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NDS Ace Attorney: Trials and Tribulations
 
 
Ace Attorney: Trials and Tribulations - NDS
Kilian Pfeiffer (21.10.2008)

SYSTEM: NDS
PUBLISHER: Nintendo
GENRE: Gerichtsspiel
SPIELER: 1 Spieler
HANDBUCH: Mehrsprachig
SPEICHER: Batterie
1MODUL MP: Nein
SCHWIERIGKEIT: 3-8
SECRETS: Ja
SPRACHHÜRDE: Keine
MIKRO SUPPORT: Ja
ALTERSFREIGABE: K.E.
TERMIN: Erhältlich
VIRTUAL SURROUND: Nein
PREIS: ca.30 Euro
KOMPLETTLÖSUNG: Nein
CHEATS / TIPPS: Nein
LESERMEINUNGEN: Nein

   
Einleitung....

Man kann ob der merkwürdigen Veröffentlichungspolitik von Nintendo durchaus verwirrt sein. Weshalb man bei der Gerichtsserie derartig zwischen den Teilen hin- und herspringt, den Nachfolger dem eigentlichen Vorgänger vorzieht und gleichzeitig ein Durcheinander in Sachen Hauptpersonen stiftet, ist für Serienkenner fraglich. Freuen sollten wir uns aber allemal, dass der textlastige „Capcom"-Titel noch immer für den hiesigen Markt umgesetzt wird, obwohl er einer ganz klaren Zielgruppe unterliegt und bei weitem nicht den Massengeschmack treffen dürfte. Dennoch macht man sich bei den Verantwortlichen immer wieder aufs Neue dran, Textmassen einzudeutschen, verwirrende, oftmals abstruse Fälle zu bearbeiten und ja nichts an der Technik zu schrauben. „Ace Attorney"-Fans werden also erneut mit gleichbleibender Optikkost „verwöhnt", die langsam aber sicher mal etwas aufpoliert gehört.

Menus und die Story....

Obwohl der uns heute vorliegende Teil das Quartett voll macht, bedeutet dies nicht, dass er auch den vierten Teil in Sachen Chronologie einnimmt. Im Gegenteil: „Phoenix Wright - Ace Attorney - Trials and Tribulations" ist eigentlich erst die dritte Umsetzung, wird aber merkwürdigerweise aber als vierte veröffentlicht. „Wieso?", fragt man sich da und verdreht die Augen… Weil wir uns mit jener Frage nicht weiter beschäftigen wollen, wenden wir uns dem eigentlichen Geschehen zu und damit der Tatsache, dass es sich hierbei um eine Serie handelt, bei der Stillstand zwischenzeitlich zum Markenzeichen gehört. In der Tat ruhen sich die Entwickler auf den Lorbeeren ihrer Arbeit aus – Grund genug haben sie ja, denn bislang konnte jeder der Serienableger hohe Wertungen einfahren und die Fachpresse in unseren Breitengraden vollends überzeugen. Das Niveau entspricht also einem hohen. Also hoffen wir mal, dass man sich nicht verspekuliert und die Fangemeinde enttäuscht. Denn obwohl das Grundprinzip einer Gerichtssimulation im eigensinnigen Stil noch immer bestens funktioniert, soll das nicht darüber hinwegtäuschen, dass Optimierungen in vielerlei Hinsicht angebracht wären.

Phoenix Wright nimmt dieses Mal erneut die Rolle des Strafverteidigers ein. Apollo Justice hat also ausgedient und wurde auf das Abstellgleis ausrangiert. Naja, er wird wiederkommen, so viel sei mal sicher. Uns persönlich freut es aber, dass der spannende Plot rund um Phoenix Wright und die Fey-Familie fortgesponnen wird. Storylücken werden gefüllt, Verwirrungen aus dem Weg geräumt. Natürlich hat es Phoenix Wright auch dieses Mal mit einem hinterhältigen Staatsanwalt zu tun, sein Name: Godot. Hinter diesem Jemand steckt ein alter Bekannter oder vielleicht doch nicht? Würde er doch endlich mal seine Maske ablegen, dann wüsste Phoenix endlich mehr. Wenigstens stehen Maya und Pearls stets zur Stelle, Beschwörungsmeisterinnen ganz besonderer Art, die im Folgenden direkt in das Geschehen und damit die Fälle involviert sind. Allerdings wollen wir Euch über die durchaus spannende, wenngleich auch verworrene, teils etwas chaotische Kost nichts verraten. Nur so viel: Keiner der am Spiel beteiligten Charaktere kann sich den Stempel „Ich bin normal!" aufdrücken. Vom Psychopathen, über den verrückten Heini bis hin zum schrulligen Nervtöter wartet die Umsetzung mit allerhand abgedrehten Personen auf.

Technik und Gameplay....

Zwischenzeitlich der vierte Teil der Serie, der sich bei uns im Test befindet, wird ein Detail nun deutlich – unzeitgemäß ist die Tatsache, dass Ihr die textlastigen Sequenzen (aus denen besteht das Spiel nun mal!) nicht auf Wunsch voranbringen könnt, sondern ständig darauf wartet, die Szene weiterklicken zu können. Problematisch deshalb, weil es keine Möglichkeit gibt, die Textgeschwindigkeit manuell einzustellen. Was uns ebenfalls übel aufstößt, sind die wenigen Rücksetzpunkte im Spiel. Da es ja durchaus vorkommen kann, dass Eure Ermittlungen – vor allen Dingen im Gerichtssaal – gegen die Wand laufen, wären Rücksetzpunkte von Vorteil. Ohne diese kann es also vorkommen, dass Ihr locker mal eine halbe Stunde den Nintendo DS bedient und in langwieriger Wartestellung bereits gelesene Texte durchklickt, bis Ihr wieder an besagter Stelle des Versagens ankommt.

Missfällt Euch das Lesen im Allgemeinen, solltet Ihr „Phoenix Wright - Ace Attorney - Trials and Tribulations" partout meiden, denn was Euch hier an Textmengen vorgesetzt wird, ist vergleichbar mit einer dicken Buchschwarte. Im Grunde genommen ist der Titel ein zu lesenden Abenteuer mit gelegentlichen Ermittlungsarbeiten, sprich, Ihr erkundet Schauplätze und untersucht das Inventar der Räumlichkeiten. Auffällige Gegenstände tippt Ihr mit dem Stylus an, durchkramt beispielsweise eine Aktentasche und ertastet den Inhalt, stellt Merkwürdigkeiten in der Umgebung fest (Farbkleckse auf dem Boden und auf einer Pappschachtel, etc.) oder verhört Verdächtige in Bezug auf ihre Vergangenheit. Häufig konfrontiert Ihr Euer Gegenüber mit bereits im Inventar befindlichen Objekten, um dem Gesprächspartner auf die Sprünge zu helfen und einige Infos aus ihm herauszulocken.

Bevor es in den Gerichtssaal geht, bedarf es zumeist einer endlos langen Ermittlungsarbeit, die spannungsgeladene Situationen garantiert, meist aber in wirre Handlungsstränge ausartet. In der Tat wundert man sich des Öfteren, wie vereinzelt während der Verhandlung im Angesicht des Richters gehandelt wird. Da kann es schon mal vorkommen, dass der Staatsanwalt eine Kaffeetasse auf den Strafverteidiger schmettert oder eine Dame mit Schirmchen und ein paar umherfliegenden Vögelchen den Saal betritt. Bereits aus einem der Vorgänger bekannt: die „psychischen Blockaden" einzelner Zeugen. Manchmal wollen diese nicht auspacken und verstricken sich in ein Geflecht aus Lügen und Unwahrheiten, das Phoenix, der übrigens auch eine Schraube locker zu haben scheint, entflechten muss. Mithilfe von schrittweiser Beweisdarlegung gelingt es, das Netz aus Irreführungen zu durchdringen und am Ende die Wahrheit aus dem zu Vernehmenden zu locken.

Im Gerichtssaal liegt es an Euch, einzelne Aussagen zu hinterfragen, Zeugen zu bedrängen (irgendwie lügt zunächst jeder Einzelne, der eine Aussage zum Besten geben will!) oder auf Widersprüche zu achten. Wie so oft, bietet das Spiel erneut die Möglichkeit, die Spracherkennung zu unterstützen. Wenn also der Zeuge augenblicklich verhört wird, reicht es auch, „Einspruch!" in das Mikrofon zu rufen und diesem ins Wort zu fallen. Jedes Beweismittel ist von bedeutender Wichtigkeit für die Lösung eines Falles. Oftmals scheint es aber kaum möglich zu sein, den passenden Gegenstand im richtigen Moment einzusetzen, da der Zusammenhang zwischen einzelnen Objekten nicht sofort offensichtlich wird. Auch wenn der Richter von Euch verlangt, Beweise zu präsentieren, gilt es zunächst, zu reflektieren, welcher der Inventargegenstände geeignet scheint. Unterläuft Euch ein Fehler, wird ein kleiner Teil der eigenen Energieleiste subtrahiert – ist diese leer, war’s das mit der Verteidigerkarriere. Aber wie schon gesagt, es gibt ja bekanntlich die Rücksetzpunkte – eine aufgrund der Wartezeiten alles andere als komfortabel erscheinende Lösung.

Grafik & Sound....

Der Stillstand der Serie setzt sich leider auch in grafischer Hinsicht fort. Nicht nur im Gericht denkt man, man hätte die Umgebungen in unveränderter Form bereits gesehen, auch die Charakterdarstellungen wirken altbekannt und daher ebenso altbacken. Klar, man kann sich das Grafikgerüst durchaus ansehen, würde sich aber dennoch ein wenig fortschrittliches Denken begrüßen. Wie wären beispielsweise ein paar neue Animationen, einige aufpolierte Effekte oder dergleichen?

Persönlich konnte uns die Musikpräsentation weniger überzeugen als in den vorangegangenen Teilen, obgleich einige Melodien einfach recycelt wurden und einen zweiten Auftritt genießen. Richtig geniale wäre es mal, wenn das ganze Abenteuer vertont würde. Das wäre zwar vom Speicherplatz kaum möglich, aber darf der Wunsch nicht Vater des Gedankens sein?

Fazit....

„Phoenix Wright - Ace Attorney - Trials and Tribulations" ist für Serienkenner definitiv Pflicht. Auch wir hatten wieder riesigen Spaß während wir uns durch ellenlange, abstruse Fälle klickten, durchgeknallte Geschichten vorgesetzt bekamen und spannende Momente miterlebten. Die Serie versteht es, den Spieler in ihrem Bann einzuschließen und nicht mehr loszulassen. Fünf neue Fälle und rund 20 Stunden Spielzeit sprechen für sich. Das Lesen solltet Ihr allerdings zu Eurem Hobby zählen, denn in Sachen Buchstaben habt Ihr eine ganze Flut dieser zu bewältigen. Dennoch bemängeln wir den offensichtlichen Stillstand, welcher der Serie auf Dauer nicht gut tut: Zum einen die immer groteskeren Fälle, zum anderen der technische Stillstand. Dennoch knackt das Abenteuer die 80er Marke und bleibt immer noch ein Kauftipp.

 

+ fünf umfangreiche Fälle
+ über 20 Stunden Spielvergnügen
+ „psychische Blockaden"
+ ermitteln, verhören, beweisen
- tonnenweise Text
- nervende Rücksetzpunkte
- keine beschleunigten Texte
- teils groteske Abschnitte
- technischer Stillstand

GRAFIK: 69%

SOUND/EFFEKTE: 69%

MULTIPLAYER: --

GESAMTWERTUNG: 80%

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