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Water Warfare (WiiWare)
Ja, es ist Winter und ja, es ist kalt und ja, es schneit. Und trotzdem kommen wir etwas verspätet noch mit einem EgoShooter, der so ganz anders und sommerlicher ist, als man es denkt. Wir haben es mit Water Warfare von Hudson Soft zu tun, dem Quasi-Nachfolger von OnSlaught, welches bei uns immerhin eine respektable 7,0-Wertung ergattern konnte. Ballerte man im ersten WiiWare-FPS noch ekeliges Ungeziefer aus dem Weg und schlug sich auf einem fremden Planeten durch, so spielt sich Water Warfare sehr viel häuslicher, man könnte auch sagen: kindlicher. Hier ist eure Wasserpistole euer bester Freund.

Nach dem Anlegen eines Profils (vier sind möglich) wandert der Blick zuerst in die Optionen und zu der Steuerung, immer ein sensibles Thema auf der Wii. Schön, aber relativ nutzlos: Der Wii-Zapper wird unterstützt. Leider haben bereits viele Versuche anderer Entwickler gezeigt, dass Nintendos Platikwumme einfach nicht für den Umgang mit einem FPS geeignet ist, da sich gerade der Nunchuk schlecht bedienen lässt. Der Schuster sollte hier bei seinen Leisten bleiben, der Zapper also bei Light-Gun-Shootern. Ansonsten lassen sich nur wenige Dinge einstellen; die Optionsfülle eines The Conduit oder Call of Duty – Modern Warfare kann und will vielleicht das Wasserpistolenabenteuer auch nicht erreichen. Immerhin sind die entscheidenden Knöpfe frei belegbar und die Kameraneigung ist ganz grundsätzlich in drei Stufen einstellbar. Auf der schnellsten Stufe lässt sich Water Warfare dann auch ganz angenehm steuern.

Anders als noch OnSlaught bietet die familienfreundliche Wasserschlacht keinen wirklichen Story-Modus. Eine Geschichte wird also nicht erzählt. Dafür warten im Missions-Modus insgesamt vier Areale (plus Tutorial-Welt) mit jeweils acht Aufgaben auf euch. Diese 32 Missionen müsst ihr ganz linear eine nach der anderen erfolgreich absolvieren, um den Missionsmodus zu beenden. Solltet ihr also an einer Aufgabe partout scheitern, gibt es kein Entkommen. Das Missionsdesign hätte hier ruhig etwas intelligenter erfolgen können. Die einzelnen Missionen sind aber angenehm abwechslungsreich. Sie reichen von simplen „Mach alle nass“-Aufgaben über 1v1-Bosskämpfe, Zielscheiben-Abschießen oder gängigen FPS-Spielvarianten wie Capture the Flag oder King of the Hill. Hier hat Hudson wahrlich nicht gespart und bietet eine viel größere Fülle an spielerischer Abwechslung als noch im Vorgänger. Dennoch solltet ihr euch stets bewusst sein, dass jede Mission im Einzelspielermodus letztlich ein Arena-Duell ist. Ihr spielt also immer direkt gegen Gegner in einem abgesteckten Areal, Levels im klassischen Sinne sind das nicht. Da ist es dann auch etwas ärgerlich, dass es nur vier Umgebungen (Spielplatz, Strand, Öffentlicher Platz, Naturpark) ins Spiel geschafft haben. Die einzelnen Orte sind zwar alle recht verwinkelt und bieten genügend Platz für zünftige Duelle, aber es sind eben dann doch nur vier an der Zahl. Das Gameplay ist trotz des ungewöhnlichen Settings ganz althergebracht. Ihr werdet zwar nichts anderes als Wasserpistolen oder Wasserbomben in die Hand bekommen, doch aufgrund der vielseitigen Funktionen und der heftigen Anlehnungen an richtige Waffen könnte man das „Wasser“ davor auch einfach weglassen. Es gibt Pistolen, Schnellfeuerwaffen, „Granatwerfer“ und sogar Sniper-Waffen. Die Befürchtung, dass das Thema „Wasserpistolen“ das Gameplay irgendwie einschränken würde, könnt ihr also beiseitelassen. Dass das Balancing unter den Waffen nicht gerade das Beste ist und man sich bald auf ein, zwei wenige Waffen reduziert, ist dabei leider eine Shooter-Krankheit, die nur allzu häufig zutrifft und hier nicht stärker ins Gewicht fällt, als beispielsweise bei OnSlaught oder The Conduit auch. Übrigens: Wer nachladen möchte, muss sich ganz stilecht zu einem Wasserpunkt begeben. Das kann ein spezieller Wasserhahn sein, ein Brunnen sein, ein Bach oder ein See. Aber Vorsicht: Wer meint, sich ganz in den See hinein bewegen zu müssen, wird natürlich auch dadurch nass und begeht sozusagen „Selbstmord“. Eine Gesundheitsleiste im eigentlichen Sinne gibt es nämlich nicht, die ist hier durch eine „Nässeanzeige“ ersetzt worden. Wessen T-Shirt vollkommen durchtränkt ist, hat verloren. Ja, die Familienfreundlichkeit schimmert an allen Ecken und Enden durch und doch ist es Hudson gelungen, liebgewonnene Shooter-Elemente in die fröhliche Wasserwelt hinüberzuretten. Ach ja, „Lebensenergie“ gibt es natürlich auch nicht, die Funktion übernehmen Handtücher (!).

Seid ihr des Missionsmodus‘, der euch vielleicht gute zwei Stunden unterhält und nach Absolvierung trotz verschiedener Medaillen nicht weiter motiviert, einfach weil man nichts freispielen kann, überdrüssig, geht es in den Mehrspieler-Modi weiter. Lokal dürft ihr leider nur mit einem Freund antreten, online dagegen mit bis zu acht Spielern auf einer Karte. Die Spielvarianten sind offline wie online die gleichen. Jede Regelart kommt dabei so oder so ähnlich auch im Missionsmodus vor. Enthalten sind: Jeder gegen jeden, Schatztruhe (Capture the Flag), Angriff (gegnerische Basen erobern und die eigene verteidigen), Basis (Basen erobern und in regelmäßigen Abständen Punkte dafür ergattern), Punkte-Rallye (ein Rennen durch verschiedene Kontrollpunkte), und Königskampf (Last Man Standing). Obwohl ihr zum Teil noch entscheiden dürft, ob ihr die Regeln in Teams oder allein spielen wollt, habt ihr sonst keinen Einfluss mehr darauf. Bei einem Jeder vs. Jeden- Spiel steht also fest, dass ihr bis 10-Punkte spielt. Variation ist nicht möglich.

Offline könnt ihr mit diesen Regelsätzen allein gegen bis zu drei CPU-Gegner antreten oder eben mit einem Freund gemeinsam gegen bis zu zwei Bots. Da der Schwierigkeitsgrad der CPU-Gegner einstellbar ist, macht sogar ein Spiel zu zweit Laune, obwohl es natürlich schön gewesen wäre, wenn man sich auch zu viert hätte gegenseitig nass machen dürfen. Das funktioniert dann immerhin online. Klar, hier läuft wieder alles über Freundescodes, aber natürlich sind auch Spiele gegen zufällige Gegner möglich. Fast obligatorisch ist die Wahl gegeben zwischen nationalen Matches und weltweiten, wobei das eher eine theoretische Abfrage ist. In all unseren Online-Sessions war es leider sehr schwierig, Gegner aufzutreiben, sodass die Wahl hier eigentlich immer auf weltweit fallen muss. Online ist dann die Modi-Vielfalt fast ein Klotz am Bein, da man sich – bevor man Mitspieler gefunden hat – für eine der oben genannten Varianten entschieden haben muss. Möchte ich also Jeder vs. Jeden spielen, aber die zehn anderen Leute alle etwas anderes, werden wir nicht verbunden. Da es keine Übersicht darüber gibt, wie viele Spieler gerade was spielen, kann es schon mal etwas länger dauern, bis man Spielpartner findet. Ist das dann aber geschehen, ergeben sich spannende und weitgehend flüssige Matches, die durchaus ihren Reiz haben. Sogar an eine Rangliste hat Hudson Soft wieder gedacht, die für zusätzliche Motivation sorgt. Dennoch: Die Wertung des Online-Modus steht unter dem Vorbehalt, dass man (zu) oft keine Mitspieler findet. Wer oft zu ungünstigen Zeiten spielt, schaut wirklich in die Röhre.

Technisch gibt es eigentlich wenig zu meckern. Das Spiel wird keinen Preis aufgrund seiner Schönheit bekommen, aber die Umgebungen sind angemessen bunt und abwechslungsreich, die Wasserpistolen sehen allesamt unterschiedlich aus, wenngleich ihr Design manchmal etwas seltsam anmutet. Die mir bekannten Super-Soaker sehen jedenfalls anders aus, aber was soll’s. Dabei läuft das Spiel stets flüssig und man kann jederzeit alles sehen. Etwas nervig ist nur die begrenzte Intelligenz eurer CPU- gesteuerten Feinde und Freunde. Ihr Verhaltensmuster schwankt bedenklich; es kommt vor, dass sie in der Gegend herumstehen und um einen Felsen nicht herum kommen, genauso wie ihr manchmal auf hundert Meter Entfernung mit einem gesalzenen Kopfschuss sofort eliminiert werdet. Angesichts der furchtbaren Dudelmusik würde man sich ähnliches von dieser wünschen. Leider bleibt sie auf konstant nervigem Niveau.

Fazit:
Tja, es ist ein Wasserpistolen-EgoShooter. Als Freund ernsthafter und epischer Shooter muss man erst mal schlucken, bevor man ein solches – ganz offenbar arg 'vercasualisiertes' – Spiel anschmeißt. Und doch ist es den Entwicklern von Hudson Soft gelungen, die Thematik familien- und kinderfreundlich zu gestalten und doch das Gameplay klassischer Shooter weitgehend zu erhalten. Gegenüber dem ernsthaften Vorgänger haben einige Verbesserungen den Weg in die Software gefunden, so vor allem der Variantenreichtum in den Mehrspielerduellen. Dass die Gegner nach wie vor nur äußerst beschämende Intelligenz an den Tag legen und der Einzelspielermodus weder besonders lang noch großartig fesselnd ist, sind aus dem Vorgänger bekannte Fakten. Steuerung und Technik lassen sich dagegen erneut gut an, ohne Maßstäbe zu setzen. Wer Lust auf neues Shooter-Futter für WiiWare hat, darf zugreifen, sofern er keine Abneigung gegen kindlich präsentierte Action hat. Das Gameplay stimmt und der Mehrspielermodus ist prinzipiell toll, leidet nur darunter, dass es wenig Mitspieler gibt. (Hendrik)

Pluspunkte:
+ viele Spielvarianten
+ funktionierende Steuerung…
+ viele unterschiedliche „Wasser“-Waffen
+ 8 Spieler online mit allen Modi
+ 2-Spieler offline mit Bots…
+ flüssige Technik

Minuspunkte:
- streng lineare Missionsfolge
- …aber mit wenig Einstellungsmöglichkeiten
- nur vier Umgebungen
- online (zu) oft keine Mitspieler
- …keine 4 Spieler offline
- Dudelmusik
- zweifelhafte CPU-KI

Wertung:
Einzelspieler: 6,5
Mehrspieler: 7,5
Online: 8,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 800 Nintendo Punkte

news@mag64.de (01.11.2009)

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