zu erweitern. All das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Max & the Magic Marker" zum einen nicht übermäßig umfangreich (vom Wiederspielwert abgesehen), zum anderen auch größtenteils zu leicht ist. Das eine oder andere zusätzliche und komplexere physikbasierte Rätsel hätte dem Titel sicherlich nicht geschadet, da in dieser Form das volle Potenzial des Konzepts nicht genutzt wird. Wer Lust auf einen soliden Plattformer verspürt und Drawing Games dieser Art nicht abgeneigt ist, kann trotzdem bedenkenlos zugreifen. (Alexander)

Pluspunkte:
+ unterhaltsames "Drawing"-Gameplay
+ realistisches Physikverhalten
+ Einsatz des Zeichenmodus'
+ hoher Wiederspielwert
+ freispielbare Belohnungen
+ bunte, ansehnliche Optik
+ netter "Analogik"-Soundtrack

Minuspunkte:
- nur 15 Level
- größtenteils anspruchslos
- mehr spielerische Freiheiten wünschenswert

Wertung:
Einzelspieler: 8,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 1000 Nintendo Punkte

news@mag64.de (10.02.2010)

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