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NDS Ace Attorney : Apollo Justice
 
 
Ace Attorney : Apollo Justice - NDS
Kilian Pfeiffer (04.06.2008)

SYSTEM: NDS
PUBLISHER: Capcom
GENRE: Adventure
SPIELER: 1 Spieler
HANDBUCH: Mehrsprachig
SPEICHER: Batterie
1MODUL MP: Nein
SCHWIERIGKEIT: 3-9
SECRETS: Ja
SPRACHHÜRDE: Keine
MIKRO SUPPORT: Ja
ALTERSFREIGABE: K.E.
TERMIN: Erhältlich
VIRTUAL SURROUND: Nein
PREIS: ca.35 Euro
KOMPLETTLÖSUNG: Nein
CHEATS / TIPPS: Nein
LESERMEINUNGEN: Nein

   
Einleitung....

Mit dem vierten Teil der Gerichtssimulation geht „Capcom" erneut auf Kundenfang. Geschickt hat man den dritten Teil der millionenfach verkauften Serie übersprungen, wobei angenommen werden darf, dass dieser auf kurz oder lang auch in Europa das Licht der Welt erblicken dürfte. Dennoch ist und bleibt die Sitzverteilung im Gericht dieselbe wie jeher – ein Angeklagter, der als Beschuldigter vom Strafverteidiger – also Ihr – verteidigt wird und durch dessen Arbeit Beweise und Aussagen widerlegt werden. Gegenüber der Staatsanwalt, dessen Aufgabe es ist, anhand von vielsagenden Beweisen und aussagekräftigen Zeugenstatements den Angeklagten zu beschuldigen. Der Richter als oberster Mann im Saal entscheidet schlussendlich, nach eingängiger Reflexion der vorhandenen Beweise und Aussagen, über das endgültige Urteil. Allerdings seid Ihr dieses Mal nicht mehr als Phoenix Wright unterwegs, sondern als der 22-jährige Apollo Justice, dem bereits sein jetziger Berufsstand mit in den Nachnamen respektive die Wiege gelegt wurde. Aber keine Sorge: Phoenix Wright ist auch mit von der Partie und trägt wesentlich zum Spielgeschehen bei!

Menus und die Story....

Vier großangelegte Fälle gilt es dieses Mal zu lösen, vier Fälle, die einem ansprechend großen Umfang unterliegen, der Euch für viele Stunden vor den Bildschirm fesseln sollte. Denn „Capcoms" Gerichtsserie ist bekannt dafür, dass der Umfang stimmt und wir uns abermals rund 15 Stunden im virtuellen Gerichtssaal tummelten. 15 Stunden voller Spannung, schräger Fälle und ellenlanger Textsequenzen. Erneut müssen wir darauf hinweisen, dass „Ace Attorney – Apollo Justice" ein reines Text-Abenteuer ist. Lest Ihr nicht gerne und seid bereits nach zwei Buchseiten ermattet, raten wir Euch von vorliegendem Titel ab. Ohne zu lesen, kommt Ihr bei Apollo Justice nicht weiter! Denn die Sprache ist immerhin Apollos Handwerkszeug, mit dem er den Angeklagten aus der Bredouille zieht, die Wahrheit zu finden, ist sein großes Ziel.

Auch wenn wir von der Story nichts vorweg nehmen wollen, sei so viel gesagt: Apollo Justice ist der neue Protagonist des Titels, an seiner Seite hat er die 15-jährige Trucy, eine Zauberin, die in gewisser Weise eng verbunden ist mit den vorherigen Teilen der Serie. Trucy ist Phoenix Wrights Tochter und dass der einstmals hochgeschätzte Strafverteidiger nun selbst vor Gericht steht, ist Anlass für die erste Episode des Nintendo DS-Abenteuers.

Technik und Gameplay....

Im Vergleich zu den letzten zwei Software-Episoden hat sich im Grunde nicht viel Wesentliches ereignet. Da das Spielprinzip bislang immer erfolgversprechend war und sich die Titel im Gesamten rund drei Millionen Mal weltweit verkaufen konnten, hat „Capcom" kaum Anlass, Grundlegendes abzuändern. Nur im Detail gibt es Neuigkeiten zu vermelden, dafür wurde beispielsweise die Macht von „Magatama" aus der letzten Episode wieder entfernt. Auch wenn wir im Großen und Ganzen weiterhin äußerst zufrieden sind mit der durchgeknallt-spannenden Gerichtssimulation, gibt es einen Kritikpunkt, der uns sauer aufstoßen lässt – die Fälle werden von Mal zu Mal abgedrehter, irrwitziger und damit in gewissen Momenten auch kaum mehr nachvollziehbar. Nicht dass Ihr uns falsch versteht: Es handelt sich hierbei nur um bestimmte Momente, beispielsweise dann wenn die Informations- und Beweisdichte so überhand nicht, dass ein klarer Durchblick einfach nicht mehr möglich ist. Auch hinsichtlich der ersonnenen Charaktere haben sich die Entwickler wieder mal kräftig am kreativen Phantasie-Nähkästchen bedient. Da wirkt es schon komisch, wenn Trucy als Zauberin mal eben während der Gerichtsverhandlung einen scheinbaren Entführer aus ihrem Zylinder zaubert.

An Spannung büßt der Titel aber kaum etwas ein, denn noch immer glänzen die Kapitel durch eine äußerst dicht angesiedelte Atmosphäre, die sich bereits während der Ermittlungen einstellt. Wie ist der „NOODLE"-Stand beispielsweise mit dem Tod eines Klinikbetreibers in Einklang zu bringen und was hat das 19-jährige Clan-Mitglied mit der Sache auf sich? Zusammenhänge, die Apollo nur in Gesprächen und Ermittlungen ans Tageslicht führt. Dazu macht er sich auf den Weg, besucht die einzelnen Örtlichkeiten, die maßgeblich für die Aufklärung des Falles sind und untersucht die Umgebung nach Hinweisen: Ein Mord in einem zwielichtigen Hinterzimmer soll aufgeklärt werden, doch dazu muss der Schauplatz des Verbrechens äußerst spitzfindig unter die Lupe genommen werden. Die chaotisch am Boden verteilten Karten wollen genauestens begutachtet, das Opfer auf Auffälligkeiten hin „durchleuchtet" werden. Selbstredend, dass sich Apollo auch mit allerlei undurchsichtigen Typen unterhalten muss, die anfangs kaum den Mund aufkriegen, dann aber doch interessante Hinweise liefern. Diverse Tatgegenstände, Autopsieberichte und weiterführende Beweise müssen einzelnen Charakteren vorgelegt werden, um im Gespräch Neuigkeiten und Hinweise auf das begangene Verbrechen zu erhalten.

Dass Ihr andauernd mit langen Textmassen konfrontiert seid, liegt im Ursprung der Serie, dies verläuft während der Ermittlungsarbeit ähnlich wie dann im Gerichtssaal. Stichelnd provoziert Euch der Staatsanwalt in wortgewaltiger Weise, auch der Richter weiß dem Strafverteidiger zuzusetzen. Die Hauptarbeit fällt allerdings während der Verhandlungstage an. Dort werden dann alle Beweise zusammengetragen, Zeugen sagen zum Fall aus und werden im Kreuzverhör von Apollo zerlegt. Es gilt Unwahrheiten aufzudecken, mit Beweisen Falschaussagen zu offenbaren und somit den Angeklagten aus der misslichen Lage zu befreien – Apollos Ziel ist es, seinen Mandanten unschuldig aus dem Saal zu entlassen. Auch, wenn es anfangs oftmals nicht danach aussieht. Wichtig, um seine Standpunkte gut vertreten zu können, ist eine ausreichende, möglichst perfekte Vorarbeit. Dazu gehört, dass Objekte in einer 3D-Sicht per Rotation nach Auffälligkeiten hin untersucht, aber auch, dass wissenschaftliche Ermittlungen durchgeführt werden. So dürft Ihr DS-exklusive Spielereien über den Touchscreen initiieren, beispielsweise Schuhabdrücke mit Gips füllen und diese dann mit einem Haartrockner aushärten. Das spannendste Merkmal des Gameplays ist allerdings das Kreuzverhör und damit verbunden die „Sehen"-Fähigkeit von Apollo. Während der Kreuzverhöre untersucht Ihr als Strafverteidiger einzelne Aussagen der Zeugen hin auf Ungereimtheiten und legt im richtigen Augenblick einen Einspruch ein. Dies dürft Ihr übrigens auch über die Spracherkennung des Nintendo DS versuchen – allerdings finden wir dies nur wenig motivierend, hin und wieder „Einspruch!" in den Gerichtssaal zu werfen. Bestraft kann allerdings auch Apollo werden – wenn er falsche Beweise liefert, fällt die Lebensanzeige, welche die Geduld des Richters repräsentiert. Dessen ungeachtet existieren des Öfteren Situationen, die scheinbar nicht zu durchschauen sind. Allerdings beherrscht Apollo die Fähigkeit, mithilfe seines Armbandes Ticks des Zeugen zu durchschauen. Befindet sich dieser in einer ihm unangenehmen Lage, da er beispielsweise lügt, offenbart sich das in einer nervösen Geste, die Apollo in einer verlangsamten Retrospektive der Aussage entdecken muss. Ertappt er die Geste des Zeugen, indem Ihr den gewissen Körperbereich erkennt, seid Ihr bereits ein ganzes Stück weiter. Nun gilt es nur noch, die Lüge dem Richter zu präsentieren. Mal sehen, ob dies für einen Unschuldsspruch des Angeklagten ausreicht...

Grafik & Sound....

Grafisch hat sich im Vergleich zu den Vorgängern kaum etwas getan. Die comicartigen Charaktere sowie die Standbildgrafiken dominieren noch immer das Bild des offiziell vierten Teils der Erfolgsserie. Was neu ist, sind die nachgestellten Tatortsequenzen, die in 3D-animierter Weise über den Bildschirm laufen. Das war‘s dann aber auch schon mit den Neuigkeiten im Optik-Bereich.

In Bezug auf die Sound-Komponente kann man ebenfalls altbewährten „Capcom"-Sound vermelden. In vielerlei Hinsicht bietet „Ace Attorney – Apollo Justice" genau dieselben Musikstücke. Diese passen hervorragend zum Geschehen, wobei wir uns nichtsdestotrotz zusätzlich ein wenig Abwechslung gewünscht hätten. Sprachausgabe gibt es keine, eine Ausnahme sind die Ausrufe „Moment mal!" und „Einspruch!".

Fazit....

Auch weiterhin ist die Gerichtsserie von „Capcom" ein eindeutiger Kauftipp, den Ihr Euch nicht entgehen lassen solltet, sofern Ihr auf textlastige Adventures steht. Spannend bis zum Schluss, tritt auch Apollo Justice in die Latschen von Phoenix Wright – und dies in außerordentlich gelungener Weise. Insbesondere die innovative „Sehen"-Fertigkeit ist ein spannend und abwechslungsreich inszeniertes Faszinosum, das in der Realität im Berufsstand wohl nicht existiert. Auch wenn die Serie niemals den Breitengeschmack treffen wird, sollten wir uns froh schätzen, eine derart geniale Reihe hierzulande spielen zu dürfen. Trotz teils konfuser Episoden!

 

+ vier umfangreiche Fälle
+ neue „Sehen"-Fähigkeit
+ spannend inszeniert
+ bissige Kommentare
+ detektivische Ermittlungsphase
- sehr viel Text für Lesemuffel
- teils konfuse Zusammenhänge
- technisch kaum Veränderungen

GRAFIK: 69%

SOUND/EFFEKTE: 74%

MULTIPLAYER: --

GESAMTWERTUNG: 84%

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