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NDS Etrian Odyssey
 
 
Etrian Odyssey - NDS
Kilian Pfeiffer (23.06.2008)

SYSTEM: NDS
ENTWICKLER:
GENRE: Rollenspiel
SPIELER: 1 Spieler
HANDBUCH: Mehrsprachig
SPEICHER: Batterie
1MODUL MP: Nein
SCHWIERIGKEIT: 7-10+
SECRETS: Ja
SPRACHHÜRDE: Keine
MIKRO SUPPORT: Nein
ALTERSFREIGABE: K.E.
TERMIN: Erhältlich
VIRTUAL SURROUND: Nein
PREIS: ca.40 Euro
KOMPLETTLÖSUNG: Nein
CHEATS / TIPPS: Nein
LESERMEINUNGEN: Nein

   
Einleitung....

Ab und an erreichen uns unvorhergesehen Nachrichten, die wir als alte Rollenspiel-Freaks mit großer Freude vernehmen: Ein weiterer RPG-Titel findet den Weg nach Westen, besser gesagt ins von Rollenspielen ausgehungerte Europa. Darf sich die japanische Welt in regelmäßigen Abständen mit traditionell-überzeugender Kost begnügen, dürsten wir Westler nach der umfangmäßig meist epochalen Software. So geschehen bei „Etrian Odysse", das nun endlich bei uns erschien und mit Argusaugen begutachtet wurde. Eine Sache konnten wir nach wenigen Spielminuten bereits feststellen: Der Schwierigkeitsgrad hat sich gewaschen! Geplagter vom ständigen Bildschirmtod und mit noch mehr Frustmomenten versehen, waren wir schon lange nicht mehr unterwegs.

Menus und die Story....

Von „Atlus" entwickelt, erreicht „Etrian Odysse" nun über Nintendo den westlichen Spielemarkt. Der Titel zeigt sich indes nicht als gewöhnliches Rollenspiel im Stile eines „Golden Sun" sondern als einzigartige, bislang eher als befremdlich wirkende Variante klassischer Gameplay-Kost. Denn Kämpfe stehen wie gewohnt auf dem Tagesplan, es wird geschnetzelt was das Zeug hält, geheilt, im Sekundentakt verteidigt und gezaubert – schöner könnte man sich ein Rollenspiel erst einmal gar nicht wünschen. Was aber weiterhin über den Spieler hereinbricht, ist das Erstellen von Labyrinth-Karten, jene Karten, die den Wald, in welchem Ihr Euch während Eures Abenteuers befindet, widerspiegeln sollen. Zunächst ist das Zeichnen und das Versehen mit Symbolen ein gewöhnungsbedürftiger Moment, den man so noch nicht kennt. Ob wir uns damit anfreunden konnten und wie sich die Neuankunft im RPG-Lager sonst noch so schlägt, erfahrt im weiteren Verlauf des Tests.

Doch zunächst wollen wir uns der Story widmen. Der Story? Ja welcher Story eigentlich? Bedauerlicherweise existiert keine wirkliche – für ein Rollenspiel ein Unding, da zum einen keine Atmosphäre aufgebaut werden kann, zum anderen die Bindung an die eigene Heldenschar nicht funktioniert. Weshalb man sich gegen eine faszinierende Handlung entschieden hat und lieber in geschichtslosen Standard-Dungeons unterwegs ist, wird wohl nie geklärt werden. Immerhin ist es positiv hervorzuheben, dass uns Spielern eine komplette Lokalisierung spendiert wurde, wenngleich Sprachausgabe noch immer fehlt. Vielleicht im zweiten Teil, der gerade eben (Juni 2008) in amerikanischen Gefilden auf den Markt gekommen ist.

Technik und Gameplay....

Klassisch gestaltet sich gleich zu Beginn die Erstellung des eigenen Abenteurer-Trupps, der sich aus einer Handvoll Haudegen und magisch begabter Helden zusammensetzt. Die Gilde gilt als Ort des Teamgeistes – ohne das Miteinander habt Ihr in den Tiefen des Waldes keine Chance, daher sollte Eure Gruppe bestens aufeinander abgestimmt sein und in jeder Hinsicht harmonieren. Neue Gildenmitglieder lassen sich aus insgesamt neun Charaktertypen auswählen: Der fernwaffenbegabte Fährtenleser ist ebenso mit von der Partie wie der kampferprobte Paladin, der waffenstarke Landsknecht oder der magieerfahrene Alchemist. Für die Moral steht der Barde zu Eurer Seite, der Medicus hilft bei Verletzung und heilt tiefe Wunden dank seiner Heilfertigkeiten. Auch Samurai und Drude finden sich auf der Anwärterliste für Euren Trupp. Je nachdem welche Fähigkeiten im Vordergrund stehen sollen oder ob eine gelungene Melange aller Begabungen für das gewisse Extra (im Kampf) sorgt, entscheidet die persönliche Wahl. Jederzeit dürft Ihr altgediente Gildenmitglieder in die wohlverdiente Rente schicken oder nach harten Kämpfen rasten lassen. Das büßt zwar Erfahrung ein, bietet aber gleichzeitig einem Neuanwärter die Möglichkeit des Sammelns von Erkenntnissen. In welcher Formation gekämpft wird, ist ebenso von Bedeutung, denn es sollte erfahrenen Rollenspiel-Experten klar sein, dass ein Medicus sich in der Front relativ schwer tut, in Ruhe seine Heilzauber walten zu lassen, wohingegen ein gestählter Kämpfer mit vollem Elan mutig zur Tat schreitet. Wie Ihr auch immer das Parkett betreten werdet – die Widersacher sind mit allen Wassern gewaschen und knacken selbst die dickste Rüstung mit Leichtigkeit. Folglich solltet Ihr Euch keine allzu großen Gedanken machen, wenn Ihr mal wieder das virtuelle Himmelreich erblickt habt und nicht mehr unter den Lebenden verweilt.

Der Dorfplatz von Verda ist ein heimeliger Ort, vergleichbar mit dem eigenen Zuhause. Dies liegt daran, dass er eine der wenigen Lokalitäten darstellt, an dem nicht zur Waffe gegriffen wird, sondern der Gruppe vielmehr Gutes widerfährt. So dürft Ihr im Gasthof „Zum krähenden Hahn" (zum wievielten Mal hieß ein Gasthaus denn bereits so?) verloren gegangene Energien auftanken und den Spielstand abspeichern. Das ist auch bitter nötig, denn man kann es gar nicht oft genug wiederholen: „Etrian Odysse" wird Euch jeden vorhandenen Funken an Restnerven abverlangen, Frust schüren und einzelne Synapsen mit Nadelstichen piesacken. Zur Hölle mit der ständigen Desillusionierung! Denn letzten Endes ist das andauernde Scheitern nichts Weiteres. Einen einstellbaren Schwierigkeitsgrad gibt es nicht und deshalb ist und bleibt das eigene Nervenkostüm gefragt. Wie gewohnt betretet Ihr vor dem Besuch des Waldes die örtlichen Händler-Shops, bereichert Euch mit medizinischen Heilmittelchen oder aber mit Ausrüstungswaren aller Art. Jeder Charakter will anständig versorgt sein im direkten Duell mit den Feindeshorden. Da Rüstungen, seien es Schilde, Handschuhe oder Janker sowie weitere Accessoires auf die Charakterwerte Auswirkungen haben, ist eine durchdachte Wahl bereits der erste Schritt zum Erfolg. Technik, Glück, aber auch Agilität, Angriffsstärke, Abwehrfähigkeiten sowie Ausdauer gehören zu einem Helden, wie das Wasser zum Meer. Je höher die Werte ausfallen, desto besser für den direkten Vergleich im Kampf mit dem Gegner. Und habt Ihr es einmal zu bunt getrieben und seid zum x-ten Mal an einem scheinbar unscheinbaren Flattervieh gescheitert, solltet Ihr Dr. Hoffman einen Besuch abstatten, der Euch mit Sicherheit gerne ins richtige Leben zurückholt. Jedoch kostet selbst die ehrenvollste Tat einen schönen Batzen Geld, den Ihr ohne das Einsammeln von Items nicht übrig hättet.

Gekämpft wird übrigens rundenbasierend, was bedeutet, dass Ihr jedem Eurer teilnehmenden Charaktere einen Befehl zuteilt, der dann bestenfalls in die Tat umgesetzt wird. Magische Attacken zeigen ähnlich durchschlagende Wirkung wie ein kräftiger Hieb mit einem bewährten Schwert, gleichzeitig ist es auch nicht zu unterschätzen, wenn sich aus hinterer Reihe ein wohltuender Heilzauber über den Körper legt. Vor allem dann, wenn teils ein einzelner Schlag der größtenteils aus dem Nichts auftauchenden Getiere für Unbehagen sorgen könnte. Scheint die Situation komplett ausweglos, hilft nur noch die direkte Flucht, die aber oftmals nicht klappt – meist dann, wenn ein Gruppenmitglied kurz vor dem Tod steht oder der letzte Verfechter des Rechts wankend auf dem blutigen Schlachtfeld der Gerechtigkeit verweilt. Derartige Übertreibungen streicheln die leidgeplagte Seele – oftmals sieht man einfach keinen Ausweg aus den bestialisch kniffligen Scharmützeln – schade drum! Da wirkt es beinahe schon belustigend, wenn zusätzliche Statusleiden den Heldenalltag ferner erschweren und für weitere Ängste, Lähmungen, Vergiftungen, Flüche, Erblindung, Versteinerungen oder den direkten Tod sorgen. Wenn’s weiter nichts ist…

Auf den zahlreichen anstehenden Missionen erwarten Euch allerlei neuartige Monster und Items, die es zu entdecken gilt – wie es sich für ein Rollenspiel gehört, ist die investierte Spielzeit gewaltig und variiert hinsichtlich des persönlichen Scheiterfaktors. Auch wenn wir uns als gestandene RPGler sehen, mussten wir den Löffel viel zu oft abgeben. Aber immerhin erwartet den Spieler ja noch eine ganz eigene, in der DS-Landschaft neuartige Beschäftigung, die des Kartenzeichnens. Dies geschieht direkt in den im Wald gelegenen Labyrinthen, die von Euch kartographiert werden müssen, um Aufschluss darüber zu geben, was in den Tiefen des finsteren Örtchens alles verborgen liegt. Mit einem leicht verständlichen Werkzeugsystem zeichnet Ihr die höchst übersichtlich gestalteten 08/15-Wegesabschnitte in Eure Karte ein, platziert Symbole wie Schätze, Fallen sowie Treppen und achtet darauf, dass spezielle Besonderheiten durch individuelle Notizen versehen werden. Vergleichbar ist das Kartographieren mit einem simplen Zeichenprogramm von anno dazumal. Um zu bestehen und weitere Aufträge zu erhalten, bedarf es unter der Ägide der Genauigkeit zu handeln. Auch wenn das Erstellen der Labyrinthe ganz nett ausfällt, fehlt dem Gameplay auf Dauer der notwendige Pep, den der Titel zweifelsohne bei geringerem Schwierigkeitsgrad und ausgeklügelten Levels gehabt hätte.

Grafik & Sound....

Schrittweise erkundet Ihr die Wälder, was ein wenig an Fließkraft aus dem Titel nimmt. Das Erkunden der in 3D gestalteten Dungeon-Abschnitte schaut ja ganz o.k. aus, die Landschaften wirken hübsch gestaltet, was aber weniger gefällt sind die statischen Gefechte mit dem Feind. Zum einen wird das Tempo aus den Scharmützeln genommen, zum anderen fehlen bildschirmgewaltige Spezialeffekte, die für bombastische Stimmung gesorgt hätten. Das Kartographieren fällt indes ebenfalls wenig spektakulär aus, wohingegen die comicartigen Charaktere sowie die animeinspirierten Protagonisten gefallen. Insgesamt ist der optische Faktor in mehrfacher Hinsicht zweischneidig, aber in jedem Fall nicht zu verachten.

In Sachen Akustik fiel uns die Entscheidung für eine endgültige Wertung auch nicht ganz einfach, da die Musikstücke abhängig von der augenblicklichen Situation ausfallen. In gewissen Situationen überzeugt der Soundpart, in anderen wissen die Melodien nicht so zu gefallen, wie sie es auf dem Wege in die Tiefen des Waldlabyrinths vielleicht sollten. Dennoch erinnert das melodische Bild an die Zeiten vergangener Rollenspiel-Klassiker, wenngleich das Ergebnis nicht von besagter Klassiker-Qualität ist.

Fazit....

Das Spielerlebnis ist ein neues in „Etrian Odysse" für den Nintendo DS. Denn obwohl man in traditioneller Weise daherkommt und das Kampfsystem rundenbasiert an tolle Zeiten erinnert, hat man sich bei „Atlus" daran gemacht, auf Messers Schneide zu balancieren. Selbstständig Karten zu zeichnen ist ein heißes Eisen – Laune macht das durchaus. Allerdings bleibt die Frage, ob man hier nicht ein spaßbringenderes Element gefunden hätte, das in besserer Weise auf das Rollenspielerlebnis abgestimmt wurde? Zu kartographieren und plötzlich aus dem Hinterhalt angegriffen zu werden, ist nicht unbedingt der Wunsch eines jeden Cracks. Auch der bestialisch knifflige Schwierigkeitsgrad wirkt selbst bei Profis mehr abschreckend denn einladend. Wenn man bereits im zweiten Kampf jämmerlich zugrunde geht, wisst Ihr, von was wir sprechen… Ebenfalls stößt der fehlende Story-Plot sauer auf. Wo ist sie hin, die fantastische Story, die uns in zahlreichen Abenteuern schon begleitet hatte und als Garant für die Atmosphäre stand? Weit und breit nichts davon zu sehen. So kommt es, dass wir den Titel definitiv zu schätzen wissen, wenngleich es dutzende Software-Beispiele gibt, die „runder" daherkommen. „Etrian Odysee" ist gut, so lange man frustresistent ist. Klassisches Handwerkszeug inklusive! Mit Hang zu cholerischen Anfällen (sofern Euch diese bekannt sind!), wollen wir Euch aber tunlichst vom „Atlus"-Produkt abraten. Nicht dass Ihr am Ende keine Haare mehr auf dem Kopf habt ;-) ! Alle anderen greifen zu.

 

+ klassische Abenteurer-Wahl
+ bedeutendes taktisches Moment
+ Fertigkeiten-System
+ auflevelbare Charaktere
+ interess. Kartographieren
+ rundenbasiertes Kampfsystem
+ Monstersammeln motiviert
- höllisch schwer
- fehlende Story
- nervende Zufallskämpfe
- das gewisse „Etwas"
zum Hit fehlt

GRAFIK: 70%

SOUND/EFFEKTE: 69%

MULTIPLAYER: --

GESAMTWERTUNG: 73%

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