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Let's Catch (WiiWare)
Vor einiger Zeit kündigte SEGA bzw. ihre neue Entwicklerschmiede Prope zwei ungewöhnliche Projekte für Wii an. Sie entstanden unter der Leitung von Yuji Naka, dem Hauptverantwortlichen der Sonic-Reihe. Entsprechend groß waren die Erwartungen an dessen erste Gehversuche auf der Wii. Let’s Tap, welches als Retail-Titel erschien, teilte dabei die Meinungen der Kritiker und konnte mit seiner ungewöhnlichen Klopfsteuerung fesseln, wenngleich es auch bei uns wegen des geringen Umfanges abgewertet wurde. Mit Let’s Catch erschien der zweite Streich für WiiWare und auch dieses Spiel bietet eine nicht minder seltsame Grundidee. Wir werden als Spieler in unsere Kindheit zurückversetzt und sollen auf der Wii Fangen und Werfen spielen. Let’s Catch eben.

Propes Vorliebe für einfache Spielkonzepte kommt auch hier wieder ungebrochen stark zum Ausdruck. Denn der Story-Modus des Spiels entführt euch tatsächlich in einen fiktiven Park und offeriert euch die Möglichkeit, mit einigen Personen Ball zu spielen. Wählt zunächst euren Mii und dann geht es auch schon los mit dem wilden Abenteuer. Zunächst kommt ein kleiner Junge zu euch und bietet sich als Partner an. Ihr nehmt natürlich dankend an und lernt die Steuerung kennen. Um einen Ball zu werfen, haltet ihr die Wiimote senkrecht nach oben, drückt A und B gleichzeitig und führt dann eine typische Wurfbewegung aus. Je nachdem, wie heftig und mit welcher Bewegung ihr geworfen habt, schleudern die auf dem Screen sichtbaren Arme den Ball zum Gegenüber. Das Ganze funktioniert zwar, ist aber ziemlich willkürlich. Würfe „von unten“, also nicht über die Schulter, werden beispielsweise nicht umgesetzt und auch sonst kann man höchstens grob Richtung und Wurfstärke bestimmen. Das Spiel bewertet aber jeden Wurf, sodass eine exaktere Erkennung doch wünschenswert gewesen wäre. So wird es manchmal geschehen, dass ihr zunächst einen perfekten Wurf vollführt, im Anschluss exakt dieselbe Bewegung erneut macht (zumindest ist es das, was ihr denkt und beabsichtigt), aber das Spiel von „Perfekt“ auf „Schlecht“ springt. Werft ihr übrigens dreimal absolut grauenvoll, so fängt euer Gegenüber den Ball nicht und ihr habt verloren. Dasselbe gilt auch für euer Fangen. Das wiederrum ist aber ungleich leichter und auch präziser. Kommt der Ball angeflogen, müsst ihr lediglich im richtigen Moment A und B gleichzeitig drücken. Das Spiel möchte zwar, dass ihr die Wiimote dabei ebenfalls senkrecht haltet, doch funktionierte das Fangen im Test in jeder Lebenslage und Position der Wiimote. Habt ihr einmal das Timing beim Fangen raus, geht das gut von der Hand und wird nur dadurch erschwert, dass eure Spielpartner durchaus unterschiedlich stark werfen. Überhaupt fesselt am Story-Modus weniger das Werfen an sich. Dieses treibt euch bereits nach wenigen Minuten eher in eine hypnotisierende Trance, als dass es auch unheimlichen Spaß bereitet. Netter sind dagegen die liebreizenden Geschichten, die jeder eurer Spielpartner mitbringt. So vertraut euch der Junge an, dass er seinen Vater vermisst, weil der so viel arbeiten muss, der kräftige Baseballbieler klagt über seine Mädchenscheu und so geht es munter über mehrere Charaktere weiter. Die Geschichten sind natürlich nicht nobelpreisverdächtig, aber eben auf eine gewisse Weise anrührend und besitzen zum Teil auch Verknüpfungen und Anspielungen untereinander. Leider werden immer nur Sprechblasen eingeblendet. Die Übersetzung ist zwar gelungen, aber echte Sprachausgabe hätte hier nochmal für ein Atmosphäreplus gesorgt.

Habt ihr genug von den Erzählungen, könnt ihr euch in fünf weiteren Modi austoben. Ein weiterer ist dem Einzelspieler vorenthalten. Im Schnellfangmodus müsst ihr lediglich den Ball fangen und das bei stetig schneller werdenden Ballwechseln. Drei Fangfehler dürft ihr euch erlauben, dann ist das Spiel vorbei und euer Highscore wird gespeichert. Anschließend warten noch vier Varianten für mehrere Spieler auf geneigte Kindheitsfanatiker. Im Rekordmodus dürfen sich bis zu zwei echte Spieler den Ball beliebig oft zuwerfen und dabei Punkte sammeln wie im Storymodus. Das bedeutet, dass man für bessere Würfe und besseres Fangtiming mehr Punkte bekommt und bei perfekten Wertungen sogar einen Kombobonus erlangt. Dabei gibt es für eine bestimmte Anzahl an Würfen eine gewisse Vorgabe an Punkten, die erreicht werden müssen, sonst ist das Spiel vorbei. Soll man zunächst noch mit 20 Würfen 400 Punkte sammeln, geht es nachher bei nur zehn Würfen in die hohen Tausender. Bei zwei Spielern wird der Bildschirm vertikal geteilt, sodass jeder aus seiner Perspektive spielt. Gleiches gilt für den Freispielmodus, in dem die Punkte ebenfalls gezählt werden, aber es keine Vorlagen gibt. Man kann also befreit drauflos spielen. Soweit so gut, es stellt sich bloß die Frage, warum man sich zu zweit nicht einen echten Ball schnappen sollte und nach draußen geht?

Die letzten beiden Modi bieten immerhin etwas Variation vom inzwischen etwas ausgetretenen Werfen-Fangen-Prinzip. Beim Bombenfangen wirft man sich nicht einen Ball, sondern eine Bombe zu, dessen Zahl bei zehn startet und bei jeder Aktion um eins oder zwei herunter gezählt wird, je nachdem, wie gut oder schlecht das Fangen war. Nur bei einem perfekten Move bleibt die Zahl erhalten. Natürlich gewinnt von vier möglichen Spielern derjenige, der am längsten von der Explosion verschont bleibt. Kann ganz witzig sein, ist allerdings nichts Neues und taucht so oder so ähnlich bereits in zig Varianten in zig Spielen auf. Zu guter Letzt gibt es noch den Neun-Chancen-Modus, in dem man ebenfalls mit maximal vier Spielern auf Tafeln mit den Nummern eins bis neun werfen muss. Wer zuerst alle Tafeln getroffen hat, gewinnt. Hier offenbart sich im Besonderen das Problem der ungenauen Wurferkennung. Viel zu oft bleibt es einfach dem Zufall überlassen, ob man nach links, rechts, oben oder unten wirft. Irgendwie funktioniert es nach einer Weile zwar, aber eine genaue Steuerung ist wahrlich etwas anderes. Hier hätte der Einsatz von WiiMotionPlus wirklich Wunder gewirkt. Immerhin hat sich Probe der Präsentation nicht lumpen lassen. Das Spiel erinnert vom Stil her frappierend an die „Wii“-Spiele von Nintendo. Das heißt, der Stil ist klar und sauber, aber comichaft und zum Teil wenig detailliert. Das passt hier aber wie die Faust aufs Auge. Der Park, der einzige Ort im Spiel, ist schön in Szene gesetzt mit bunten Bäumen, Sonnenschein und einigen Charakteren im Hintergrund. Die Musik dudelt leider ziemlich inspirationslos vor sich hin und hätte besser in ein Harvest Moon-Spiel gepasst. Die eingängige Melodie wiederholt sich auch viel zu schnell und geht dann beinahe auf die Nerven. Gerade hier hätte es sich toll angeboten, eigene Musik von der SD-Karte zu laden. Natürlich ist das wie so oft nicht möglich.

Fazit:
Let’s Catch hat ein Problem, ein großes Problem. Videospiele haben nicht zuletzt deswegen ihren Siegeszug angetreten, weil sie den Spieler in eine fremde Welt entführen, ihm Dinge ermöglichen zu tun, von denen er im wahren Leben nicht einmal zu träumen wagt. Wilde Rennen in heißen Schlitten, die Weltenrettung vor fiesen Aliens oder Torschützenkönig bei der kommenden WM. Sorry, liebe Entwickler, aber einen Ball werfen und fangen kann ich auch in echt in meinem Garten. Und das mit „besserer Steuerung“ und „geilerer Grafik“. Im Spiel ärgere ich mich über eine ungenaue Bewegungserkennung und das sehr limitierte, beinahe stupide Gameplay, welches quasi nicht variiert wird. Zwar erzählen mir meine Freunde selten so rührende Geschichten wie die Charaktere im Storymodus und auch der Bombenmodus und die Zahlentafeln lassen sich schlecht nachbauen, aber das rechtfertigt einfach nicht den Kauf eines 10 Euro teuren Download-Spiels. Das Game an sich macht ja nicht viel verkehrt, aber es ist ein klassisches Beispiel für „Thema verfehlt“. (Hendrik)

Pluspunkte:
+ liebevolle Geschichten
+ nette Präsentation
+ Kombosystem & Highscores
+ Vierspielermodus

Minuspunkte:
- ungenaue Bewegungserkennung
- spielerisch extrem limitiert
- kaum Abwechslung trotz 6 Modi
- Dudelmusik
- Ballspielen? Dann draußen in echt
- teuer

Wertung:
Einzelspieler: 3,0
Mehrspieler: 3,5

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 1000 Nintendo Punkte

news@mag64.de (01.11.2009)

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