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NDS Hotel Dusk: Room 215
 
 
Hotel Dusk: Room 215 - NDS
Kilian Pfeiffer (05.05.2007)

SYSTEM: NDS
ENTWICKLER: Nintendo
GENRE: Adventure
SPIELER: 1 Spieler
HANDBUCH: Mehrsprachig
SPEICHER: Batterie
1MODUL MP: Nein
SCHWIERIGKEIT: 1-5
SECRETS: Ja
SPRACHHÜRDE: Keine
MIKRO SUPPORT: Ja
ALTERSFREIGABE: 12+
TERMIN: Erhältlich
VIRTUAL SURROUND: Nein
PREIS: ca.35 Euro
KOMPLETTLÖSUNG: Nein
CHEATS / TIPPS: Nein
LESERMEINUNGEN: Nein

   
Einleitung....

Ein einsames, dürftig eingerichtetes Hotel im Nirgendwo der USA. Im Grunde genommen ziemlich unauffällig, dennoch Schauplatz einer mitreißenden und spannend inszenierten Story um ein Verbrechersyndikat und den Verbleib eines ehemaligen guten Freundes. "Hotel Dusk - Room 215" für Nintendo DS beginnt alles andere als spektakulär, entfaltet sich mit der Zeit dafür umso mehr, um einen gelungenen Plot aufzubauen: Immerhin muss das sich anbahnende Schlamassel aufgeklärt werden, die Rolle übernehmt selbstverständlich Ihr als Spieler. Die Wahrheit liegt oftmals im Detail, im Spiel findet Ihr sie im Hotel Dusk, Zimmer 215. Und genau dort soll die Geschichte auch beginnen...

Menus und die Story....

"Hotel Dusk - Room 215" ist anders als gewöhnliche Spiele. Entsprechend des gelungenen Plots könnte man die Hintergrundgeschichte sensationell in einem Buch verarbeiten. Zu lesen werdet Ihr während des rund zwanzigstündigen Ausflugs genug haben, daher entschieden sich die Entwickler, dem optimalen Überblick entsprechend, dazu, den Nintendo DS um 90 Grad nach links zu drehen, um den Titel genießen zu können. So verbringt Ihr das gesamte Spiel über damit, den Nintendo DS wie ein Buch zu halten - links der "ehemalige" Topscreen, rechts der Touchscreen und gleichzeitig Ort der Stylus-Steuerung. Doch dazu später mehr.

Da der Titel im Endeffekt eine Geschichte mit zahlreichen Charakteren erzählt und das Hauptaugenmerk auf dem Lesen von Unterredungen liegt, kann man mit gutem Gewissen sagen, dass sich die Spielmechanik simpel aufbaut, da Ihr neben der Charaktersteuerung nicht viel mehr als ein paar Minispielchen zu absolvieren habt. Die Faszination liegt in der Entfaltung der Story, dem ungemeinen Spannungsaufbau, der verzwickten Verflechtung einzelner Personen innerhalb des Plots, sowie den teils ellenlangen Texten, die kein Detail auslassen und die Lektüre eines realen Buches voll und ganz ersetzen ;-) . Habt Ihr Euch im Hauptmenü ("Neues Spiel", "Fortsetzen") für den Spielstart entschieden, werdet Ihr feststellen, dass es insgesamt drei zur Verfügung stehende Speicherplätze gibt. Jeder darf frei für einen neuen Spielstand verwendet werden, auch das Speichern ist zu jeder Zeit möglich. Bei zwanzig Stunden Spiel ist dies aber auch bitter nötig, wobei der Plot in Kapitel aufgeteilt ist, nach deren Absolvierung die Aufforderung zum Spielstandsichern erscheint.

Kyle Hyde ist der Name des von Euch verkörperten Charakters, der auf der Suche nach seinem ehemaligen Kollegen Brian Bradley ist - na ja, eigentlich ist er es nicht wirklich, sondern vielmehr damit beschäftigt einen Auftrag seines Vorgesetzten Ed zu erfüllen. Nachdem Kyle aus dem Polizeidienst ausgetreten war, hatte er seine Brötchen mit der Erfüllung brisanter Aufträge verdient. Obwohl er sich als Vertreter ausgibt, nähert sich Kyles wahres Ich dem eines Agenten immer weiter an. Sein nächster Auftrag ist im Hotel Dusk verortet, dem Schauplatz, an welchem die dem Spiel zugrunde liegende Geschichte ihren Lauf nimmt.

Technik und Gameplay....

Wie weiter oben bereits erwähnt ist bei "Hotel Dusk - Room 215" allein die Verwendung des Nintendo DS ein Novum, vom nintendoeigenen Gehirntrainer einmal abgesehen. Vergleichbar mit einem Buch, fällt Euch auf der rechten Seite, dem Touchscreen, eine Minikarte des Hotels auf. Nachdem Ihr bei dem reichlich unhygienischen Hotelbesitzer Dunning eingecheckt seid, ist das Hotel der Schauplatz des gesamten Spiels. Zwei Stockwerke habt Ihr im Laufe der Spielzeit zu erkunden, einige Bereiche öffnen sich erst nach und nach, so dass die Spannung hinter so mancher Tür bis zuletzt gewahrt bleibt. Der Touchpen dient Euch zur Navigation, indem Ihr den roten Pfeil (verkörpert Euren Charakter Kyle) durch die Räumlichkeiten aus einer Von-oben-Perspektive dirigiert. Lediglich der Steuerungsbereich wird in dieser Art und Weise dargestellt. Der Topscreen, in diesem Fall Euer linker Bildschirm, zeigt das Geschehen aus den Augen des Protagonisten. In Echtzeit, abhängig von Euren Stylus-Bewegungen, ändert Ihr die Perspektive, wobei der Blickwinkel (oben - unten) nicht abgeändert werden kann. So habt Ihr immer das komplette Geschehen vor Augen und erkennt jedes kleine Detail, das eine genauere Untersuchung wert zu sein scheint. Angesichts einer Fülle von zu erkundenden Räumen, werdet Ihr im Laufe des Spieles auf viele interessante Gegenstände sowie plauderfreudige Personen treffen, deren Lebensgeschichten sich mit der Zeit immer deutlicher herauskristallisieren. Kyles daraus gezogene Schlüsse verbinden die einzelnen Storyfäden geschickt miteinander - so breitet sich eine vielschichtige Story hinter den Wänden des Hotel Dusk aus. Gut, dass Kyle nach jedem Kapitel das Ereignete rekapituliert, um die wichtigsten Punkte des Spieles ein weiteres Mal aufzugreifen und für den Spieler zu verdeutlichen.

Ob Helen, Jeff, Rachel, Kevin oder Melissa - all diese Personen sind Teil des Storyplots. Im Hotel als Gäste zu Besuch gehen sie ihrem Leben nach, jedoch sind sie alle in das weit reichende Storynetz verwoben. Martin Summer beispielsweise, ein Schriftsteller, hütet ein verborgenes Geheimnis, welches nicht nur seinen Namen betrifft, sondern auch tiefgründigere Bereiche tangiert. Auch Louis DeNonno, derzeitig im Hotel "Mädchen für alles" war in früheren Zeiten in der Untergrundszene aktiv und wurde damals des Öfteren von Kyle, dem Protagonisten des Spiels, als er sich noch im Polizeidienst befand, aufgehalten. Während des Abenteuers wandelt sich der vormalige verbrecherische Schwindler und mutiert zu Kyles geheimer Quelle im mysteriösen Hotel Dusk. Um nicht zu viel zu verraten sei gesagt, dass jede Person Interessantes zu erzählen weiß und durch deren individuelle Gestaltung für den Spieler erlebenswert wird. Der Titel weiß zu gefallen, beinahe in jeglicher Hinsicht.

Auf Grund der Tatsache, dass die Spielsteuerung ungemein leichtfüßig funktioniert und der Überblick des Geschehens durchaus ein Lob wert ist, sollte auch das eigentliche Spielprinzip nicht unerwähnt bleiben. Während sich Kyle durch die Bereiche des Hauses bewegt, das sich übrigens in zwei Stockwerke sowie ein frei begehbares Dach aufteilt, stößt er immer wieder auf aufschlussreiche Bereiche, die anhand einer kleinen Lupe kenntlich gemacht werden. Um den Ort - sprichwörtlich - genauer unter die Lupe zu nehmen, klickt Ihr auf das Lupen-Symbol und schaltet damit automatisch in eine 3D-Perspektive. Ein Verschiebebalken lässt Euch in horizontaler Weise durch den Raum schwenken. Mit dem Touchpen ist es nun möglich aus dieser Perspektive alle Gegenstände zu markieren. Ändert sich deren Farbe, ist es denkbar Zusatzinformationen zum Objekt zu erhalten oder gar in das eigene Inventar aufzunehmen. So erkundet Ihr nach und nach die einzelnen Hotelzimmer, werft einen Blick in das Büro des Besitzers, um Beweise aller Art sicher zu stellen, oder besucht Rosa, Reinigungskraft und vorzügliche Köchin, auf dem Zimmer. Die hoteleigene Bar wird zu einem späteren Zeitpunkt eine bedeutende Rolle spielen, auch Wäsche- und Heizungskammer sind einen Blick wert.

Den größten Teil des Spieles werdet Ihr aber damit verbringen Euch mit den Gästen des Hauses zu beschäftigen und diese nach Neuigkeiten aller Art regelrecht auszuquetschen. Diesbezüglich könnt Ihr Ihnen Gegenstände vor die Nase halten, so dass ihnen eventuelle Informationen zu einem Objekt bewusst werden und sie diese Euch mitteilen. Zumeist handelt es sich bei den Unterhaltungen um Dialoge, die Ihr aber immer genau verfolgen solltet. Ein spielinternes Memo speichert die zuletzt geführten Dialoge ab - Unklarheiten werden so bereinigt. Ebenso hilft Euch das Programm bei eventuellen Verständnisproblemen im Spiel. Jedes absolvierte Kapitel wird in einigen prägnanten Sätzen zusammengefasst und für den schnellen Informationsschub komprimiert. Schneidet Kyle ein interessantes Themengebiet während eines Gesprächs an, erscheinen kleine Fragezeichenfelder in verschiedenen Farben (weiß, gelb, rot), die sich auf ein bestimmtes Thema beziehen und - beispielsweise im Falle eines roten Fragezeichens - für die Lösung eines Problems vonnöten sind. Sobald Ihr diese anklickt, geht Kyle in die Vollen und fragt ungeniert nach persönlichen Details. Als Detektiv in spe muss das nun mal sein…

Wichtige Informationen im Spiel häufen sich mit der Zeit, der Überblick geht dadurch relativ schnell verloren. Allerdings dachten die Entwickler hierbei mit und spendierten dem Titel ein internes Notizbuch, in welchem Ihr nach Lust und Laune herumkritzeln dürft. So stoßt Ihr immer wieder mal auf im Hotel verstreute Aufkleber, die eine Zahl auf sich verbucht haben. Unser Rat: Notiert sie Euch alle ;-) ! Zwar ist der Textanteil im Spiel gewaltig, dennoch erwarten Euch das eine oder andere Mal kleinere Minispiel-Einlagen. So löst Ihr beispielsweise ein Puzzle für ein kleines Mädchen namens Melissa oder gebt eine Portion Mehl auf eine schwer leserliche Inschrift eines Füllfederhalters, um diese mit dem Touchpen schrittweise erkennbar zu machen. Häufig findet Ihr Gegenstände wie Werkzeuge, verborgen in abseits befindlichen Schränken, mit welchen Ihr beispielsweise einen Kleiderbügel zu einem Metallstift gerade biegt, um zu einem spätern Zeitpunkt ein spielimmanentes Objekt zu knacken. Welches, wird hier nicht verraten. Seid Ihr genau in Eurer Arbeit und neugierig, entgehen Euch auch die größten Verstecke nicht: Ein Toilettenkasten hat ein Geheimnis verborgen, auch ein Wäschebehälter birgt ein gefährliches Spielzeug. Zu tun gibt es also genug, die Lösung der Rätsel erfordert meist ein wenig Geduld und den Einsatz des Touchpens. Das Zusammenspiel der Spielelemente macht den besonderen Reiz des Titels aus, so dass man sich als Spieler mitten in das Geschehen hineinversetzt fühlt. Für Textadventures jedweder Art ist der Nintendo DS einfach prädestiniert - die Umsetzung des Titels ist vorbildlich in Szene gesetzt worden!

Grafik & Sound....

Grafisch gelingt dem Titel ein Spagat zwischen neuartiger Schwarz-Weiß-Darstellung und gelungener 3D-Perspektive, wobei Letztere an manchen Stellen Schwächen aufweist. So sind viele Texturen sehr schwammig in ihrer Darstellung und wenig ansehnlich, zu Gute halten muss man dem Titel die durchgehend flüssige Darbietung der 3D-Szenen. Der schicke Look der Personen, die entfernt an alte Krimis vergangener Jahrzehnte erinnern, überzeugt und macht das Spiel als solches zu einem Novum im Grafikbereich.

Swingende, spannende und unterhaltsame Melodien begleiten das Geschehen, abhängig von der Brisanz des Gesagten ändert sich die Hintergrundmusik teils deutlich, teils nur im Detail. Im späteren Spielverlauf dürft Ihr Euch alle Melodien auf einer Jukebox zu Gemüte führen - gelungen, wie wir finden! Sprachausgabe gibt es im Übrigen nicht, jedoch sind die Texte hervorragend eingedeutscht und ähnlich umfangreich wie bei Phoenix Wright im Gerichtssaal.

Fazit....

"Hotel Dusk - Room 215" überzeugt auf ganzer Linie. Das Spielgeschehen ist von Anfang an spannend und entfaltet sich erst im Laufe der Zeit. Kleinere Schwächephasen - insbesondere dann, wenn Ihr nicht wisst, was als nächstes zu tun ist - sind gestattet, könnten in einem möglichen Nachfolger aber ausgebessert werden. Es stellt sich als nervenaufreibend heraus, ziellos durch die Zimmer zu irren, nur um eine Person ein zweites Mal anzusprechen, um die Story vorantreiben zu können. Diese gestaltet sich spannend, durch die Vielzahl der Charaktere wird für Abwechslung gesorgt. Kleinere Rätsel garniert mit zugeschnittenen Touchscreen-Einlagen überzeugen und vermitteln einen besonderen Charme im Spiel. Speziell die grandios übersetzten Texte sowie der teils überhebliche Ton des Hauptdarstellers verleihen dem Titel einen eigenen Farbton. "Hotel Dusk - Romm 215" kann - Lesefreudigkeit vorausgesetzt - in wirklich allen Belangen Anklang finden und offenbart sich als umfangreicher, spannender Spielkandidat für einsame Stunden.

 

+ spannende, facettenreiche Story
+ viele Charaktere
+ Einsatz von Touchscreen/Mikro
+ lange Spielzeit (circa 20 Stunden)
+ Umsetzung (DS in Buchform!)
+ überzeugende Technik
+ Notizbuch
- Sackgassen (Wie geht es weiter?)
- sehr viel Text
- insgesamt wenig Rätsel

GRAFIK: 82%

SOUND/EFFEKTE: 80%

MULTIPLAYER: --

GESAMTWERTUNG: 84%

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