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NDS Runaway: The Dream of the Turtle
 
 
Runaway: The Dream of the Turtle - NDS
Kilian Pfeiffer (21.01.2008)

SYSTEM: NDS
PUBLISHER: Koch Media
GENRE: Adventure
SPIELER: 1 Spieler
HANDBUCH: Mehrsprachig
SPEICHER: Batterie
1MODUL MP: Nein
SCHWIERIGKEIT: 2-7
SECRETS: Ja
SPRACHHÜRDE: Keine
MIKRO SUPPORT: Nein
ALTERSFREIGABE: 12+
TERMIN: Erhältlich
VIRTUAL SURROUND: Nein
PREIS: ca.30 Euro
KOMPLETTLÖSUNG: Nein
CHEATS / TIPPS: Nein
LESERMEINUNGEN: Nein

   
Einleitung....

Adventure-Kost! Wie lange war man als Spieler sehnsüchtig auf der Suche nach der scheinbar ausgestorbenen Spielegattung. Nach glorreichen PC-Zeiten mit Software-Größen wie der "Monkey Island"-Reihe oder den "King's Quest"-Titeln schien es ziemlich ruhig um das einstmals hoch gelobte Genre zu werden. Doch nach und nach wurden auf den Heimcomputern frische Adventures veröffentlicht, die von ihren damaligen, indirekten Vorgängern in qualitativer Hinsicht nicht viel vermissen ließen. Ob es sich dabei um "Ankh" handelt oder eben um das "Runaway"-Adventure, ist letzten Endes gleichgültig. Beide Titel staubten in PC-Fachmagazinen gute Wertungen ab und werden nun für Nintendo DS umgesetzt. Adventure-Freunde dürfen also aufatmen und sich auf die Zukunft freuen - wer weiß, vielleicht gelingt ja auch das Revival von "Sam & Max" auf der Wii?

Menus und die Story....

Das Erkunden einer Insel gehört mit Sicherheit zum Spannendsten, was man in einem Abenteuerurlaub erfahren kann. Wenn man allerdings auch noch an weiteren interessanten Örtlichkeiten fernab der Heimat zu tun hat, auch in unfreiwilliger Mission, macht es das Abenteuer gleich zweifach angenehm. So geschehen bei unserem Protagonisten Brian, der sich auf einem höchst merkwürdigen Urlaubstrip befindet. Nicht nur hat er seine Flugbegleiterin aus gegebenem Anlass aus dem Flugzeug gestoßen, sondern muss infolgedessen nun auch nach jener unbekümmerten Schönheit Ausschau halten. Wie wundervoll hätte der Ausflug nur sein können, hätte diese Bruchlandung nicht stattgefunden. Wie dem auch sei, Brian hat sich mit seinem Schicksal auseinandergesetzt und macht sich nun daran, die holde Weiblichkeit zu finden.

Dank der klassischen Adventure-Umsetzung haben Freunde des Genres bei "Runaway - The Dream of the Turtle" eine Menge Spaß. Retrospektiv gesehen, ist der Titel im traditionellen Gewand gekleidet und spielt sich letztendlich so, als würdet Ihr mit der Maus vor dem PC-Monitor sitzen und das Geschehen von Außen beobachten. Allerdings treten hier gleich zu Beginn einige Macken im Spiel auf, welche Zeugnis von einer schlampigen Touchscreen-Programmierung ablegen. Zwar ist dies einer der wenigen Kritikpunkte im Spiel, dennoch muss dies erwähnt werden. In den teils ellenlangen Unterredungen mit Dialogpartnern werden Euch dauernde Falschantworten ganz schön auf die Nerven gehen. Im Hinblick darauf, dass Ihr kurz zuvor das von Euch gewünschte Gesprächsthema ausgewählt hattet, dieses aber nicht markiert wurde, sondern ein darunter liegendes, macht die Sache umso prekärer. Warum ist den Entwicklern in diesem Punkt ein Fehler unterlaufen? Spätestens bei internen Qualitätskontrollen hätte auffallen müssen, dass es Schwierigkeiten bei der Auswahl der Antworten gibt. Nachdem es aber ansonsten kaum etwas zum Aussetzen gibt, wollen wir uns nicht an diesem Manko aufhängen, sondern im Folgenden das Gameplay in seiner ganzen Facettierung näher vorstellen.

Technik und Gameplay....

Allen waschechten Adventures liegt zugrunde, dass sie ein Inventar mit reichlich Inhalt sowie ein ganze Menge Textaufkommen aufweisen. Bei "Runaway - The Dream of the Turtle" verhält sich dies nicht anders, insbesondere die Texte im Spiel sind mit der Lektüre eines Romans durchaus vergleichbar. Immerhin werdet Ihr immer wieder mit allerhand verrückten Charakteren konfrontiert, unter anderen Lokelani, der promisken Männervernascherin, die mit dem Aufzählen all ihrer Verflossenen so ihre Schwierigkeiten hat. Dennoch lernt Ihr am idyllischen Luana-Strand die halbe Lebensgeschichte der sexy Schönheit kennen, erfahrt einiges über den militärischen Besatzungszustand der Insel und lauscht den Worten über das alltägliche, oftmals spannende Leben einer Barfrau. Wenn da nur nicht die Schnitzer bei der Erkennung des Stylussignals wären. Diese treten vornehmlich in Gesprächen auf, ansonsten erkennt das Programm die Signale recht gut, wobei auch in der Menüsteuerung und beim Auswählen der Inventargegenstände Besserungsarbeit geleistet hätte werden können. Jedoch trübt dies den Spielspaß nur bedingt, denn das eigentliche Spielprinzip mit der genialen, spannend inszenierten Story übertrumpft den angesprochenen Makel deutlich.

"Runaway - The Dream of the Turtle" hat alles, was ein echtes Adventure benötigt: eine hohe Rätseldichte, einen äußerst großen Umfang, zahllose - auch abgedrehte - Charaktere sowie eine sehenswerte Optik. Die besten Voraussetzungen für einen tollen Handheld-Titel, der Euch für viele Stunden an den Nintendo DS fesseln wird. Auch wenn nicht alle Rätsel immer logisch sind, verdient das Spiel unsere Anerkennung. Um in einen Keller einzudringen, dessen Einstieg durch eine Holzplanke versperrt ist, gilt es Pferdestärken einzusetzen (Vorsicht Spoiler!): so löst Ihr an einer Strandhütte mit der im Abfall gefundenen Butter ein festgezurrtes Seil und befestigt dies an der Planke. Im Folgenden lenkt Ihr einen wachhabenden Militär ab, in dem Ihr Euch als Befehlshaber ausgebt und ihn unverhofft auf eine Palme kraxeln lasst. Borgt Euch währenddessen seinen Jeep aus, befestigt das Seil an dessen hinterer Stoßstange und fahrt los. Der Kellereingang ist geöffnet (Spoiler Ende!)! Die Abhängigkeiten innerhalb der Rätsel sind enorm, jeder Gegenstand kann mit einem Klick untersucht und auf unauffällige Details hin überprüft, andererseits aber auch mit Gegenständen Eures Inventars kombiniert werden. So ergeben sich teils witzige Situationen: ein Stoffhündchen füllt Ihr gleich zu Beginn des Spieles mit Whiskey, um diesen einem Lemuren schmackhaft zu machen. Auch wenn das Hündchen den Whiskey in urinierender Weise von sich gibt, stört es den Lemuren nicht, davon zu trinken. Erst im Folgenden ist der Weg für Euch frei, der Urwaldbewohner in jeder Hinsicht betrunken und unfähig, Euch von Eurem Weg abzuhalten!

Zwar muss man als Spieler immer wieder Kopfarbeit leisten, da nicht jedes Rätsel sofort offensichtlich ist, jedoch beinhaltet der Titel einen Button, der Euch alle relevanten Stellen der unzähligen Locations farblich markiert. Was wiederum bedeutet, dass Ihr sofort wisst, wo man die Lupe genauer ansetzen sollte oder eventuell kombinieren könnte. Der dadurch entstehende spielerische Komfort ist Gold wert, denn oftmals sind die Aufgabenstellungen an Euren Protagonisten - und damit Euch selbst - recht hoch. Machbar ist das Spiel dennoch. Vorausgesetzt Ihr investiert zwischen 15 und 25 Spielstunden, denn so lange sollte der erste Durchgang ohne Lösungshilfe schon in etwa benötigen. Ebenso positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass Ihr Euren Fortschritt jederzeit abspeichern könnt. Somit sind selbst kurze Ausflüge möglich - ein Pluspunkt, der uns sehr gut gefällt.

Grafik & Sound....

Bei "Runaway - The Dream of the Turtle" handelt es sich um eine PC-Umsetzung, die auf die technischen Möglichkeiten des Nintendo DS angepasst wurde. Selbst die Zwischensequenzen wurden übernommen und vermitteln eine sehr gelungene Gesamtatmosphäre des auf weiten Teilen der Erde angesiedelten Adventures. Da es sich um animierte, hübsch inszenierte Sequenzen handelt, kommt gar ein Gefühl auf, als ob man einen Computerstreifen über den Bildschirm flimmern sieht. Auch die Point-and-Click-Grafik bietet eine gute Übersicht und überzeugt durch farbenfrohe Landschaften, sehenswerte Location-Ausstattungen und viele kleine Details, beispielsweise bei den Bewegungen der Spielcharaktere.

Der idyllische, unter anderen karibisch angehauchte Soundtrack überzeugt in ganzer Bandbreite. Melodiöse Klänge, viele kleine Soundschnipsel und realistische Hintergrundgeräusche erzeugen ein rundes Bild. Bedauerlicherweise gibt es keine Sprachausgabe im Spiel, denn hätte diese auf die Spielkarte gepasst, wäre allein um deretwegen eine noch atmosphärischere Gesamtwertung herausgekommen. Aber auch ohne Sprache gefällt das rundherum gelungene Abenteuer.

Fazit....

Wer Rätsel liebt und schon seit langer Zeit auf der Suche nach einer guten "Monkey Island"-Alternative für Handhelds war, wird mit vorliegendem Titel seine Freude haben, ganz gewiss. Wegen des stimmigen Konzepts, der genialen Ausstattung und den vielen positiven, spielerischen Einfällen gelingt "Runaway - The Dream of the Turtle" ein kleines Feuerwerk in Sachen Adventure-Revival. Eine sehenswerte Spielzeit und sympathische Charaktere überzeugen die Fangemeinde weiterhin. Wir können Euch den Titel nur ans Herz legen, trotz der teils verhunzten Point-and-Click-Steuerung.

 

+ sehr lange Spielzeit
+ hohe Rätseldichte
+ technisch gelungen umgesetzt
+ nachvollziehbare Story
- Steuerung ab und zu tricky
- teils unlogische Rätsel

GRAFIK: 83%

SOUND/EFFEKTE: 82%

MULTIPLAYER: --

GESAMTWERTUNG: 85%

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