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Viking Invasion (DSiWare)
Die Wikinger sind los! Um genauer zu sein sind sie sogar außer Rand und Band. Nachdem es lange Zeit still um sie geworden war, setzen sie jetzt ihre Beutezüge auf dem DSi fort. Die französische Spieleschmiede BiP Media bringt mit "Viking Invasion" ein Tower-Defense-Game für alle verhinderten Turmherren und sonstige Strategen.

In "Viking Invasion" begleitet man die Truppe um den schrecklichen Olaf auf ihren Eroberungszügen quer durch die Welt. Dieser wurde von seiner Frau kurzerhand vor die Tür gesetzt, da er in den letzten 20 Jahren keine Plünderung zustande gebracht hatte. Nach einigen etwas trashigen Einführungsdialogen, die dem Spieler die Vorgeschichte soweit näher bringen, macht sich der Anführer mit seinen dümmlichen Gefolgsmännern Alwin und Bernulf auf, den Plünderungsschiffen der anderen Wikinger hinterher zu fahren. Die Aufgabe des Spielers besteht nun darin, in den folgenden zehn Missionen durch den Bau von Verteidigungstürmen entlang der Wegstrecken der Wikinger zu verhindern, dass diese tölpelige Bande auch nur einen erfolgreichen Beutezug zustande bringt.

Nach typischer Tower-Defense-Art zimmert man eine möglichst effektive Abwehrlinie. Dabei kann man aus bis zu sechs verschiedenen Gebäudetypen wählen. Mit ihnen gilt es die anbrandenden Gegnerwellen zu zerschmettern, möglichst ohne dass auch nur ein einziges feindliches Schiff den Weg zu seinem Ziel, dem Palast, schafft. Zu Beginn des Spiels startet man mit zwei verschiedenen Turmtypen: dem Bogenturm und dem Kanonenturm. Im weiteren Verlauf kann man sich durch das Einsetzen von magischen Runen, die man für das Erlegen von Götterwesen erhält, wahlweise neue Verteidigungsanlagen zukaufen oder die schon vorhandenen in je zwei Stufen um neue Fähigkeiten erweitern. Bis zur letzten Mission hat man dann ein beachtliches Repertoire von drei Ausführungen pro Turm, die sich wiederum alle in jeweils drei Stufen verbessern lassen. Mit jedem Treffer, den ein Geschütz landet, erhält es einige Erfahrungspunkte, durch die es bis in den achten Level aufsteigen kann. Nach jedem Level-Up darf man unter anderem die Reichweite und den Schaden erhöhen oder neue Zusatzeigenschaften upgraden. Bogentürme werden auf diese Art mit Molotow-Pfeilen und später mit mehr Männern aufgerüstet. Solche Boni erweitern das Schadensspektrum und ersetzen keineswegs die vorhandene Grundeigenschaft. In dem Beispiel hieße dies also: Der Turm verursacht Pfeilschaden und zusätzlichen Feuerschaden.

Hat eine Anlage eine neue Stufe erreicht, beginnt sie weiß zu blinken. Leider kommt es im Eifer des Gefechts sehr oft vor, dass man Schwierigkeiten hat, diese Kandidaten zu erkennen, da bei den durch die Luft flirrenden Geschoßen und der recht hellen, grauen Gebäudefarbe ein schnelles Auffinden sehr schwer wird. Von Zeit zu Zeit sollte man deshalb das Spiel pausieren, um in Ruhe per Steuerkreuz über die Karte zu scrollen und die Türme auf mögliche Verbesserungen zu untersuchen. Die Pause-Funktion sollte auch genutzt werden, wenn man größere Bauvorhaben plant. Da auch, während das Spiel hält, die nächste Welle angekündigt wird, kann man so in Ruhe noch die nötigen Optimierungen vornehmen, um auf alle Eventualitäten gefasst zu sein. Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings, dass die Ankündigungen das momentan geöffnete Menü schließen. So muss man immer erst warten, bis die Meldung vorüber ist, bevor man bauen oder upgraden kann. Hier hätte man eine bessere Lösung finden müssen. Sehr gut gefällt allerdings die Möglichkeit, das Spielgeschehen zu beschleunigen, da die Wellen gelegentlich recht lange brauchen, bis sie (idealerweise) vernichtet wurden.

Die Türme eignen sich durch ihre jeweiligen Eigenarten mehr oder weniger gut gegen die verschiedenen Gegnertypen: Pfeile sind besonders effektiv gegen Vögel, Kanonen gegen die meisten Schiffe und Feuer ist gut gegen Geister. Die Gegnerauswahl, mit der man es hier zutun bekommt, ist sehr breit gefächert: Die schon genannten gesellen sich zu diversen mythologischen Gestalten wie Walküren, Seelen und den Bossgegnern, den Göttern. Egal ob Loki, Odin, Freyja oder Hel, man hat hier nicht an Prominenz gespart. Bei dieser großen Auswahl an Feinden kann man nur durch geschicktes Platzieren und sinnvolles Auswählen der Türme eine schlagkräftige Verteidigung bauen. Tippt man mit dem Stylus eines der weißen Wabenfelder an, öffnet sich ein kleines, rundes Baumenü, in dem man das gewünschte Waffensystem auswählt. Alle Gebäude findet man mit dem jeweiligen Symbol, der Primärwaffe, aufgereiht. Wählt man einen Turm erneut an, werden um ihn herum zwei Symbole für Verkauf und Aufrüsten angezeigt. Leider neigt man so dazu, sich bei dicht bebauten Gebieten öfters mal zu vertippen, weil die Buttons recht klein sind und noch dazu meist direkt auf einem anderen Turm liegen. Selbiges gilt auch für die Navigationsleiste am rechten Rand des Touchscreens, über die man die Spielgeschwindigkeit, die Technologien und das Spielmenü bedient: Die Knöpfchen sind häufig im Weg wenn man einen Turm anwählen möchte. Ansonsten sind die Bau- und Upgradefunktionen aber sehr sinnig und übersichtlich gelungen: Fehlt die nötige Technologie oder gar die entsprechende Menge an Gold, werden sie entweder als Fragezeichen oder nur grau unterlegt angezeigt. Am Gold fehlt es meist jedoch nur am Anfang eines Levels, da man, vor allem im Endlosspiel, recht bald über horrende Summen an Bargeld verfügt. Dies hängt auch sehr stark vom jeweiligen Schwierigkeitsgrad ab. Hat man es mit "bösen" Wikingern zu tun - was leicht entspricht - kommt man recht problemlos durch die Angriffe. Aber bereits im nächsten Grad, "grausam" und vor allem bei "blutgierig" kommt man ordentlich ins Rudern, was dann mitunter eine enorme Disziplin erfordert, hier noch weiterzuspielen.

Der Überlebensmodus ist dann quasi die Quintessenz des eigentlichen Storymodus'. Hier kann man alle bereits gespielten Gebiete im Endlosspiel erneut verteidigen, wobei man stets nur über die schon erworbenen Technologien verfügt. Zwar darf man auch hier eventuell noch vorrätige Runen einsetzen, weitere wird man jedoch nicht erhalten, egal wie viele Götter man besiegt. Die erzielten Punkte werden, genau wie im Storymodus, in einer Highscoreliste festgehalten und entsprechend mit Gold, Silber oder Bronze bewertet. Leider findet man nicht die Anzahl der gemeisterten Wellen mit aufgeführt, was die Liste perfektionieren würde. Auch vermisst man eine Option auf einen globalen Vergleich via Wi-Fi, was sehr wünschenswert und vor allem der Langzeitmotivation zuträglich gewesen wäre. So bleibt einem nur der "Wettkampf" gegen die zwei anderen möglichen Profile, die man noch anlegen kann.

Die Spielgrafik von "Viking Invasion" kann als durchweg solide bezeichnet werden: Die Karten sind sehr abwechslungsreich gestaltet und genau wie an den Palästen kann man an ihnen schön erkennen, wie sich die Umgebung langsam verändert, je weiter man nach Osten kommt. Die Übersichtskarte auf dem Topscreen ist lediglich eine verkleinerte Darstellung der Spielkarte, die folglich in demselben comic-artigen Stil gehalten ist. Hier ziehen sogar kleinere Wolken über den Schirm, die allerdings auch mal die Gebäude und Feinde etwas schwer erkennen lassen. Die Storyelemente werden in der gleichen Comic-Manier erzählt, wobei man sich natürlich bei diesem Humor als reiferer Spieler nur mit einem Kopfschütteln abwendet. Schiffe, Feinde und Gebäude sind allesamt gut zu erkennen und in einer ansprechenden Vielfalt vorhanden. Wobei, wie bereits oben erwähnt, die Farbwahl von Gebäuden und vom "Pulsieren" nach einem Levelaufstieg etwas unglücklich ist.
Der Sound, der leider nur aus einem einzigen - sich immer wiederholenden - Titel besteht, ist zwar an sich gut gelungen, mit der Zeit hört man sich aber satt daran. Die Effekte, wie die Schreie der getroffenen Feinde oder das Lodern der beschädigten Burg, sind sehr passend. Doch wie auch schon bei der Musik gilt auch hier: Man hört sich satt daran. Da man mit fortgeschrittener Spielpraxis meist mit erhöhter Spielgeschwindigkeit spielt, hört man dann nur noch die eigenen Geschütze und bleibt von den auf Dauer recht enervierenden Lauten der Feinde verschont.
Die Steuerung per Touchpen und Steuerkreuz ist eigentlich recht gut umgesetzt: Sinnvoll werden hier die Aufgaben zwischen rechter und linker Hand aufgeteilt, so dass man sehr angenehm spielt. Hier ist nur die undurchdachte Positionierung der Aufrüst- und Baumenüs ein Hindernis. Von einer Steuerung allein mit dem Stylus kann getrost abgeraten werden, da hier ein schnelles Scrollen über die Karte nicht möglich ist. So sollte nur im kleineren Rahmen der Zustand der Verteidigungsanlagen überprüft werden.
Ein Multiplayer im eigentlichen Sinne ist bei einem Tower-Defense-Game recht schwierig zu gestalten, weswegen man hier auch keinen vorfindet. Das Fehlen einer Online-Rangliste muss aber klar als eindeutiges Manko aufgeführt werden.

Fazit:
"Viking Invasion" ist trotz einiger kleinerer Fehler, an die man sich aber bald gewöhnt hat, ein recht guter Titel. Die "Story" und der infantile Humor legen auf den ersten Eindruck vielleicht den Gedanken nahe, dass es sich hierbei um einen Titel für "Kinder" handelt, das eigentliche Spielgeschehen, die nötigen taktischen Überlegungen und vor allem der gnadenlose Schwierigkeitsgrad in den fortgeschrittenen Schwierigkeitsgraden belehren einen aber eines Besseren. Nicht nur für Freunde der Turmverteidigung sondern auch für jeden anderen, der sich für ein Strategiespiel begeistern kann, liegt hier eine echte Alternative zu den bereits erhältlichen Retail-Titeln vor, die für ihren Preis von 800 Nintendo-Punkten einiges an Spielspaß bietet. (Michi)

Pluspunkte:
+ Ausgeklügeltes Upgrade-System
+ Spaßiges Gameplay
+ Gutes Preisleistungsverhältnis
+ Komplett in deutscher Sprache

Minuspunkte:
- Unglücklich platzierte Spielmenüs
- Fragwürdiger Humor
- Nur eine Hintergrundmusik
- Keine Onlineranglisten

Wertung:
Einzelspieler: 7,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis: 800 Nintendo Punkte

news@mag64.de (30.11.2009)

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