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NDS Sonic Chronicles: Die Dunkle Bruderschaft
 
 
Sonic Chronicles: Die Dunkle Bruderschaft - NDS
Kilian Pfeiffer (23.09.2008)

SYSTEM: NDS
ENTWICKLER: Bioware
GENRE: Action RPG
SPIELER: 1 Spieler
HANDBUCH: Mehrsprachig
SPEICHER: Batterie
1MODUL MP: Nein
SCHWIERIGKEIT: 1-5
SECRETS: Ja
SPRACHHÜRDE: Keine
MIKRO SUPPORT: Nein
ALTERSFREIGABE: K.E.
TERMIN: Erhältlich
VIRTUAL SURROUND: Nein
PREIS: ca.40 Euro
KOMPLETTLÖSUNG: Nein
CHEATS / TIPPS: Nein
LESERMEINUNGEN: Nein

   
Einleitung....

Es hat lange gedauert, bis „Segas" Igel Sonic sich auf Nintendo-Konsolen neben dem Klempner Mario eingenistet hatte. Waren die zwei ehemaligen Konkurrenten anno dazumal noch spinnefeind. Diese Rivalität hat sich spätestens gelegt, seitdem Mario und Sonic gemeinsam die Olympischen Spiele bestritten hatten und mir nichts, dir nichts mal soeben bis dato über acht Millionen Exemplare für Wii und Nintendo DS über die Ladentheke brachten. Ein enormer Erfolg, der Sonic auch bei waschechten Nintendorianern in der Gunst nach oben katapultierte. Spätestens mit dem heutigen Test sollte der „Sega"-Coup aber erfolgreich abgeschlossen sein: Mit „Sonic Chronicles – Die Dunkle Bruderschaft" kommt ein waschechtes, einsteigerfreundliches Rollenspiel auf uns zu. Wir haben uns den blauen Igel zur Brust genommen und erzählen Euch von unseren Erfahrungen, die wir mit ihm knapp 20 Stunden geteilt haben.

Menus und die Story....

Überrascht ob des Entwicklers kann der Titel ja nur ein Burner werden, dachten wir uns, und sollten uns nicht täuschen: „Bioware" – bekannt durch Next Gen-Entwicklungen - widmete sich dieses Mal also einem Handheld-Titel, dessen Liebe zum Detail bereits nach wenigen Spielminuten augenscheinlich wird. Der Entwicklerschmiede ist es gelungen, Sonic samt zehn bekannter Mitstreiter in ein unverbraucht wirkendes Rollenspiel-Szenario zu transferieren – mit vielen spielerischen Stärken und kaum Schwächen. Für Euch haben wir den Titel durchgespielt und können Euch noch vor Release unsere Eindrücke schildern.

Vor allem Neulinge im Genre sollten aufhorchen! „Sonic Chronicles - Die Dunkle Bruderschaft" eignet sich perfekt für Einsteiger und ist kein Schwergewicht, wie es beispielsweise „Final Fantasy Tactics A2 – Grimoire of the Rift" geworden ist. Vielmehr wird hier Wert auf Zugänglichkeit gelegt, so wie es im Grunde bei allen Sonic-Abenteuern der Fall ist. Man will die breite Masse ansprechen, aber dennoch nicht Core-Gamer enttäuschen. Und auch dieses Mal gelingt das hehre Ziel: Als langjähriger Rollenspieler reißt mich der Titel voll in seinen Bann, fesselt mich über Stunden und nimmt mich mit auf eine geradlinige Reise quer durch das Sonic-Universum. Euch nehmen wir ebenfalls mit, denn das Spiel startet unverzüglich nach dem Einschalten des Nintendo DS...

Obwohl Eggman, Sonics großer Widersacher, seit langer Zeit ausgeschaltet wurde, ist die Welt nicht so heil, wie sie derzeit scheint. Wegen des uralten Konflikts zwischen Ameisenigeln und Nocturnus-Clan kommt es auch in scheinbar friedlichen Zeiten zu unumgänglichen Auseinandersetzungen. Sonic verbringt zwar gerade seinen lang verdienten Abenteuerurlaub, wird aber nicht zusehen wollen, wie der friedliche Lebensraum von den Mitgliedern des Nocturnus-Clans nach und nach eingeschüchtert wird. Lord Ix, ein weiterer interstellarer Verbrecher, verantwortlich für den Raub des Master Emeralds, muss in seine Schranken verwiesen werden, sieben weitere Emeralds gilt es zu finden. Doch was würde passieren, wenn plötzlich Eggman auftauchte? Wäre Sonics Plan von der Rettung der Zivilisation dann in Gefahr? Die Geschichte wird Euch den Weg weisen...

Technik und Gameplay....

In Kapitel unterteilt ist das „Bioware"-Juwel eine Sammlung der besten Zutaten, um ein klassisches Rollenspiel zu kreieren. Man nehme einige sympathische Charaktere – elf Stück an der Zahl -, gestalte hübsche Settings, spanne einen interessanten, wenngleich nicht allzu tiefgängigen Plot um das Ganze, würze die Mischung mit einigen Rollenspiel-Elementen, gebe noch eine Prise „Bioware"-Erfahrung hinzu und fertig ist das Gourmet. Im Laufe der Zeit bilden Sonic und Konsorten ein vielfältiges Team, mitunter sind Tails, Rouge, Big, Cream, aber auch Knuckles dabei. Um die Story nicht vorwegzunehmen: Der einen oder anderen Wendung im Spiel werdet Ihr ebenso begegnen, also lasst Euch überraschen, wie es zur Protagonisten-Gruppierung kommt.

Gesteuert wird Euer Charakter, der die vierköpfige Heldengruppe repräsentiert, mit dem Stylus. Das Steuerkreuz kommt nicht zum Einsatz, vielmehr gelingt es den Entwicklern, die gesamte Umsetzung über mit dem Stift vor dem Screen zu verweilen, was sich auch nach stundenlangem Spiel als richtig gelungen erweist und zu keiner Zeit aufgesetzt wirkt. In verschiedene Spielzonen (Central City, Angel Island, später dann Zoah-Kolonie, N’rrgal-Kolonie, etc.) unterteilt, erkundet Ihr diese aus einer Schräg-von-oben-Perspektive, die zwar nicht immer den optimalen Überblick verschafft (eine Zoom-Möglichkeit existiert nicht!) größtenteils aber gute Ergebnisse liefert. Immerhin zeigt der Topscreen eine Levelkarte der aktuellen Zone. Wichtige Örtlichkeiten, bei welchen es etwas zu erledigen gilt, sind anhand eines Sternes markiert, eine Tüte zeigt Euch den örtlichen Händler, bei dem Ihr gegen charakteristische Sonic-Ringe Nützliches erwerben dürft. Obwohl der Titel größtenteils selbsterklärend ist, steht Euch die Software zu Beginn helfend zur Seite, erklärt die Grundlagen und zeigt, dass Rollenspiele nicht immer höchst komplex ausfallen müssen. Ein roter Faden führt Euch durch das Spiel, Nebenquests sind meist dazu da, ein paar zusätzliche Erfahrungspunkte zu kassieren oder Gegenstände abzugreifen. So sollt Ihr einem einsamen Toilettenbesucher eine Zeitung besorgen oder das örtliche Kraftwerk vor einer Katastrophe warnen. Immer wieder sind auch kleinere Rätseleinlagen in das Gameplay integriert worden, die dann von den Fähigkeiten der Spielhelden Gebrauch machen: So ist Sonic im Sprint der absolute King, Knuckles kann Kisten zerschmettern aber auch Leitern nach oben klettern. Mit voranschreitender Erfahrung lernen die Charaktere neue Fertigkeiten, können sich teleportieren, über die Weltkarte schweben oder sich tarnen. Immer wenn eine jener Techniken erfordert wird, zeigt dies ein Symbol auf dem Bildschirm an. Eure Aufgabe besteht nun darin, zum entsprechenden Charakter zu schalten (die Gruppe besteht aus vier Mitgliedern, wobei nach und nach Neuankömmlinge den Platz eines Altbewährten einnehmen können), dieser erledigt die Anforderung dann im Handumdrehen. Rätsel, wie beispielsweise die Aktivierung einer Rolltreppe, werden nur unter Einsatz jener spezifischen Techniken gelingen. Überhaupt geizt der Titel nicht mit Symbolen, denn ob es nun um Gespräche mit Personen und Mitstreitern geht, Kisten geöffnet oder gewisse Maschinen aktiviert werden wollen – überall blendet die Software entsprechende Buttons ein, die besagen, dass hier etwas zu erledigen ist. Das gefiel uns äußerst gut und trägt zum allgemeinen Verständnis bestens bei!

Wie es sich für ein Sonic-Spiel gehört, sind die vielfältigen, höchst abwechslungsreich gestalteten Gegenden mit allerlei nützlichen Dingen gespickt. Eine gewisse Anzahl von Ringen bedeckt den Boden der Ebenen, ebenso sind vielerorts Eier versteckt, aus denen im Chao-Garten eben jene schlüpfen. Die possierlichen Tierchen besitzen individuelle Fertigkeiten, unterstützen Charaktere im Kampf oder verhelfen zu höherer Trefferwahrscheinlichkeit und können nach Belieben dem eigenen Team zugeordnet werden. Außerdem lassen sich die Tierchen mit einem Kumpel über die drahtlose DS-Fähigkeit untereinander tauschen, was zur Folge haben kann, dass sie dadurch aufgewertet werden. Wer sich ebenso aufwerten lässt, sind Eure Protagonisten. Dies geschieht selbstredend im Kampf, der in rundenbasierender Weise ausgetragen wird. Seht Ihr einen Feind auf der Karte herumschleichen, droht Gefahr – sobald Ihr mit diesem in Berührung kommt, switcht das Spiel in den Kampfbildschirm. Vier Teammitglieder sind dann mit von der Partie, im Hintergrund wartet die feindliche Brut auf eine angemessene Niederlage. Wie es sich für ein Rollenspiel geziemt, existieren unterschiedliche Möglichkeiten, wie man innerhalb eines Scharmützels agiert. Ein gewöhnlicher Angriff ist ebenso möglich, wie eine verteidigende Aktion, bei welcher man auch gleichzeitig Power-Punkte (PP) regeneriert (unumgänglich für den Einsatz von Poweraktionen!). Weiterhin wählt Ihr für jeden Charakter zu Beginn einer Kampfrunde, ob er eventuell einen Gegenstand einsetzen oder anstatt der herkömmlichen Attacke doch auf eine Poweraktion umsteigen sollte. Von jenen eindrucksvollen Angriffseinlagen kann ein jeder Charakter bis zu sechs individuelle Fähigkeiten erlernen, beispielsweise die Heilung eines Teamkollegen, das Bombardement der gegnerischen Fraktion, einen Blitzknall oder gar Teamaktionen, die allerdings voraussetzen, dass innerhalb der Vierergruppe die jeweiligen, benötigten Kämpfer anwesend sind. Ist dies der Fall, lässt Shade im Zusammenspiel mit Knuckles beispielsweise einen wirbelwindgleichen Ameisenigelsturm über das gegnerische Team hereinbrechen, der die Widersacher unzählige Lebenspunkte kostet und selbst harte Rüstungen durchdringt. Einfach gewaltig, welch abwechslungsreiche Angriffsmöglichkeiten die Mannen von „Bioware" kreiert haben. Ganz besonders interessant sind aber die interaktiven Ausführungen der einzelnen Spezialattacken: Durch kurze Bildschirm-Sequenzen powert Ihr Eure Attacke auf, tippt in eine Vielzahl aufploppender Kreise oder fahrt eine vorgegeben Linie nach. Je nachdem wie Euch dies gelingt, fällt der Schaden höher aus oder das initiierte Vorgehen misslingt gar komplett. Auf diese Weise müssen auch gegnerische Scharmützel geblockt werden, was selbst nach stundenlangem Spiel noch einen Mordsspaß bereitet! Vor allem das Aufleveln jener Spezialattacken fordert ein gewisses Kalkül zum taktischen Agieren. Wo investiere ich nun meine kostbaren Punkte, eher in die Heilfertigkeiten oder doch die Angriffsstärke?

Immer mal wieder ist eine Situation zu brenzlig und Ihr wollt aus dieser entkommen oder die Opponenten machen sich vom Acker – auch hier wartet ein kurzes Minispielchen auf seine Absolvierung, bei welchem Ihr über Kisten hüpfen müsst, um den Verfolgern zu entkommen respektive um vor ihnen zu fliehen. Ist ein Kampf hingegen von Erfolg gekrönt, regnet es Erfahrungspunkte und Eure Statuswerte (Geschwindigkeit, Angriff, Glück, Verteidigung, etc.) lassen sich aufleveln. Des Weiteren schenkt Euch jeder besiegte Gegner ein wahres Sammelsurium an Heilpflänzchen, Power-Ups, gar Klamotten, die statusverändernde Wirkung haben. Jene Dinge lassen sich auch vereinzelt in Shops besorgen, jedoch müsst Ihr hier Vorsicht walten lassen, denn das Zahlungsmittel, die goldenen Ringe, sind stark begrenzt.

Gerade die Kämpfe machen „Sonic Chronicles - Die Dunkle Bruderschaft" zu einer echten Spieleperle, da sie abwechslungsreich gestaltet wurden und aufgrund der unendlichen Angriffsmöglichkeiten über lange Zeit begeistern. Immer wieder trefft Ihr auf neue Feinde, erforscht neue Gebiete, es werden weitere Nebenquests gestellt, mächtige Gegner besiegt, fleißig aufgelevelt und der eigene Chao-Garten Euren Protagonisten zugewiesen. Und all dies in sehr intuitiver, geradliniger Weise, bereichert durch viele Texte, wunderbare Technik und eine ganz Menge einmaliger Atmosphäre. Schade finden wir aber, dass in einigen Zwischenszenen zweisprachige Untertitelungen auftreten, was etwas deplatziert wirkt. Das aber nur am Rande!

Grafik & Sound....

Die grafische Brillanz kommt vor allen Dingen auf der Weltkarte, aber auch innerhalb der Gefechte zum Tragen, die Zwischensequenzen konnten uns hingegen nicht so überzeugen. Plastisch wirken die Spielcharaktere, wie aus einem plastilinen Guss. Die Landschaften sind vielfältig belebt, Feinde kreuchen und fleuchen umher, Goldringe drehen sich im Kreis, teils ist jedoch die Übersicht eingeschränkt, denn eine Zoom-Option fehlt bedauerlicherweise. Wenn doch nur jeder Entwickler ein derartiges Gespür für Leveldarstellungen hätte und alle Rollenspiele so ungemein stimmig wären…

Beim Sound müssen wir die größte Kritik am Spiel üben – dieser wirkt zwar nicht störend, enttäuscht aber dahingehend, als dass keine Ohrwürmer das Geschehen bereichern und nur Standardkost aus den Soundausgängen des Nintendo DS hallt. Ebenso gibt es keine Sprachausgabe, was wir aber bei einem Sonic-Spiel auch nicht vermissen. Immerhin bleibt Super Mario bislang auch – selbst nach über 20 Jahren – stumm. Die Soundeffekte hingegen machen alles richtig und setzen die Gefechte somit in’s rechte Licht.

Fazit....

„Sonic Chronicles - Die Dunkle Bruderschaft" für Nintendo DS ist das, was man eine regelrechte Überraschung nennt. Klar, man erwartet sich schon einiges vom blauen Igel, aber dass er gleich so auftrumpfen kann, hätten wir nicht gedacht. Nicht nur was die Spielzeit betrifft, auch das beinahe süchtig machende Aufleveln der eigenen Helden ist ungemein motivationsfördernd und begeistert bis zuletzt. Der Plot wird regelmäßig weitergesponnen, immer wieder tauchen spielerische Spezialfertigkeiten auf, die man unbedingt mal ausprobieren will. Vor allem die Kämpfe überzeugen bei gleichzeitiger Verwendung des Touchscreens, auch eine gewisse taktische Komponente sollte in das Gefecht einfließen, speziell bei fortgeschrittenen Gegnern, die gegen gewöhnliche Angriffe beinahe schon immun wirken. Ob Spezialfertigkeit oder Überattacke – in allen Bereichen haben die „Bioware"-Mannen gute Arbeit geleistet und jedes Spielelement sinnvoll in das Abenteuer integriert. Vorwerfen könnte man dem Spiel die strikte Linearität, was aber der Spielatmosphäre keinen Abbruch tut, sondern eher noch zuträglich ist. Wir empfehlen den „Sega"-Titel ohne Bedenken! Ab in’s nächste Kaufhaus und am 26.09.2008 zuschlagen! An diesem Tag ist hierzulande nämlich der Release!

 

+ 11 Charas aus Sonic-Universum
+ rundes Spielgefühl
+ unzählige Angriffsscharmützel
+ perfekt für Einsteiger geeignet
+ motivierend durch RPG-Elemente
+ Spielzeit (20 Stunden und mehr!)
+ Chao-Garten/Kampfsystem
+ fantasiereiche Zonen
+ spannend bis zuletzt
- sehr linear
- kein Zoom vorhanden
- wenig atmosphärischer Sound

GRAFIK: 83%

SOUND/EFFEKTE: 63%

MULTIPLAYER: --

GESAMTWERTUNG: 86%

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